FachartikelPeer Review

Medi­zi­ni­sche Kom­pres­si­ons­strümp­fe redu­zie­ren die Beschwer­den bei Adi­po­si­tas-asso­zi­ier­ter funk­tio­nel­ler venö­ser Insuffizienz

Markus Stücker1, Walter Olbricht2
Hintergrund: Viele übergewichtige Menschen entwickeln eine Adipositas-assoziierte funktionelle venöse Insuffizienz (AA-FVI), auch genannt Adipositas-assoziiertes Dependency Syndrom. Diese Studie untersucht den Einfluss von medizinischen Kompressionsstrümpfen (MKS) auf die Beschwerden. Patienten und Methoden: Es wurden 49 Patienten, 37 Frauen und 12 Männer, mit Body-Mass-Index (BMI) 30–40 kg/m2 und klinischem Bild einer AA-FVI entsprechend chronisch venöser Insuffizienz (CVI) Stadien C3–C5 eingeschlossen. Während der Interventionsphase trugen die Patienten knielange MKS der Kompressionsklasse 2 (KKL2). In der ersten Woche wurden am linken Bein Flachstrick-MKS getragen, am rechten Bein Rundstrick-MKS. In den folgenden drei Wochen trugen die Patienten beidseitig den MKS ihrer Wahl. Ergebnisse: Das Patientenalter lag durchschnittlich bei 54,0 Jahren und der BMI bei 35,6 kg/m². Die durchschnittliche tägliche Tragedauer der MKS betrug 9,6 Stunden. Unter den 40 Patienten mit analysierbaren Daten reduzierte sich der VVSymQ-Beschwerdescore auf 57 % des Ausgangswertes (p < 0,00001), insbesondere bei den Leitsymptomen Schwellung, Schwere, Schmerzen und Pochen. Ödeme lagen anfänglich bei 22 Patienten vor. Während der MKS-Intervention heilten diese bei 73 % der betroffenen Patienten ab. Die Passform und der Sitz der MKS wurden von 98 % der Patienten als gut oder sehr gut bewertet, das An- und Ausziehen wurde von 89 % bzw. 78 % als gut oder sehr gut bewertet. Diskussion: Das Beschwerdebild einer AA-FVI kann durch MKS effektiv reduziert werden. Die adipösen Patienten zeigten eine gute Therapieadhärenz.


1  Kli­nik für Der­ma­to­lo­gie, Vene­ro­lo­gie und All­er­go­lo­gie, St. Josef-Hos­pi­tal, Ruhr-­Uni­ver­si­tät Bochum
2  Fakul­tät für Mathe­ma­tik, Phy­sik und ­Infor­ma­tik, Uni­ver­si­tät Bayreuth

 

Ein­lei­tung

Die chro­ni­sche Venen­in­suf­fi­zi­enz (CVI) beschreibt Zustän­de einer fort­ge­schrit­te­nen chro­ni­schen Venen­er­kran­kung, die zu Öde­men, Haut­ver­än­de­run­gen oder venö­sen Ulzer­a­tio­nen führt [1]. Die­se kli­ni­schen Sym­pto­me kön­nen nicht nur durch Vari­zen aus­ge­löst wer­den, son­dern auch durch ande­re funk­tio­nel­le Stö­run­gen des Venen­sys­tems, wie zum Bei­spiel Ver­än­de­run­gen der venö­sen Hämo­dy­na­mik durch Adi­po­si­tas [2]. Dabei spie­len die abdo­mi­nel­len Fett­ge­webs­mas­sen eine rele­van­te Rol­le [3]. Aktu­el­le Stu­di­en bele­gen, dass fort­ge­schrit­te­ne Sta­di­en der CVI wie Stau­ungs­ek­ze­me, Atro­phie blan­che und Ulcus cru­ris (CEAP-Klas­si­fi­ka­ti­on C4 bis C6) [4] mit einem erhöh­ten Body-Mass-Index (BMI) asso­zi­iert sind. In der Bon­ner Venen­stu­die lag die für Alter, Geschlecht, Vari­zen-Fami­li­en­ge­schich­te und wei­te­re Risi­ko­fak­to­ren mul­ti­va­ria­bel adjus­tier­te Prä­va­lenz­ra­tio für eine schwe­re CVI (C4–C6 vs. C0/C1) bei adi­pö­sen Per­so­nen (BMI ≥ 30 kg/m²) bei 2,86 (95 % KI: 1,74; 4,69 kg/m²) im Ver­gleich zu nor­mal­ge­wich­ti­gen Per­so­nen (BMI ≤ 24,9 kg/m²) [5]. Die mul­ti­va­ria­bel adjus­tier­te Prä­va­lenz­ra­tio für venö­se Öde­me im Rah­men einer CVI (C3 vs. C0/C1) lag für adi­pö­se Per­so­nen im Ver­gleich zu nor­mal­ge­wich­ti­gen Per­so­nen bei 3,47 (95 % KI: 2,68; 4,48) [5]. Für Vari­zen lag die adjus­tier­te Prä­va­lenz­ra­tio dem­ge­gen­über bei einem BMI ≥ 30 kg/m² bei 1,57 (95 % KI: 1,33; 1,85) und war somit eben­falls erhöht, jedoch nicht so aus­ge­prägt wie bei CVI.

