FachartikelPeer Review

Dyna­mi­sche Hüft­ab­duk­ti­ons-Lage­rungs­or­the­se zur Behand­lung patho­lo­gisch ver­än­der­ter Hüf­ten bei neu­ro­mus­ku­lä­ren Erkran­kun­gen in der Kinderorthopädie

S. Rauch, M. Göggel
Die konservative Hüftabduktionsbehandlung ist häufig fester Bestandteil des Therapiekonzeptes bei auffälligen Hüftbefunden neuromuskulär beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher. Dabei hat sich gezeigt, dass die konventionellen starren Abduktionssysteme wiederholt vor allem durch mangelnde Compliance scheitern, wodurch im weiteren Verlauf ein invasiver Eingriff erforderlich werden kann. Dieser Artikel befasst sich mit Indikationen, starren und dynamischen Systemen und geht insbesondere auf die „Pohlig-Hüft-Abduktionsorthese“ ein.

Ein­lei­tung und Indikation

Aty­pi­sche Ver­än­de­run­gen im Bereich der Hüf­te kön­nen in unter­schied­lichs­ten For­men und Alters­grup­pen auf­tre­ten. Bei Kin­dern mit neu­ro­mus­ku­lä­ren Erkran­kun­gen, etwa mit größ­ter Inzi­denz infan­ti­ler Cere­bral­pa­re­se (ICP), kön­nen Auf­fäl­lig­kei­ten wäh­rend der kind­li­chen Ent­wick­lung auf­tre­ten und äußern sich u. a. in mus­ku­lä­ren Dys­ba­lan­cen, Gelenk­kon­trak­tu­ren, Defor­mi­tä­ten an Ace­tabu­lum und pro­xi­ma­lem Femur, Hüft­sub­lu­xa­ti­on und Hüft­lu­xa­ti­on1 2 3 4 5 6. Zur wachs­tums­be­glei­ten­den kon­ser­va­ti­ven Behand­lung die­ser Indi­ka­tio­nen wur­de die dyna­mi­sche Hüft­ab­duk­ti­ons-Lage­rungs­or­the­se ent­wi­ckelt. Abge­grenzt wer­den muss die für den mit­tel­eu­ro­päi­schen Raum mit einer Inzi­denz von 2 % bis 4 % ange­ge­be­ne Hüft­dys­pla­sie bei Neu­ge­bo­re­nen, wel­che die am häu­figs­ten auf­tre­ten­de Form von Hüft­dys­pla­sie bil­det7 8. Hier­bei han­delt es sich um eine Rei­fungs­ver­zö­ge­rung, bei der die kon­ven­tio­nel­len Behand­lungs­me­tho­den je nach Schwe­re­grad mit Repo­si­ti­on, Ruhig­stel­lung (Fett­weis­gips), Nach­rei­fung in Sitz-Hock-Posi­ti­on (z. B. Tübin­ger Hüft­beu­ge­schie­ne), manu­el­ler The­ra­pie und in sel­te­nen Fäl­len ope­ra­ti­ve Kor­rek­tu­ren die gän­gi­ge Pra­xis sind und die hier vor­ge­stell­te dyna­mi­sche Ver­sor­gung nicht indi­ziert ist9 10 11 12 13.

Pathome­cha­nis­mus typi­scher neu­ro­ge­ner Hüftentwicklung

Aus­gangs­punkt ist zunächst die im Säug­lings­al­ter durch­schnitt­lich ent­wi­ckel­te Hüf­te14. Im Ver­lauf des Klein­kin­des- bis juve­ni­len Alters kön­nen dann eine pro­gre­di­en­te aty­pi­sche Ent­wick­lung der Hüf­te bei Kin­dern mit ICP, aber auch ande­ren neu­ro­mus­ku­lä­ren Erkran­kun­gen, auf­tre­ten15 16 17 18 19. Dabei begüns­tigt ein Zusam­men­spiel von gestör­ter Inner­va­ti­on hüft­um­grei­fen­der Mus­ku­la­tur und ver­spä­te­ter bis aus­blei­ben­der Ver­ti­ka­li­sie­rung (je nach Schwe­re­grad der glo­ba­len Beein­träch­ti­gung) eine ungüns­ti­ge Ver­än­de­rung hüft­be­tref­fen­der Struk­tu­ren20 21 22. Neu­ro­mus­ku­lär mani­fes­tiert sich bei Stö­run­gen des zen­tra­len Ner­ven­sys­tems meist ein spas­ti­sches Fle­xi­ons-Adduk­ti­ons-Mus­ter, wobei die ant­ago­nis­ti­sche abdu­zie­ren­de sowie die glu­teale Mus­ku­la­tur eine ver­min­der­te Akti­vi­tät auf­wei­sen23 24 25. Die Hyper­to­nie der spas­tisch akti­ven Mus­keln begüns­tigt eine pro­gre­di­en­te Kon­trak­tur sowie Stei­fig­keit sel­bi­ger26 27. Durch die spas­tisch per­ma­nent vor­lie­gen­den unphy­sio­lo­gi­schen mus­ku­lä­ren Rei­ze und durch die man­gels Ver­ti­ka­li­sie­rung redu­zier­te Druck­be­las­tung von Hüft­kopf auf Hüft­pfan­ne sowie auf den Schen­kel­hals kann sich im Wachs­tum wei­ter­füh­rend eine Coxa val­ga in desta­bi­li­sie­ren­der Ante­tor­si­ons­stel­lung ent­wi­ckeln28 29 30 31. Dar­aus resul­tie­rend ändert sich das bio­me­cha­ni­sche Kräf­te­ver­hält­nis am Hüft­ge­lenk32 33. Die Zug­rich­tung der schwa­chen Hüft­ab­duk­to­ren, zusam­men mit den dabei anhal­tend spas­tisch hyper­to­nen, meist ver­kürz­ten Hüft­ad­duk­to­ren, wirkt sich nun (s. Abb. 1) nicht mehr phy­sio­lo­gisch zen­trie­rend, son­dern dezen­trie­rend auf den Hüft­kopf aus34 35 36 37 38 39.

