Das Symposium war in drei Themenblöcke gegliedert. Der erste Abschnitt widmete sich neuen Ansätzen und aktuellen Entwicklungen in der Therapie des Lymphödems sowie des Lipödems. Prof. Jean‑Paul Belgrado veranschaulichte anhand von Fallbeispielen die Lymphabflusswege des menschlichen Körpers. Er betonte, dass in der Lymphologie häufig mehrere diagnostische Schritte notwendig seien, um die richtige Therapie für Patientinnen und Patienten zu finden, da „in der Lymphologie grundsätzlich alles möglich ist.“
Dr. Stéphane Vignes plädierte für die korrekte Verwendung und klare Differenzierung der Begriffe Lymphödem, Lipödem und Adipositas. Nur mit präziser Terminologie seien eine eindeutige Diagnosestellung und darauf aufbauend eine adäquate Therapie möglich. Dr. Julie Malloizel‑Delaunay ging auf die chronische Erkrankung des Lymphödems ein und unterstrich die Notwendigkeit individueller Behandlungsstrategien. Dies bestätigte auch der Physiotherapeut Pascal Goussé, der die ganzheitlichen Therapieansätze der Polyclinic Bordeaux präsentierte.
Im Themenblock „Management und therapeutische Optionen für Lymphödempatientinnen und ‑patienten“ erläuterte Bernd Mangold die Herstellung von Kompressionsbekleidung sowie die damit verbundenen regulatorischen Anforderungen. Dr. Tim Wentel stellte anschließend die physiologischen Grundlagen der Kompressionstherapie vor und erklärte die drei zentralen Eigenschaften von Kompressionsmaterialien: Elastizität, Stiffness und Hysterese.
Physiotherapeutin Nadine Guilloux verdeutlichte die Bedeutung von Bewegung in Kompression. Die psychologischen Aspekte der Erkrankung beleuchtete Sandrine Jeanmaire, die aufzeigte, dass viele Betroffene nach der Diagnose einen Akzeptanzprozess durchlaufen müssen.
Einen chirurgischen Blickwinkel brachte Assoc.-Prof. PD Dr. med. Chieh‑Han John Tzou ein, die operative Verfahren wie Lymphknoten‑Transplantationen und lymphovenöse Anastomosen als sinnvolle Ergänzung zur konservativen Therapie in der Lymphologie darstellte.
Der letzte Themenblock widmete sich dem Management und den therapeutischen Optionen bei Lipödem. Dr. Gabriele Faerber stellte die deutschen S2k‑Leitlinien vor und diskutierte diese gemeinsam mit emer. Prim. Dr. Christian Ure und Dr. Brigitte Habermalz. Dabei wurde insbesondere die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung der Patientinnen – inklusive körperlicher, funktioneller und psychosozialer Aspekte – hervorgehoben.
Dr. Robert Boonen stellte individualisierte Therapieoptionen vor und hob die Schmerzreduktion als zentrales Therapieziel bei Lipödem-Patientinnen hervor. Caroline Meyrignac ergänzte, dass insbesondere bei der konservativen Therapie die Kompressionsversorgung stets individuell anzupassen sei. Die Rolle der Ernährung beleuchtete Dr. Gabriele Faerber, die den positiven Einfluss einer ausgewogenen Ernährung auf die Lebensqualität von Lipödem-Patientinnen betonte. Habermalz erklärte abschließend, wann chirurgische Maßnahmen sinnvoll sein könnten, stellte jedoch klar, dass konservative und operative Therapien immer gemeinsam betrachtet werden müssten und eine Liposuktion kein Allheilmittel darstelle.
Über 270 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 12 Ländern waren in die französische Hauptstadt gereist. Sie nutzten die Veranstaltung, um sich international zu vernetzen und aktuelle Entwicklungen in der Lymph‑ und Lipödemtherapie zu diskutieren.
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