Ein­fluss von Sta­tik und Dyna­mik auf die Belas­tung des Vor­fu­ßes — Eine Betrach­tung aus Sicht der Spiraldynamik

J. Wippert
Eine erhöhte Vorfußbelastung ist die Ursache vielfältiger Fußbeschwerden und hat gleichzeitig mannigfaltige Ursachen auf unterschiedlichen Ebenen des Bewegungssystems. Entlang des Bewegungskonzepts der Spiraldynamik® werden in diesem Beitrag verschiedene Ursache-Folge-Ketten aufgezeigt, die den Blick von einer isoliert-statischen Betrachtung hin zu einer global-dynamischen Sichtweise erweitern sollen. Entsprechende therapeutische Lösungswege werden aufgezeigt.

Ein­lei­tung

Die Lis­te der Dia­gno­sen, die im Zusam­men­hang mit dem Vor­fuß bestehen, ist lang: Spreiz­fuß, Meta­tar­s­al­gie, Morton’sches Neurom, Ver­let­zun­gen der plan­taren Plat­te. Auch Zehen­pathologien wie Ham­mer- und Kral­len­ze­hen und der Hal­lux val­gus ste­hen in Zusam­men­hang mit fal­scher Vor­fuß­be­nut­zung. Eine erhöh­te Belas­tung ist dabei ein wich­ti­ger Fak­tor. Der ers­te dia­gnos­ti­sche Blick rich­tet sich zumeist auf die Füße – den Ort, an dem sich das Pro­blem mani­fes­tiert. In den meis­ten Fäl­len las­sen sich dort auch Fehl­stel­lun­gen iden­ti­fi­zie­ren, die aber ihre Ursa­che nicht zwangs­läu­fig auch dort haben müs­sen. In die­sem Arti­kel wird ein Über­blick über mög­li­che Ursa­chen und deren Zusam­men­hän­ge für eine erhöh­te Druck- und Gewichts­be­las­tung auf dem Vor­fuß vermittelt.

Anzei­ge

Sta­tik

Die Betrach­tung der Kör­per­sta­tik ermög­licht einen ers­ten Zugang zur unphy­sio­lo­gi­schen Belas­tungs­ver­tei­lung. Im Fol­gen­den wird – von den Füßen nach oben – beschrie­ben, wel­che Kör­per­re­gio­nen Ein­fluss dar­auf haben.

Belas­tungs­be­ein­flus­sen­de Fak­to­ren in der Statik

Fuß

Im Grun­de ent­schei­det die Posi­ti­on des Fußes über die Ver­tei­lung der Belas­tung über den Fuß. Ein nach vor­ne-innen ein­ge­sun­ke­ner Cal­ca­neus ver­la­gert die Belas­tung auf dem Vor­fuß mehr nach medi­al, ein nach außen-hin­ten ori­en­tier­ter Cal­ca­neus ent­spre­chend ver­mehrt nach late­ral. In der Knick-Senk-Posi­ti­on wird die Spreiz­fu­ß­ent­wick­lung über die Desta­bi­li­sie­rung des ers­ten Strahls initi­iert und for­ciert, wäh­rend bei der Bal­len-Hohl­fuß-Vari­an­te der Spreiz­fuß über die Steil­stel­lung der Meta­tar­sa­lia entsteht.

Obe­res Sprunggelenk

Ist das obe­re Sprung­ge­lenk (OSG) in einer Plan­t­ar­fle­xi­ons­po­si­ti­on (Spitz­fuß­stel­lung) fixiert, blei­ben für den Stand auf ebe­ner Flä­che nur die Hyper­ex­ten­si­on der Knie oder das Abhe­ben der Fer­se sowie das Ste­hen auf dem Vor­fuß als Lösun­gen übrig. Bei fixier­ter Dor­salex­ten­si­on und feh­len­der Plantar­flexion im OSG müs­sen Knie und Hüf­ten gebeugt blei­ben, um ein Ste­hen zu ermög­li­chen. Mög­li­che Ursa­chen für die Ein­schrän­kung des OSG kön­nen knö­chern oder mus­ku­lär bedingt sein. Bei­de Posi­ti­ons­fi­xie­run­gen füh­ren im Stand zu einer erhöh­ten Gewichts­ver­la­ge­rung auf den Vorfuß.