Die Hüft­pfan­ne ent­wi­ckelt sich im wei­te­ren Ver­lauf pro­gre­di­ent dys­plas­tisch abge­flacht mit stei­lem Ace­tabul­um­win­kel (AC), bis sie den dezen­trier­ten Hüft­kopf nicht mehr hal­ten kann und eine Luxa­ti­on unver­meid­bar wird, was in der Fol­ge zu star­ken Schmer­zen bis zum Ver­lust der Steh- oder Sitz­fä­hig­keit füh­ren kann40 41 42 43 44. Zur Bestim­mung des Gra­des der Dezen­trie­rung kom­men der Migra­ti­ons­in­dex (MI) nach Rei­mers sowie der Pfan­nen­dach­win­kel bzw. AC stan­dar­di­siert zum Ein­satz45 46 47.

Durch sich gegen­sei­tig ver­stär­ken­de Wech­sel­wir­kun­gen inner­halb des Pathome­cha­nis­mus kommt es zu einer posi­ti­ven Kor­re­la­ti­on von Schwe­re­grad der Hüft­an­oma­lie mit dem all­ge­mei­nen Schwe­re­grad der Behin­de­rung, bei ICP im fünf­stu­fi­gen Gross Motor Func­tion Clas­si­fi­ca­ti­on Sys­tem (GMFCS) kate­go­ri­siert48 49 50 51 52 53 54. Soo et al. berich­ten von einem linea­ren Zusam­men­hang zwi­schen dem Risi­ko der Hüft­dis­lo­ka­ti­on (Migra­ti­ons­in­dex nach Rei­mers > 30 %) und dem GMFCS-Level (Abb. 2), wobei die Gesamtin­zi­denz von Dis­lo­ka­tio­nen bei Kin­dern mit ICP mit 35 % beschrie­ben wird55.

Einen Behand­lungs­leit­fa­den für Kin­der mit ICP bil­det der auf dem erfolg­rei­chen schwe­di­schen Prä­ven­ti­ons­pro­gramm nach Hägg­lund et al.56 basie­ren­de Hüf­tam­pel-Algo­rith­mus57 58. Die­ser glie­dert MI-Wer­te und GMFCS-Level in drei Grup­pen und lei­tet Risi­ko und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen ab (grün: kon­ser­va­ti­ve The­ra­pie mit jähr­li­chen Kon­trol­len, gelb: kon­ser­va­ti­ve The­ra­pie mit halb­jähr­li­chen Kon­trol­len bis zum Abwä­gen ope­ra­ti­ver Maß­nah­men sowie rot: OP-Indi­ka­ti­on)59 60 61. Um die Lebens­qua­li­tät zu schüt­zen, ist eine eng­ma­schi­ge sys­te­ma­ti­sche Kon­trol­le und frü­he Inter­ven­ti­on von hohem Stel­len­wert62 63 64 65 66.

Kon­ser­va­ti­ve Versorgungskonzepte

Im Fokus der kon­ser­va­ti­ven Behand­lung steht die frü­he Erken­nung und inter­dis­zi­pli­nä­re Behand­lung gefähr­de­ter Hüf­ten, um einer dro­hen­den Pro­gre­di­enz mit struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen ent­ge­gen­zu­wir­ken, bes­ten­falls bevor es zu einer Mani­fes­tie­rung von Dys­pla­sie oder Sub­lu­xa­ti­on kommt. Neben Phy­sio­the­ra­pie sind die Ver­ti­ka­li­sie­rung (wenn nötig mit Steh­ge­rät oder Steh­scha­le) und die Lage­rungs­be­hand­lung gän­gi­ge Pra­xis, nicht sel­ten auch in Beglei­tung von loka­len Botu­li­num­to­xin-Injek­tio­nen in beson­ders spas­ti­sche Mus­keln oder medi­ka­men­tö­ser Behand­lung (z. B. Baclo­fen) 67 68 69 70 71. Unab­hän­gig von Art und Aus­füh­rung der Lage­rungs­hilfs­mit­tel ist die Ein­stel­lung eines oder bei­der Hüft­ge­len­ke je nach indi­vi­du­el­len Anfor­de­run­gen i. d. R. in 20° Abduk­ti­on ein ver­brei­te­ter Stan­dard72 73 74 75. Ziel die­ser Pra­xis stellt die mög­lichst effek­ti­ve Zen­trie­rung des Hüft­kop­fes in die Hüft­pfan­ne dar (Abb. 3), um damit die Entwicklung/Formbildung der Gelenk­struk­tu­ren über das Wachs­tum hin­weg zu len­ken und bes­ten­falls zu opti­mie­ren sowie eine Ver­kür­zung der hüft­ad­du­zie­ren­den Mus­keln zu redu­zie­ren, eine Luxa­ti­on zu ver­hin­dern, die Steh‑, Geh- und Sitz­fä­hig­keit zu erhal­ten, einer Ope­ra­ti­ons­pflich­tig­keit vor­zu­beu­gen und, falls bereits vor­han­den, Schmer­zen zu redu­zie­ren76 77 78 79 80 81 82.