Bedingt durch das vis­ze­ra­le Fett­ge­we­be kön­nen bei adi­pö­sen Pati­en­ten funk­tio­nel­le Beein­träch­ti­gun­gen des venö­sen Abflus­ses statt hämo­dy­na­misch rele­van­ten venö­sen Insuf­fi­zi­en­zen wie eine Fehl­funk­ti­on der Venen­klap­pen vor­han­den sein. Die­se Adi­po­si­tas-asso­zi­ier­te funk­tio­nel­le Venen­in­suf­fi­zi­enz (AA-FVI), auch genannt Adi­po­si­tas-asso­zi­ier­tes Depen­den­cy Syn­drom [6, 7], kann durch­aus zu schwe­ren Ver­läu­fen mit aus­ge­präg­ten Ulcera crurum veno­sa füh­ren [8].

Die Kom­pres­si­ons­the­ra­pie zur Behand­lung der CVI im Rah­men von klas­si­schen Reflu­xen im Bereich der ober­fläch­li­chen oder tie­fen Venen bezie­hungs­wei­se bei Obstruk­tio­nen im Rah­men eines post­throm­bo­ti­schen Syn­droms ist gut eta­bliert [9, 10]. Hin­ge­gen ist die Wirk­sam­keit der Kom­pres­si­ons­the­ra­pie bei einer AA-FVI bis­lang noch nicht unter­sucht. Ziel der vor­lie­gen­den Stu­die war es, den Ein­fluss medi­zi­ni­scher Kom­pres­si­ons­strümp­fe (MKS) auf die Beschwer­de­sym­pto­ma­tik der AA-FVI zu unter­su­chen und zu klä­ren, ob die adi­pö­sen Pati­en­ten eher Rund­strick- oder eher Flachstrick-MKS präferieren.

Metho­den

Pati­en­ten

In einer pro­spek­ti­ven, mono­zen­tri­schen, kon­trol­lier­ten, ver­glei­chen­den Stu­die wur­den 49 Pati­en­ten ≥ 18 Jah­re, mit einem BMI von 30 bis 40 kg/m² (gerun­det) und dem kli­ni­schen Bild einer CVI an den Bei­nen ent­spre­chend CEAP C3 bis C5, die in den letz­ten drei Mona­ten kei­ne MKS getra­gen hat­ten, ein­ge­schlos­sen. Das kli­ni­sche Bild umfass­te Öde­me, Hyper­pig­men­tie­run­gen, Rötun­gen, Der­ma­to­li­po­skle­ro­se und Stau­ungs­ek­ze­me. Aus­ge­schlos­sen wur­den Pati­en­ten mit ande­ren nicht adi­po­si­tas­be­ding­ten Ursa­chen einer CVI wie zum Bei­spiel hämo­dy­na­misch rele­van­te duplex­so­no­gra­fisch nach­weis­ba­re Insuf­fi­zi­en­zen der ober­fläch­li­chen oder tie­fen Venen, dekom­pen­sier­te Öde­m­er­kran­kun­gen wie Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz, Leber­in­suf­fi­zi­enz oder Herz­in­suf­fi­zi­enz, Ein­nah­me von Medi­ka­men­ten, die die Sym­pto­ma­tik der zu beob­ach­ten­den Beschwer­den erheb­lich beein­flus­sen könn­ten (z. B. Glu­ko­kor­ti­ko­ide ober­halb der Cus­hing-Schwel­le, regel­mä­ßi­ge Ein­nah­me von Schmerz­mit­teln), erheb­li­che Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen bis hin zum arth­ro­ge­nen Stau­ungs­syn­drom, abso­lu­te Kon­tra­in­di­ka­tio­nen für MKS, ank­le-bra­chi­al-index (ABI) < 0,6, abso­lu­ter Knö­chel­arte­ri­en­druck < 60 mmHg, Unfä­hig­keit, den MKS allei­ne, ggf. mit Hilfs­mit­teln wie Nop­pen­hand­schu­he oder Big But­ler, an- oder aus­zu­zie­hen oder bekann­te All­er­gien gegen das Mate­ri­al der MKS. Zudem wur­den Pati­en­ten aus­ge­schlos­sen, bei denen der maxi­ma­le Umfang des Ober­schen­kels mehr als das Zwei­ein­halb­fa­che des schmals­ten Knö­chel­um­fan­ges betrug oder bei denen Kali­ber­sprün­ge bestan­den, da dies einer Ver­wen­dung von Rund­strick-MKS ent­ge­gen­steht. Unter einem Kali­ber­sprung ver­steht man die Zunah­me des Bein­um­fangs um mehr als einen Zen­ti­me­ter inner­halb eines Zen­ti­me­ters Län­gen­än­de­rung [11].

Der ers­te Pati­ent wur­de am 17. Janu­ar 2019 in die Stu­die auf­ge­nom­men, der letz­te Pati­ent schloss die Stu­die am 7. März 2022 ab. Die Pro­ban­den wur­den aus den regu­lä­ren Sprech­stun­den des Venen­zen­trums der Kli­ni­ken für Der­ma­to­lo­gie und Gefäß­chir­ur­gie der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum rekru­tiert. Sie wur­den zunächst von den Stu­di­en­kran­ken­schwes­tern und anschlie­ßend auch von den Stu­di­en­ärz­ten ange­spro­chen. Alle Unter­su­chun­gen und Daten­er­he­bun­gen fan­den im oben genann­ten Venen­zen­trum statt. Die Basis­da­ten der Pati­en­ten wur­den vor Beginn der Stu­die mit­tels stan­dar­di­sier­ter kör­per­li­cher Unter­su­chun­gen und Fra­ge­bö­gen erho­ben. Die kli­ni­schen Sym­pto­me der Pati­en­ten wur­den zu Beginn und am Ende der Stu­die mit­tels kör­per­li­cher Unter­su­chun­gen erfasst. Die Häu­fig­keit von Neben­wir­kun­gen der MKS-The­ra­pie sowie die Beur­tei­lung der Pass­form und Hand­ha­bung der MKS wur­den am Ende der Stu­die mit­tels stan­dar­di­sier­ter Fra­ge­bö­gen erhoben.

