Sko­lio­se: Orthe­sen­the­ra­pie ist mehr als nur Hilfsmittelabgabe

Laut dem Deut­schen Sko­lio­se Netz­werk lei­den etwa drei bis fünf Pro­zent der Bevöl­ke­rung in Deutsch­land an Sko­lio­se. Mäd­chen sei­en sie­ben Mal so häu­fig betrof­fen wie Jun­gen. Ein Zusam­men­spiel aus Rumpf­ort­he­tik und Phy­sio­the­ra­pie stellt die klas­si­sche, kon­ser­va­ti­ve The­ra­pie von Sko­lio­se bei Kin­dern und Jugend­li­chen dar. Seit mehr als 20 Jah­ren ver­sorgt Ortho­pä­die­tech­nik-Meis­ter (OTM) Jan Jur­koweit vom Sani­täts­haus Storch und Bel­ler Skoliose-Patient:innen. Im Gespräch mit der OT-Redak­ti­on erklärt der Spe­zia­list für Rumpf­ort­he­tik, war­um er für sein Fach brennt, neu­er­dings auf You­tube soge­nann­te Sko­lio­se-Talks durch­führt und was sich hin­ter dem Begriff Orthe­sen­the­ra­pie verbirgt. 

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Dop­pel­scha­len­kor­sett zur Kor­rek­tur von Wir­bel­säu­len­de­for­mi­tä­ten bei nicht geh­fä­hi­gen Pati­en­ten mit Zerebralparese

A. Boss­hard, M. Nadar­a­ja­lingam, S. Kel­ler, R. Brun­ner, C. Cama­thi­as, E. Rutz
Die all­ge­mein aner­kann­te Inzi­denz von Sko­lio­se bei Zere­bral­pa­re­se (CP) beträgt 20 bis 25 % und steht in direk­tem Zusam­men­hang mit dem 5‑stufigen Klas­si­fi­zie­rungs­sys­tem „Gross Motor Func­tion Clas­si­fi­ca­ti­on Sys­tem“ (GMFCS). Eine Behand­lungs­mög­lich­keit für neu­ro­ge­ne Sko­lio­sen ist das Dop­pel­scha­len­kor­sett. Ziel der hier vor­ge­stell­ten Stu­die war es, den erziel­ten Kor­rek­tur­grad der Sko­lio­se bei Ver­wen­dung drei­er ver­schie­de­ner Abdruck­tech­ni­ken für die Kor­sett­ver­sor­gung zu ermitteln.

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Über­le­gen­heit modu­la­rer Lum­bal­orthe­sen mit Mobi­li­sie­rungs­funk­ti­on bei Lum­b­al­gie und Lum­bo­i­s­chi­al­gie gegen­über äqui­va­len­ten ein­stu­fi­gen Orthe­sen ‑Eine pro­spek­ti­ve ran­do­mi­sier­te Stu­die mit 230 Patienten

C. Schott
Lum­bal­orthe­sen sind zwar effek­tiv und wur­den gut unter­sucht, aber sie kön­nen bei Hei­lungs­fort­schrit­ten zu einer Über­be­hand­lung füh­ren; zudem kann ein plötz­li­ches Ent­fer­nen der Orthe­se tem­po­rär die Schmerz­in­ten­si­tät durch zu frü­he Über­be­an­spru­chung erhö­hen. Moder­ne Orthe­sen mit modu­la­rer Abschu­lungs­funk­ti­on sol­len dem ent­ge­gen­wir­ken, indem die Orthe­se suk­zes­si­ve abge­baut wird. Der fol­gen­de Arti­kel stellt die Ergeb­nis­se einer pro­spek­ti­ven ran­do­mi­sier­ten Stu­die mit sechs Unter­su­chungs­grup­pen (drei Lum­bal­orthe­sen­ty­pen mit Abschu­lung und drei äqui­va­len­te Lum­bal­orthe­sen­ty­pen ohne Abschu­lung) vor. Die Stu­die unter­sucht die Wirk­sam­keit der Orthe­sen bei Lum­b­al­gien und Lum­bo­i­s­chi­al­gien und ver­gleicht dabei die modu­la­re Abbau­wei­se im Krank­heits­ver­lauf mit dem klas­si­schen Tra­gen der Orthe­sen­sys­te­me über einen bestimm­ten Zeit­raum. Die Ergeb­nis­se bele­gen, dass Wir­bel­säu­len­orthe­sen bei Lum­b­al­gie und Lum­bo­i­s­chi­al­gie wäh­rend des Tra­gens der Orthe­se bei allen Akti­vi­tä­ten eine erheb­li­che Schmerz­re­duk­ti­on bewir­ken. Zudem wei­sen modu­la­re Orthe­sen bei the­ra­peu­tisch kor­rek­ter Abschu­lung im Ver­gleich zum kon­ven­tio­nel­len Abset­zen des Hilfs­mit­tels ohne Abschu­lung eine Über­le­gen­heit auf.

