Com­pli­ance als Pro­gno­se­fak­tor bei der kon­ser­va­ti­ven Behand­lung der idio­pa­thi­schen Skoliose

F. Landauer
Um bei der Korsettbehandlung der idiopathischen Skoliose eine adäquate Prognose zu erstellen, genügt es nicht, die Tragedauer eines Korsetts als alleinigen Gradmesser für die Patientencompliance – also die aktive Mitwirkung des Patienten an der Therapie – zu betrachten. Vielmehr muss der Begriff der Compliance auf alle beteiligten Berufsgruppen ausgedehnt werden. Die Ergebnisse der hier vorgestellten Untersuchung zeigen, dass auch die Literatur zum Thema Compliance von äußeren Faktoren beeinflusst wird: Zwischen 1990 und 2000, dem Jahrzehnt mit der stärksten Ablehnung der Korsettbehandlung, war auch die Anzahl der einschlägigen Studien auf einem Tiefpunkt angelangt. Erst mit der Beweisführung bezüglich der Effektivität der Korsett-Therapie durch Nachemson et al. im Jahr 1997 und durch die prospektiv-randomisierte Studie von Weinstein et al. im Jahr 2013 wurden die Voraussetzungen geschaffen, eine Patientencompliance für die Korsettbehandlung nach wissenschaftlichen Kriterien zu fordern. In diesem Zusammenhang zeigen Studien eine realistische tägliche Korsett-Tragedauer von 16 bis 18 Stunden. Die Compliance der beteiligten Berufsgruppen – verstanden als ein auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierendes Handeln im Sinne einer evidenzbasierten Medizin (EBM) – ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Aspekt. Aber auch bei der Diagnostik besteht weiterhin Handlungsbedarf. Denn eine Abgrenzung der idiopathischen Skoliose von nicht-idiopathischen Ursachen ist für den Behandlungsverlauf entscheidend. Auch eine verspätete Diagnostik und damit ein verzögerter Therapiebeginn können durch eine noch so hohe Compliance der Patienten nicht mehr aufgeholt werden. Die Primärkorrektur im Korsett hat sich als Gradmesser für die handwerkliche Qualität etabliert und ist gleichzeitig ein wichtiger Motivator für die Patienten. Der adäquate Zeitpunkt des Korsettabbaus und die Langzeitergebnisse der Skoliosetherapie sind hingegen noch wenig erforscht. Insbesondere die physiotherapeutischen Maßnahmen im Rahmen einer konservativen Skoliosebehandlung werden aktuell einer wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen. Im Gegensatz dazu sind die operativen Verfahren wissenschaftlich ausführlich aufgearbeitet.

Ein­lei­tung

Dem Arti­kel liegt die Hypo­the­se zugrun­de, dass für ein adäqua­tes Behand­lungs­er­geb­nis bei einer Sko­lio­se nicht nur die Pati­en­ten ver­ant­wort­lich sind. Viel­mehr sind alle an der Behand­lung betei­lig­ten Berufs­grup­pen ange­hal­ten, dem Begriff „Com­pli­ance“ gerecht zu wer­den. Für den Behand­lungs­er­folg bei einer Sko­lio­se ist die Ver­wen­dung des ent­spre­chen­den Hilfs­mit­tels (Kor­sett) und damit die Com­pli­ance des Pati­en­ten unstrit­tig. Der Umkehr­schluss, wonach die Kor­sett­ver­wen­dung auto­ma­tisch zum The­ra­pie­er­folg führt, ist aber nicht gege­ben. Alle an der The­ra­pie betei­lig­ten Per­so­nen bzw. Berufs­grup­pen müs­sen sich „com­pli­ant“ ent­spre­chend den Anfor­de­run­gen einer evi­denz­ba­sier­ten Medi­zin („evi­dence based medi­ci­ne“, EBM) ver­hal­ten. Dabei besteht ein Wech­sel­ver­hält­nis: Die Com­pli­ance der Pati­en­ten wird einer­seits von den über­ein­stim­men­den Aus­sa­gen und der Über­zeu­gungs­kraft der Behand­ler (Ärz­te, The­ra­peu­ten, Ortho­pä­die­tech­ni­ker) und ande­rer­seits vom fami­liä­ren Umfeld geprägt.

Anzei­ge

In der fol­gen­den Aus­ar­bei­tung wer­den die aktu­ell gül­ti­gen Ver­sor­gungs­stan­dards nach wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen auf­ge­zeigt und dem kli­ni­schen All­tag gegen­über­ge­stellt. Damit wird der Bei­trag der Pati­en­ten einer­seits und der Behand­ler ande­rer­seits zum Behand­lungs­er­geb­nis ent­spre­chend dem Kon­zept der EBM deutlich.

Aktu­el­le Ver­sor­gungs­stan­dards in der Korsettbehandlung

Indi­ka­ti­ons­stel­lung der Skoliose

Das ers­te wich­ti­ge Kri­te­ri­um für einen Behand­lungs­er­folg bei der idio­pa­thi­schen Sko­lio­se ist der Zeit­punkt der Dia­gno­se­stel­lung. Eine Sen­si­bi­li­sie­rung der Ärz­te­schaft bezüg­lich des Krank­heits­bil­des scheint not­wen­dig zu sein, da in Ein­zel­fäl­len Sko­lio­sen erst in einem fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um dia­gnos­ti­ziert wer­den. Ein ent­spre­chen­des Scree­ning-Pro­gramm fehlt bisher.

Für die Ein­schät­zung des wei­te­ren Krank­heits­ver­lau­fes ist eine Dif­fe­ren­zie­rung der Sko­lio­se-Ursa­che ent­schei­dend. Ent­spre­chend dem Deut­schen Ärz­te­blatt spricht man dann von einer idio­pa­thi­schen Sko­lio­se, „[w]enn kei­ne patho­gno­mo­ni­schen Fak­to­ren iden­ti­fi­ziert wer­den kön­nen“ 1. Ein all­ge­mein­gül­ti­ger Algo­rith­mus für die Abklä­rung einer Sko­lio­se exis­tiert bis­her nicht. Das Leit­li­ni­en­vor­ha­ben zum The­ma „Ado­les­zen­te Idio­pa­thi­sche Sko­lio­se“ unter der Regis­ter­num­mer 151–002 ist für Mit­te 2022 ange­kün­digt und bie­tet dies­be­züg­lich eine Chan­ce zur Verbesserung.