Soll­te eine chir­ur­gi­sche Inter­ven­ti­on den­noch erfor­der­lich wer­den, ist auch die Nach­be­hand­lung zur Siche­rung des OP-Ergeb­nis­ses mit einer kon­ser­va­ti­ven, hüft­ab­du­zie­ren­den Maß­nah­me zu beglei­ten83 84 85.

Klas­si­sche kon­ser­va­ti­ve star­re Abduk­ti­ons-Lage­rungs­hilfs­mit­tel und ihre Limitationen

Klas­si­sche Lage­rungs­hilfs­mit­tel beru­hen auf dem Kon­zept der Fixie­rung in ärzt­lich ver­ord­ne­ter Hüft­ein­stel­lung. Die tech­ni­sche Umset­zung erfolgt dabei her­kömm­lich z. B. mit­tels maß­ge­fer­tig­ten Schaum­stoff-Lage­rungs­blö­cken, dor­sa­len Kunst­stoff­scha­len, Spreiz­stä­ben, die an ver­schie­dens­te Bein­or­the­sen mon­tiert wer­den, oder becken- und bein­über­grei­fen­de Orthe­sen (Abb. 4)86 87 88. Eine Gemein­sam­keit die­ser Hilfs­mit­tel ist die star­re Fixie­rung bei­der Bei­ne zuein­an­der. Dabei bie­ten nur hüft­über­grei­fen­de Sys­te­me die Mög­lich­keit der Ein­stel­lung eines exak­ten Win­kels von Femur zu Rumpf/Becken und somit auch eine iso­lier­te, bei Bedarf unter­schied­li­che Ein­stel­lung von rech­tem und lin­kem Hüft­ge­lenk. Zudem kön­nen damit eine Einstellung/Fixierung der Exten­si­on bzw. Fle­xi­on, Rota­ti­ons­stel­lung im Hüft­ge­lenk sowie Ein­stel­lun­gen angren­zen­der Gelen­ke umge­setzt wer­den. Bei nicht hüft­über­grei­fen­der Fixie­rung z. B. mit­tels Spreiz­stab kön­nen der Win­kel von Femur zu Becken bzw. Rumpf sowie die Hüf­tro­ta­ti­on nur gering­fü­gig beein­flusst wer­den, da die­se lage­ab­gän­gig sind.

Sowohl Erfah­run­gen im kin­der­or­tho­pä­di­schen und ortho­pä­die­tech­ni­schen Ver­sor­gungs­all­tag als auch Stu­di­en zei­gen, dass eine kon­se­quen­te kon­ser­va­ti­ve Abduk­ti­ons-Lage­rungs­be­hand­lung die Pro­gre­di­enz von Hüft­dys­pla­sie und (Sub-)Luxation redu­zie­ren und bis hin zu Ver­bes­se­run­gen von Migra­ti­ons­in­dex, Adduk­ti­ons­kon­trak­tu­ren und Schmerz­re­duk­ti­on füh­ren kann, wobei bes­se­re Ergeb­nis­se erzielt wer­den, je mehr Stun­den die Anwen­dung erfolgt89 90. Auch zeigt sich, dass eine kon­se­quen­te Anwen­dung mus­kel­deh­nen­der Sys­te­me über meh­re­re Stun­den neben der pas­si­ven Ver­bes­se­rung des Ran­ge of Moti­on (ROM) ver­kürz­ter Mus­keln auch die Spas­tik die­ser sen­ken kann91 92. Als pro­ble­ma­tisch stellt sich dabei in der Pra­xis jedoch wie­der­holt her­aus, dass dabei das Grund­prin­zip der Fixie­rung in einer Stel­lung zu einer hohen Ableh­nungs­ra­te der Anwen­der und damit zum Schei­tern der kon­ser­va­ti­ven Maß­nah­me führt93 94 95. Durch die star­ren, häu­fig volu­mi­nö­sen und im Ver­hält­nis zu Kör­per­ge­wicht und akti­ver Mus­kel­kraft betrof­fe­ner schwe­ren Kon­struk­tio­nen wer­den die Pati­en­ten stark immo­bi­li­siert; auch nicht betrof­fe­ne Gelen­ke wer­den häu­fig blo­ckiert, was einen eigen­stän­di­gen Posi­ti­ons­wech­sel ver­hin­dert oder stark erschwert96 97 98 99. Dadurch kann ein manu­el­les Umla­gern durch Betreu­er teil­wei­se mehr­fach pro Nacht erfor­der­lich wer­den, was wie­der­um den erhol­sa­men Schlaf und die Com­pli­ance aller Betei­lig­ten beein­träch­ti­gen und sich zu Unguns­ten der kon­se­quen­ten Nut­zung und schluss­end­lich nega­tiv auf den Behand­lungs­er­folg aus­wir­ken kann100 101 102 103 104. Auch ein­schie­ßen­de Spas­ti­ken kön­nen bei nicht nach­ge­ben­den Kon­struk­tio­nen zu Schmer­zen und Ver­let­zun­gen füh­ren und den Tra­ge­kom­fort wei­ter beein­träch­ti­gen105.

