Dysmelie-Treffen zeigt Vielfalt moderner Versorgungen
Das fünfte Dysmelie-Treffen in Lünen bot Raum für Begegnung, Austausch und praxisnahe Einblicke.
WeiterlesenDas fünfte Dysmelie-Treffen in Lünen bot Raum für Begegnung, Austausch und praxisnahe Einblicke.
WeiterlesenEin Versorgungsbeispiel zeigt, wie eine myoelektrische Prothese und 3D-gedruckte Hilfen einer fünfjährigen Patientin mit Dysmelie mehr Selbstständigkeit im Alltag und bei Freizeitaktivitäten ermöglichen.
M. J. Horter, C. Kramer, R. Küpers, U. Hafkemeyer, M. Siebels, A. Wohlatz
Dysmelien sind nicht seltene, angeborene Hemmungsmissbildungen, die in sehr unterschiedlichen Ausprägungen auftreten können. Sie können die obere oder die untere Extremität betreffen und ggf. mit weiteren körperlichen oder geistigen Erkrankungen gepaart sein. Zum Ausgleich der dadurch entstehenden Einschränkungen benötigt es eine individuelle Förderung (z. B. Physiotherapie und Ergotherapie) und eine Hilfsmittelversorgung. Dies umfasst Orthesen, Orthoprothesen und Alltagshilfsmittel und stellt insbesondere bei Kindern eine hoch individuelle orthopädietechnische Herausforderung dar.
B. Vogt1, G Toporowski1, 2, G. Gosheger2, A. Laufer1, 2, A. Rachbauer1, 2, H. Tretow1, R. Roedl1, A. Frommer1, 2
Longitudinale Reduktionsdefekte der unteren Extremität zählen zu den seltenen angeborenen Fehlbildungen mit komplexen anatomischen und funktionellen Herausforderungen. Der vorliegende Beitrag beschreibt die pathoanatomischen Grundlagen und Einteilungsmöglichkeiten dieser Fehlbildungen sowie etablierte diagnostische Algorithmen und therapeutische Strategien. Im Zentrum steht die orthopädietechnische Versorgung, die in ein interdisziplinäres Therapiekonzept eingebettet ist und individuell an das Wachstum und die funktionelle Entwicklung des Kindes angepasst werden muss. Ziel der Behandlung ist eine altersgerechte Mobilität bei minimaler Invasivität und maximaler Funktionalität. Erste Ergebnisse einer eigenen Befragung zur Lebensqualität zeigen, dass sowohl konservative als auch operative Behandlungsstrategien vergleichbar gute Ergebnisse liefern können. Neue Entwicklungen wie motorisierte Verlängerungsmarknägel, mikroprozessorgesteuerte Prothesen und 3D-Planungstechnologien erweitern die Versorgungsmöglichkeiten und bieten vielversprechende Perspektiven für die Zukunft.
MPK im Fokus: Seit Geburt an ist Yannic auf eine Hilfsmittelversorgung angewiesen. Lange Jahre hatte er Probleme, die passende prothetische Versorgung zu finden. Erst eine Amputation, seine Ausbildung und die intensive Betreuung durch Benjamin Born brachten die Wende. Mit einem neuen Hightech-Kniegelenk genießt der junge Mann nun das Leben.
Eine maßgefertigte Prothese ermöglicht einer vierjährigen Patientin mit Dysmelie ein aktives Leben – dank innovativem Liner, kindgerechtem Design und viel handwerklichem Feingefühl.
M. Schäfer, T. Wetzelsperger, S. Kunz, E. Laassidi, M. Hehmann, K. Laassidi
Die prothetische Versorgung der kindlichen oberen Extremität ist in den seltensten Fällen auf einen klassischen Amputationshintergrund zurückzuführen. Zwar treten auch hier traumatisch bedingte Amputationen wie z. B. in Folge landwirtschaftlicher oder verkehrsbedingter Unfälle oder Amputationen nach Tumorerkrankungen auf, den dominanten Anteil der Versorgungsindikationen an der kindlichen oberen Extremität nehmen jedoch jene Fälle ein, in denen Kindern aufgrund angeborener Fehlbildungen Finger, die Hand, der Unterarm oder sogar der ganze Arm fehlt. Nicht selten kommt es im Zuge von ersten prothetischen Versorgungen zu einem ablehnenden Verhalten der Kinder. Dieses ist einerseits auf den Umstand zurückzuführen, dass bei diesem Krankheitsbild der Körper von Geburt an kortikal so angelegt ist, wie er ist, und die Kinder eine fehlende Hand nicht vermissen, zum anderen wurde der erstprothetischen Versorgung von Kindern mit angeborenen Fehlbildungen keine ausreichende Aufmerksamkeit im Hinblick auf die regelhafte motorische Entwicklung eines Kindes zuteil. Die bis dato zumeist zum Einsatz kommenden passiven Erstprothesenversorgungen – früher Patschhände genannt – bieten keine wirklich spürbare und effiziente Unterstützung und somit auch keinen tatsächlichen Mehrwert in dieser frühen Versorgungsphase des kindlichen Alltages. Basierend auf dieser Erkenntnis wurde ein neuartiges System zur erstprothetischen Versorgung von Kindern mit angeborenen Fehlbildungen entwickelt.