Knie­ge­lenk

Ein­schrän­kun­gen, die im Knie­ge­lenk bestehen kön­nen, sind in der Fron­tal- wie in der Hori­zon­tal­ebe­ne zu suchen. Die Exten­si­ons­ein­schrän­kung for­dert im Ste­hen ein flek­tier­tes OSG und ein flek­tier­tes Hüft­ge­lenk. Die Hyper­ex­ten­si­ons­po­si­ti­on der Knie führt zu einer Innen­ro­ta­ti­on des Femurs und zu einer Ven­tral­kip­pung des Beckens. Wie­der wird durch bei­de Vari­an­ten das Kör­per­ge­wicht ver­mehrt auf den Vor­fuß ver­la­gert. Eine Fixa­ti­on der Fehl­stel­lung der Tibia in Außen­ro­ta­ti­on geht in den meis­ten Fäl­len mit einer Abduk­ti­on (ABD) des Vor­fu­ßes ein­her. Dies erhöht den Ven­tral­schub und för­dert die Ver­la­ge­rung des Gewichts auf den media­len Vorfuß.

Len­den-Becken-Hüft-Regi­on und Wirbelsäule

Die Posi­tio­nie­rung des Beckens und der Ver­lauf der Wir­bel­säu­le haben gro­ßen Ein­fluss auf die Gewichts­ver­tei­lung auf den Fuß. Am häu­figs­ten trifft man auf die fol­gen­de Kom­bi­na­ti­on: ven­tral gekipp­tes Becken, ven­tral gescho­be­nes Becken, Hyper­lordose der Len­den­wir­bel­säu­le (LWS) und Hyper­ky­pho­se der Brust­wir­bel­säu­le (BWS). Was hier Hen­ne und was Ei ist, ver­mag nie­mand zu sagen – die Kon­se­quen­zen für die Füße sind jedoch ein­deu­tig: mas­si­ve Gewichts­ver­la­ge­rung auf den Vor­fuß. Ursa­chen für die­se Posi­ti­on sind u. a. die Exten­si­ons­ein­schrän­kung des Hüft­gelenks sowie eine mus­ku­lär oder knö­chern fixier­te Lordose­po­si­ti­on der LWS bzw. eine Kypho­se­po­si­ti­on der BWS.

Gene­rel­le unter­stüt­zen­de Faktoren

Eine Ver­la­ge­rung des Kör­per­schwer­punkts nach vor­ne durch z. B. einen gro­ßen Bauch oder tem­po­rär in der Schwan­ger­schaft führt eben­falls zu einer Mehr­be­las­tung des Vor­fu­ßes. Zusätz­li­che hor­mo­nel­le Ver­än­de­run­gen wäh­rend der Schwan­ger­schaft füh­ren zu einer (not­wen­di­gen) Auf­wei­chung des Bin­de­ge­we­bes, was in der Kom­bi­na­ti­on die Belas­tung poten­ziert. Die in der Sta­tik – von Kopf bis Fuß – wir­ken­den Kom­po­nen­ten haben in vie­len Fäl­len ihre Ursa­che in einer unphy­sio­lo­gi­schen und damit unfunk­tio­nel­len Dyna­mik. Im Wei­te­ren wird erör­tert, wie die­se Posi­tio­nen ent­ste­hen kön­nen bzw. wo sie ihren Ursprung nehmen.

Dyna­mik

Vor einer dif­fe­ren­zi­el­len Betrach­tung der mög­li­chen Ursa­chen ver­mit­telt die Beschrei­bung des phy­sio­lo­gi­schen Ablaufs einer Stand­bein­pha­se aus Sicht der Spi­ral­dy­na­mik® einen Über­blick über die funk­tio­nell adäqua­te Bewe­gung. Des Wei­te­ren ist es ziel­füh­rend, die Betrach­tung wie im Sta­tik-Teil vom Fuß aus zu beginnen.

Phy­sio­lo­gi­sche Mecha­nik nach dem Spiraldynamik®-Konzept Initia­ler Bodenkontakt