Dyna­mi­sche Hüftabduktions-Lagerungsorthese

Um eine bes­se­re Ver­träg­lich­keit, Com­pli­ance, Schlaf­qua­li­tät, Hand­hab­bar­keit und damit auch län­ge­re Tra­ge­zei­ten mit Poten­ti­al für bes­se­re Behand­lungs­er­fol­ge zu errei­chen, haben sich unter­schied­li­che Her­stel­ler Ansät­zen zur dyna­mi­sche­ren Hüft­ab­duk­ti­ons­kor­rek­tur gewid­met. Ange­regt durch die hem­men­den Eigen­schaf­ten her­kömm­li­cher Lösun­gen, erfolg­te in einem inter­dis­zi­pli­nä­ren Team, in Koope­ra­ti­on mit der ortho­pä­di­schen Kin­der­kli­nik Aschau und dem dama­li­gem Chef­arzt Dr. Döder­lein, ab 2009 die Ent­wick­lung einer dyna­mi­sche­ren Alter­na­ti­ve zur Stei­ge­rung der Akzep­tanz, um ein Hilfs­mit­tel, wel­ches ger­ne und damit häu­fi­ger zum Ein­satz kommt, zu bie­ten. Das Ergeb­nis ist die indi­vi­du­el­le dyna­mi­sche Hüft­ab­duk­ti­ons­or­the­se in PA mit frei beweg­li­chen Knie­ge­len­ken und Gas­druck­fe­der­ein­heit „Poh­lig-Hüft-Abduk­ti­ons-Orthe­se“ (PHAO) zur Anwen­dung in der Nacht oder in Ruhe­pha­sen, deren Ent­wick­lung sich nach tech­ni­schen, medi­zi­ni­schen und anwen­der­ori­en­tier­ten Anfor­de­run­gen rich­te­te. Ent­spre­chend bis­he­ri­ger Behand­lungs­an­sät­ze ist die Haupt­funk­ti­on der PHAO wei­ter­hin, die Bei­ne des Pati­en­ten in einer Hüft­ab­duk­ti­on von bis zu 20° pro Bein zu lagern. Ent­spre­chend indi­vi­du­el­ler Anfor­de­run­gen kann die­ser Win­kel bei Anpas­sung auch gerin­ger ein­ge­stellt wer­den. Den Anfor­de­run­gen an die Dyna­mik ent­spre­chend, wird zwi­schen den Ober­schen­kel­scha­len eine mehr­ge­len­ki­ge Gas­druck­­fe­der-Abduk­ti­ons­me­cha­nik ver­baut, wel­che durch zwei mit­tig gespie­gel­te, unab­hän­gi­ge kine­ma­ti­sche Mehr­kör­per­schlei­fen cha­rak­te­ri­siert ist (Abb. 5). Dadurch ver­fügt das Sys­tem nicht über einen fes­ten mono­zen­tri­schen Gelenk­dreh­punkt (weil die­ser auf­grund ana­to­mi­scher Bege­ben­hei­ten tech­nisch nicht am phy­sio­lo­gi­schen Dreh­zen­trum posi­tio­nier­bar wäre), son­dern kann sich über die gelen­kig gela­ger­ten Schen­kel der ana­to­mi­schen Ab- und Adduk­ti­ons­be­we­gung scho­nend anpas­sen. Dadurch wird dem Auf­tre­ten ungüns­ti­ger Scher­kräf­te wie eine Late­ra­li­sa­ti­on des Hüft­kop­fes, pro­vo­ziert durch Inkon­gru­enz von Gelenk­dreh­zen­tren, vor­ge­beugt. Die Druck­rich­tung der Federn arbei­tet dabei ste­tig in Abduk­ti­on, die Feder­stär­ke lässt sich pati­en­ten­spe­zi­fisch, dem The­ra­pie­fort­schritt sowie dem Wachs­tum ent­spre­chend jeder­zeit vari­ie­ren. Bei aus­rei­chend gro­ßem Druck gegen den Feder­wi­der­stand in Rich­tung Adduk­ti­on, aktiv oder durch Schwer­kraft der Bei­ne, lässt die PHAO eine fast voll­stän­di­ge Auf­he­bung der Abduk­ti­on (je nach Kör­per­pro­por­tio­nen) ohne wei­te­res Ein­grei­fen wie Ent­rie­geln zu (Abb. 6). Dies ermög­licht ein tem­po­rä­res Zusam­men­füh­ren bei­der Bei­ne, um einen Posi­ti­ons­wech­sel wie nächt­li­ches Umdre­hen zu erleich­tern oder akut ein­schie­ßen­de Spas­tik schmerz­re­du­ziert und ver­let­zungs­frei zuzu­las­sen. Sobald die Mus­kel­kon­trak­ti­on wie­der nach­lässt oder die ver­än­der­te Posi­ti­on in Bauch- oder Rücken­la­ge ein­ge­nom­men ist, spreizt sich der Mecha­nis­mus über die Feder­rück­stell­kraft auto­ma­tisch wie­der in die vor­ge­se­he­ne Kor­rek­tur­stel­lung auf (Abb. 6). Adap­tiert wird der addi­tiv gefer­tig­te mehr­ge­len­ki­ge PHAO-Mecha­nis­mus an eben­so in selek­ti­vem Laser-Sinter(SLS)-Verfahren 3D-gedruck­te, leich­te und atmungs­ak­ti­ve Ober­schen­kel-Orthe­sen­hül­sen, die in digi­ta­len Pro­zes­sen maß­ge­fer­tigt wer­den. Als Mate­ri­al hier­für hat sich Poly­amid 12 auf­grund von Bio­kom­pa­ti­bi­li­tät, mecha­ni­scher Fes­tig­keit bei gleich­zei­ti­ger Teil­fle­xi­bi­li­tät von Berei­chen per­fo­rier­ter oder dün­ner Mate­ri­al­stär­ke, homo­ge­nem Mate­ri­al­ver­bund, Ein­färb­bar­keit und Lang­le­big­keit bewährt. Zur groß­flä­chi­gen Kraft­über­tra­gung und Ver­mei­dung ungüns­ti­ger Momen­te im Knie­ge­lenk sind Unter­schen­kel­hül­sen über Imple­men­tie­rung eines frei­be­weg­li­chen, uni­la­te­ra­len Knie­ge­lenks in media­ler Anord­nung vor­ge­se­hen. Das Gelenk dient dem Ziel, den Bewe­gungs­um­fang angren­zen­der Gelen­ke nicht unnö­tig ein­zu­schrän­ken und dem Anwen­der die Mög­lich­keit des eigen­stän­di­gen Umdre­hens, Auf­set­zens und Anwin­kelns der Knie­ge­len­ke nicht zu neh­men (s. Abb. 6). Zum erleich­ter­ten Anle­gen lässt sich der Mecha­nis­mus stu­fen­wei­se in redu­zier­ter Abduk­ti­on ver­rie­geln, wodurch sich neben­bei das Pack­maß zur Ver­stau­ung im Haus­halt oder bei Rei­sen mini­mie­ren lässt. Die Lie­fe­rung erfolgt stets mit mon­tier­tem Klemm­schutz. Zusätz­lich besteht die Mög­lich­keit, die dyna­mi­sche Hüft­ab­duk­ti­ons­or­the­se fle­xi­bel in Kom­bi­na­ti­on mit unter­schied­lichs­ten Bein­or­the­sen zu nutzen.

