Sensorik schafft mehr Transparenz in der Kompressionstherapie
Mehr Transparenz bei der Kompression: Sensorik ermöglicht die Kontrolle des Auflagendrucks und eröffnet neue Möglichkeiten für eine datenbasierte Versorgung.
Mehr Transparenz bei der Kompression: Sensorik ermöglicht die Kontrolle des Auflagendrucks und eröffnet neue Möglichkeiten für eine datenbasierte Versorgung.
Hans-Walter Fiedler
Das Lipödem ist eine schmerzhafte, disproportionale und symmetrische Fettgewebsverteilungsstörung der Extremitäten, die überwiegend die Beine und fast ausschließlich Frauen betrifft. Trotz zunehmender Aufmerksamkeit für operative Verfahren bleibt die konservative Therapie ein zentraler Bestandteil des Behandlungskonzeptes. Die medizinische Kompression stellt dabei eine wesentliche Maßnahme zur Symptomlinderung, funktionellen Stabilisierung und Unterstützung körperlicher Aktivität dar. Der Beitrag ordnet den Stellenwert der Kompressionsversorgung im Kontext aktueller Leitlinienempfehlungen, internationaler Konsenspapiere, der aktuellen Ergebnisse der LIPLEG-Studie sowie des G‑BA-Beschlusses zur Liposuktion ein. Darüber hinaus werden praktische Herausforderungen bei Verordnung, Begutachtung und Versorgung aus Sicht der Sanitätshäuser diskutiert.
Markus Stücker1, Walter Olbricht2
Hintergrund: Viele übergewichtige Menschen entwickeln eine Adipositas-assoziierte funktionelle venöse Insuffizienz (AA-FVI), auch genannt Adipositas-assoziiertes Dependency Syndrom. Diese Studie untersucht den Einfluss von medizinischen Kompressionsstrümpfen (MKS) auf die Beschwerden.
Patienten und Methoden: Es wurden 49 Patienten, 37 Frauen und 12 Männer, mit Body-Mass-Index (BMI) 30–40 kg/m2 und klinischem Bild einer AA-FVI entsprechend chronisch venöser Insuffizienz (CVI) Stadien C3–C5 eingeschlossen. Während der Interventionsphase trugen die Patienten knielange MKS der Kompressionsklasse 2 (KKL2). In der ersten Woche wurden am linken Bein Flachstrick-MKS getragen, am rechten Bein Rundstrick-MKS. In den folgenden drei Wochen trugen die Patienten beidseitig den MKS ihrer Wahl.
Ergebnisse: Das Patientenalter lag durchschnittlich bei 54,0 Jahren und der BMI bei 35,6 kg/m². Die durchschnittliche tägliche Tragedauer der MKS betrug 9,6 Stunden. Unter den 40 Patienten mit analysierbaren Daten reduzierte sich der VVSymQ-Beschwerdescore auf 57 % des Ausgangswertes (p 0,00001), insbesondere bei den Leitsymptomen Schwellung, Schwere, Schmerzen und Pochen. Ödeme lagen anfänglich bei 22 Patienten vor. Während der MKS-Intervention heilten diese bei 73 % der betroffenen Patienten ab. Die Passform und der Sitz der MKS wurden von 98 % der Patienten als gut oder sehr gut bewertet, das An- und Ausziehen wurde von 89 % bzw. 78 % als gut oder sehr gut bewertet.
Diskussion: Das Beschwerdebild einer AA-FVI kann durch MKS effektiv reduziert werden. Die adipösen Patienten zeigten eine gute Therapieadhärenz.
Ende März fand in Paris das 8. Internationale Lymphsymposium statt. Dieses bot neben wissenschaftlichen Fachvorträgen auch Workshops, die den praxisnahen Austausch förderten und den Transfer theoretischer Inhalte in den klinischen Alltag ermöglichten.
WeiterlesenKaltplasma ergänzt die Kompressionstherapie bei chronischen Wunden: Studien und Praxiserfahrungen zeigen, wie die Kombination Heilung beschleunigt, Schmerzen lindert und die Therapietreue verbessert.
Beim Campus Lymphologicum 2026 zeigt ein praxisnaher Workshop, wie Versorger die Zusammenarbeit mit Krankenkassen verbessern, Ablehnungen vermeiden und Anträge verständlicher gestalten können.
Die einen tragen sie vorbeugend, die anderen, wenn Beschwerden auftreten, und wieder andere wollen ihre Leistung damit gezielt steigern: die Rede ist von Sportkompression. Warum der Druck auf die Beine manchmal genau den richtigen Schub gibt, erläutert Denise Louvet, Brand Managerin bei Jobst Deutschland.
Beim Stichwort „Kompression“ ist Schwangerschaft womöglich nicht die erste Assoziation. Dabei bringt diese Lebensphase besondere Anforderungen an das venöse und lymphatische System mit sich, bei denen Kompression unterstützen kann.
J. Dissemond1, S. Eder2, S. Läuchli3, H. Partsch4, M. Stücker5
Die Kompressionstherapie ist eine nebenwirkungsarme konservative Therapie, die im deutschsprachigen Raum eine lange Tradition hat. Bei den Indikationen der Kompressionstherapie kann man im Bereich der Wundbehandlung zwei wesentliche Einsatzbereiche differenzieren. Die Verbesserung der Hämodynamik ist insbesondere bei phlebologischen Krankheitsbildern von großer Bedeutung. Zudem sollte die Kompressionstherapie bei nahezu allen Patienten mit Ödemen der unteren Extremitäten angewendet werden.
Heute gibt es zunehmend weniger Kontraindikationen, die gegen die Durchführung einer Kompressionstherapie in der klinischen Praxis sprechen. Entsprechend aktuellen Leitlinien sind diese Kontraindikationen die fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit, die dekompensierte Herzinsuffizienz, die septische Phlebitis und Phlegmasia coerulea dolens. Zudem gibt es einige Patienten, bei denen eine engmaschige Kontrolle erfolgen sollte. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Patienten mit nässenden Hautveränderungen oder Polyneuropathie. Kontrovers diskutiert wird weiterhin der Einsatz der Kompressionstherapie bei akuten Infektionskrankheiten wie beispielsweise dem Erysipel.
Aufgrund der Vielzahl der heute zur Verfügung stehenden Kompressionsmaterialien und ‑systeme kann bei dem Großteil aller Patienten mit Wunden und Ödemen der unteren Extremitäten eine Kompressionstherapie durchgeführt werden. Diese sollte sich dann als patientengerechte Versorgung an den Komorbiditäten und individuellen Bedürfnissen sowie Fähigkeiten der Patienten orientieren.
Die Diagnose Lymphödem bedeutet für Betroffene eine lebenslange Therapie – Tag für Tag. Auch im hohen Alter muss diese fortgesetzt werden. Da klassische Kompression häufig nur mit Unterstützung angelegt werden kann, bietet das medizinische adaptive Kompressionssystem (MAK) eine praktikable Alternative.
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