Werk­statt im Kompaktformat

„Think big, make it small.“ So lautet das Motto der mobilen und kompakten Containerwerkstatt für Regionen ohne orthopädietechnische Versorgung, die Ottobock auf der OTWorld 2022 als Premiere präsentierte. Die komplette orthopädietechnische (OT-)Versorgungsstation besteht aus zwei jeweils 25 Quadratmeter großen Containern: Patient Care und Workshop.

Im „Pati­ent Care Con­tai­ner“ samt Sani­tär­an­la­ge mit war­mem und kal­tem Was­ser wer­den Ana­mne­sen durch­ge­führt, Gips­ab­drü­cke genom­men, Pro­the­sen und Orthe­sen ange­passt. Im zwei­ten Con­tai­ner ver­birgt sich eine kom­plett aus­ge­stat­te OT-Werk­statt – bei­de mit Strom- und Was­ser­an­schluss, Air­con­di­ti­on sowie Beleuch­tung mit Sen­sor­tech­no­lo­gie und gegen Dieb­stahl gesi­cher­te Fenster.

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Bedarf nicht nur in Afrika

Vor rund fünf Jah­ren sei die Idee auf­grund kon­kre­ter Bedürf­nis­se in afri­ka­ni­schen Län­dern wie Kenia, Nige­ria, Ango­la und Tan­sa­nia ent­stan­den, berich­tet Peter Schef­fers, Seni­or Glo­bal Busi­ness Deve­lo­p­ment Mana­ger der Unit Busi­ness Solu­ti­ons PEM (Plan­ning, Equip­ping, Mate­ri­als) von Otto­bock. „In dem Land fehl­ten Werk­stät­ten, in denen die jun­gen Absolvent:innen nach ihrer OT-Aus­bil­dung arbei­ten konn­ten. Da haben wir uns gefragt: Wir kön­nen das Equip­ment lie­fern, wir kön­nen das Mate­ri­al lie­fern – war­um kön­nen wir nicht ein Gebäu­de lie­fern?“ Aus ers­ten Pro­to­ty­pen ent­wi­ckel­ten Schef­fers und sein Team ein stan­dar­di­sier­tes Pro­dukt, das sich an ört­li­che Strom­net­ze oder Gene­ra­to­ren sowie eine Was­ser­ver­sor­gung anschlie­ßen lässt. Bewusst wur­den Pati­en­ten- und Maschi­nen­raum getrennt: „Der Bereich für Patient:innen soll lei­se, sau­ber und staub­frei sein. In der Werk­statt kann schon mal Lärm ent­ste­hen, wenn zum Bei­spiel die Trich­ter­frä­se los­legt.“ Die Nach­fra­ge auf der OTWorld habe ihn begeis­tert: „Hier ist das inter­na­tio­na­le Publi­kum, nach Leip­zig kommt die gan­ze Welt. Wir hat­ten Interessent:innen vor allem aus Süd­afri­ka, Kenia, Bul­ga­ri­en, Marok­ko, Kolum­bi­en – aber eben­so aus der Ukraine.“

Con­tai­ner­mo­del­le für die Ukrai­ne reserviert

„Wir sind im Gespräch mit staat­li­chen und pri­va­ten Part­nern aus der Ukrai­ne sowie aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um dar­über, inwie­fern unse­re mobi­le Con­tai­ner­lö­sung in der Ukrai­ne bei der pro­the­ti­schen und orthe­ti­schen Ver­sor­gung hel­fen kann“, erklärt Mark C. Schnei­der, Vice Pre­si­dent Cor­po­ra­te Com­mu­ni­ca­ti­ons & Public Affairs. „Die Ver­sor­gung der Men­schen im Kriegs­ge­biet ist für uns ein sehr wich­ti­ges The­ma, bei dem wir unter­stüt­zen wol­len.“ Auf der OTWorld war unter ande­rem die stell­ver­tre­ten­de ukrai­ni­sche Gesund­heits­mi­nis­te­rin Iry­na Mykychak mit einer Dele­ga­ti­on zu Gast. „Wenn die Con­tai­ner in der Ukrai­ne gebraucht wer­den, dann sind die auf der OTWorld vor­ge­stell­ten Pati­ent-Care- und Work­shop-Model­le natür­lich dafür reserviert.“

Cath­rin Günzel

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