Im Rah­men der Ent­wick­lung wur­den, nach Kon­struk­ti­on und Kon­struk­ti­ons­op­ti­mie­rung u. a. über digi­ta­le Kräf­te­be­rech­nun­gen, Maxi­mal­tests wie Dau­er- und Bruch­test im Prüf­la­bor durch­ge­führt. Danach erfolg­te eine eng­ma­schig betreue Test­pha­se von zwei Mona­ten mit Pro­to­ty­pen an fünf Pati­en­ten. Nach posi­ti­vem Aus­gang wur­den wei­te­re 20 Pati­en­ten über sechs Mona­te unter stren­ger Doku­men­ta­ti­on und zwi­schen­zeit­li­chen ärzt­li­chen Visi­ten mit der PHAO ver­sorgt, wor­auf­hin das Pro­dukt in Serie gehen konn­te. Eine wäh­rend des Ent­wick­lungs­pro­zes­ses durch­ge­führ­te kli­ni­sche Test­pha­se mit Eva­lua­ti­on durch die Nut­zer mit­tels Fra­ge­bo­gen ergab, dass die Tole­ranz, vor allem durch ver­bes­ser­te Schlaf­qua­li­tät sowohl bei Pati­en­ten als auch Betreu­ern, bedingt durch mehr Bewe­gungs­frei­heit und hin­fäl­li­ge Not­wen­dig­keit des Umla­gerns, im Ver­gleich zu her­kömm­li­chen star­ren Vor­ver­sor­gun­gen gestei­gert wer­den konn­te. Auch das gerin­ge Gewicht, das moder­ne Design und die durch die digi­ta­le Fer­ti­gung ermög­lich­te atmungs­ak­ti­ve Kon­struk­ti­on kön­nen zu einer ver­bes­ser­ten Com­pli­ance füh­ren. Die­se Ergeb­nis­se konn­ten auch nach Markt­ein­füh­rung über die stan­dar­di­sier­ten Pati­ent Repor­ted Expe­ri­ence Mea­su­res (PREMs) sowie durch von Ver­ord­nern in den ärzt­li­chen Ver­laufs­kon­trol­len auf­ge­nom­me­ne Rück­mel­dun­gen bestä­tigt werden.