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Die Aus­wir­kun­gen einer Becken­kom­pressionsorthese auf das Gleich­ge­wichts­ver­mö­gen bei Pati­en­ten mit chro­ni­schen Schmer­zen im Bereich des Iliosakralgelenks

F. Sich­t­ing, Ch. Bütt­ner
Pati­en­ten mit Schmer­zen im Bereich des Ilio­sa­kral­ge­lenks (ISG) lei­den oft­mals auch unter Stö­run­gen des Gleich­ge­wichts, wofür eine ver­än­der­te sen­so­mo­to­ri­sche Kontrolle­ ver­ant­wort­lich gemacht wird. Ein kon­ser­va­ti­ver The­ra­pie­an­satz ist die Becken­kom­pres­si­ons­orthe­se, wel­che die Becken­struk­tu­ren sta­bi­li­sie­ren sowie ent­las­ten soll und zudem die moto­ri­sche Kon­trol­le beein­flusst. Vor die­sem Hin­ter­grund wur­de die Aus­wir­kung einer Becken­orthe­se auf das Gleich­ge­wicht von ISG-Pati­en­ten unter­sucht. Die Ergeb­nis­se zei­gen eine Min­de­rung der Center-of-Pressure-(CoP-)Strecke um 7,9 %, was für eine ver­bes­ser­te Gleich­ge­wichts­fä­hig­keit durch das Tagen der Orthe­se spricht. Die Wir­kung der Beckenkompressions­orthese ist damit ein Indiz für die Unter­stüt­zung des sen­so­mo­to­ri­schen Theoriemodells.

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Geziel­te The­ra­pie lum­ba­ler ­Spi­nal­ka­nals­teno­sen mit ­einer ­Wir­bel­säu­len­orthe­se. Eine pro­spek­ti­ve ran­do­mi­sier­te Studie

K. J. Schna­ke, A. Seeger
Die Wir­kun­gen von Orthe­sen bei der Behand­lung von Pati­en­ten mit aku­ten oder chro­ni­schen Rücken­schmer­zen wer­den kon­tro­vers beur­teilt. Die hier vor­ge­stell­te pro­spek­ti­ve ran­do­mi­sier­te Stu­die unter­sucht die Wir­kun­gen der dyna­mi­schen lum­ba­len Fle­xi­ons­orthe­se „Dyne­va“. Dabei han­delt es sich um eine spe­zi­ell für Spi­nal­ka­nals­teno­sen ent­wi­ckel­te dyna­mi­sche Rücken­orthe­se, deren Beson­der­heit in einem neu­ar­ti­gen Feder­me­cha­nis­mus besteht. Die Stu­die kommt zu dem Ergeb­nis, dass das Tra­gen der Orthe­se zu einer Reduk­ti­on von Rücken­schmer­zen, zu Ver­bes­se­run­gen bei all­tags­re­le­van­ten Bewe­gun­gen und zu einer Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät führt. 

