Fuß­mo­del­le zur Ana­ly­se der Fuß­funk­ti­on: Was ist bei der Anwen­dung zu beachten?

H. Böhm, M. Hösl, L. Döderlein
Fußmodelle sind eine hilfreiche Ergänzung zur bisherigen Fußdiagnostik. Sie messen die komplexe dreidimensionale Bewegung des Fußes beim Gehen und sind eine Verfeinerung der schon seit Jahren angewendeten Ganzkörpermodelle in der instrumentellen dreidimensionalen Ganganalyse. Fußdeformitäten und die dadurch eingeschränkte Funktion beim Gehen lassen sich hierdurch quantifizieren, um die Versorgung mit Einlagen und Orthesen zu verbessern. Dieser Artikel zeigt an Patientenbeispielen die Anwendungsbereiche auf und erläutert, was man bei der Verwendung von Fußmodellen beachten sollte.

Ein­lei­tung

Wäh­rend des Gehens hat der Fuß die Auf­ga­be, beim initia­len Boden­kon­takt den Auf­prall zu dämp­fen und sich danach in der Stand­pha­se an Uneben­hei­ten des Bodens anzu­pas­sen, um eine siche­re Auf­la­ge­flä­che zu gewähr­leis­ten. Beim nach­fol­gen­den Abdruck soll­te der Fuß einen stei­fen Hebel bil­den, um die Kraft der Waden­mus­ku­la­tur effek­tiv zum Vor­trieb zu nut­zen 1. Sind die­se Funk­tio­nen gestört, klagt der Pati­ent häu­fig über Sym­pto­me wie rasche Ermü­dung des Fußes, Schmer­zen und Ein­schrän­kun­gen bei der Sport­aus­übung. Zur Dia­gnos­tik der Fuß­funk­ti­on für eine ziel­ge­rich­te­te Pla­nung der The­ra­pie mit Ein­la­gen, Orthe­sen oder ope­ra­ti­ven Ein­grif­fen haben sich Fuß­mo­del­le eta­bliert 2. Fuß­mo­del­le sind bio­me­cha­ni­sche Com­pu­ter­mo­del­le zur Berech­nung von Gelenk­be­we­gun­gen im Fuß, basie­rend auf Kame­ra­auf­nah­men der Bewe­gung. Ein Fuß­mo­dell steht hier­bei nicht allei­ne; es wird als sinn­vol­le Ergän­zung der manu­el­len Tests von Beweg­lich­keit und Kraft, des Rönt­gen­bil­des und der dyna­mi­schen Druck­ver­tei­lungs­mes­sung ange­se­hen, die in ihrer Zusam­men­schau bewer­tet wer­den (Abb. 1). Die Vor­tei­le eines Fuß­mo­dells gegen­über den ande­ren drei Mess­me­tho­den lie­gen auf der Hand: Bei der Bewe­gung wir­ken oft höhe­re Kräf­te, als der Unter­su­cher im manu­el­len kli­ni­schen Test auf­brin­gen kann. Im Gegen­satz zum sta­ti­schen Rönt­gen­bild bil­det eine dyna­mi­sche Mes­sung die Fehl­stel­lun­gen bei Bewe­gung und deren mus­ku­lä­re Kom­pen­sa­tio­nen bes­ser ab. Gegen­über der zwei­di­men­sio­na­len Druck­ver­tei­lungs­mes­sung stellt sie eine drei­di­men­sio­na­le Mes­sung der kom­ple­xen mehr­di­men­sio­na­len Fuß­be­we­gung dar.

Tech­ni­sche Voraussetzungen

Ent­stan­den sind Fuß­mo­del­le als Erwei­te­rung der Ganz­kör­per­mo­del­le, die bei der kame­ra­ba­sier­ten instru­men­tel­len drei­di­men­sio­na­len Gang­ana­ly­se seit vie­len Jah­ren in der Kli­nik ange­wen­det wer­den 3. Durch tech­ni­sche Ver­bes­se­run­gen der Auf­lö­sung der Kame­ra­sys­te­me in den letz­ten Jah­ren wur­de es mög­lich, eine Viel­zahl reflek­tie­ren­der Kugeln (im Fol­gen­den als Mar­ker bezeich­net) am Fuß zu erfas­sen (sie­he Abb. 1). Dadurch konn­te der Fuß, der bis­her nur aus einem Seg­ment bestand, in meh­re­re Seg­men­te unter­teilt wer­den. Als tech­ni­sche Vor­aus­set­zun­gen wer­den min­des­tens 8 Hoch­ge­schwin­dig­keits­ka­me­ras mit einer zeit­li­chen und räum­li­chen Auf­lö­sung von 200 Hz und 1,3 Mega­pi­xeln bei einem foka­len Volu­men von 2 × 2 × 3 m emp­foh­len. Mehr Kame­ras mit höhe­rer Auf­lö­sung erleich­tern die Auf­nah­me, ins­be­son­de­re wenn bei stark defor­mier­ten Füßen und gro­ßen Schrit­ten oder beim Ren­nen eine auf­wen­di­ge manu­el­le Nach­be­ar­bei­tung beim Tracking der Mar­ker in der Soft­ware not­wen­dig wird. Gegen­über dem Ganz­kör­per­mo­dell wer­den bei Fuß­mo­del­len zusätz­li­che Mar­ker am Fuß und am Unter­schen­kel benö­tigt. Durch das Pal­pie­ren und die ver­mehr­te Anzahl von Mar­kern ver­län­gert sich die Zeit für die Mar­keraus­stat­tung gegen­über dem Ganzkörpermodell.