Fall­bei­spiel

Ein Jun­ge mit bila­te­ral spas­ti­scher CP GMFCS III wur­de mit fünf­ein­halb Jah­ren zur dyna­mi­schen Hüft­ab­duk­ti­ons-Lage­rungs­be­hand­lung bei uns vor­stel­lig. Im Rah­men des regel­mä­ßi­gen Scree­nings wur­den Rippstein-1-Rönt­gen­kon­trol­len ange­fer­tigt; eine Aus­wahl ist in Abbil­dung 7 zu sehen. Nach­dem es zwi­schen dem Erst­be­fund im Alter von drei Jah­ren und der Fol­ge­un­ter­su­chung im Alter von fünf Jah­ren zu einer deut­li­chen Pro­gre­di­enz des MI, einer leich­ten Pro­gre­di­enz des AC-Win­kels und einer deut­li­chen Tonus- und Adduk­ti­ons­kon­trak­tur-Erhö­hung gekom­men war, wur­de eine dyna­mi­sche Lage­rungs­be­hand­lung ärzt­lich emp­foh­len. Mit fünf­ein­halb Jah­ren erhielt der Pati­ent sei­ne ers­te PHAO. Abbil­dung 7 zeigt, dass sich die Wer­te im Alter von sie­ben und neun Jah­ren unter Nut­zung der PHAO fort­lau­fend ver­bes­ser­ten. Der Schen­kel­hals­win­kel und die Unter­bre­chung der Shen­ton-Menard-Linie zei­gen sich nahe­zu unver­än­dert. Der ROM der Abduk­ti­on hat sich unter mitt­le­ren Schwan­kun­gen bei beglei­ten­der Botox-Injek­tio­nen wie­der leicht verbessert.

Limi­ta­tio­nen dyna­mi­scher Systeme

Zu beach­ten gilt, dass der Schritt weg von kon­ven­tio­nel­len sta­ti­schen und mehr­ge­lenks­über­grei­fen­den Sys­te­men auch den poten­ti­el­len Anwen­der­kreis beein­flusst. Durch die dyna­mi­schen Kom­po­nen­ten wird die Abduk­ti­ons­stel­lung im Umkehr­schluss nicht pau­sen­los und nicht mit andau­ernd gleich­blei­ben­dem Wider­stand gehal­ten. Nicht indi­ziert ist ein dyna­mi­sches Sys­tem (hier nur für die PHAO bewer­tet) daher, wenn eine Kor­rek­tur­stel­lung ohne Unter­bre­chung gewähr­leis­tet sein muss, wie z. B. unmit­tel­bar nach einer knö­cher­nen Ope­ra­ti­on an der Hüft­pfan­ne oder wenn anhal­tend ein sehr star­ker Adduk­to­ren­to­nus oder eine sehr aus­ge­präg­te struk­tu­rel­le Kon­trak­tur besteht, wel­chen die Feder nicht aus­rei­chend ent­ge­gen­wir­ken kann. Um die gewoll­te Bewe­gungs­frei­heit zu ermög­li­chen, ist die­ses Sys­tem absicht­lich nicht rumpf­über­grei­fend, wodurch kei­ne Mani­pu­la­ti­on von Hüf­tex­ten­si­on/-fle­xi­on sowie kei­ne exak­te Ein­stel­lung des Win­kels von Femur zu Rumpf gene­riert wer­den kön­nen. Die­se sind von der gewähl­ten Lie­ge­po­si­ti­on und Hal­tung bedingt. Es hält aus­schließ­lich den Win­kel zwi­schen bei­den Bei­nen und ist daher wie auch z. B. star­re Spreiz­stä­be nicht für Pati­en­ten mit Wind­schlag­de­for­mi­tät, rei­ne Sei­ten­schlä­fer, stark sei­ten­dif­fe­ren­te Hüft­be­fun­de oder insta­bi­le, bereits luxier­te Hüf­ten geeig­net. Davon kann abge­lei­tet wer­den, dass die dyna­mi­sche Hüft­ab­duk­ti­ons­or­the­se PHAO nicht für sehr stark betrof­fe­ne Pati­en­ten mit weit fort­ge­schrit­te­ner, patho­lo­gisch ver­än­der­ter Hüft­si­tua­ti­on, wie es bei Pati­en­ten mit GMFCS V in der Regel der Fall ist, son­dern mehr zum prä­ven­ti­ven, wachs­tums­len­ken­den Ein­satz mil­der Defek­te, wie dem genann­ten Fall­bei­spiel, emp­foh­len wird.

Aus­blick: alter­na­ti­ve dyna­mi­sche Versorgungsangebote

Alter­na­ti­ve, mit Dyna­mik benann­te Pro­duk­te auf dem aktu­el­len deut­schen Markt unter­strei­chen den Bedarf an dyna­mi­schen Hüft­ab­duk­ti­ons­or­the­sen, zei­gen jedoch unter­schied­li­che Her­an­ge­hens­wei­sen an die Umset­zung. Nach­fol­gend wer­den die nach Wis­sens­stand der Autoren geläu­figs­ten Sys­te­me auf Basis der frei ver­füg­ba­ren Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en grob dargestellt.