Beim initia­len Boden­kon­takt gelangt die Fer­se durch die Akti­vi­tät des M. tibia­lis ante­rior mit der late­ra­len Unter­sei­te zuerst auf den Boden. In die­sem Moment ist die Mus­ku­la­tur der Hüft­außenrotation spon­tan gefor­dert, um das Femur ortho­grad im Raum aus­ge­rich­tet zu hal­ten. Zeit­gleich mit dem Boden­kon­takt der Fer­se star­tet das stand­bein­sei­ti­ge Hüft­bein sei­ne Bewe­gung. Dabei dreht es sich um die trans­ver­sa­le Ach­se nach dor­sal (im Sin­ne einer Auf­rich­tung des Beckens), um die sagit­ta­le Ach­se nach kau­dal (im Sin­ne einer Abduk­ti­on im stand­bein­sei­ti­gen Hüft­ge­lenk) und um die lon­gi­tu­di­na­le Ach­se nach late­ral (im Sin­ne einer kra­nia­len Innen­ro­ta­ti­on im stand­bein­sei­ti­gen Hüft­ge­lenk). Die Bewe­gung wird kon­zen­trisch von den ver­schie­de­nen Antei­len der klei­nen Glutä­en aus­ge­führt und exzen­trisch von den Adduk­to­ren, den Hüft­beu­gern und den Hüft­au­ßen­ro­ta­to­ren geleitet.

Stoß­dämp­fungs­pha­se bis mitt­le­re Standbeinphase

Wäh­rend der Stoß­dämp­fungs­pha­se mit Fle­xi­on in Hüft‑, Knie- und Sprung­gelenk erfolgt die Brems­wir­kung im Bein über die exzen­tri­sche Arbeit des Qua­dri­zeps, der Ham­strings und des Gas­tro­c­ne­mi­us. Der Fuß rollt wei­ter nach vor­ne ab und kommt zuerst mit dem Meta­tar­sal­köpf­chen V, dann mit dem Meta­tar­sal­köpf­chen I auf. Das Gewicht wird auf den Fuß ver­la­gert. Die Sta­bi­li­tät des Fußes wird durch die drei­di­men­sio­na­le Ver­schrau­bung (Fer­sen­bein gegen Vor­fuß) und den Auf­bau der Quer­wöl­bung (Groß­ze­hen­bal­len gegen Klein­ze­hen­bal­len) gewähr­leis­tet. Für die spi­ra­li­ge Ver­schrau­bung ori­en­tiert sich das hin­te­re late­ra­le Ende des Fer­sen­beins um die trans­ver­sa­le Ach­se nach unten, um die sagit­ta­le Ach­se in die Supi­na­ti­on und um die lon­gi­tu­di­na­le Ach­se nach medi­al, wäh­rend der vor­de­re media­le Teil des Groß­ze­hen­bal­lens um die trans­ver­sa­le Ach­se nach unten, um die sagit­ta­le Ach­se in die Pro­na­ti­on und um die lon­gi­tu­di­na­le Ach­se nach late­ral mus­ku­lär geführt wird. Die Fer­sen­auf­rich­tung wird über den Tibia­lis pos­te­rior sta­bi­li­siert. Die Akti­vi­tät des M. fibu­la­ris lon­gus und des Caput trans­ver­sum des Adduc­tor hal­lu­cis stüt­zen den Meta­tar­sa­le­kopf I kräf­tig am Boden ab. Bis zur mitt­le­ren Stand­bein­pha­se ver­rin­gert sich die Ver­schrau­bung mus­ku­lär gesi­chert, ohne die zen­trier­te Posi­ti­on der Fer­se zu ver­lie­ren. Die dadurch erreich­te Dämp­fung wird durch die exzen­tri­sche Akti­vi­tät der intrinsi­schen Fuß­mus­ku­la­tur der Quer­wöl­bung unterstützt.

Ter­mi­na­le Standbeinphase

Die oben beschrie­be­ne Bewe­gung des Hüft­beins wird bis zur ter­mi­na­len Stand­bein­pha­se wei­ter­ge­führt, damit im Moment des Absto­ßes die maxi­ma­le Gelenk­si­che­rung erreicht wer­den kann: Für das stand­bein­sei­ti­ge Hüft­ge­lenk heißt das Exten­si­on, Abduk­ti­on und Innen­ro­ta­ti­on mit maxi­ma­ler Gelenk­flä­chen­über­de­ckung, maxi­ma­ler Span­nung der Hüft­bän­der und mus­ku­lä­rer Vor­span­nung für die fol­gen­de Spiel­bein­pha­se. Die Gelenk­flä­chen des stand­bein­sei­ti­gen Ilio­sa­kral­ge­lenks wer­den von einer eher ver­ti­ka­len zu einer mehr hori­zon­ta­len Aus­rich­tung gebracht. Unter­stüt­zend wir­ken die Bän­der des Beckens (Lig. sacro­tu­be­ra­le und Lig. sacro­spi­na­le sowie die Ligg. sacroi­lia­ca dor­sa­lia), die das Sacrum im Sin­ne einer Gegen­nuta­ti­on in die Bewe­gung mit­neh­men. Das bedeu­tet eine gelenks­mä­ßig sta­bi­le­re und band­haft gesi­cher­te Gewichts­über­nah­me. Durch die Ver­bin­dung der Ligg. ilio­lum­ba­lia zur unte­ren LWS wird die Bewe­gung bei kor­rek­ter Aus­füh­rung in die­sen Bereich wei­ter­ge­lei­tet. Die unte­re LWS rich­tet sich auf (Fle­xi­on), wird zur Stand­bein­sei­te gezo­gen (Lateral­flexion zur Spiel­bein­sei­te) und zur Stand­bein­sei­te gedreht (Rota­ti­on zur Spielbeinseite).