Das aktu­el­le The­ra­pie­kon­zept bei idio­pa­thi­scher Sko­lio­se beruht auf radio­lo­gi­schen Untersuchungen:

  • Bei einem noch zu erwar­ten­den Wachs­tum von mehr als 2 Jah­ren und einem Cobb-Win­kel zwi­schen 20° und 50° ist für die idio­pa­thi­sche Sko­lio­se eine Kor­sett­in­di­ka­ti­on all­ge­mein anerkannt.
  • Für die Sko­lio­se­form gibt es ver­schie­dens­te Klas­si­fi­ka­tio­nen. All­ge­mein­gül­tig­keit und eine Über­tra­gung dar­aus abge­lei­te­ter Prin­zi­pi­en auf die Kor­sett­ver­sor­gung konn­ten bis­her nicht erreicht wer­den. Es wird eher der umge­kehr­te Weg beschrit­ten: Den ver­schie­de­nen Kor­sett­kon­zep­ten wird eine adäqua­te Sko­lio­se­form zuge­ord­net, wie im Fol­gen­den genau­er aus­ge­führt wird.

Kli­ni­sche Behandlungskonzepte

Kor­sett­aus­füh­run­gen und ‑kon­zep­te sind stark von Eigen­na­men wie Chê­neau, Rigo, Bos­ton, Wilm­ing­ton usw. geprägt; weni­ger bestim­men Kon­struk­ti­ons­prin­zi­pi­en oder spe­zi­fi­sche Anwen­dungs­kri­te­ri­en die Behand­lungs­richt­li­ni­en. Dar­aus ergibt sich, dass vor allem die Erfah­rung des Ortho­pä­die­tech­ni­kers für die Aus­wahl und Aus­füh­rung des geeig­ne­ten Kor­setts ent­schei­dend ist. Ledig­lich die Krüm­mungs­kor­rek­tur im Kor­sett stellt ein ers­tes Qua­li­täts­kri­te­ri­um für die Kor­sett­aus­füh­rung dar. Das als „Pri­mär­kor­rek­tur“ bezeich­ne­te Ergeb­nis einer Kor­sett­ver­sor­gung ist zudem einer der wich­tigs­ten Fak­to­ren und Moti­va­to­ren für eine hohe Com­pli­ance bei den Patienten.

Das The­ra­pie­sche­ma wird im Wesent­li­chen vom Arzt vor­ge­ge­ben. Von den Pati­en­ten und den wei­te­ren betei­lig­ten Berufs­grup­pen wie Ortho­pä­die­tech­ni­kern und Phy­sio­the­ra­peu­ten wird die­ses aller­dings häu­fig sehr indi­vi­du­ell interpretiert.

Der Zeit­punkt der Kor­sett­ab­schu­lung „mit Wachs­tums­ab­schluss“ ist im Ver­gleich zur Kor­sett­in­di­ka­ti­on von gro­ßer Unge­wiss­heit geprägt: Es gibt kein wis­sen­schaft­lich her­ge­lei­te­tes Kri­te­ri­um für den Kor­sett­ab­bau und nach wel­chem Sche­ma er erfol­gen sollte.

Lang­zeit­wir­kun­gen nach einer Kor­sett­be­hand­lung sind eben­falls noch wenig erforscht – alle Über­le­gun­gen zu Erfolg und Miss­erfolg gehen vom Mess­wert des Cobb-Win­kels aus. Jedoch kann ein zwei­di­men­sio­na­ler Wert zur Beur­tei­lung einer drei­di­men­sio­na­len Sko­lio­se nur ein Behelf sein.

Die Ver­bes­se­rung der Kör­per­sym­me­trie als mög­li­ches The­ra­pie­ziel fin­det bis­lang noch wenig Beach­tung. Auch ein mög­li­cher Zusam­men­hang zwi­schen Kor­sett­be­hand­lung und spä­te­ren Beschwer­den ist bis­her nur wenig erforscht. Ver­all­ge­mei­nert kann fest­ge­stellt wer­den, dass idio­pa­thi­sche tho­ra­ka­le Krüm­mun­gen nicht zu ver­mehr­ten Wir­bel­säu­len­be­schwer­den füh­ren. Dies gilt aller­dings nicht für lum­ba­le Krümmungen.

In vie­len Bei­trä­gen wird das phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Pro­gramm bei einer Sko­lio­se­be­hand­lung ledig­lich als „Begleit­maß­nah­me“ bezeich­net, da die wis­sen­schaft­li­che Beweis­füh­rung eines Nut­zens der Phy­sio­the­ra­pie bei Sko­lio­se erst am Beginn steht. Dies ent­spricht jedoch nicht der Rea­li­tät des kli­ni­schen All­ta­ges, wo phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men in allen Sko­lio­se­be­rei­chen mit Erfolg ange­wandt wer­den, auch wenn sich die­ser bis­lang objek­tiv nur schwer bezif­fern lässt.

Schließ­lich wird eine psy­cho­lo­gi­sche Betreu­ung der Pati­en­ten und ihrer Fami­li­en nur in Aus­nah­me­fäl­len ange­bo­ten. Dies wäre jedoch für eine mög­lichst hohe Pati­en­ten­com­pli­ance wichtig.

Im Rah­men einer sta­tio­nä­ren Reha­bi­li­ta­ti­on kön­nen die genann­ten Maß­nah­men inner­halb eines gemein­sam erar­bei­te­ten Gesamt­kon­zepts umge­setzt wer­den. Die zen­tra­le Fra­ge an alle Betei­lig­ten lau­tet dabei: Wie „com­pli­ant“ wer­den die wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se umge­setzt?“ Mit der Beant­wor­tung die­ser Fra­ge beschäf­tigt sich das fol­gen­de Kapitel.

Ent­wick­lung der For­schung zum The­ma Com­pli­ance – ein Überblick

Im Fol­gen­den wird die Umset­zung wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se zum The­ma „Kor­sett­be­hand­lung und Com­pli­ance bei der Sko­lio­se­the­ra­pie“ im kli­ni­schen All­tag auf­ge­zeigt. Die wis­sen­schaft­li­che Ent­wick­lung die­ser The­ma­tik wird in ihrer zeit­li­chen Abfol­ge dar­ge­stellt und ent­spre­chend der Struk­tur aus dem vor­her­ge­hen­den Kapi­tel diskutiert.