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Das Nemus-Kor­sett — Ein Kon­zept zur Ver­sor­gung der neu­ro­mus­ku­lä­ren Skoliose

M. Pfrom­mer
So unter­schied­lich die jewei­li­ge Ent­ste­hung der idio­pa­thi­schen und der neu­ro­mus­ku­lä­ren Sko­lio­se ist, so unter­schied­lich sind die Kli­en­tel, das Krank­heits­bild und das sozia­le Umfeld. Genau­so unter­schied­lich soll­te auch das Behand­lungs­kon­zept beim jewei­li­gen Krank­heits­bild sein. Ver­su­che, die neu­ro­mus­ku­lä­re Sko­lio­se mit Mie­dern oder mit Kor­set­ten aus Pols­ter­ma­te­ri­al zu ver­sor­gen, sind stets an der Sta­bi­li­tät geschei­tert. Gepols­ter­te Kunst­stoff­kor­set­te sind auf­grund ihrer wär­me­däm­men­den Eigen­schaf­ten und ihrer Mate­ri­al­di­cke unge­eig­net. Auch Dero­ta­ti­ons­kor­set­te haben, wie alle Kunst­stoff­kor­set­te, den Nach­teil, dass sie sehr rigi­de sind und sich des­halb nur schwer anzie­hen las­sen. Meist sind dazu meh­re­re Per­so­nen nötig, was in der täg­li­chen Pra­xis nicht umzu­set­zen ist.

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Zur Bedeu­tung von Rücken­orthe­sen in der Osteoporose-Therapie

M. Pfei­fer
Star­re 3‑Punkt-Orthe­sen füh­ren nicht nur zu einer kom­plet­ten Ruhig­stel­lung des Rump­fes, son­dern schrän­ken ange­sichts der ver­min­der­ten Beweg­lich­keit des Brust­korbs auch die Lun­gen­funk­ti­on von Pati­en­ten mit mul­ti­plen Wir­bel­kör­per­frak­tu­ren auf­grund einer Osteo­po­ro­se ein. Dies ist häu­fig mit einer redu­zier­ten Com­pli­an­ce ver­knüpft. Im Gegen­satz dazu kön­nen fle­xi­ble, an die indi­vi­du­el­le Form der Wir­bel­säu­le ange­pass­te Orthe­sen über einen soge­nann­ten Bio­feed­back-Mecha­nis­mus zu einer Kraft­zu­nah­me im Bereich der Rumpf­mus­ku­la­tur füh­ren und dadurch die Leis­tungs­fä­hig­keit im All­tag erheb­lich erhö­hen, ver­bun­den mit einer Schmerz­re­duk­ti­on. Dar­über hin­aus kann im Ver­lauf einer Tra­ge­zeit von 6 bis 12 Mona­ten durch eine Kräf­ti­gung der Rücken­stre­cker eine auf­rech­te­re Hal­tung mit ver­bes­ser­tem Stand­gleich­ge­wicht erreicht wer­den, mög­li­cher­wei­se auch eine Ver­rin­ge­rung der Sturz- und Frak­tur­ra­te. Bei tho­ra­ko­lum­ba­len Orthe­sen muss ein Aus­gleich zwi­schen Aus­se­hen, Funk­ti­on und Sta­bi­li­tät geschaf­fen wer­den. Nur dadurch wer­den sie getra­gen und kön­nen ihre Wir­kung – auch im Sin­ne einer ver­bes­ser­ten Lebens­qua­li­tät – entfalten.

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Die kon­ser­va­ti­ve The­ra­pie der neu­ro­ge­nen Sko­lio­se aus Sicht der Tech­ni­schen Orthopädie