Die drei­di­men­sio­na­le Bewe­gung wird über die Längs- und Quer­bän­der der Wir­bel­säu­le sowie die Band­schei­ben von einem Seg­ment auf das ande­re nach kra­ni­al über­tra­gen. Dabei wer­den die Gelenk­flä­chen der stand­bein­sei­ti­gen Facet­ten­ge­len­ke kon­gru­ent auf­ein­an­der­ge­presst. Somit ist eine „Press-Pas­sung“ der Gelen­ke vom Hüft- über das Ilio­sa­kral­ge­lenk bis in die Facet­ten­ge­len­ke der LWS gege­ben, die eine stö­rungs­freie Impuls­über­tra­gung des Absto­ßes in eine Vor­wärts­be­we­gung ermög­licht1 2. Im Zusam­men­spiel der Hüft- und Fuß­me­cha­nik über die Stand­pha­sen wird die opti­ma­le Aus­gangs­si­tua­ti­on für einen kraft­vol­len Abstoß für die fol­gen­de Schwung­pha­se geschaffen.

Abstoß­pha­se

Die Auf­ga­be des Fußes beim Abstoß besteht dar­in, die gespei­cher­te Ener­gie in eine Vor­wärts­be­we­gung umzu­set­zen. Dies wird initi­al durch die konzen­trische Akti­vi­tät der quergewölbe­bildenden Mus­ku­la­tur – Plan­t­ar­fle­xi­on in den Zehen­grund­ge­len­ken und Ein­rol­len der Meta­tar­sal­köpf­chen I und V im Sin­ne eines Auf­baus der Quer­wöl­bung – mög­lich. Die Ener­gie wird dabei band­haft kon­trol­liert und mus­ku­lär gesi­chert auf die Bewe­gun­gen der initia­len Schwung­pha­se über­tra­gen. Die Waden­mus­ku­la­tur stellt den Motor der Bewe­gung dar.

Belas­tungs­be­ein­flus­sen­de Fak­to­ren in der Dynamik

Fuß

Die hier ange­spro­che­nen Bewe­gungs­feh­ler tre­ten nicht iso­liert auf, son­dern bedin­gen ein­an­der. Eine Ursa­che-­Wir­kungs-Ket­te kann an die­ser Stel­le nicht voll­stän­dig und all­um­fäng­lich ange­ge­ben wer­den. Die Rei­hen­fol­ge der Betrach­tung ergibt sich jedoch aus dem Ablauf der Bewe­gung bei der Stand­bein­pha­se: von der Fer­se zum Vor­fuß. Die über­mä­ßi­ge bzw. unkon­trol­lier­te Reduk­ti­on oder Umkehr der Ver­schrau­bung des Fußes – Ever­si­on des Rück­fu­ßes und Supi­na­ti­on des Vor­fu­ßes – stellt die funk­tio­nel­le Fehl­steue­rung des Fußes in der Stand­bein­pha­se dar. Der nach vor­ne und in den Val­gus kip­pen­de Cal­ca­neus nimmt den Talus mit in die­se Bewe­gung. Folg­lich kommt es im Talo­na­vi­ku­lar­ge­lenk zu einer extern for­cier­ten Bewe­gung des Navicu­la­re zum Talus­kopf nach dor­sal, in die Supi­na­ti­on und in die Abduk­ti­on. Das Cun­ei­for­me media­le und das Meta­tar­sa­le I fol­gen die­ser Bewe­gung. Bei gleich­zei­tig feh­len­der Abstüt­zung des Groß­ze­hen­bal­lens am Boden – durch eine ver­min­der­te Funk­ti­on des Pero­neus lon­gus – kann die­ser Bewe­gung nicht gegen­ge­steu­ert wer­den; die Wir­kung ver­stärkt sich. Dar­aus folgt das Absin­ken des Längs­ge­wöl­bes, die Über­be­an­spru­chung des Tibia­lis pos­te­rior, die Supi­na­ti­on des Os navicu­la­re, das plan­t­are Öff­nen der Gelen­ke zwi­schen Navicu­la­re und Cun­ei­for­me I bis III sowie zwi­schen Cun­ei­for­me I und Meta­tar­sa­le I, die Kom­pres­si­on in den dor­sa­len Gelenk­ab­schnit­ten, die Supi­na­ti­on des Meta­tar­sa­le I mit Ent­wick­lung eines Hal­lux val­gus sowie die Dor­salex­ten­si­on in den Zehengrundgelenken.