In den in Pub­Med auf­ge­lis­te­ten For­schungs­bei­trä­gen wird die Kor­sett­ver­sor­gung kon­ti­nu­ier­lich in einem Ver­hält­nis von etwa 1 zu 10 gegen­über Sko­lio­se­ope­ra­tio­nen the­ma­ti­siert. Die dezi­dier­te Ableh­nung der Kor­sett­be­hand­lung im Jahr­zehnt zwi­schen 1990 und 2000 kommt in der ent­spre­chen­den Abnah­me der Publi­ka­ti­ons­zah­len deut­lich zum Aus­druck. Die Ver­öf­fent­li­chun­gen zu ope­ra­ti­ven The­men neh­men dage­gen kon­ti­nu­ier­lich zu, wie Abbil­dung 1 auf­zeigt. Eben­so deut­lich zu erken­nen ist ande­rer­seits, dass mit der Beweis­füh­rung der Wirk­sam­keit der Kor­sett­be­hand­lung durch Nachem­son et al. im Jahr 1997 und spä­ter durch Wein­stein et al. im Jahr 2013 auch der Kor­sett­be­hand­lung in der Wis­sen­schaft wie­der mehr Beach­tung geschenkt wird 2 3. Dies kommt in zuneh­men­den Ver­öf­fent­li­chungs­zah­len zum Aus­druck: In den letz­ten Jah­ren sind bereits über 100 Ein­trä­ge pro Jahr in Pub­Med zur Stich­wort­kom­bi­na­ti­on „sco­lio­sis brace“ zu finden.

Der Com­pli­ance von Pati­en­ten gegen­über der Sko­lio­se­the­ra­pie wur­de in der ein­schlä­gi­gen wis­sen­schaft­li­chen Lite­ra­tur jedoch ein sehr unter­schied­li­ches Augen­merk geschenkt, wie eine Aus­wer­tung der Publi­ka­tio­nen ergibt. Die­se zeigt die Ent­wick­lung der Ver­öf­fent­li­chun­gen zur Stich­wort­kom­bi­na­ti­on „sco­lio­sis brace com­pli­ance“ deut­lich auf: Im Jahr­zehnt zwi­schen 1990 und 2000, dem Tief­punkt der Akzep­tanz der Kor­sett­be­hand­lung, fand auch der Aspekt der Com­pli­ance in Bezug auf Sko­lio­se­be­hand­lun­gen nur wenig Beach­tung (Abb. 2a).

Das The­ma Phy­sio­the­ra­pie inner­halb der Sko­lio­se­be­hand­lung befin­det sich hin­sicht­lich sei­ner Effek­ti­vi­tät noch im Sta­di­um der Beweis­füh­rung, sodass Com­pli­ance dabei nur einen Neben­aspekt dar­stellt. Daher gibt es dazu auch nur weni­ge Publi­ka­tio­nen (Abb. 2b).

Bei den chir­ur­gi­schen Maß­nah­men wird dage­gen dem Aspekt der Com­pli­ance mehr Augen­merk geschenkt (Abb. 2c). Die jähr­lich ca. 15 Publi­ka­tio­nen im Lau­fe der letz­ten Jah­re sind ein sicht­ba­rer Beweis dafür. Inso­fern ist die wis­sen­schaft­li­che Lite­ra­tur bereits in ihrer Häu­fig­keits­ver­tei­lung ein Spie­gel­bild der Akzep­tanz einer Behandlungsform.

Im Fol­gen­den wird der aktu­el­le Stand der Wis­sen­schaft bezüg­lich Com­pli­ance bei Kor­sett­be­hand­lung aufgezeigt.

Aktu­el­ler Stand der Wis­sen­schaft zum The­ma Kor­sett­be­hand­lung bei Sko­lio­se mit Schwer­punkt Compliance

Die Aus­ar­bei­tung bezieht sich auf die fol­gen­den Aspek­te: Indi­ka­ti­on, Kor­sett-Typen, Kor­rek­tur­er­geb­nis, The­ra­pie­sche­ma und Behandlungsergebnisse.

Indi­ka­ti­on zur Korsettversorgung

Die Kor­sett­in­di­ka­ti­on ist für den Bereich zwi­schen 20° und 50° Cobb-Win­kel wis­sen­schaft­lich gut abge­si­chert 4 5 6. Dies betrifft aber nur die idio­pa­thi­sche Sko­lio­se. In einem Del­phi-Pro­zess wur­de im Jahr 2006 eine Behand­lungs­in­di­ka­ti­on aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht als Gui­de­line von der inter­na­tio­na­len Exper­ten­grup­pe SOSORT (Inter­na­tio­nal Socie­ty on Sco­lio­sis Ortho­pae­dic and Reha­bi­li­ta­ti­on Tre­at­ment) fest­ge­legt 7. Dem­zu­fol­ge wird bei Risser 0 eine Kor­sett­emp­feh­lung ab einem Cobb-Win­kel von 25° als „part-time bra­cing“ (12 bis 16 Stun­den pro Tag) ange­ge­ben. In der Grup­pe Risser 0–3 mit ers­ten Puber­täts­zei­chen wird die Pro­gre­di­enz­wahr­schein­lich­keit als Ent­schei­dungs­kri­te­ri­um her­an­ge­zo­gen, weni­ger der Cobb-Win­kel. Die Ein­schät­zung des Pro­gre­di­enz­ri­si­kos erfolgt nach der modi­fi­zier­ten For­mel von Lon­stein und Carlson: Cobb-Win­kel – (3 × Risserzeichen)/chronologisches Alter 8.

Ab einem Pro­gre­di­enz­ri­si­ko von 60 % („low risk“) wird eine Kor­sett­be­hand­lung als „part-time bra­cing“ zwi­schen 16 und 23 Stun­den fest­ge­legt. Bei einem Risi­ko von mehr 80 % („high risk“) wird „full-time bra­cing“ (23 Stun­den täg­lich) ange­ge­ben. Bei Risser 4 wird ein Kor­sett nur bei Krüm­mun­gen über 35° Cobb-Win­kel als „part-time bra­cing“ mit 16 Stun­den als suf­fi­zi­ent bezeich­net. Ob ein früh­zei­ti­ger Behand­lungs­be­ginn mit einem Kor­sett bei einem Cobb-Win­kel von weni­ger als 20° zu emp­feh­len ist, wenn eine posi­ti­ve Fami­li­en­ana­mne­se besteht, kann aus der Lite­ra­tur nicht abge­lei­tet werden.