Das „Mul­ti­Mo­ti­on – Dyna­mi­sches Hüft­ab­duk­ti­ons­sys­tem für Kin­der“106 der Fir­ma Bas­ko Health­ca­re „zur Behand­lung von dyna­misch kor­ri­gier­ba­ren Adduk­ti­ons­kon­trak­tu­ren im Hüft­ge­lenk“107 setzt sich aus einem mono­zen­tri­schen Gelenk­kör­per mit fla­cher, als Zug­fe­der ein­ge­setz­ter Spi­ral­fe­der und tele­s­ko­pier­ba­ren Abduk­ti­ons­schie­nen zusam­men108 109. Die Abduk­ti­ons­schie­nen sol­len medi­al mit­tig an Unter­schen­kel­hül­sen adap­tiert wer­den, der Gelenk­kör­per liegt pro­xi­mal dazu zwi­schen den Bei­nen, sei­ne exak­te Posi­tio­nie­rung ist nicht ange­ge­ben110. Stu­fen­los ein­stel­len lässt sich die Abduk­ti­ons­kraft (Ska­la 0–5 ohne Ein­heit), die Abduk­ti­on und Adduk­ti­on wer­den stu­fen­wei­se begrenzt111. Das Gelenk lässt sich stu­fen­los inner­halb des ROM ver­rie­geln112 113. Bei der Mon­ta­ge gemäß Gebrauchs­an­wei­sung ist das lin­ke und rech­te Bein aus­schließ­lich über die dista­le gelen­ki­ge Schie­ne ver­bun­den114. Bei Auf­sprei­zen des Sys­tems in die Hüft­ab­duk­ti­on fin­det eine dista­le Bewe­gungs­steue­rung statt, wobei der Gelenk­kör­per mit mono­zen­tri­schem Dreh­punkt nach distal wan­dert. Die pro­xi­ma­le Bewe­gung wird ledig­lich über die ana­to­mi­schen Struk­tu­ren geführt, media­ti­sie­ren­de, late­ra­li­sie­ren­de, Schub- oder Druck­mo­men­te auf Knie oder Hüf­te las­sen sich durch die Ver­la­ge­rung des zu den Hüft­ge­len­ken inkon­gru­en­ten mono­zen­tri­schen Dreh­punkt nicht aus­schlie­ßen. Eine aus­rei­chen­de Siche­rung und Zen­trie­rung insta­bi­ler Hüf­ten, ins­be­son­de­re bei ange­ge­be­ner Indi­ka­ti­on Hüft­ge­lenk­sub­lu­xa­ti­on115, soll­te bei der Ver­sor­gung abge­wägt wer­den. Um von der Dyna­mik Gebrauch machen zu kön­nen, soll­te der lan­ge Hebel zur Über­win­dung des Abduk­ti­ons-Feder­wi­der­stan­des berück­sich­tigt wer­den, da die Adduk­ti­ons­be­we­gung mus­ku­lär pro­xi­mal erfolgt, die Feder jedoch distal adap­tiert wird. Auch die über die Ab- und Adduk­ti­ons­an­schlä­ge gene­rier­te Geo­me­trie der Schie­nen ist dies­be­züg­lich zu beden­ken. Die Ver­sor­gungs­hö­he der orthe­ti­schen Bein­fas­sun­gen wird in der Gebrauchs­an­wei­sung nicht expli­zit benannt, das Titel­bild die­ser zeigt unter­schen­kel­lan­ge Scha­len116, wobei poten­ti­el­le Scher­kräf­te auf die Knie­ge­len­ke bedacht wer­den soll­ten. Eine Anga­be dies­be­züg­lich auf der Anbie­ter-Web­site benennt den Ein­satz an „KAFO-Bein­scha­len“117, wobei es eine Immo­bi­li­sie­rung des Knie­ge­lenks zu berück­sich­ti­gen gilt.

Eine wei­te­re Opti­on bie­tet der Her­stel­ler Pro Walk über das „Dyna­mi­sche Super 3D-Gelenk“118 für Kin­der zwi­schen zwei und zehn Jah­ren und 10–35 kg119. Das Gelenk wird im Ober­schen­kel­be­reich medi­al fest an Orthe­sen­hül­sen (ober­schen­kel- bis ganz­bein­über­grei­fend) ange­bracht120. Der Abduk­ti­ons­win­kel ist stu­fen­los auf bis zu 20° pro Sei­te fest ein­stell­bar, ein Ent­rie­ge­lungs­me­cha­nis­mus zur Tren­nung der Gelenk­schen­kel ist optio­nal ver­füg­bar121. Die Bewe­gungs­rich­tung der namens­ge­ben­den Dyna­mik liegt dabei nicht in der Ab- und Adduk­ti­on, son­dern in den „Bewe­gungs­ab­fol­gen Flexion/Abduktion/Außenrotation & Extension/Abduktion/Innenrotation“122 bei auf­recht­erhal­te­ner Abduk­ti­ons­stel­lung. Dadurch ist der Ein­satz neben der Lage­rung bei den bei­den grö­ße­ren Gelenk­mo­del­len auch zum Gehen aus­ge­wie­sen123. Die Bewe­gung erfolgt um ein Dreh­zen­trum im pro­xi­ma­len Gelenk­be­reich. Aus der starr ein­ge­stell­ten Abduk­ti­ons­stel­lung lässt das Gelenk über eine Aus­wahl von drei Elas­to­mer­puf­fer-Här­te­gra­den optio­nal eine Reduk­ti­on der Abduk­ti­on gegen Wider­stand124 in Form eines gedämpf­ten Anschlags um ein paar Grad zu. Ob dies eine aus­rei­chen­de Nach­gie­big­keit bei ein­schie­ßen­der Spas­tik zum Posi­ti­ons­wech­sel im Schlaf oder Nach­pas­sung ent­spre­chend Wachs­tum und The­ra­pie­fort­schritt bie­tet und die Com­pli­ance ver­bes­sert wer­den kann, gilt abzu­wä­gen. Die damit geführ­te Bewe­gungs­ab­fol­ge scheint eher Vor­tei­le für eine geführ­te Schritt­fol­ge zu betonen.