Die feh­len­de Inte­gri­tät der spi­ra­li­gen Fuß­ver­schrau­bung und die ver­min­der­te Akti­vi­tät der intrinsi­schen Fuß­mus­ku­la­tur erhö­hen die Belas­tung des Vor­fu­ßes bis zum Ende der Stand­bein­pha­se deut­lich. Durch die hier beschrie­be­nen Abläu­fe ist es der intrinsi­schen Fuß­mus­ku­la­tur auch nicht mög­lich, ihrer ori­gi­nä­ren Auf­ga­be – Unter­stüt­zung des Brem­sens in der Lan­de­pha­se und initia­les Beschleu­ni­gen in der Abstoß­pha­se – nach­zu­kom­men. Die Gewichts­last muss unge­bremst zuerst von den band­haf­ten und spä­ter von den knö­cher­nen Struk­tu­ren in ungüns­ti­ger Posi­ti­on allei­ne sta­bi­li­siert wer­den. Das zusätz­li­che Abrol­len über den 2. und 3. Zeh ver­stärkt die Belas­tungs­ver­la­ge­rung zur ven­tra­len Fußmitte.

Obe­res Sprunggelenk

Am häu­figs­ten ist hier die Ein­schrän­kung in die Dor­salex­ten­si­on des OSG zu erken­nen. Dies kann meh­re­re Ursa­chen haben, die the­ra­peu­tisch unter­schied­lich gehand­habt wer­den müs­sen. Knö­cher­ne Behin­de­run­gen bestehen häu­fig durch Osteo­phy­ten, die sich als Fol­ge von Trau­ma­ta oder arthro­ti­schen Ver­än­de­run­gen am ven­tra­len Ende der Tibia oder am Talus­kopf bil­den. Mus­ku­lä­re Ein­schrän­kun­gen sind zumeist durch Ver­kür­zung der Waden­mus­ku­la­tur (vor allem M. gas­tro­c­ne­mi­us) bedingt. Kap­su­lä­re Ein­schrän­kun­gen im ven­tra­len Bereich durch Hyper­tro­phie bzw. Ver­nar­bung ent­ste­hen durch trau­ma­ti­sches oder wie­der­hol­tes Ein­klem­men knö­cher­ner bzw. Weich­teil­struk­tu­ren [3]. Ver­kle­bun­gen im late­ral-dor­sa­len Bereich zwi­schen Cal­ca­neus und Fibulaspit­ze füh­ren eher dazu, dass der Cal­ca­neus bei der Dor­salex­ten­si­on des OSG frü­her und stär­ker nach ven­tral-medi­al gezo­gen wird. Die beschrie­be­nen Ursa­chen füh­ren im Gang zu einem frü­he­ren Abhe­ben der Fer­se vom Boden und damit zu einer ver­früh­ten Reduk­ti­on der Unterstützungsfl.che: Es steht also frü­her mehr Gewicht nur noch auf dem Vorfuß.