Eine mög­li­che gene­ti­sche Ursa­che der Sko­lio­se wur­de vor ca. 10 Jah­ren inten­siv beforscht, bis­her jedoch ohne the­ra­peu­ti­sche Kon­se­quenz. Eine aktu­el­le Arbeit als Ein­stieg ins The­ma haben Peng et al. im Jahr 2020 ver­fasst 9. Ergeb­nis­se zur Kor­sett­be­hand­lung bei gene­tisch beding­ten Ursa­chen wie Fehl­bil­dungs­sko­lio­sen, Neu­ro­fi­brom­a­to­se, Mar­fan-Syn­drom, Syrin­go­mye­lie, Tethe­red Cord etc. wer­den als Teil­aspek­te erwähnt. Daten für die kli­ni­sche Ver­sor­gung ste­hen noch aus.

Anhand einer Aus­wer­tung von Daten aus Behand­lun­gen des Autors zeigt sich, dass mit den ver­bes­ser­ten bild­ge­ben­den Mög­lich­kei­ten der Anteil nicht-idio­pa­thi­scher Sko­lio­sen bei Kin­dern und Jugend­li­chen steigt. Zu beto­nen ist an die­ser Stel­le, dass neu­ro­mus­ku­lä­re Sko­lio­se-Ursa­chen in der Wis­sen­schaft immer geson­dert betrach­tet wer­den. Im Jahr 2010 konn­te bei nur ca. 10 % der vom Autor behan­del­ten Pati­en­ten die Sko­lio­se-Ursa­che „nicht-idio­pa­thisch“ fest­ge­stellt wer­den. Durch die Ver­bes­se­rung der Ana­mne­se und eine groß­zü­gi­ge MRI-Indi­ka­ti­on wur­de im Jahr 2015 bereits ein Anteil von 19 % erreicht, wäh­rend im Jahr 2020 bereits mehr als 24 % der Sko­lio­sen einer Ursa­che zuge­ord­net wer­den konn­ten. Zu dif­fe­ren­zie­ren sind dabei Sko­lio­sen, die ihre Ursa­che in der Wir­bel­säu­le haben (intra­spi­nal), von jenen, die durch äuße­ren Ein­fluss ent­ste­hen (extra­spi­nal):

  • Bei den intra­spi­na­len Ursa­chen fin­den sich Syrin­go­mye­lie, Fehl­bil­dun­gen, LSTV (lum­bo­sa­kra­le Über­gangs­stö­rung), Tethe­red Cord, intra­spi­na­le Tumo­ren etc.
  • Als extra­spi­na­le loka­le Ursa­chen sind Ope­ra­tio­nen bei Fehl­bil­dun­gen des Gas­tro­in­testi­nal­trak­tes oder Herz­ope­ra­tio­nen in der frü­hen Kind­heit zu nen­nen, die meist durch Nar­ben­zug oder Bewe­gungs­ein­schrän­kung zu einem Fehl­wachs­tum der Wir­bel­säu­le führen.
  • Als gene­ra­li­sier­te Ursa­che müs­sen Syn­dro­me ange­se­hen wer­den. Zu nen­nen sind in die­sem Zusam­men­hang Mar­fan-Syn­drom, Ehlers-Dan­los-Syn­drom, Tri­so­mie 21 und vie­le mehr, die mit einer höhe­ren Wahr­schein­lich­keit mit Sko­lio­sen ein­her­ge­hen. Beson­ders in der genann­ten Grup­pe der Bin­de­ge­webs­er­kran­kun­gen ist die Pro­gre­di­enz­vor­her­sa­ge für den Ein­zel­fall nur ein­ge­schränkt möglich.

Die Behand­lungs­er­geb­nis­se wei­chen bei nicht-idio­pa­thi­schen Sko­lio­sen zum Teil wesent­lich von idio­pa­thi­schen Ver­sor­gun­gen ab. Das bedeu­tet nicht, dass dabei kei­ne Kor­sett­in­di­ka­ti­on besteht; eine indi­vi­du­el­le the­ra­peu­ti­sche Ziel­set­zung ist jedoch not­wen­dig. An die­ser Stel­le ist die Bereit­schaft der Ärz­te im Sin­ne der Com­pli­ance gefor­dert, die not­wen­di­gen Unter­su­chun­gen für eine rea­lis­ti­sche Pro­gre­di­enz­be­ur­tei­lung zu veranlassen.

Pro­dukt­ent­schei­dung bei Kor­sett­in­di­ka­ti­on (Kor­sett-Typen)

Domi­nie­rend ist bei der Kor­sett­in­di­ka­ti­on nach wie vor das Drei-Punk­te-Kor­rek­tur­prin­zip mit dero­tie­ren­der Kom­po­nen­te. Das Chê­neau-Kor­sett wird stell­ver­tre­tend für die­se Grup­pe genannt und ist im deut­schen Sprach­raum füh­rend. Zu unter­schei­den ist eine Kor­sett­fer­ti­gung durch den Ortho­pä­die­tech­ni­ker vor Ort von einer zen­tra­len Fer­ti­gung. Die Kor­rek­tur beim Chê­neau-Kor­sett erfolgt durch eine asym­me­tri­sche Bau­wei­se, d. h., es wird von der Asym­me­trie des Ist-Zustan­des zur Sym­me­trie hin kor­ri­giert. Im Gegen­satz dazu erfolgt der Kor­sett­auf­bau beim Bos­ton®-Kor­sett über ein sym­me­tri­sches Modul. Für das Gurt­sys­tem „Spine­Cor®“ gibt es eine ran­do­mi­sier­te Stu­die zum Tra­ge­kom­fort im Ver­gleich zu den genann­ten „star­ren“ Orthe­sen, wobei sich kein signi­fi­kan­ter Unter­schied für Krüm­mun­gen unter 30° Cobb-Win­kel zeigt 10. Das „Charles­ton Ben­ding Brace®“ als Nacht­or­the­se stand am Beginn der Ent­wick­lung vom „full-time“ zum „part-time bra­cing“. Eine Ent­schei­dung hin­sicht­lich der Aus­wahl eines bestimm­ten Kor­setts in Bezug auf den Behand­lungs­er­folg lässt sich aus der Lite­ra­tur nicht ablei­ten 11 12.