Die Pati­en­ten erhiel­ten kei­ne Anrei­ze für ihre Teil­nah­me an der Studie.

Stu­di­en­de­sign und Intervention

Wäh­rend der vier­wö­chi­gen Inter­ven­ti­ons­pha­se erhiel­ten alle Pati­en­ten nach Ver­mes­sung der Bei­ne im Stu­di­en­zen­trum maß­an­ge­fer­tig­te MKS, ent­we­der den flach­ge­strick­ten medi­ven 550 oder den rund­ge­strick­ten medi­ven for­te, die sie tags­über zu Hau­se tra­gen soll­ten. Bei­de MKS-Typen waren Kom­pres­si­ons­klas­se (KKL) 2 (23–32 mmHg), knie­lang (AD), mit geschlos­se­ner Fuß­spit­ze und in den Far­ben Cara­mel oder Schwarz erhält­lich. Bei­de Pro­duk­te sind als Medi­zin­pro­dukt für die Anwen­dung im unter­such­ten Pati­en­ten­kol­lek­tiv zuge­las­sen und am Markt verfügbar.

Die Stu­die war in drei Pha­sen aufgeteilt.

  • Pha­se 1: Die Pati­en­ten tru­gen eine Woche lang kei­nen MKS.
  • Pha­se 2: Die Pati­en­ten tru­gen eine Woche lang am rech­ten Bein den Rund­strick-MKS medi­ven for­te, gleich­zei­tig am lin­ken Bein den Flachstrick-MKS medi­ven 550.
  • Pha­se 3: Die Pati­en­ten wähl­ten ent­we­der den Flachstrick-MKS oder den Rund­strick-MKS und tru­gen die­sen die fol­gen­den drei Wochen an bei­den Beinen.

In allen Pha­sen doku­men­tier­ten die Pati­en­ten täg­lich ihre Sym­pto­me sepa­rat für jedes Bein in einem Pati­en­ten­ta­ge­buch unter Ver­wen­dung der deut­schen Über­set­zung des vali­dier­ten Vari­co­se Veins Sym­ptoms Ques­ti­on­n­aire (VVSymQ) [12]. Dabei beant­wor­te­ten die Pati­en­ten täg­lich zwi­schen 18.00 und 22.00 Uhr, wie häu­fig sie seit dem Auf­ste­hen am Mor­gen jeweils die Sym­pto­me Schwe­re­ge­fühl, Schmer­zen, Schwel­lung, Pochen und Juck­reiz bemerkt hat­ten. Die sechs Ant­wort­mög­lich­kei­ten, die Score-Wer­ten von 0 bis 5 ent­spre­chen, lau­te­ten: zu kei­nem Zeit­punkt, sel­ten, eini­ge Zeit, über einen lan­gen Zeit­raum, die meis­te Zeit oder die gan­ze Zeit (Sup­ple­ment Tab. S1). Der VVSymQ-Beschwer­des­core ist die Sum­me der fünf Ein­zel­sym­pto­me und bewegt sich ent­spre­chend zwi­schen 0 und 25. Dar­über hin­aus doku­men­tier­ten die Pati­en­ten die täg­li­che MKS-Tra­ge­zeit in einem Tagebuch.

Die Stu­die erhielt ein posi­ti­ves Votum der Ethik­kom­mis­si­on der medi­zi­ni­schen Fakul­tät der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum am 24.08.2018, Ethik Regis­ter-Nr. 17–6337-MPG.

Sta­tis­ti­sche Analyse

Das Design der Stu­die weist sowohl Ele­men­te eines kon­trol­lier­ten Ver­suchs wie auch einer Beob­ach­tungs­stu­die auf. Das Haupt­er­geb­nis zur medi­zi­ni­schen Wirk­sam­keit der MKS basiert dabei auf einem kon­trol­lier­ten Ver­such. Bei den Über­prü­fun­gen der Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­wer­tun­gen (ins­be­son­de­re Resi­du­al­ana­ly­se) zeig­te sich erwar­tungs­ge­mäß, dass sich der VVSymQ-Beschwer­des­core der ein­zel­nen Pati­en­ten nicht gleich­mä­ßig um einen kon­stan­ten Wert, son­dern pro­por­tio­nal zum Aus­gangs­wert ver­min­der­te (Sup­ple­ment Abb. S1). Der bei ähn­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen häu­fig emp­foh­le­ne gepaar­te t‑Test wäre hier ent­spre­chend inad­äquat. Das statt­des­sen benutz­te Pro­por­tio­nal­mo­dell (Regres­si­on ohne Ach­sen­ab­schnitt) ist daher sowohl sta­tis­tisch gebo­ten als auch intui­tiv nahe­lie­gend und bes­ser im Ein­klang mit der medi­zi­ni­schen Erfah­rung. Ange­ge­be­ne p‑Werte sind stets nomi­nal (wie für einen Ein­zel­test) berech­net. Falls erfor­der­lich, kann die Berück­sich­ti­gung meh­re­rer Tests leicht durch eine Bon­fer­ro­ni-Kor­rek­tur erreicht wer­den, d. h. im ein­fachs­ten Fall durch Mul­ti­pli­ka­ti­on der p‑Werte mit der Anzahl der zu berück­sich­ti­gen­den Tests.

