Sani­täts­haus Kur­da fei­ert Jubiläum

Als Richard Kurda im Jahr 1926 sein Sanitätshaus eröffnete, konnte er nicht ahnen, dass er damit lediglich das erste Kapitel einer langen Geschichte schreiben würde: Noch heute werden in Kiel zahlreiche Kunden mit Hilfsmitteln „Made by Kurda“ versorgt – und das in mittlerweile dritter Generation von seinem Enkelsohn Andreas Kurda und dessen Ehemann Erik.

Am 30. April 2026 tanz­te das Team nicht nur gemein­sam in den Mai, son­dern auch in den Jubi­lä­ums­tag des Sani­täts­hau­ses. „100 Jah­re – und wir geben Gas“, kün­digt Andre­as Kur­da an. Fei­ern? Ja! Aber das Tem­po dros­seln und sich auf der Erfolgs­ge­schich­te aus­ru­hen, will er nicht. Tra­di­ti­on ver­steht er als Auf­ga­be, die kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­ge­dacht wer­den will. „Wir müs­sen zuneh­mend digi­ta­ler wer­den“, ist der gelern­te Ortho­pä­die­tech­nik-Meis­ter mit Blick auf The­men wie Künst­li­che Intel­li­genz und Addi­ti­ve Fer­ti­gung über­zeugt. Ein kur­zer Tritt auf die Brem­se dient ledig­lich zum Inne­hal­ten: „Man muss neue Ent­wick­lun­gen und Tech­no­lo­gien immer hin­ter­fra­gen und letzt­end­lich bewer­ten, was für den eige­nen Betrieb umsetz­bar und sinn­voll ist.“ Eine zen­tra­le Anlauf­stel­le, um am Puls der Zeit zu blei­ben: die OTWorld in Leip­zig. Auch in die­sem Jahr ist der Besuch auf der Suche nach Trends und der Aus­tausch mit Kol­le­gen fest eingeplant.

Anzei­ge

Spe­zia­li­sie­rung schafft Profil

Was braucht es noch, um als Sani­täts­haus in einem wach­sen­den Markt zu bestehen? „Man muss mit­wach­sen“, lau­tet Kur­das eben­so ein­fa­che wie tref­fen­de Ant­wort. In Kiel und Umland sieht er gro­ßes Poten­zi­al, den Namen wei­ter zu stär­ken. Dabei setzt er weni­ger auf Durch­gangs­ver­kehr, son­dern viel­mehr auf eine lang­fris­ti­ge Bin­dung zu Kun­den, die chro­nisch erkrankt sind, Gesprächs­be­darf haben und eine indi­vi­du­el­le, ver­trau­ens­vol­le Beglei­tung im All­tag schät­zen. Spe­zia­li­sie­rung ist für Andre­as Kur­da ein wei­te­rer zen­tra­ler Fak­tor, um sich abzu­he­ben. „Wir konzen­trieren uns auf die Berei­che, die bei uns stark nach­ge­fragt wer­den“, sagt er. Als er 2001 die Geschäfts­füh­rung über­nahm, bau­te er ins­be­son­de­re die Ver­sor­gung brust­ope­rier­ter Frau­en aus – für den Ortho­pä­die­tech­nik-Meis­ter ein High­light in sei­ner Berufs­lauf­bahn, das wei­te­re Krei­se zog. 2009 grün­de­te er das Lymph­netz Kiel, 2012 betei­lig­te er sich als Autor am Fach­buch „Lym­pho­lo­gi­cum – Netz­werk­fi­bel für Lym­pho­lo­gi­sche Ver­sor­gungs­stan­dards“. Zudem schrieb er wei­te­re Fachbei­träge, hielt Vor­trä­ge auf der OTWorld zum The­ma und ist bis heu­te bei der Deut­schen Gesell­schaft für Phle­bo­lo­gie und Lym­pho­lo­gie aktiv. „Für mei­nen Groß­va­ter war ein ­Mei­len­stein mit Sicher­heit die Zusam­men­ar­beit mit Prof. Hepp, dem dama­li­gen Direk­tor der Ortho­pä­die der Uni­ver­si­täts­kli­nik Kiel“, so Kur­da. Aus die­ser Koope­ra­ti­on ging das Rekli­na­ti­ons­kor­sett nach Hepp und Kur­da her­vor, das Ein­zug in sämt­li­che Fach­literatur fand. Ein beson­de­rer ­Moment für Vater Fried­helm Kur­da: die Aus­zeich­nung für her­aus­ra­gen­de Aus­bil­dungs­leis­tun­gen durch den ­dama­li­gen Bun­des­prä­si­den­ten Karl Cars­tens im Jahr 1984.

