Ortho­pä­die-Schuh­tech­nik: Neue, nach­hal­ti­ge Nischen

Ein junger Orthopädieschuhmacher aus Berlin macht es vor. Hagen Matuszak setzt mit seiner 2018 gegründeten Firma „Sneaker Rescue“ auf ein neues, nachhaltiges und rezeptunabhängiges Arbeitsfeld: reparieren statt wegwerfen, Aufarbeitung statt Maßschuh- oder Einlagenfertigung. Taugt das Konzept auch für andere Orthopädieschuhmacher:innen als Alternative? Braucht das Handwerk für das Erreichen neuer und jüngerer Zielgruppen einen Imagewechsel? Diese und weitere Fragen stellte die OT-Redaktion Stephan Jehring, Präsident des Zentralverbandes Gesundheitshandwerk Orthopädieschuhtechnik (ZVOS).

OT: Wie beur­tei­len Sie die Geschäfts­idee von OSM Hagen Matu­s­zak, Snea­ker zu repa­rie­ren oder auf­zu­ar­bei­ten, um sie vor der Müll­ton­ne zu retten?

Ste­phan Jehring: Als Nischen­pro­dukt ist das Repa­rie­ren oder Auf­ar­bei­ten von Snea­kern auf jeden Fall eine gute Idee, die dem gestie­ge­nen Bedürf­nis der Bevöl­ke­rung nach Nach­hal­tig­keit entgegenkommt.

OT: Könn­te das für wei­te­re Mit­glie­der Ihres Ver­ban­des eine Steil­vor­la­ge sein?

Jehring: Ich glau­be nicht, dass vie­le Kolleg:innen die Arbeit von Hagen Matu­s­zak ver­fol­gen. Sie suchen eher ande­re Nischen. Vor allem jün­ge­re Kolleg:innen ver­su­chen, ihre Geschäfts­fel­der zu erwei­tern und das The­ma Nach­hal­tig­keit voranzubringen.

OT: Was kön­nen OST-Betrie­be für einen Image­wech­sel oder zumin­dest eine ‑erwei­te­rung tun?

Jehring: Aus mei­ner Sicht hat der Image­wech­sel in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren bereits statt­ge­fun­den. Moder­ne Schuh­häu­ser oder digi­ta­le Ana­ly­se­ge­rä­te sowie Fer­ti­gungs­stre­cken zei­gen ja schon die Wege auf, die OST-Betrie­be in Ergän­zung zum Rezept­ge­schäft oder weg vom Rezept gehen. Man­che Kolleg:innen haben den aus der Schweiz und Öster­reich kom­men­den Trend auf­ge­grif­fen und arbei­ten in Bewe­gungs­ana­ly­se-Stu­di­os als Berater:innen und Dienstleister:innen etwa für Pro­fi- oder Hobbysportler:innen. All die­se Arbeits­fel­der sind für die Zukunft des Ortho­pä­die­schuh­mach­er­hand­werks wichtig.

OT: Gibt es Plä­ne des Ver­ban­des, sei­ne Mit­glieds­be­trie­be auf die­sem Weg zu unterstützen?

Jehring: Aber ja! Aktu­ell legen wir zum Bei­spiel gemein­sam mit der Lan­des­in­nung Bay­ern ein neu­es Pro­jekt zum The­ma Nach­wuchs und Struk­tur­wan­del auf. Mit dem Pro­jekt wol­len wir fest­stel­len, wo unser Hand­werk in zehn Jah­ren­ste­hen soll­te und was wir heu­te tun müs­sen, damit es die Ortho­pä­die-Schuh­tech­nik auch in 20 und 30 Jah­ren noch als pro­spe­rie­ren­des Hand­werk gibt.

OT: Wel­che Rol­le könn­ten OST-Betrie­be und der ZVOS beim The­ma Nach­hal­tig­keit spielen?

Jehring: Schon jetzt beschäf­ti­gen sich vie­le Betrie­be mit der Repa­ra­tur oder Anpas­sung von Kon­fek­ti­ons­schu­hen, etwa wenn die Kund:innen einen Hal­lux Val­gus oder eine Ham­mer­ze­he haben. Das funk­tio­niert aber nur, wenn die Verbraucher:innen ihr Kauf­ver­hal­ten in der Flä­che ändern. Bei einem Schuh, der zum Bei­spiel nur neun Euro im Laden gekos­tet hat, lohnt sich kein Schuh­tu­ning. Zwar ach­ten schon jetzt Verbraucher:innen auf hoch­wer­ti­ge und damit repa­ra­tur­fä­hi­ge Schu­he, weil sie sie nicht nach einer Sai­son weg­schmei­ßen wol­len. Es müss­te aber zu einem ech­ten Trend wer­den, damit sich das deut­li­cher posi­tiv auf das The­ma Nach­hal­tig­keit aus­wir­ken kann. Wir als Ver­band unter­stüt­zen auf jeden Fall die­sen Trend!

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