Knie­ge­lenk

Auch in der Dyna­mik ist zwi­schen den Ein­schrän­kun­gen in den bei­den Ebe­nen zu unter­schei­den. Bei einer ein­ge­schränk­ten Exten­si­on kommt es zu einer Zwangs­beu­ge­hal­tung über die gesam­te Stand­bein­pha­se; ein initia­ler Fer­sen­kon­takt ist teil­wei­se unmög­lich. Das Gewicht lan­det schon viel frü­her auf dem Mit­tel­fuß und rollt schnel­ler auf den Vor­fuß ab; die Fer­se hebt sich ent­spre­chend frü­her vom Boden ab. Des Wei­te­ren führt dies auch zu einer ver­min­der­ten oder ganz feh­len­den Dämp­fung in den Gelen­ken der Stre­cker­ket­te, was die Belas­tung für den Fuß wei­ter erhöht. Auch ein phy­sio­lo­gi­sches Absto­ßen unter Aus­nut­zung der Kraft der intrinsi­schen Fuß­mus­ku­la­tur ist nicht mög­lich. Dage­gen ist die feh­len­de Kraft der Außen­ro­ta­to­ren im Hüft­ge­lenk für die Innen­ro­ta­ti­ons­ab­wei­chung des Femurs ver­ant­wort­lich. Steht der Fuß schon auf dem Boden, führt das zu einer reak­ti­ven Außen­ro­ta­ti­on der Tibia. Die Fol­ge ist eine rota­ti­ons­in­sta­bi­le Bei­n­ach­se, die zum media­len Kol­laps des Knies führt. Dadurch wan­dert sowohl die Gewichts- als auch die Belas­tungs­li­nie nach medi­al. In der Fol­ge wird der Fuß ver­mehrt in eine Vor­fuß­ab­duk­ti­on gedrängt, die zu einer ver­stärk­ten Vor­fuß­be­las­tung führt.

Len­den-Becken-Hüft-Regi­on

In der LBH-Regi­on ist häu­fig die Kom­bi­na­ti­on aus feh­len­der Stre­ckung und ver­min­der­ter glu­tea­ler Abduk­ti­ons­sta­bi­li­tät im Hüft­ge­lenk sowie einer ver­min­der­ten Becken­auf­rich­tung zu iden­ti­fi­zie­ren. In der Stand­bein­pha­se folgt dar­aus eine unge­nü­gen­de Bewe­gung des Hüft­beins über den Hüft­kopf. Statt­des­sen sinkt das Becken häu­fig spiel­bein­sei­tig und nach vor­ne ab. Der Kör­per­schwer­punkt wan­dert schnel­ler nach ven­tral-medi­al auf den Vorfuß.

The­ra­peu­ti­sches Vorgehen

An die­ser Stel­le wird das the­ra­peu­ti­sche Vor­ge­hen, das sich auf die gezeig­ten Ursa­chen bezieht, skiz­ziert und ent­spre­chen­de Anwei­sun­gen wört­lich wie­der­ge­ge­ben. Die Übun­gen zu den ein­zel­nen Berei­chen stel­len eine Aus­wahl dar und erset­zen nicht den Gang zum Arzt bzw. die Unter­stüt­zung durch einen erfah­re­nen Therapeuten.

Fuß/OSG

Gewöl­be­bo­gen – Mobi­li­sa­ti­on der Querwölbung

„Sit­zen Sie auf dem Boden oder auf einem Hocker und stel­len Sie die Fer­se auf. Ach­ten Sie dar­auf, dass Sie mit bei­den Hän­den das Sprung­ge­lenk im ca. 90-Grad-Win­kel grei­fen. Dabei lie­gen die Hän­de innen auf dem Groß­ze­hen­strahl und außen auf dem Klein­ze­hen­strahl. Teil 1: Sprei­zen Sie den Fuß fächer­för­mig auf, zuerst ohne ihn von den Sei­ten her ein­zu­rol­len. Tun Sie dies erst pas­siv; spä­ter unter­stüt­zen Sie die­se Bewe­gung aktiv mit der Fuß­mus­ku­la­tur. Teil 2: Rol­len Sie jetzt Groß- und Klein­ze­hen­strahl von außen ein. Tun Sie dies erst pas­siv; spä­ter unter­stüt­zen Sie die­se Bewe­gung aktiv mit der Fuß­mus­ku­la­tur“ (Abb. 1 u. 2).

Fuß-Brü­cke – Sta­bi­li­sa­ti­on des Fuß­ge­wöl­bes unter Belastung

„Ste­hen Sie frei im Raum, mit­tig auf bei­den Füßen. Stel­len Sie sich vor, den Kopf zur Decke und die Fer­sen in den Boden zu schie­ben. Jetzt bei­de Groß­ze­hen­bal­len aktiv über Mus­kel­kraft gegen den Boden schie­ben und die Fer­sen aktiv auf­rich­ten. Beach­ten Sie, dass der Unter­schen­kel und das Knie bei der Aus­füh­rung nicht nach außen gedreht wer­den, son­dern sich nur der Fuß auf­rich­tet. Ihr Gewicht bleibt mit­tig auf dem Fuß und fällt nicht nach hin­ten“ (Abb. 3 u. 4).