Die modu­la­re dyna­mi­sche „Hip­Ki Hüft­ab­duk­ti­ons­or­the­se“125 der Fir­ma Got­tin­ger kann laut Her­stel­ler voll­stän­dig aus kon­fek­tio­nier­ten Kom­po­nen­ten zum post­ope­ra­ti­ven Ein­satz zusam­men­ge­stellt wer­den126. Haupt­merk­mal ist die mehr­di­men­sio­na­le Beweg­lich­keit des zwi­schen den Ober­schen­keln zu posi­tio­nie­ren­den Fal­ten­balgs, wel­cher in zwei ver­schie­de­nen Här­te­gra­den ange­bo­ten wird127 128. Die­ser hält eine nicht defi­nier­te Hüft­ab­duk­ti­ons­stel­lung bei gleich­zei­tig frei­er mehr­di­men­sio­na­ler Bewe­gungs­mög­lich­keit129, wel­che einer Kip­pel­be­we­gung um ein Kugel­ge­lenk nahe­kommt. Eine Adduk­ti­on ist nicht mög­lich. Optio­nal erwei­ter­bar ist das Sys­tem um eine becken­über­grei­fen­de Pelot­tie­rung zur Hüft­fle­xi­ons­be­gren­zung sowie um Unter­schen­kel­scha­len, die über ein frei­be­weg­li­ches Knie­ge­lenk ange­bun­den wer­den130. Da das Sys­tem zur post­ope­ra­ti­ven Behand­lung offe­riert wird, ermög­licht es nur gerin­ge Bewe­gungs­aus­schlä­ge und damit im Ver­gleich zu allen genann­ten dyna­mi­schen Hüft­ab­duk­ti­ons­or­the­sen die redu­zier­tes­te Dynamik.

Fazit für die Praxis

Ein all­ge­mei­ner Vor­teil kon­ser­va­ti­ver Lage­rungs­be­hand­lung ist, dass sie zu Hau­se in den Ruhe­zei­ten (Mit­tags­schlaf, nachts) erfolgt und damit kei­nen zusätz­li­chen Zeit­auf­wand bedeu­tet. Dabei wirkt sich die im Schlaf vor­lie­gen­de Mus­kel­ent­span­nung ohne Abwehr­span­nung zusätz­lich unter­stüt­zend zur Mus­kel­deh­nung aus. Wird die Lage­rungs­be­hand­lung kon­se­quent umge­setzt, kann es zu wech­sel­wir­ken­den posi­ti­ven Effek­ten der kon­ser­va­ti­ven Maß­nah­men mit ins­ge­samt grö­ße­ren Erfol­gen kom­men. Mit dem Ange­bot einer scho­nen­den dyna­mi­schen Abduk­ti­ons-Lage­rungs­be­hand­lung, die eine grö­ße­re Com­pli­ance bei den Nut­zern fin­det, kann die Wahr­schein­lich­keit für eine län­ge­re und häu­fi­ge­re Anwen­dung mit höhe­rem Erfolgs­po­ten­ti­al kon­ser­va­ti­ver Maß­nah­men unter­stützt wer­den. Der deut­sche Markt bie­tet unter­schied­li­che Vari­an­ten von mit „dyna­misch“ beschrie­be­nen Hüft­ab­duk­ti­ons­or­the­sen. Bei genau­er Betrach­tung zeigt sich, dass die­se in Funk­ti­on und Auf­bau grund­ver­schie­den sind und stark vari­ie­ren­de Aus­ma­ße an Dyna­mik ver­kör­pern. Es gilt daher bei der Erstel­lung eines kon­ser­va­ti­ven Ver­sor­gungs­kon­zep­tes, die spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen klar zu defi­nie­ren sowie die Vor- und Nach­tei­le abzu­wä­gen, um die indi­vi­du­ell pas­sends­te Lösung zu finden.

 

Inter­es­sen­kon­flikt:
Die Autorin Sophia Rauch ist für die Poh­lig GmbH tätig.

 

Die Autoren:
Sophia Rauch B.Sc. Ort­ho­bio­nik, Orthopädietechnikmeisterin
Poh­lig GmbH 
Gra­ben­stät­ter Stra­ße 1
83278 Traun­stein

Dr. med. Mat­thi­as Göggel
Fach­arzt Ortho­pä­die und Unfall­chirurgie, Schwer­punkt Kinderorthopädie
Ortho­pä­di­sche Kin­der­kli­nik Aschau 
Ber­nau­er Str. 18
83229 Aschau im Chiemgau

 

Begut­ach­te­ter Beitrag/reviewed paper

Zita­ti­on
Rauch S, Gög­gel M. Dyna­mi­sche Hüft­ab­duk­ti­ons-Lage­rungs­or­the­se zur Behand­lung patho­lo­gisch ver­än­der­ter Hüf­ten bei neu­ro­mus­ku­lä­ren Erkran­kun­gen in der Kin­der­or­tho­pä­die. Ortho­pä­die Tech­nik, 2025; 76 (6): 42–49

 

 

Quel­len­ver­zeich­nis

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  128. Got­tin­ger Han­dels­haus OHG. Hip­Ki Fal­ten­balg. https://shop.gottinger.de/produktauswahl/hueftabduktionsorthese/2536/hipki-faltenbalg?c=75 (Zugriff am 22.01.2025)
  129. Got­tin­ger Han­dels­haus OHG. Hip­Ki Fal­ten­balg. https://shop.gottinger.de/produktauswahl/hueftabduktionsorthese/2536/hipki-faltenbalg?c=75 (Zugriff am 22.01.2025)
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