An man­chen Tagen nah­men man­che Pati­en­ten kei­ne VVSymQ-Fra­ge­bo­gen-Ein­tra­gun­gen vor. Um die vor­lie­gen­den Daten mög­lichst gut zu nut­zen und eine best­mög­li­che Ver­gleich­bar­keit zwi­schen den Pati­en­ten zu gewähr­leis­ten, wur­den die Daten eines Pati­en­ten dann in die sta­tis­ti­sche Ana­ly­se ein­be­zo­gen, wenn alle Wer­te für das rech­te und lin­ke Bein an min­des­tens fünf Tagen in der betref­fen­den Woche gleich­zei­tig vor­la­gen (im Ergeb­nis­teil bezeich­net als „ana­ly­sier­ba­re“ oder „aus­rei­chen­de“ Daten). Wenn nicht anders beschrie­ben, bezie­hen sich alle dar­ge­stell­ten Daten und Ergeb­nis­se zum VVSymQ und sei­nen fünf Ein­zel­sym­pto­men auf Mit­tel­wer­te aus den Wer­ten für das rech­te und lin­ke Bein. Die­se wur­den ihrer­seits sepa­rat als Mit­tel­wer­te der für den jewei­li­gen Pati­en­ten pro Bein vor­lie­gen­den Daten von fünf bis sie­ben Tagen einer Stu­di­en­wo­che berechnet.

Die Stich­pro­ben­grö­ße basier­te auf ähn­li­chen Stu­di­en mit ande­ren Pati­en­ten­grup­pen [13]. Alle sta­tis­ti­schen Berech­nun­gen wur­den mit der Sta­tis­tik­soft­ware R, Ver­si­on 4.3.2, oder in Excel durchgeführt.

Ergeb­nis­se

Es wur­den 37 weib­li­che und 12 männ­li­che Pati­en­ten mit AA-FVI ein­ge­schlos­sen. Tabel­le 1 stellt wesent­li­che Pati­en­ten­cha­rak­te­ris­ti­ka zu Stu­di­en­be­ginn für alle sowie getrennt für weib­li­che und männ­li­che Pati­en­ten dar. Von den 49 Pati­en­ten lagen bei neun an bei­den Bei­nen ein CEAP-Sta­di­um C4 (tro­phi­sche Haut­ver­än­de­run­gen) vor, bei 38 Pati­en­ten ein CEAP-Sta­di­um C3 (Ödem) und bei 2 Pati­en­ten an einem Bein C4 und am ande­ren Bein C3. Das mitt­le­re Alter der Pati­en­ten betrug 54,0 Jah­re, der mitt­le­re BMI 35,6 kg/m² und der mitt­le­re ABI 1,10.

Vor Beginn der MKS-Inter­ven­ti­on vari­ier­te der VVSymQ-Beschwer­des­core unter den 45 Pati­en­ten mit ent­spre­chend ana­ly­sier­ba­ren Daten im Wochen­mit­tel zwi­schen 0 und 19. Der mitt­le­re VVSymQ-Beschwer­des­core lag bei 6,75 (Sup­ple­ment Tab. S2).

Wäh­rend der MKS-Inter­ven­ti­on in den Wochen 2 bis 5 nahm der VVSymQ kon­ti­nu­ier­lich und deut­lich ab, sowohl bei allen ana­ly­sier­ba­ren Pati­en­ten (Sup­ple­ment Tab. S2) als auch in der Grup­pe der 37 Pati­en­ten, die kon­stant über alle fünf Stu­di­en­wo­chen aus­rei­chend Daten bei­tru­gen (Abb. 1 und Sup­ple­ment Tab. S3). Die stärks­te VVSymQ-Reduk­ti­on erfolg­te unmit­tel­bar nach The­ra­pie­be­ginn in der ers­ten Woche der MKS-Intervention.

Unter den 40 Pati­en­ten, die sowohl zu Stu­di­en­be­ginn (Woche 1) als auch am Stu­di­en­en­de (Woche 5) aus­rei­chend Daten für die Ana­ly­se bei­tru­gen, befand sich ein Pati­ent, der zu bei­den Zeit­punk­ten beschwer­de­frei war. Unter den übri­gen 39 Pati­en­ten ver­bes­ser­te sich der VVSymQ-Beschwer­des­core wäh­rend der vier­wö­chi­gen MKS-Tra­ge­dau­er bei 33 Pati­en­ten. Dies ent­spricht einer Erfolgs­wahr­schein­lich­keit von 84,6 % (95 % KI: 71,9 %, 100 %; ein­sei­ti­ger Zei­chen­test: p = 0,000007).

Quan­ti­ta­tiv redu­zier­te sich der VVSymQ-Beschwer­des­core für alle 40 Pati­en­ten im Schnitt auf 57,4 % des Aus­gangs­wer­tes (95 % KI: 46,2 %, 68,7 %; ein­sei­ti­ger Test „Pro­por­tio­na­li­täts­fak­tor = 100 % gegen Pro­por­tio­na­li­täts­fak­tor < 100 %“: p < 0,00001).

Zu Stu­di­en­be­ginn waren die Pati­en­ten vor allem von den Leit­sym­pto­men Schwel­lung, Schwe­re und Schmer­zen betrof­fen, mit mitt­le­ren Wer­ten zwi­schen 2,03 und 1,67 auf der Ska­la von 0 bis 5. Pochen und Juck­reiz waren mit mitt­le­ren Wer­ten von 0,62 und 0,47 deut­lich schwä­cher aus­ge­prägt (Sup­ple­ment Tab. S4).