Für die Art und Wei­se der Kor­rek­tur – ob mit einem Gips­mo­dell oder per digi­ta­ler Bear­bei­tung bis hin zur Fini­te-Ele­men­te-Metho­de (FEM) – gibt es kei­ne Ver­gleichs­stu­di­en 13. Die Gewich­tung inner­halb der ermit­tel­ten Stu­di­en weist bei der Pro­dukt­ent­schei­dung in Rich­tung eines Drei-Punk­te-Kor­rek­tur­prin­zips mit dero­tie­ren­der Kom­po­nen­te. Grund­sätz­lich sind für eine adäqua­te Pro­dukt­aus­wahl geeig­ne­te Mess­pa­ra­me­ter je nach der Kor­ri­gier­bar­keit der Sko­lio­se zu definieren.

Kor­rek­tur­er­geb­nis im Korsett

In einer eige­nen Stu­die aus dem Jahr 2003 konn­te die Pri­mär­kor­rek­tur als sinn­vol­les Maß für die hand­werk­li­che Aus­füh­rung eines Sko­lio­se­kor­setts auf­ge­zeigt wer­den 14. Eine Krüm­mungs­kor­rek­tur von 40 bis 50 % sowie eine lang­fris­ti­ge Sko­lio­se­kor­rek­tur von mehr als 5° Cobb-Win­kel wur­den dabei als Erfolgs­kri­te­ri­en fest­ge­legt. In nach­fol­gen­den Stu­di­en wur­den die­se Wer­te von meh­re­ren Autoren bestä­tigt und erwei­sen sich auch in einer neue­ren Arbeit von Tsa­ka­na­kis et al. aus dem Jahr 2020 wei­ter­hin als aus­sa­ge­kräf­tig 15. Aus der Erfah­rung des Autors her­aus ist die Pri­mär­kor­rek­tur einer der wich­tigs­ten Moti­va­to­ren für eine hohe Patientencompliance.

The­ra­pie­sche­ma

Die Kor­sett-Tra­ge­dau­er pro Tag darf als das ent­schei­den­de Maß für den Behand­lungs­er­folg ange­se­hen wer­den. Die Tra­ge­dau­er pro Tag (gemes­sen mit­tels Wär­me- oder Druck­sen­so­ren) gilt gleich­zei­tig als aner­kann­ter Mess­pa­ra­me­ter für die Compliance.

Nicht end­gül­tig geklärt ist dage­gen die zu emp­feh­len­de not­wen­di­ge Kor­sett-Tra­ge­dau­er pro Tag: „full-time bra­cing“, „part-time bra­cing“ und „night-time bra­cing“ lau­ten in die­sem Zusam­men­hang die Vari­an­ten. Einen Kon­sens zu die­ser Fra­ge­stel­lung gibt es bis­her nicht. Auch zum Argu­ment, dass „full-time bra­cing“ in der Kor­rek­tur­pha­se erreicht wer­den sol­le, gefolgt von „part-time bra­cing“ in der Erhal­tungs­pha­se der Kor­rek­tur, und dass „night-time bra­cing“ die Kor­sett­ab­bau­pha­se bil­de, feh­len wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se. Die Ergeb­nis­se vali­der Stu­di­en zei­gen, dass „full-time bra­cing“ kei­nen wesent­li­chen the­ra­peu­ti­schen Gewinn gegen­über einem „part-time bra­cing“ von etwa 16 bis 18 Stun­den erbringt. Auch der Hin­weis, dass ein „full-time bra­cing“ für den Pati­en­ten gar nicht umsetz­bar sei, lässt die For­de­rung danach unrea­lis­tisch erschei­nen. Eine genaue Gren­ze kann nicht gezo­gen wer­den – die indi­vi­du­el­len Umstän­de und damit die Streu­brei­te der Ergeb­nis­se sind dafür zu groß 16 17 18 19 20 21 22.

Mit dem The­ma Com­pli­ance beschäf­tig­te sich im Jahr 2020 eine Ver­gleichs­stu­die zwi­schen einer nord­ame­ri­ka­ni­schen („Bra­cing in Ado­le­s­cent Idio­pa­thic Sco­lio­sis Tri­al“, BrAIST) und einer ita­lie­ni­schen Pati­en­ten­ko­hor­te (Ita­li­an Sci­en­ti­fic Spi­ne Insti­tu­te, ISICO). Als The­ra­pie­ver­sa­gen wur­de dabei eine Krüm­mungs­zu­nah­me über 40° Cobb-Win­kel bei Errei­chen von Risser 4 fest­ge­legt. Dies erfolg­te bei ver­gleich­ba­ren Aus­gangs­wer­ten, jedoch unter­schied­li­chem The­ra­pie­sche­ma. Die gemes­se­ne durch­schnitt­li­che Kor­sett-Tra­ge­dau­er pro Tag betrug in  der BrAIST-Grup­pe nur etwa 12 Stun­den, in der ISI­CO-Grup­pe dage­gen 18 Stun­den. Bei 18 Stun­den Tra­ge­zeit (ISICO) betrug die Ver­sa­ger­quo­te ledig­lich 12 %, wäh­rend sie bei 12 Stun­den Tra­ge­zeit (BrAIST) 39 % betrug (Cobb-Win­kel > 40° bei Wachs­tums­ab­schluss). Die­ses Ergeb­nis spricht für die Bedeu­tung der Kor­sett-Tra­ge­dau­er pro Tag und damit für die Com­pli­ance. Die Behand­lung jedoch nur auf die Kor­sett-Tra­ge­dau­er zu redu­zie­ren ist nicht zuläs­sig – Kor­sett­aus­füh­rung (Pri­mär­kor­rek­tur) und beglei­ten­de phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men sind dabei eben­falls zu berück­sich­ti­gen und in ihrer Bedeu­tung zu wür­di­gen 23.

Für die Unter­gren­ze einer sinn­vol­len Kor­sett-Tra­ge­dau­er pro Tag gibt es dage­gen kei­ne vali­den Daten. Wenn „night-time bra­cing“ als Unter­gren­ze akzep­tiert wird, so ist in die­sem Zusam­men­hang eine spe­zi­el­le Kor­sett­form wie das Charles­ton Ben­ding Brace® zu dis­ku­tie­ren 24 25. Es ermög­licht eine Über­kor­rek­tur, ist aber nur im Lie­gen ver­wend­bar und damit in der Tra­ge­dau­er limi­tiert. Damit ist eine Ver­gleich­bar­keit der Kor­sett-Tra­ge­dau­er zwi­schen einem Chê­neau-Kor­sett und einem Charles­ton Ben­ding Brace® nicht zielführend.

