Roll­stuhl 4.0: Smar­ter durch den Alltag

Mit Sen­sor­sys­te­men und bewe­gungs­ge­steu­er­ten Fit­ness­ga­mes wol­len die Diplom-Inge­nieu­re Jörg Blinn und Micha­el Göd­del mehr Bewe­gung in das Leben von Roll­stuhl­fah­ren­den brin­gen. Sie gehö­ren zu einem Ent­wick­ler­team am Fach­be­reich Infor­ma­tik und Mikro­sys­tem­tech­nik der Hoch­schu­le Kai­sers­lau­tern, Stand­ort Zwei­brü­cken, das an einer Sitz­auf­la­ge für Roll­stüh­le zum Akti­vi­täts­mo­ni­to­ring und zur Deku­bi­tu­s­prä­ven­ti­on arbei­tet. Ein ers­ter Pro­to­typ wur­de im Novem­ber 2020 auf dem Kon­gress „#Sport #Gesund­heit #Digi­tal“ an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät (TU) Kai­sers­lau­tern vorgestellt.

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Wenn Druck die Haut zer­stört — Anfor­de­run­gen an die Deku­bi­tus­pro­phy­la­xe und ‑behand­lung

S. Gün­ther
Ein Deku­bi­tal­ge­schwür, kurz „Deku­bi­tus“, ist eine chro­ni­sche Wun­de der Haut und der dar­un­ter­lie­gen­den Gewe­be­schich­ten, die in der Regel durch Druck über knö­cher­nen Vor­sprün­gen ent­steht. Das Gewe­be wird dabei nicht genü­gend mit Sauer­stoff ver­sorgt; bei schwe­ren Gra­den kommt es zu Nekro­sen. Betrof­fen sind häu­fig immo­bi­le, älte­re Men­schen mit lan­gen Lie­ge­zei­ten im Bett. Risi­ko­fak­to­ren sind unter ande­rem schlech­te Kör­per­pfle­ge, über­mä­ßi­ges Schwit­zen, Haut­er­kran­kun­gen, Man­gel­er­näh­rung, Infek­tio­nen und Inkon­ti­nenz. Eine beson­de­re Risi­ko­grup­pe sind Dia­be­ti­ker, die auf­grund von Sen­si­bi­li­täts­stö­run­gen klei­ne Druck­ge­schwü­re häu­fig nicht bemerken.

Der Arti­kel schil­dert anhand zwei­er Fall­bei­spie­le die Grund­vor­aus­set­zun­gen für eine adäqua­te Deku­bi­tus­be­hand­lung und ‑pro­phy­la­xe (Erhe­bung der Risi­ko­fak­to­ren, stän­di­ge Haut­in­spek­ti­on und ‑pfle­ge, eine indi­vi­du­ell ange­pass­te Lage­rung, Ernäh­rungs­um­stel­lung, inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit mit Ärz­ten, Sani­täts­häu­sern und The­ra­peu­ten). Zudem wer­den die Anfor­de­run­gen an eine sinn­vol­le Bedarfs­er­mitt­lung dis­ku­tiert, um das pas­sen­de Hilfs­mit­tel aus­zu­wäh­len, ins­be­son­de­re Anti­de­ku­bi­tus­ma­trat­zen und ‑sitz­kis­sen.

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Hybri­des modu­la­res Sitz­sys­tem zur Redu­zie­rung von Sitzbelastungen

M. Woitag
Mit dem hybri­den modu­la­ren Sys­tem wur­de eine kom­ple­xe medi­zi­ni­sche Anord­nung ent­wi­ckelt, die beim Sit­zen auf­tre­ten­de Belas­tun­gen gezielt redu­ziert und die Ver­weil­zeit im Sitz­sys­tem ohne Zunah­me des Risi­kos von Schä­di­gun­gen der Haut (Deku­bi­tus­pro­phy­la­xe) erhöht. Dabei zeich­net sich das hybri­de Sys­tem durch die Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner Wirk­me­cha­nis­men aus. Eine grund­le­gen­de Belas­tungs­re­duk­ti­on erfolgt durch die indi­vi­du­el­le Sitz­an­pas­sung an die Kör­per­kon­tur mit Hil­fe einer Vaku­um­sitz­kis­sen­kom­po­nen­te. Dar­über hin­aus­ge­hen­de Belas­tun­gen wer­den von einer Luft­pols­ter­schicht und einer klas­si­schen Schaum­stoff­schicht abge­fan­gen. Durch die Inte­gra­ti­on eines flä­chi­gen Druck­mess­sys­tems wer­den zudem Belas­tun­gen sen­so­risch erfasst. Auf die­ser Basis wer­den mit Hil­fe der seg­men­tier­ten Luft­pols­ter­schicht und der zuge­hö­ri­gen pneu­ma­ti­schen Stell­ein­rich­tung gezielt Ent­las­tun­gen und auch Wech­sel­be­las­tun­gen her­bei­ge­führt, die zur Erho­lung der betrof­fe­nen Kör­per­zo­nen führen.

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