Wäh­rend der MKS-Inter­ven­ti­on in den Wochen 2 bis 5 nah­men die Sym­pto­me Schwel­lung, Schwe­re, Schmer­zen und Pochen kon­ti­nu­ier­lich und deut­lich ab, sowohl bei allen in den jewei­li­gen Stu­di­en­wo­chen ana­ly­sier­ba­ren Teil­neh­mern (Sup­ple­ment Tab.  S4) als auch in der Grup­pe der 37 Pati­en­ten, die kon­stant über alle fünf Stu­di­en­wo­chen aus­rei­chend Daten bei­tru­gen (Abb. 2 und Sup­ple­ment Tab. S5). Juck­reiz wur­de von den Pati­en­ten in der ers­ten Inter­ven­ti­ons­wo­che etwas stär­ker ange­ge­ben und sank im Lau­fe der MKS-Inter­ven­ti­on wie­der auf das Niveau vor Inter­ven­ti­ons­be­ginn ab.

In der zwei­ten Stu­di­en­wo­che, in der die Pati­en­ten am lin­ken Bein Flachstrick-MKS und am rech­ten Bein Rund­strick-MKS tru­gen, zeig­te sich kein sys­te­ma­ti­scher Unter­schied zwi­schen den für die bei­den Bei­ne ange­ge­be­nen VVSymQ-Beschwer­des­cores (Sup­ple­ment Abb. S2).

Im Anschluss an die zwei­te Stu­di­en­wo­che wähl­ten 30 der 49 Pati­en­ten den Rund­strick-MKS und 18 der 49 Pati­en­ten den Flachstrick-MKS. Ein Pati­ent hat­te die Stu­die in der zwei­ten Stu­di­en­wo­che auf­grund von Beschwer­den am Ober­schen­kel abge­bro­chen. Die Pati­en­ten, die einen Rund- oder Flachstrick-MKS wähl­ten, unter­schie­den sich nicht wesent­lich hin­sicht­lich CEAP-Klas­se, Geschlecht, Alter, BMI oder ABI (Sup­ple­ment Tab. S6).

Ins­ge­samt wur­den die MKS im Ver­lauf der Stu­die im Mit­tel 9,6 Stun­den pro Tag getra­gen. Die Pati­en­ten, die einen Flachstrick-MKS wähl­ten, tru­gen die­sen pro Tag in allen Stu­di­en­wo­chen im Mit­tel etwas län­ger als die Pati­en­ten, die einen Rund­strick-MKS wähl­ten (Abb. 3).

Tabel­le 2 ent­hält die Resul­ta­te für die Ver­än­de­rung des VVSymQ-Beschwer­des­cores für ver­schie­de­ne Pati­en­ten­grup­pen. Die­se Model­le wur­den jeweils sepa­rat als Ein­zel­re­gres­sio­nen berech­net, um die Annah­me glei­cher Feh­ler­va­ri­an­zen zu ver­mei­den. Die Absen­kung über die Zeit wur­de mit dem ein­sei­ti­gen Test „Pro­por­tio­na­li­täts­fak­tor = 100 % gegen Pro­por­tio­na­li­täts­fak­tor < 100 %“ bewer­tet und der Unter­schied zwi­schen den Grup­pen mit dem zwei­sei­ti­gen Welch-Test. Der VVSymQ-Beschwer­des­core redu­zier­te sich ins­be­son­de­re bei den Pati­en­ten, die ihre MKS durch­schnitt­lich mehr als 8 Stun­den pro Tag tru­gen, auf 42,3 % des Wer­tes zu Stu­di­en­be­ginn und damit deut­lich stär­ker als bei den Pati­en­ten, die ihre MKS durch­schnitt­lich nicht mehr als 8 Stun­den täg­lich tru­gen (p = 0,0014) (Tab. 2).

Kli­nisch rele­van­te Öde­me lagen vor Beginn der MKS-Inter­ven­ti­on bei 22 von 47 Pati­en­ten mit ent­spre­chen­den Anga­ben an min­des­tens einem Bein vor. Wäh­rend der MKS-Inter­ven­ti­on heil­ten sie bei 16 der 22 Pati­en­ten (73 %) ab. Ein neu­es Ödem ent­wi­ckel­te sich bei einem Pati­en­ten (Tab. 3). Xero­sis cutis lag vor MKS-Inter­ven­ti­on an min­des­tens einem Bein bei 19 der 47 Pati­en­ten vor. Wäh­rend der MKS-Inter­ven­ti­on heil­te die­se bei 8 der 19 Pati­en­ten ab. Bei kei­nem Pati­en­ten trat Xero­sis cutis neu auf (Tab. 3). Aus den Wech­sel­spal­ten nein/ja und ja/nein geht her­vor, dass in der Gesamt­be­trach­tung für kein Sym­ptom eine Ver­schlech­te­rung ein­trat. Für die­se Spal­ten wur­de ein ein­sei­ti­ger Test auf Ver­bes­se­rung (McNe­mar-Test mit exak­ter Berech­nung durch die Bino­mi­al­ver­tei­lung) durch­ge­führt. Sowohl für Öde­me als auch Xero­sis cutis ergab sich dabei jeweils eine hoch­si­gni­fi­kan­te Redu­zie­rung der Fälle.

Eine deut­li­che Mehr­heit der Pati­en­ten gab am Stu­di­en­en­de an, nur sel­ten oder nie ein Enge­ge­fühl an Fuß, Unter­schen­kel oder Bünd­chen gespürt oder Schnür­fur­chen am Spann ent­wi­ckelt zu haben (Tab. 4).