Ins­ge­samt hat sich die Mes­sung der Kor­sett-Tra­ge­dau­er pro Tag als objek­ti­ves Hilfs­mit­tel zur Beur­tei­lung des Behand­lungs­ver­lau­fes zwar bewährt 26 27 28 29 30. Als allei­ni­ge Ursa­che für ein mög­li­ches The­ra­pie­ver­sa­gen darf das Ergeb­nis der Mes­sung aber nicht inter­pre­tiert wer­den. Die ver­spä­te­te Dia­gnos­tik einer Sko­lio­se und damit ein zu spä­ter The­ra­pie­be­ginn bei bereits fort­ge­schrit­te­nem Krüm­mungs­aus­maß und Alter kön­nen durch eine hohe Pati­en­ten­com­pli­ance nicht aus­gli­chen werden.

Eine sach­li­che Beur­tei­lung der Dia­gnos­tik, der getä­tig­ten Behand­lungs­emp­feh­lung, der Kor­rek­tur­er­geb­nis­se sowie der Ergeb­nis­kon­trol­le ist für jeden Pati­en­ten indi­vi­du­ell zu erstel­len. Eine Reduk­ti­on des The­ra­pie­ver­sa­gens auf man­geln­de Com­pli­ance der Pati­en­ten ist nicht gerecht­fer­tigt – wobei natür­lich berück­sich­tigt wer­den muss, dass ein nicht ver­wen­de­tes Kor­sett auch nicht wir­ken kann.

Der geeig­ne­te Zeit­punkt für den Kor­sett­ab­bau, d. h., wenn eine wei­te­re Ver­bes­se­rung des End­ergeb­nis­ses nicht mehr zu erwar­ten ist, lässt sich aus der Lite­ra­tur nicht ablei­ten. Eine The­ra­pie mit dem Ziel der Wachs­tums­len­kung ist aber nach Wachs­tums­ab­schluss nicht mehr begründ­bar. Die Fra­ge der The­ra­pie­kos­ten im Ver­hält­nis zum The­ra­pie­ge­winn wur­de erst­ma­lig im Jahr 2015 von Wil­liams et al. mit­tels einer ran­do­mi­sier­ten Stu­die dis­ku­tiert 31.

Auch phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men im Zusam­men­hang einer Sko­lio­se­be­hand­lung wer­den zuneh­mend einer wis­sen­schaft­li­chen Beur­tei­lung unter­zo­gen. Dabei sind The­ra­pie­kon­zep­te nach den Richt­li­ni­en von Katha­ri­na Schroth domi­nie­rend. Ein all­ge­mein­gül­ti­ger Maß­stab für Anzahl und Qua­li­tät phy­sio­the­ra­peu­ti­scher Maß­nah­men fehlt zwar bis­her. Deren Not­wen­dig­keit im Rah­men der Kor­sett­be­hand­lung ist jedoch unbe­strit­ten 32 33 34 35 36.

Schließ­lich wird auch der Lebens­qua­li­tät und der psy­chi­schen Belas­tung durch eine Kor­sett­be­hand­lung ein ver­mehr­tes Augen­merk geschenkt. In einem vali­dier­ten Fra­ge­bo­gen­test („Pati­ent Out­co­me Ques­ti­on­n­aire“) der Sco­lio­sis Rese­arch Socie­ty (SRS) wird die Lebens­qua­li­tät der betrof­fe­nen Pati­en­ten auf­ge­zeigt. Eine vali­dier­te Aus­ga­be in deut­scher Spra­che liegt aber bis­her nicht vor 37.

Behand­lungs­er­geb­nis­se

Der Cobb-Win­kel wird trotz aller Ein­schrän­kun­gen wei­ter­hin als Maß für den The­ra­pie­er­folg akzep­tiert. Sta­ti­sche Abwei­chun­gen wie Rota­ti­on oder Lot­ab­wei­chun­gen wer­den in die­sem Zusam­men­hang in der Kor­sett­li­te­ra­tur sel­ten ange­führt. Die Fra­ge, wel­che Bedeu­tung die Kör­per­sym­me­trie als Maß für das kos­me­ti­sche Ergeb­nis ein­nimmt, ist bis­her nicht zu beantworten.

Die Pri­mär­kor­rek­tur im Kor­sett wird all­ge­mein als Maß­stab für die Qua­li­tät der hand­werk­li­chen Aus­füh­rung akzep­tiert 38. Aller­dings ist der Cobb-Win­kel als Behand­lungs­end­er­geb­nis nach Kor­sett­ab­bau erst nach 6 bis 12 Mona­ten aus­sa­ge­kräf­tig. Den Lang­zeit­er­geb­nis­sen nach Jah­ren der Kor­sett-The­ra­pie wird mitt­ler­wei­le ein ver­mehr­tes Augen­merk geschenkt 39 40 41 42 43.

Als kla­res Ziel jeder Sko­lio­se­be­hand­lung gilt die Ver­hin­de­rung not­wen­di­ger Sko­lio­se­ope­ra­tio­nen. In der bereits genann­ten Stu­die von Dolan et al. wird ein Über­schrei­ten von 40° Cobb-Win­kel als The­ra­pie­ver­sa­gen fest­ge­legt 44. Bei einem Cobb-Win­kel von über 50° zeigt die natür­li­che Ent­wick­lung einer Sko­lio­se nach Wachs­tums­ab­schluss eine lang­sa­me, aber ste­ti­ge Krüm­mungs­zu­nah­me 45. Davon wird in vie­len Fäl­len die Ope­ra­ti­ons­emp­feh­lung abge­lei­tet. Bei den ope­ra­ti­ven Maß­nah­men stellt sich zuneh­mend eine wei­te­re Dif­fe­ren­zie­rung ein, beson­ders in Abhän­gig­keit von der Sko­lio­se­form und vom kos­me­ti­schen Aspekt 46.

Dis­kus­si­on des Aspekts der Com­pli­ance bei Korsettbehandlung

Die Dis­kus­si­on zum The­ma Com­pli­ance folgt dem Ras­ter des oben auf­ge­zeig­ten Behand­lungs­sche­mas. Damit wer­den die ein­zel­nen Aspek­te im Fol­gen­den spe­zi­ell aus dem Blick­win­kel der Com­pli­ance erörtert.

