Orthesenversorgung bei Arthrogrypose im Säuglings- und Kindesalter
Nicole Ewers, Maren Schelly
Die Arthrogrypose ist ein Symptombild, das bei mehr als 300 Krankheitsbildern gefunden wird. Diese Krankheitsbilder zeigen sich durch angeborene, nicht progressive Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit bis hin zur Gelenksteife, bedingt durch fehlende, veränderte und/oder unterentwickelte Muskulatur. Aktive Bewegungen, die für die Gelenkformung notwendig sind, können nur bedingt oder gar nicht durchgeführt werden. Die Kinder kommen mit Fehlstellungen der Schultern, Arme und Hände und oft auch der Hüften, Beine und Füße auf die Welt [1].
Bei der orthopädischen Hilfsmittelversorgung von Kindern mit Arthrogryposis liegt der Fokus häufig primär auf den unteren Gliedmaßen, während die oberen Extremitäten funktionell noch intensiver einbezogen werden sollten. Die Selbstständigkeit bei Toilettengang, Körperhygiene, An- und Auskleiden sowie die autarke Nahrungsaufnahme scheinen im frühen Kindesalter eine untergeordnete Rolle zu spielen und werden daher zu wenig thematisiert. Doch im Kindes- und Jugendalter wird der Wunsch nach Selbstständigkeit immer größer. Dafür sind die Hände und ihre Funktionalität unerlässlich.
Je früher die Hände konservativ durch manuelle Therapie und Orthesen behandelt werden, desto kräftiger und präziser wird deren Funktionalität. Das frühe Kindesalter ist durch schnelles Wachstum und das noch weiche elastische Gewebe gekennzeichnet und gibt uns die Möglichkeit, wachstumslenkend zu behandeln. Wir beginnen bereits ab dem 6. Lebensmonat mit Orthesen, die nachts getragen werden.
In vielen Fällen werden Operationen durch die frühe konservative Therapie vermieden und die Funktionalität und Kraftumwandlung der Hände bzw. der oberen Extremitäten erheblich verbessert. Wenn Operationen dennoch nötig sind, bietet das vorbehandelte Gewebe den Chirurgen optimale Voraussetzungen und reduziert in vielen Fällen die Komplexität und Größe des chirurgischen Eingriffs.