Eben­falls eine deut­li­che Mehr­heit der Pati­en­ten bewer­te­ten Sitz und Hand­ha­bung (sowohl das An- als auch das Aus­zie­hen der Strümp­fe) der MKS mit „gut“ oder „sehr gut“. Dabei fiel die Bewer­tung am Stu­di­en­en­de, nach dem drei­wö­chi­gen Tra­gen der Wunsch-MKS, noch etwas bes­ser aus (Tab. 5) als nach der ers­ten Tra­ge­wo­che, in der am rech­ten Bein Rund­strick- und am lin­ken Bein Flachstrick-MKS getra­gen wur­den (Sup­ple­ment Tab. S7).

Dis­kus­si­on

Die vor­lie­gen­de Stu­die unter­such­te erst­mals die Aus­wir­kun­gen der Kom­pres­si­ons­the­ra­pie auf die Beschwer­den einer funk­tio­nel­len Venen­in­suf­fi­zi­enz bei Adi­po­si­tas. Obwohl die Bein­ve­nen der unter­such­ten Pati­en­ten mit Adi­po­si­tas kei­ne Reflu­xe und kei­ne Lumen­min­de­run­gen zeig­ten, tra­ten doch erheb­li­che Beschwer­den unter dem kli­ni­schen Bild einer chro­ni­schen Venen­in­suf­fi­zi­enz auf. Die­se Beschwer­den waren unter Kom­pres­si­ons­the­ra­pie rasch rückläufig.

Obwohl die Prä­va­lenz der Adi­po­si­tas in den OECD-Staa­ten (Orga­ni­sa­ti­on for Eco­no­mic Coope­ra­ti­on and Deve­lo­p­ment) durch­schnitt­lich bei 19,5 % liegt und in den USA sogar bei 38,2 % [14], gibt es bis­lang kaum Evi­denz zur Behand­lung venö­ser Erkran­kun­gen adi­pö­ser Pati­en­ten [15]. Dies gilt ins­be­son­de­re auch für die Kompressionstherapie.

Oft wird die Mei­nung ver­tre­ten, dass adi­pö­se Pati­en­ten durch ihre gerin­ge­re Beweg­lich­keit Kom­pres­si­ons­strümp­fe als schwie­rig hand­hab­bar emp­fin­den und dadurch eine schlech­te The­ra­pie­ad­hä­renz zur Kom­pres­si­ons­the­ra­pie haben [15, 16]. Zudem zeig­te eine frü­he­re Stu­die, dass über­ge­wich­ti­ge Pati­en­ten mit einem BMI ≥ 25 kg/m² ten­den­zi­ell häu­fi­ger Ein­schnü­run­gen durch Kom­pres­si­ons­strümp­fe hat­ten als nicht über­ge­wich­ti­ge Pati­en­ten (35,0 vs. 19,2 %,
p = 0,06) [17]. Wäh­rend in vie­len, wenn nicht in den meis­ten Stu­di­en zur The­ra­pie venö­ser Erkran­kun­gen der Bei­ne adi­pö­se Pati­en­ten jedoch aus­ge­schlos­sen wur­den [15], lie­gen in der vor­lie­gen­den Stu­die nun erst­mals spe­zi­fi­sche Daten zur Kom­pres­si­ons­the­ra­pie adi­pö­ser Pati­en­ten mit venö­sen Erkran­kun­gen vor.

Die Ergeb­nis­se zei­gen, dass der Tra­ge­kom­fort der MKS von 98 % und die Hand­ha­bung von etwa 84 % der adi­pö­sen Pati­en­ten mit gut oder sehr gut bewer­tet wur­de. Zudem tra­ten bei den adi­pö­sen Pati­en­ten nur sehr weni­ge Begleit­erschei­nun­gen auf. Die durch­schnitt­li­chen Tra­ge­dau­ern lagen zwi­schen 9 und gut 10 Stun­den pro Tag. Dies ent­spricht in etwa einem reprä­sen­ta­tiv aus­ge­wähl­ten Kol­lek­tiv von Pati­en­ten mit venö­sen und lym­pho­lo­gi­schen Erkran­kun­gen in Deutsch­land, wel­ches die MKS eben­falls über­wie­gend täg­lich und im Mit­tel 11 Stun­den pro Tag trägt [18].

Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die gute The­ra­pie­ad­hä­renz mit dem guten Tra­ge­kom­fort und ins­be­son­de­re mit der sehr raschen (die Effek­te waren bereits in der ers­ten Stu­di­en­wo­che sicht­bar) und deut­li­chen Ver­rin­ge­rung der von den adi­pö­sen Pati­en­ten genann­ten venö­sen Beschwer­den ein­her­ging. Wäh­rend der durch­schnitt­li­che VVSymQ-Wert zu Stu­di­en­be­ginn bei etwa 6,8 Punk­ten lag, waren die Beschwer­den am Stu­di­en­en­de auf etwa 3,7 Punk­te zurück­ge­gan­gen. Die Leit­sym­pto­me Schwel­lung, Schwe­re und Schmer­zen, aber auch Pochen, das den adi­pö­sen Pati­en­ten deut­lich gerin­ge­re Beschwer­den ver­ur­sach­te, redu­zier­ten sich alle um einen ähn­lich star­ken Anteil. Zudem heil­te bei der Mehr­heit (73 %) der zu Stu­di­en­be­ginn von einem Ödem am Bein betrof­fe­nen Pati­en­ten das Ödem im Ver­lauf der vier­wö­chi­gen MKS-The­ra­pie ab.