Behand­lungs­richt­li­ni­en

Die Indi­ka­ti­on zur Kor­sett­be­hand­lung nach den Emp­feh­lun­gen von SOSORT wur­de in einem Del­phi-Pro­zess erar­bei­tet. Die Del­phi-Metho­de ist ein sys­te­ma­ti­sches, mehr­stu­fi­ges Befra­gungs­ver­fah­ren von Exper­ten mit Rück­kopp­lung und damit eine geeig­ne­te Schätz­me­tho­de, die dazu dient, zukünf­ti­ge Ereig­nis­se, Trends sowie Ent­wick­lun­gen mög­lichst adäquat ein­zu­schät­zen. Jeder Del­phi-Pro­zess wird jedoch von der Aus­wahl der Exper­ten und deren Inter­es­sen beein­flusst 47. Die Behand­lungs­richt­li­nie von SOSORT bezieht sich nur auf die idio­pa­thi­sche Ado­les­zen­ten­sko­lio­se. Ein Abklä­rungs­al­go­rith­mus ist daher im Vor­feld zu for­dern, damit die Vor­her­sa­gen an Treff­si­cher­heit gewin­nen. Eine Wie­der­ho­lung des Del­phi-Pro­zes­ses ent­spre­chend den neu­en wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen ist nach 15 Jah­ren erforderlich.

Gene­tik

Der Ver­such der Beant­wor­tung der Fra­ge nach einer gene­ti­schen Ursa­che der idio­pa­thi­schen Sko­lio­se war bis­her nicht von Erfolg gekrönt 48. Der mög­li­che Grund dafür ist die im Kapi­tel zuvor dis­ku­tier­te man­gel­haf­te Dif­fe­ren­zie­rung der Sko­lio­sen. Lang­fris­tig sind jedoch hier­aus ent­schei­den­de Erkennt­nis­se für den Behand­lungs­ver­lauf zu erwar­ten. Die Fra­ge nach einer posi­ti­ven Fami­li­en­ana­mne­se und deren Behand­lungs­ver­lauf darf aber bereits bis­her nicht fehlen.

Idio­pa­thi­sche/­nicht-idio­pa­thi­sche Skoliose

Dem Pro­blem der jewei­li­gen Sko­lio­se-Ursa­che wur­de bis­her in der Wis­sen­schaft zu wenig Augen­merk geschenkt. Damit kann zum Teil die gro­ße Streu­brei­te bei der Pro­gre­di­enz­wahr­schein­lich­keit des natür­li­chen Ver­lau­fes erklärt wer­den. Eine man­gel­haf­te Abklä­rung führt zwangs­läu­fig zu Fehl­ein­schät­zun­gen. Pati­en­ten wer­den dadurch frus­triert, die Com­pli­ance sinkt, und wich­ti­ges Behand­lungs­po­ten­zi­al geht ver­lo­ren. Vie­le „The­ra­pie­ver­sa­ger“ haben ihre Ursa­che nach Auf­fas­sung des Autors in einer man­gel­haf­ten dia­gnos­ti­schen Abklä­rung und damit einer Fehl­ein­schät­zung des Behand­lungs­po­ten­zi­als. Die­se schmerz­li­che Erkennt­nis ist von der eige­nen Erfah­rung als Arzt geprägt, der die Ver­ant­wor­tung für die Dia­gno­se trägt.

Die For­de­rung nach einem geeig­ne­ten Abklä­rungs­al­go­rith­mus wird daher an die­ser Stel­le wie­der­holt. Der dafür not­wen­di­ge Unter­su­chungs­auf­wand und die hohen Kos­ten ver­hin­dern bis­her ein ent­spre­chen­des Kon­zept – dar­aus resul­tiert letzt­lich die man­geln­de Com­pli­ance des medi­zi­ni­schen Sys­tems. Wenn Com­pli­ance bei Ärz­ten wis­sen­schaft­lich fun­dier­tes Han­deln nach dem Prin­zip einer EBM (sie­he oben) bedeu­tet, dann besteht hier ein hohes Verbesserungspotenzial.

Kor­sett-Typen

Das Her­stel­lungs­ver­fah­ren des jewei­li­gen Kor­setts in Kunst­stoff­aus­füh­rung (Tief­zieh­ver­fah­ren oder 3D-Druck) beein­flusst das Ergeb­nis nicht signi­fi­kant, da letzt­lich die hand­werk­li­che Aus­füh­rung die größ­te Wir­kung erzeugt. Dies ist aller­dings ein heik­ler Aspekt, da die Fra­ge nach einer Min­dest­zahl von Ver­sor­gun­gen für das Qua­li­täts­ni­veau eines Ortho­pä­die­tech­ni­kers, der Sko­lio­se­kor­set­te erstellt, unab­ding­bar ist. Einen mög­li­chen Aus­weg lie­fert wie­der­um die genann­te Pri­mär­kor­rek­tur für die Qua­li­täts­kon­trol­le. Bei einer man­gel­haf­ten Kor­rek­tur sind sowohl ein Neu­auf­bau des Kor­setts als auch die Kor­sett­in­di­ka­ti­on als sol­che zu prü­fen Die Fort­füh­rung einer Kor­sett­be­hand­lung ohne mess­ba­ren Erfolg ist nach Auf­fas­sung des Autors nicht gerechtfertigt.

Pri­mär­kor­rek­tur

Die Pri­mär­kor­rek­tur ist der­zeit der ein­zi­ge aus­sa­ge­kräf­ti­ge Grad­mes­ser für die Qua­li­tät der hand­werk­li­chen Aus­füh­rung und das Kor­rek­tur­po­ten­zi­al des Kor­setts. Eine ein­ge­schränk­te Kor­ri­gier­bar­keit bei nicht-idio­pa­thi­schen Sko­lio­sen wird zu sel­ten erör­tert 49. Eine man­gel­haf­te Pri­mär­kor­rek­tur ver­langt daher auch nach einer Neu­be­ur­tei­lung der Sko­lio­se-Ursa­che, der Pro­gre­di­enz­wahr­schein­lich­keit und der Tra­ge­dau­er des Kor­setts durch die Pati­en­ten. Damit ist Com­pli­ance, d. h. die Bereit­schaft zur akti­ven Mit­wir­kung an the­ra­peu­ti­schen Maß­nah­men, bei allen Betei­lig­ten gefordert.

Tra­ge­dau­er

Die Dis­kus­si­on über das The­ma Tra­ge­dau­er hält wei­ter­hin an. Kon­sens besteht in der aktu­el­len Lite­ra­tur ledig­lich dahin­ge­hend, dass „full-time bra­cing“ unrea­lis­tisch ist und daher nicht mehr Sta­te of the Art sein kann 50 51. Eine wis­sen­schaft­li­che Neu­be­wer­tung ist inso­fern unumgänglich.

