Paralym­pics: Ersatz­rei­fen über der Schulter

Julius Busemann war sogleich Feuer und Flamme, als er 2019 von der Möglichkeit erfuhr, als Orthopädietechniker zu den Paralympischen Spielen nach Tokio reisen zu können. Im Rahmen der Lossprechung der Gesell:innen in der Innung Düsseldorf waren seinerzeit Prof. Hans Georg Näder und Heinrich Popow als Vertreter von Ottobock zur Feier in die Landeshauptstadt geladen. Sie motivierten die Absolvent:innen dazu, sich auf einen Platz im Team zu bewerben, das Ottobock als Betreiber der orthopädischen Werkstätten vor Ort für die Veranstaltung in Japan zusammenstellen wollte.

Zu den Aus­er­wähl­ten gehör­te schließ­lich auch Buse­mann, mitt­ler­wei­le beim Sani­täts­haus Wort­mann & Beyle ange­stellt. Weni­ge Tage vor sei­ner Abrei­se sprach er mit der OT-Redak­ti­on über sei­ne Vor­be­rei­tung und Vorfreude.

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OT: Herr Buse­mann, wie kam es zu Ihrem anste­hen­den Enga­ge­ment als Ortho­pä­die­tech­ni­ker im Rah­men der Paralym­pics in Tokio?

Juli­us Buse­mann: Ich habe ein Moti­va­ti­ons­schrei­ben an die Ansprechpartner:innen bei Otto­bock geschickt, dass ich sehr ger­ne zum Ver­sor­gungs­team in Tokio gehö­ren möch­te. Als ich dann die Zusa­ge bekam, muss­ten wir uns aber alle zunächst gedul­den, weil die Paralym­pics auf­grund der Pan­de­mie um ein Jahr ver­scho­ben wer­den muss­ten. Die rich­ti­ge Vor­be­rei­tung begann dann Anfang 2021. Über ein Online-Trai­ningspor­tal sind wir auf unse­re Auf­ga­ben in Tokio vor­be­rei­tet wor­den. Außer­dem gab es Gesprä­che mit Inter­na­tio­nal SOS, die sich um die Sicher­heit und büro­kra­ti­sche Unter­stüt­zung von Arbeitnehmer:innen im Aus­land küm­mert. Otto­bock über­nimmt für die Teammitglieder:innen die Rei­se­kos­ten sowie Ver­pfle­gung und Unterkunft.

OT: Was wer­den die Haupt­auf­ga­ben der OT-Werk­stät­ten als Anlauf­stel­le der Athlet:innen sein?

Buse­mann: Die Werk­stät­ten bie­ten den kom­plet­ten tech­ni­schen Sup­port. Das heißt von der Schrau­be nach­zie­hen bis zum Rei­fen­wech­sel. Es gibt Sport­ler wie Mar­kus Rehm, die gelern­te Ortho­pä­die­tech­ni­ker sind und sich auch ein­mal selbst hel­fen kön­nen. Aber das gilt natür­lich nicht für die Mehr­zahl der Teilnehmer:innen. Es wäre ein gro­ßes Ärger­nis, wenn ein Sport­ler sei­nen Wett­kampf nicht zu 100 Pro­zent bestrei­ten kann, weil ein Hilfs­mit­tel defekt ist. Des­halb sind wir als Techniker:innen vor Ort mit dabei.

OT: Sind Sie einem spe­zi­el­len Ver­sor­gungs­be­reich zuge­ord­net oder sind All­roun­der-Qua­li­tä­ten gefragt?

Buse­mann: Bei mei­ner Anstel­lung in Ham­burg bin ich tat­säch­lich an ver­schie­de­nen Stel­len tätig. Von den Arbeits­be­rei­chen in der Werk­statt bis zur fach­män­ni­schen Beglei­tung vor­ne beim Ver­kauf im Sani­täts­haus. In Tokio wer­de ich nach dem aktu­el­len Ein­satz­plan vor allem beim Roll­stuhl-Ten­nis und ‑Boc­cia an den Ver­an­stal­tungs­or­ten als Unter­stüt­zung dabei sein. Ich kann mir schon bild­lich vor­stel­len, wie ich mit den Ersatz­rei­fen über der Schul­ter und mei­nem Werk­zeug-Set unter­wegs sein wer­de. Es ist Auf­ga­be von uns Techniker:innen, sehr fle­xi­bel reagie­ren zu kön­nen. Auch wir ste­hen unter Druck, die von uns erwar­te­ten Leis­tun­gen zu bringen.

OT: Wel­che Hygie­ne­be­stim­mun­gen müs­sen von Ihnen im Vor­feld der Anrei­se und ins­be­son­de­re in Japan beach­tet und ein­ge­hal­ten werden?

Buse­mann: Schon seit eini­ger Zeit mei­de ich gro­ße Men­schen­mas­sen und ach­te beson­ders dar­auf, fit zu blei­ben. 14 Tage vor der Anrei­se muss­ten wir damit begin­nen, täg­lich Fie­ber zu mes­sen. Bei mir lag der Wert in einem Bereich von 36,0° und 36,8°. Das ist ganz in Ord­nung. 96 Stun­den vor dem Abflug müs­sen dann alle Teammitglieder:innen einen ers­ten PCR-Test machen und 72 Stun­den vor­her einen zwei­ten. Im inter­nen Online-Por­tal von Otto­bock gibt es auch ein soge­nann­tes Play­book mit den Hygie­ne­be­stim­mun­gen in Japan.

OT: Haben Sie per­sön­lich eine Sport­art, auf deren Aus­gang Sie mit Blick auf die Medail­len­ent­schei­dung beson­ders hinfiebern?

Buse­mann: Da ich selbst Ten­nis und Hockey spie­le, ist es erst mal super, dass ich beim Roll­stuhl-Ten­nis dabei bin. Bis­her habe ich für einen Ein­satz­tag noch kei­ne fes­ten Ver­pflich­tun­gen. Blin­den-Fuß­ball bzw. Goa­l­ball fin­de ich auch span­nend und es wäre die Krö­nung, sich die Leicht­ath­le­tik-Ent­schei­dun­gen ein­mal live im Sta­di­on anschau­en zu können.

Die Fra­gen stell­te Micha­el Blatt.

Im Fol­gen­den fin­den Sie eine Info­gra­fik zu den Paralym­pics in Tokio:

 

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