Als Neben­wir­kun­gen von MKS wer­den häu­fig Haut­ir­ri­ta­tio­nen wie zum Bei­spiel Xero­sis cutis und Juck­reiz ange­se­hen. In der vor­lie­gen­den Unter­su­chung lag bei 40 % der adi­pö­sen Pati­en­ten, die vor der Stu­die kei­ne medi­zi­ni­sche Kom­pres­si­ons­the­ra­pie erhal­ten hat­ten, eine Xero­sis cutis vor. Die­se heil­te im Ver­lauf der vier­wö­chi­gen MKS-The­ra­pie bei fast der Hälf­te (42 %) der Betrof­fe­nen ab, wäh­rend sich unter den zu Stu­di­en­be­ginn nicht Betrof­fe­nen kei­ne neue Xero­sis cutis ent­wi­ckel­te. Von Juck­reiz, der als eines der fünf kli­ni­schen Sym­pto­me im VVSymQ-Score erho­ben wur­de, waren die Pati­en­ten sowohl zu Beginn als auch am Ende der Stu­die nur schwach betroffen.

Die­ser Befund ist bemer­kens­wert, ange­sichts der mit einer Adi­po­si­tas oft­mals ein­her­ge­hen­den gestör­ten epi­der­ma­len Bar­rie­re­funk­ti­on. Die­se zeigt sich in einem signi­fi­kant erhöh­ten tran­s­epi­der­ma­len Was­ser­ver­lust und einer ver­mehr­ten Ery­them­nei­gung im Ver­gleich zu nor­mal­ge­wich­ti­gen Per­so­nen [19] und führt kli­nisch ver­mehrt zu tro­cke­ner Haut [20]. Auch die bei Adi­pö­sen häu­fig auf­tre­ten­den plantaren Hyper­ke­ra­to­sen [21] führ­ten in der vor­lie­gen­den Stu­die nicht zu Ein­schrän­kun­gen der Kompressionstherapie.

Unter den unter­such­ten adi­pö­sen Pati­en­ten ent­schie­den sich 62,5 %  für Rund­strick-MKS und 37,5 % für Flachstrick-MKS. Adi­pö­se Pati­en­ten mit Kali­ber­sprün­gen, die nur mit Flachstrick-MKS the­ra­piert wer­den kön­nen, wur­den nicht in die Stu­die ein­ge­schlos­sen, um den direk­ten Ver­gleich zwi­schen den bei­den MKS-Arten zu ermög­li­chen. Sowohl Rund­strick- als auch Flachstrick-MKS waren wirk­sam. Ein Zusam­men­hang mit der Stär­ke der VVSymQ-Reduk­ti­on zeig­te sich bei der Ana­ly­se der MKS-Tra­ge­dau­ern. Pati­en­ten, die ihre MKS durch­schnitt­lich mehr als 8 Stun­den am Tag tru­gen, erziel­ten eine deut­lich stär­ke­re Abnah­me ihrer Beschwerden.

Bei AA-FVI ver­ur­sa­chen die vis­ze­ra­len Fett­ge­webs­mas­sen eine Obstruk­ti­on der Leis­ten­ve­nen, was in der Fol­ge zu einem erhöh­ten intra­va­sa­len Druck in den unte­ren Extre­mi­tä­ten führt. Bereits ein BMI von 25 kg/m² kann zu einem Druck von 20 mmHg in der Leis­te füh­ren, was wie­der­um die Druck­ver­hält­nis­se in den peri­phe­ren Venen der Extre­mi­tät beein­flusst. Mit einem wei­te­ren Anstieg des BMI steigt auch der Druck in der Leis­te und im Venen­sys­tem der unte­ren Extre­mi­tä­ten. Durch den erhöh­ten intra­va­sa­len Druck im Venen­sys­tem der unte­ren Extre­mi­tä­ten ver­rin­gert sich deren Blut­fluss­ge­schwin­dig­keit, was zu einem ver­min­der­ten venö­sen Blut­rück­fluss führt [22]. Die Kom­pres­si­ons­the­ra­pie ver­rin­gert den Durch­mes­ser der Gefä­ße und ver­bes­sert so den venö­sen Blut­rück­fluss, da die Venen­klap­pen wie­der bes­ser schlie­ßen und als Rück­fluss­ven­ti­le fun­gie­ren kön­nen. Der ver­bes­ser­te venö­se Abfluss redu­ziert den trans­mu­ra­len Druck in den Venen der Extre­mi­tä­ten und ver­rin­gert vor­han­de­ne Öde­me in den Bei­nen, da die Venen mehr Kapa­zi­tät haben, Gewe­be­flüs­sig­keit auf­zu­neh­men und zum Her­zen zu trans­por­tie­ren. Die­se ver­bes­ser­te Venen­funk­ti­on könn­te auch die Bes­se­rung der VVSymQ-Sym­pto­me erklä­ren [23, 24].

Die Ergeb­nis­se sind von hoher Ver­sor­gungs­re­le­vanz, da Adi­po­si­tas eine Volks­krank­heit ist und es bei einer län­ger anhal­ten­den, nicht behan­del­ten venö­sen Insuf­fi­zi­enz neben der sub­jek­ti­ven Beschwer­de­sym­pto­ma­tik zur Aus­prä­gung CVI-typi­scher Kom­pli­ka­tio­nen wie Öde­men, Hyper­pig­men­tie­rung, Der­ma­to­li­po­skle­ro­se, Ery­si­pe­len, Atro­phie blan­che, Wund­hei­lungs­stö­run­gen oder Ulzera kommt [6, 22, 25]. Dar­über hin­aus ist die Adi­po­si­tas auch ein unab­hän­gi­ger Risi­ko­fak­tor für die Ent­ste­hung einer Throm­bo­se [26, 27], der durch Kom­pres­si­ons­the­ra­pie eben­falls effek­tiv vor­ge­beugt wer­den kann [9].