Phy­sio­the­ra­pie

Die Rele­vanz der Phy­sio­the­ra­pie und deren Maß­nah­men für den Erfolg einer Sko­lio­se­be­hand­lung steht außer Zwei­fel, obwohl die wis­sen­schaft­li­che Daten­la­ge bis­lang mäßig ist. An die­ser Stel­le besteht Hand­lungs­be­darf, um im Zeit­al­ter von EBM (sie­he oben) kein Pro­blem mit der Finan­zie­rung zu bekom­men, wie es in einer umfang­rei­chen Stu­die der bri­ti­schen Gesund­heits­be­hör­de dis­ku­tiert wird 52.

Behand­lungs­er­geb­nis­se

Eine adäqua­te Beur­tei­lung der Behand­lungs­er­geb­nis­se beruht in ers­ter Linie auf der Ver­hin­de­rung der Ope­ra­ti­ons­in­di­ka­ti­on. Die übli­che Ver­wen­dung des Cobb-Win­kels wird der kom­ple­xen Pro­ble­ma­tik jedoch nicht gerecht. Sta­ti­sche und dyna­mi­sche Mess­pa­ra­me­ter in der Frontal‑, Sagit­tal- und Axi­al­ebe­ne, wie sie für Ope­ra­ti­ons­er­geb­nis­se ver­wen­det wer­den, wären eine geeig­ne­te Basis 53. Das ope­ra­ti­ve Ergeb­nis ist jedoch ange­sichts der übli­chen Fusi­ons­ope­ra­ti­on rein sta­tisch und damit einer wis­sen­schaft­li­chen Beur­tei­lung rela­tiv leicht zugäng­lich. Bei der Kor­sett­be­hand­lung dage­gen wird die Ana­to­mie der Wir­bel­seg­men­te nicht zer­stört, und die Beweg­lich­keit bleibt damit weit­ge­hend erhal­ten. Somit wäre der nächs­te wis­sen­schaft­li­che Schritt, vali­de und ver­gleich­ba­re Para­me­ter nach einer Kor­sett­be­hand­lung einer­seits und einer Sko­lio­se-Ope­ra­ti­on ande­rer­seits zu ent­wi­ckeln und ein­an­der gegen­über­zu­stel­len. Ent­spre­chen­de dyna­mi­sche Para­me­ter für die­se Beur­tei­lung müs­sen aber erst erar­bei­tet werden.

Lang­zeit­er­geb­nis­se

Not­wen­di­ge Lang­zeit­er­geb­nis­se Jahr­zehn­te nach der The­ra­pie feh­len weit­ge­hend. Eine ran­do­mi­sier­te Pati­en­ten­aus­wahl gestal­tet sich schwie­rig; ein not­wen­di­ges Ethik­vo­tum ist für sol­che Stu­di­en nur schwer zu erlan­gen. Jene Pati­en­ten, die aus eige­nem Antrieb die Ambu­lan­zen auf­su­chen, sind nicht reprä­sen­ta­tiv: Sie kom­men meist auf­grund von Beschwer­den, wäh­rend beschwer­de­freie Pati­en­ten wenig Ver­an­las­sung haben, nach Jahr­zehn­ten die Sko­lio­se-Ambu­lanz wie­der auf­zu­su­chen 54. Der Auf­wand, die Fra­ge nach der Lang­zeit­wir­kung zu klä­ren, ist daher immens, aber viel­leicht der Schlüs­sel zum Nach­weis der Effek­ti­vi­tät der Kor­sett­be­hand­lung über lan­ge Zeit.

Fazit

Die Com­pli­ance bezüg­lich der Kor­sett-Tra­ge­dau­er bil­det durch ihre Mess­bar­keit die Basis für die Sko­lio­se­the­ra­pie. Die Com­pli­ance des Pati­en­ten wird aber gleich­zei­tig von vie­len wei­te­ren Fak­to­ren beein­flusst. Vie­le unter­schied­li­che Emp­feh­lun­gen zum The­ma Kor­sett-Tra­ge­dau­er, beson­ders im Inter­net, ver­un­si­chern die Pati­en­ten – oder bes­ser, sie wen­den sich ihrer Wunsch­emp­feh­lung zu.

Com­pli­ance betrifft aber auch die Behand­ler: Hat das medi­zi­ni­sche Sys­tem bei der Erst­dia­gno­se ver­sagt, oder wur­de die Sko­lio­se zeit­ge­recht erkannt? Wur­de die Sko­lio­se-Ursa­che nach dem aktu­el­len Wis­sens­stand abge­klärt? Erfolg­te die The­ra­pie-Emp­feh­lung über­zeu­gend, und wur­de sie den Pati­en­ten schlüs­sig erläu­tert? Wur­den die Lebens­um­stän­de der Pati­en­ten im Behand­lungs­kon­zept ange­mes­sen berück­sich­tigt und akzeptiert?

Wenn die­se Fra­gen posi­tiv beant­wor­tet wer­den kön­nen, wird die Pati­en­ten­com­pli­ance zum ent­schei­den­den Fak­tor. Nur wenn die Aus­sa­gen von Ärz­ten, Phy­sio­the­ra­peu­ten, Ortho­pä­die­tech­ni­kern und Eltern im Ein­klang ste­hen und über­zeu­gend dar­ge­legt wer­den, darf auch von den jugend­li­chen Pati­en­ten eine hohe Com­pli­ance erwar­tet wer­den. Com­pli­ance betrifft dem­zu­fol­ge alle Betei­lig­ten inner­halb einer Sko­lio­se­the­ra­pie. Das eige­ne Han­deln ist ent­spre­chend neu­en Erkennt­nis­sen zu adap­tie­ren und wird damit zum dyna­mi­schen Pro­zess. Inso­fern bil­den Com­pli­ance und evi­denz­ba­sier­te Medi­zin eine Einheit.

Der Autor:
Dr. med. Franz Land­au­er, OTM
Fach­arzt für Orthopädie
Ers­ter Oberarzt
Uni­ver­si­täts­kli­nik für Ortho­pä­die und
Trau­ma­to­lo­gie
Para­cel­sus Medizinische
Pri­vat­uni­ver­si­tät (PMU)
Müll­ner Haupt­str. 48
A‑5020 Salz­burg, Österreich
f.landauer@salk.at

Begut­ach­te­ter Beitrag/reviewed paper

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