Mit drei Filialen ist das Unternehmen in Kiel vertreten, bereits seit 1969 an der Ringstraße. Foto: Sanitätshaus Kurda
Mit drei Filia­len ist das Unter­neh­men in Kiel ver­tre­ten, bereits seit 1969 an der Ring­stra­ße. Foto: Sani­täts­haus Kurda

 

Invest in den Nachwuchs

Nach­dem das The­ma Nach­wuchs­för­de­rung zwi­schen­zeit­lich in den Hin­ter­grund gera­ten war, erhielt es durch Erik Kur­da neu­en Auf­wind. Als er 2010 ins Unter­neh­men und 2021 dann in die Geschäfts­füh­rung ein­stieg, stand die Eta­blie­rung eines nach­hal­ti­gen Aus­bil­dungs­kon­zepts ganz oben auf sei­ner Agen­da. „Als ich anfing, gab es kei­ne Azu­bis und der Alters­durch­schnitt des Teams war rela­tiv hoch“, berich­tet er. „Für mich war klar, dass wir das ändern müs­sen.“ Rück­bli­ckend macht sich das Invest in den Nach­wuchs bezahlt: Die fri­schen Impul­se jün­ge­rer Gene­ra­tio­nen bele­ben das Team, Jung und Alt ler­nen und pro­fi­tie­ren von­ein­an­der. Wich­tig ist Kur­da, dass die Kol­le­gen in spe nicht nur fach­lich über­zeu­gen; sie müs­sen ins Team pas­sen. „Wir neh­men uns Zeit, um den Rich­tigen zu fin­den“, sagt er. Auch Prak­ti­kan­ten berei­chern regel­mä­ßig das Team – bis Juli sind alle Plät­ze vergeben.

Um Mit­ar­bei­ter nicht nur zu gewin­nen, son­dern lang­fris­tig zu hal­ten, bie­ten die Geschäfts­füh­rer neben Klas­si­kern wie Job­ti­cket und Was­ser wei­te­re Bene­fits. „Voiio“ ist eine Platt­form, die psy­cho­lo­gi­sche Bera­tung anbie­tet und durch ver­schie­de­ne Ange­bo­te wie Kin­der­be­treu­ung und Nach­hil­fe dabei unter­stützt, Beruf und Fami­lie unter einen Hut zu brin­gen. Mit „Han­se­fit“ steht dem Team die Mög­lich­keit offen, Fir­men­fit­ness in Anspruch zu neh­men. Som­mer­fest und Win­ter­fest gehö­ren zu den fes­ten Fei­er­ter­mi­nen in jedem Jahr. „Ich muss sagen: Unser Team tut viel selbst dafür, sich wohl­zu­füh­len. Nach Fei­er­abend gehen die Kol­le­gen gern mal gemein­sam in ein Restau­rant“, berich­tet Erik Kur­da. Wo es men­schelt, ent­steht aber selbst­ver­ständ­lich auch Rei­bung. Der Schlüs­sel an die­ser Stel­le: Kom­mu­ni­ka­ti­on. Das kennt Andre­as Kur­da aus sei­nen Anfän­gen noch anders. Als er sei­ne Aus­bil­dung zum Ortho­pä­die­tech­ni­ker absol­vier­te, herrsch­te im Hand­werk ein eher direk­ter und rau­er Umgangs­ton. „Da war mehr Ansa­ge“, erin­nert er sich. Seit­dem hat sich viel getan. Er setzt dar­auf, ­sei­ne Mit­ar­bei­ter in Pro­zes­se und Ent­schei­dun­gen ein­zu­bin­den, ihre Mei­nun­gen anzu­hö­ren und gemein­sam Lösungs­we­ge zu fin­den. „Dadurch kön­nen sie neue Pro­jek­te als ihre begrei­fen und nicht als rei­ne Auf­ga­be von oben.“

Beglei­ter in jeder Lebensphase

Wäh­rend sei­ne Schwes­ter eine juris­ti­sche Lauf­bahn ein­schlug, ent­schied sich Andre­as Kur­da damals bewusst, es sei­nem Groß­va­ter und Vater gleich­zu­tun. Noch heu­te begeis­tert es ihn, Men­schen in ver­schie­de­nen Lebens­situationen zu beglei­ten und Lösungs­we­ge auf­zu­zei­gen. „Wir ver­sor­gen Schwan­ge­re, Men­schen mit kör­per­li­chen Her­aus­for­de­run­gen, jun­ge Sport­ler, die ihre Leistungs­fähigkeit ver­bes­sern wol­len, und eben­so Men­schen mit schwe­ren Erkran­kun­gen wie ALS wäh­rend ihrer letz­ten Lebensphase.“

Inner­halb von 100 Jah­ren bleibt es nicht aus, auch mal ins Stol­pern und Grü­beln zu gera­ten. Kos­ten­vor­anschlä­ge wer­den trotz inten­si­ver Bemü­hun­gen abge­lehnt, uner­war­tet fal­len län­ger­fris­tig meh­re­re Mit­ar­bei­ter aus oder – wie kürz­lich erst gesche­hen – eine poli­ti­sche Hiobs­bot­schaft flat­tert ins Haus. „Wir sind schwer ent­täuscht, dass die Anschluss­frist an die Telematik­infrastruktur erneut ver­scho­ben wur­de“, so Andre­as Kur­da. „Wir kön­nen es nicht abwar­ten, so viel Papier wie mög­lich los­zu­wer­den.“ An sol­chen Tagen holt ihn der Blick ins Foto­ar­chiv schnell auf den Boden der Tat­sa­chen zurück. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs wur­de das Fir­men­ge­bäu­de einst zer­bombt, sein Groß­va­ter stand nach erfolg­rei­cher Expan­si­on plötz­lich vor dem Nichts, fand aber den­noch die Kraft, einen Neu­an­fang zu wagen. „Ande­re Gene­ra­tio­nen hat­ten mit viel grö­ße­ren Her­aus­for­de­run­gen zu kämp­fen“, ist er sich bewusst. Auf­ge­ben war ges­tern – und ist auch heu­te – kei­ne Option.

Pia Engel­brecht

 

Tei­len Sie die­sen Inhalt
Anzeige