Eine Limi­ta­ti­on der Stu­die besteht dar­in, dass es sich nicht um eine ran­do­mi­sier­te kon­trol­lier­te Stu­die han­delt, da die Haupt­ana­ly­se auf einem intra­in­di­vi­du­el­len Ver­gleich basiert, bei dem die Daten jedes Teil­neh­mers vor der Inter­ven­ti­on als Kon­troll­da­ten die­nen. Eine wei­te­re Limi­ta­ti­on ist, dass unse­re Stu­die auf adi­pö­se Pati­en­ten mit einem BMI zwi­schen 30 und 40 kg/m² beschränkt war, sodass es unklar ist, ob Pati­en­ten mit einem höhe­ren BMI eben­so stark pro­fi­tie­ren wie die unter­such­te Grup­pe. Die­se Ein­schrän­kung wur­de bewusst vor­ge­nom­men, da das Risi­ko für beson­de­re indi­vi­du­el­le Kör­per­for­men, die mit der Rund­strick­tech­nik nicht mehr behan­delt wer­den kön­nen, mit dem Schwe­re­grad der Adi­po­si­tas zunimmt. Ein fai­rer Ver­gleich zwi­schen den bei­den MKS-Typen wäre dann nicht mög­lich gewe­sen. Dar­über hin­aus steigt die Prä­va­lenz von zusätz­li­chem Adi­po­si­tas-asso­zi­ier­tem Lymph­ödem mit dem Schwe­re­grad der Adi­po­si­tas, das gemäß den Leit­li­ni­en­emp­feh­lun­gen [28] und Exper­ten­mei­nun­gen [29] spe­zi­ell mit Flachstrick behan­delt wer­den soll­te. Abge­se­hen davon las­sen sich die Stu­di­en­ergeb­nis­se jedoch weit­ge­hend ver­all­ge­mei­nern, da die Pati­en­ten den MKS in ihrer häus­li­chen Umge­bung tru­gen, es nur sehr weni­ge Stu­di­en­ab­bre­cher gab und die The­ra­pie­ad­hä­renz hoch war, obwohl den Stu­di­en­teil­neh­mern kei­ne Anrei­ze gebo­ten wurden.

Fazit

Die Beschwer­den und Sym­pto­me einer Adi­po­si­tas-asso­zi­ier­ten funk­tio­nel­len Venen­in­suf­fi­zi­enz kön­nen durch MKS effek­tiv und neben­wir­kungs­arm behan­delt wer­den. Die Effek­te tre­ten unmit­tel­bar, bereits in der ers­ten Woche der Tra­ge­zeit ein. Schwel­lung, Schwe­re­ge­fühl, Schmer­zen und Pochen gehen zurück. Mit einer durch­schnitt­li­chen täg­li­chen Tra­ge­dau­er zwi­schen 9 und gut 10 Stun­den ist die Adhä­renz zur Kom­pres­si­ons­the­ra­pie bei adi­pö­sen Pati­en­ten nicht nied­ri­ger als in der All­ge­mein­be­völ­ke­rung. Die Pati­en­ten prä­fe­rie­ren teils Rund­strick, teils Flachstrick, bei­de MKS sind medi­zi­nisch wirk­sam. Die Bewer­tung der MKS durch die adi­pö­sen Pati­en­ten mit einem BMI von 30–40 kg/m² fällt sowohl hin­sicht­lich des Tra­ge­kom­forts als auch der Hand­ha­bung über­wie­gend gut oder sehr gut aus. Die Ergeb­nis­se sind von hoher Ver­sor­gungs­re­le­vanz für die Behand­lung von Adi­po­si­tas und venö­sen Erkran­kun­gen, da eine län­ger anhal­ten­de, nicht behan­del­te venö­se Insuf­fi­zi­enz neben der sub­jek­ti­ven Beschwer­de­sym­pto­ma­tik in schwer­wie­gen­de Kom­pli­ka­tio­nen wie Ery­si­pe­len, Wund­hei­lungs­stö­run­gen oder Ulzer­a­tio­nen mün­den kann.

 

Begut­ach­te­ter Beitrag/reviewed paper

 

Inter­es­sen­kon­flikt:
Der Autor M. Stü­cker erhielt Bera­tungs­ge­büh­ren von Bau­er­feind AG und Urgo GmbH sowie Red­ner­ho­no­ra­re von Juzo GmbH und Urgo GmbH. Der Autor W. Olbricht erhielt eine Bera­tungs­ge­bühr von der Katho­li­schen Kli­ni­kum Bochum gGmbH.

Für die Autoren:
Prof. Dr. med. Mar­kus Stücker
Kli­nik für Der­ma­to­lo­gie, Vene­ro­lo­gie und Allergologie
Venen­zen­trum der Der­ma­to­lo­gi­schen und ­Gefäß­chir­ur­gi­schen Kli­ni­ken am St. Maria-Hilf-Kran­ken­haus, Kli­ni­ken der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum
Hil­tro­per Land­wehr 11 – 13
44805 Bochum
markus.stuecker@klinikum-bochum.de
Tel. 0234 8792–377

 

Zita­ti­on
Stü­cker M, Olbricht W. Medi­zi­ni­sche Kom­pres­si­ons­strümp­fe ­redu­zie­ren die Beschwer­den bei Adi­po­si­tas-asso­zi­ier­ter funk­tio­nel­ler venö­ser Insuf­fi­zi­enz. Ortho­pä­die Tech­nik, 2026; 77 (8): 36–43

 

Abbil­dun­gen:

 

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