B. Flü­gel, C. Weichold, M. Ali­mus­aj
Auf­grund neu­ro­mus­ku­lä­rer Grund­er­kran­kun­gen und der damit ein­her­ge­hen­den mus­ku­lä­ren Imba­lan­ce kommt es häu­fig auch zu Ver­än­de­run­gen des Hal­tungs- und Bewe­gungs­ap­pa­ra­tes im Bereich des Rump­fes. In der nach­fol­gen­den Kor­sett­ver­sor­gung ste­hen dem Ortho­pä­die-Tech­ni­ker viel­fäl­ti­ge Ver­sor­gungs­mög­lich­kei­ten offen, um den Ver­än­de­run­gen der Wir­bel­säu­le zu begeg­nen. Die Aus­wahl wird neben der grund­sätz­li­chen Indi­ka­ti­on auch durch die am Ver­sor­gungs­pro­zess betei­lig­ten Per­so­nen­grup­pen beein­flusst und stellt bei Pati­en­ten mit einer neu­ro­mus­ku­lä­ren Grund­er­kran­kung eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung dar. Nur durch im Vor­feld klar defi­nier­te Zie­le kön­nen am Ende die Effek­ti­vi­tät und der Erfolg des Hilfs­mit­tels sicher­ge­stellt wer­den. Zudem sind auch das regel­mä­ßi­ge Hin­ter­fra­gen der Ver­sor­gung und gege­be­nen­falls ent­spre­chen­de Anpas­sun­gen unab­ding­ba­re Kom­po­nen­ten einer erfolg­rei­chen Ver­sor­gung, da es im Lau­fe der Zeit immer wie­der zu Ver­än­de­run­gen intrinsi­scher und extrinsi­scher Natur kom­men kann.

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Der Ein­fluss einer dyna­mi­schen Lum­bal­fle­xi­ons­orthe­se auf Rücken­schmerz und schmerz­freie Geh­stre­cke — Ergeb­nis­se einer pro­spek­ti­ven kli­ni­schen Beobachtungsstudie

M. Lang, K. J. Schna­ke, I. V. Rem­bitz­ki, K. Lidolt, M. Voll­brecht, K. Wag­ner, C. Lie­bau
An zwei Kli­ni­ken wur­de eine Beob­ach­tungs­stu­die mit 31 Pati­en­ten mit lum­ba­len Rücken­schmer­zen durch­ge­führt. Die Pati­en­ten erhiel­ten für vier Wochen eine dyna­mi­sche Rücken­lum­bal­orthe­se (Dyne­va, Otto Bock Health-Care GmbH), wobei davor und danach kli­ni­sche Para­me­ter erfasst wur­den. Alle Pati­en­ten waren mit der Orthe­se zufrie­den, und 76 % beur­teil­ten die erziel­te Sta­bi­li­tät als gut oder sehr gut. Die Tra­ge­dau­er vari­ier­te stark, lag aber durch­schnitt­lich bei zwei bis vier Stun­den täg­lich. Die Rücken­schmer­zen ver­bes­ser­ten sich signi­fi­kant um 1,2 Punk­te auf der NAS. Die schmerz­freie Geh­stre­cke erhöh­te sich signi­fi­kant um 700 Meter. Die Rücken­orthe­se kann als sinn­vol­le Erwei­te­rung der Palet­te an The­ra­pie­mög­lich­kei­ten für Pati­en­ten mit lum­ba­len Rücken­be­schwer­den und ein­ge­schränk­ter Geh­stre­cke gese­hen werden.

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Das TLI-Kon­zept zur dyna­mi­schen Kor­rek­tur von Wir­bel­säu­len­de­for­mi­tä­ten im Wachs­tum — Hin­ter­grund, Tech­nik und Ergeb­nis­se der tho­ra­ko­lum­ba­len Lordosierungsintervention

P. J. M. van Loon, R. H. G. P. van Erve, P. de Jager
Ent­ge­gen der heu­te übli­chen Sicht­wei­se ist die Ent­wick­lung von Wir­bel­säu­len­de­for­mi­tä­ten wie Sko­lio­se oder Kypho­se im Wachs­tums­al­ter meist nicht „idio­pa­thisch“, son­dern abhän­gig von der Belas­tung der Wir­bel­säu­le und dem Ver­hält­nis von neu­ro­na­lem zu ossä­rem Wachs­tum. Der Arti­kel beschreibt das Kon­zept der tho­ra­ko­lum­ba­len Lordo­sie­rungs­in­ter­ven­ti­on (TLI) von der Pati­en­ten­un­ter­su­chung über die Anfer­ti­gung der Orthe­se bis zur Kon­trol­le und Nach­sor­ge. Die Wirk­sam­keit wird anhand zwei­er Stu­di­en mit 40 bzw. 91 Kin­dern mit Sko­lio­se und/oder Kypho­se belegt.

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