Kra­ke – Trai­ning der quer­wölbungsbildenden Muskulatur

„Sit­zen Sie auf einem Stuhl, die bei­den Unter­schen­kel par­al­lel neben­ein­an­der und das Knie senk­recht über dem Sprung­ge­lenk. Legen Sie einen hal­ben Ten­nis­ball oder eine hal­be Wal­nuss­scha­le unter den mitt­le­ren Vor­fuß. Die Fer­se bleibt am Boden, der Fuß schwebt mit hän­gen­den Zehen über dem Ball. Las­sen Sie den Fuß ohne Druck auf den Ball sin­ken und umgrei­fen Sie den Ball mit der Groß- und Klein­zehen­sei­te von bei­den Sei­ten. Die Zehen nei­gen sich dabei lang­ge­streckt nach vor­ne hin­un­ter. Behal­ten Sie die Fuß­po­si­ti­on bei und heben Sie den Vor­fuß mit auf­ge­bau­ter Quer­ge­wöl­be­span­nung aus dem Sprung­ge­lenk nach oben. Lösen Sie die Span­nung wie­der auf und las­sen Sie den Fuß wie­der auf den Ball sin­ken“ (Abb. 5 u. 6).

Frosch – Trai­ning der quer­wölbungsbildenden Muskulatur

„Sit­zen Sie auf einem Stuhl und legen Sie die Zehen­kup­pen auf ein klei­nes Brett­chen oder ein dün­nes Buch. Drü­cken Sie die Zehen­bee­ren ohne Kral­len der Zehen auf das Brett­chen. Dabei hebt sich der Mit­tel­fuß­be­reich leicht ab. Lösen Sie die Span­nung wie­der, sodass sich der Fuß wie­der senkt“ (Abb. 7 u. 8).

Rau­pe – Trai­ning der quer­wölbungsaufbauenden Muskulatur

„Sit­zen Sie auf einem Stuhl und stel­len Sie die Fer­se auf eine rut­schen­de Unter­la­ge. Fuß aktiv ver­schrau­ben, indem Sie sich vor­stel­len, die Fer­se hin­ten in den Boden zu schie­ben und den Groß­ze­hen­bal­len im Boden zu ver­an­kern. Drü­cken Sie nun die Zehen­bee­ren kraft­voll in den Boden und zie­hen Sie den Fuß mit der kur­zen Fuß­mus­ku­la­tur nach vor­ne, ohne dass die Zehen sich dabei ein­kral­len. Die Fer­se wird dadurch nach vor­ne gezo­gen. Lösen Sie die Span­nung, heben die Zehen ab und set­zen die­se wie­der so weit wie mög­lich vor­ne ab. Die Bewe­gung des Fußes gleicht der Bewe­gung einer Rau­pe“ (Abb. 9 u. 10).

Hüft­ge­lenk

Kro­ko­dil – Kräf­ti­gung der Außen­rotatoren des Hüftgelenks

„Lie­gen Sie auf der Sei­te, das unten­lie­gen­de Bein gestreckt, das oben­lie­gen­de Bein in Hüf­te, Knie und Fuß recht­wink­lig gebeugt. Heben Sie das oben­lie­gen­de Knie in Rich­tung Decke; der Fuß bleibt dabei mit der Innen­kan­te auf dem Boden lie­gen. Der Rumpf bewegt sich wäh­rend der Aus­füh­rung nicht. Las­sen Sie dann das Knie wie­der lang­sam sin­ken. Kurz bevor Sie den Boden berüh­ren, füh­ren Sie das Knie wie­der in die Hori­zon­ta­le nach oben. Zie­hen Sie den Außen­rand des Fußes wäh­rend der Aus­füh­rung aktiv hoch, sodass die Fuß­soh­le den Boden nicht berührt“ (Abb. 11 u. 12).