A. Horsch, M. Alimusaj, C. Putz
Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen Amputationen im Kindes- und im Erwachsenenalter – auch hinsichtlich der Nachbehandlung: Unabhängig davon, ob es sich um einen angeborenen oder erworbenen Gliedmaßendefekt handelt, steht man bei Heranwachsenden sowohl beim operativen Vorgehen als auch bei der Prothesenversorgung vor besonderen Herausforderungen. Dazu zählen das noch nicht abgeschlossene Skelettwachstum, das die Schaffung eines stabilen, endbelastbaren Stumpfes erschwert, sowie die hohen funktionellen Ansprüche an die Prothese. Die Fortschritte bei der Prothesenversorgung, insbesondere für die untere Extremität, haben die Eigenständigkeit von Menschen mit Amputation erheblich verbessert. Das gilt auch für Kinder. Die Voraussetzung für eine gut sitzende Prothese und ein zufriedenstellendes funktionelles Ergebnis ist jedoch ein stabiler Stumpf. Daher ist es von größter Bedeutung, dass Chirurgen bei Amputationen im frühen Alter die Folgen des angewandten Verfahrens berücksichtigen, um im interdisziplinären Team das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Die richtige Therapie zum richtigen Zeitpunkt spielt somit eine entscheidende Rolle und hat großen Einfluss auf die Lebensqualität der kleinen Patienten. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die korrekte Anwendung einiger grundlegender Amputationsprinzipien, wie sie im folgenden Artikel – unter anderem anhand zweier Fallbeispiele – vorgestellt werden, sowie ein individueller Behandlungsplan, gefolgt von einer engmaschigen interdisziplinären Nachbehandlung, in der Regel zu guten funktionellen Ergebnissen führen und einem Kind mit Amputation eine weitreichende Teilhabe ermöglichen.
F. Kastrup
Die Betreuung junger Patienten mit angeborenen Fehlbildungen und ihrer Eltern bedarf der adäquaten Zusammenarbeit eines erfahrenen interdisziplinären Kompetenzteams. Aus orthopädietechnischer Sicht erfordert die in solchen Fällen notwendige Kombination aus Orthetik und Prothetik umfangreiches Fachwissen und Erfahrung in beiden Bereichen. Richtlinien zur Anfertigung einer Orthoprothese sind nur schwer zu erstellen, da die Fälle angesichts der anatomischen Abweichungen häufig nicht vergleichbar sind und allgemein nur einen geringen Anteil im Alltagsgeschäft ausmachen. Der Artikel stellt Kriterien vor, um eine geeignete Versorgungsplanung für ähnliche Fälle zu unterstützen und die Versorgungsqualität zu erhöhen.
J. Steil
Die Versorgung von Kindern mit angeborenen Fehlbildungen stellt für alle Beteiligten des Rehabilitationsteams eine besondere Herausforderung dar. Den Bedürfnissen des Kindes sollte in allen Fällen die größte Beachtung geschenkt werden. Kinder, die mit einer Fehlbildung auf die Welt kommen, haben in ihrem Körperbild keine fehlende Extremität, sondern eine Extremität, die anders als gewöhnlich ausgebildet ist. Die Verunsicherung der Eltern dieser Kinder ist nach der Geburt besonders hoch, weil es sehr unterschiedliche Meinungen darüber gibt, was und wann etwas zu tun ist. Die Frage „Was kann mein Kind mit seiner Fehlbildung erreichen, und wo sind seine Grenzen?“ bereitet häufig große Sorgen. Nach Meinung des Verfassers lassen sich all diese Fragen nicht pauschal beantworten. Die Erfahrung zeigt aber, dass man – unabhängig vom Zeitpunkt des Beginns einer Versorgung – die Akzeptanz eines Patienten für ein Hilfsmittel nur gewinnen kann, wenn er darin einen Vorteil für seinen Alltag erkennt. Um ein Hilfsmittel in den Alltag eines Kindes zu integrieren, ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Kind, den Familien, den Therapeuten, Ärzten, Erziehern, Lehrern und Technikern notwendig. Die Prothesenversorgung ist als Angebot für das Kind zu verstehen, weshalb eine ausgedehnte Testphase für den kleinen Patienten unbedingt erforderlich ist.