LBH

Becken-Ach­ter – Mobi­li­sa­ti­on des Beckens und der LWS

„Lie­gen Sie auf dem Rücken und stel­len die Bei­ne an. Legen Sie die Hän­de seit­lich auf das Becken und füh­ren Sie das Becken lang­sam in eine Rückwärts­paddelbewegung. Star­ten Sie lang­sam damit, die Bewe­gung mus­ku­lär aktiv zu unter­stüt­zen. Geht die rech­te Becken­sei­te als Pad­del ins Was­ser, flacht die Len­den­wir­bel­säu­le ab, ver­län­gert sich rechts (macht eine Seit­nei­gung nach links) und hat mit der rech­ten Sei­te deut­lich Boden­kon­takt, wäh­rend die lin­ke Sei­te etwas in die Luft kommt. Beim Nach­las­sen der Akti­vi­tät rechts gelangt das Becken wie­der in die Mit­tel­po­si­ti­on zurück. Für die lin­ke Sei­te dann die Bewe­gung ent­spre­chend durch­füh­ren. Voll­zie­hen Sie die Becken­be­we­gun­gen klein für die iso­lier­te Mobi­li­sa­ti­on der Ilio­sakralgelenke oder etwas grö­ßer für die wei­ter­ge­hen­de Mobi­li­sa­ti­on der Len­den­wir­bel­säu­le. Füh­ren Sie die Bewe­gun­gen lang­sam und kon­trol­liert aus“ (Abb. 13 u. 14).

Him­mels­schrau­be – Über­da­chung des Hüftgelenks

„Ste­hen Sie mit einem Bein auf dem Boden, das ande­re stel­len Sie auf einen Stuhl, wobei 90 Pro­zent Ihres Gewich­tes auf dem Stand­bein ste­hen. Schie­ben Sie nun den Kopf Rich­tung Decke und die Fer­se des Stand­beins in den Boden. Ihr Gewicht bleibt dabei mit­tig auf dem Fuß. Durch die mus­ku­lä­re Gesamt­au­f­rich­tung der Wir­bel­säu­le rich­tet sich das Becken auf, und es kippt und dreht zur Stand­bein­sei­te. Stel­len Sie sich vor, Sie schie­ben Ihren Kör­per in einem engen Rohr nach oben. Somit kön­nen Sie seit­li­che Aus­weich­be­we­gun­gen ver­mei­den“ (Abb. 15 u. 16).

Fazit

Die Ursa­chen für Beschwer­den bzw. Schmer­zen im Vor­fuß sind viel­fäl­tig. Eine iso­lier­te Betrach­tung der sta­ti­schen Fuß­ver­hält­nis­se greift bei der Suche nach die­sen Ursa­chen deut­lich zu kurz. Es müs­sen sowohl die Gesamt­kör­per­sta­tik als auch die Betrach­tung der dyna­mi­schen Abläu­fe in die Sicher­stel­lung der Dia­gno­se inte­griert wer­den. Nur dann ist neben der symp­tomorientierten auch eine ziel­füh­ren­de ursa­chen­ori­en­tier­te The­ra­pie­pla­nung mög­lich. Die­se soll­te neben den sta­ti­schen Ver­än­de­run­gen vor allem Anpas­sun­gen in den Bewe­gungs­ab­läu­fen adres­sie­ren. Die The­ra­pie nach dem Spiraldynamik®-Konzept erweist sich dabei als geeig­ne­tes Gerüst, das sowohl die Grund­la­ge der erklä­ren­den Mecha­nik als auch der kom­ple­xen Bewe­gungs­schu­lung darstellt.

Inter­es­sen­kon­flikt

Der Autor ist Exper­te und Dozent der Spiraldynamik®.

Der Autor:
Dr. phil. Jens Wippert
Spiraldynamik®-Experte
Sana­mo­tus – Gesund in Bewegung
Eisen­mann­str. 4, 80331 München
jw@sanamotus.de

Begut­ach­te­ter Beitrag/reviewed paper

Zita­ti­on
Wip­pert J. Ein­fluss von Sta­tik und Dyna­mik auf die Belas­tung des Vor­fu­ßes — Eine Betrach­tung aus Sicht der Spi­ral­dy­na­mik. Ortho­pä­die Tech­nik, 2018; 69 (6): 56–61
  1. Heel C. Das Bewe­gungs­sys­tem – Ein Wir­kort stellt sich vor. In: Hüter-Becker, A. (Hrsg.). Lehr­buch zum Neu­en Denk­mo­dell der Phy­sio­the­ra­pie: Band 1: Bewe­gungs­sys­tem. Stutt­gart: Thie­me Ver­lag, 2002: 20–216
  2. Lar­sen C. Koxar­thro­se: Peri­phe­re Dämp­fung – zen­tra­le Belas­tung. Kran­ken­gym­nas­tik, 1998; 11: 50–53
Tei­len Sie die­sen Inhalt
Anzeige