Die in der Kli­nik am häu­figs­ten ein­ge­setz­ten Model­le sind das Mil­wau­kee- und das Oxford-Fuß­mo­dell, die den Fuß in Rück­fuß, Vor­fuß und Hal­lux unter­tei­len 4. Neben einer Viel­zahl von Mar­kern, die an stan­dar­di­sier­ten ana­to­mi­schen Refe­renz­punk­ten auf­ge­bracht wer­den, benö­tigt das Mil­wau­kee-Fuß­mo­dell noch eine axia­le Rönt­gen­auf­nah­me des Cal­ca­neus (Saltz­mann-Auf­nah­me) zur Bestim­mung der Rück­fu­ße­ver­si­on. Da Rönt­gen­auf­nah­men in den meis­ten Fäl­len nur sagit­tal und ante­rior-pos­te­rior vor­lie­gen, stellt dies eine zusätz­li­che Strah­len­be­las­tung dar. Im All­ge­mei­nen soll­te es nach Mei­nung der Autoren auch mög­lich sein, Fuß­mo­del­le ohne Rönt­gen­ana­ly­se anzu­wen­den, sodass sich die fol­gen­den Aus­füh­run­gen auf das Oxford-Fuß­mo­dell (OFM) 5 beschrän­ken, das kei­ne zusätz­li­chen Rönt­gen­auf­nah­men zur Ein­ga­be voraussetzt.

Bei­spiel der drei­di­men­sio­na­len Fußbewegung

Wel­che dia­gnos­ti­sche Infor­ma­ti­on über die Bewe­gung lie­fert das OFM dem Betrach­ter? Aus den Bewe­gun­gen der Mar­ker wer­den im OFM Gelenk­win­kel zwi­schen Tibia und Rück­fuß sowie zwi­schen Rück­fuß und Vor­fuß in allen drei Bewe­gungs­ebe­nen (sagit­tal, fron­tal und trans­ver­sal) berech­net. Die Bewe­gung des Hal­lux zum Vor­fuß wird nur in der Sagit­tal­ebe­ne (Exten­si­on und Fle­xi­on) ange­ge­ben. Um die kli­ni­sche Bedeu­tung der ein­zel­nen Ebe­nen an einem Bei­spiel zu ver­an­schau­li­chen, ist in Abbil­dung 2 ein jugend­li­cher Pati­ent mit aus­ge­präg­tem Knick­platt­fuß zum Ver­gleich einem Kol­lek­tiv von Jugend­li­chen mit nor­mal ent­wi­ckel­ter Fuß­form gegen­über­ge­stellt. Die typi­schen fünf Kom­po­nen­ten des Knick­platt­fu­ßes, wie sie in der Lite­ra­tur beschrie­ben wer­den 6, sind bei die­sem Pati­en­ten ent­hal­ten und in Abbil­dung 2 mit den Buch­sta­ben a – e gekenn­zeich­net: In der Sagit­tal­ebe­ne besteht eine Spitz­fuß­stel­lung (a) und eine dor­sa­le Auf­bie­gung des Mit­tel­fu­ßes (b). In der Fron­tal­ebe­ne besteht eine star­ke Ever­si­on des Rück­fu­ßes © mit einer Supi­na­ti­on im Vor­fuß (d). In der Trans­ver­sal­ebe­ne ist die Vor­fuß­ab­duk­ti­on erhöht (e).

Da bei die­sem Pati­en­ten erheb­li­che Abwei­chun­gen von der natür­li­chen Streu­ung der Norm gemes­sen wur­den, reicht eine Ein­la­ge zur Kor­rek­tur nicht aus. Der manu­el­le kli­ni­sche Test zeig­te eine gute Fuß­be­weg­lich­keit, sodass mit­tels einer Talus-Repo­si­ti­ons­orthe­se 7 der Talus wie­der über den Cal­ca­neus posi­tio­niert wer­den kann und somit die Ever­si­on im Rück­fuß redu­ziert, das Fuß­ge­wöl­be auf­ge­rich­tet und gleich­zei­tig die Abduk­ti­on ver­rin­gert wird. Bei fle­xi­blem Mit­tel­fuß wird die deut­lich vor­han­de­ne Supi­na­ti­on von ca. 20° im Vor­fuß (d) mit­tels Orthe­se voll­stän­dig kor­ri­giert, da die­se Ver­wrin­gung zum Rück­fuß eine Adap­t­ati­on an die im Rück­fuß gemes­se­ne Ever­si­on von ca. 20° dar­stellt, um den Vor­fuß beim Gehen voll­stän­dig plan­t­ar auf den Boden zu brin­gen. Die Spitz­fuß­stel­lung im obe­ren Sprung­ge­lenk müss­te zusätz­lich gedehnt wer­den, um die Bie­ge­be­las­tung auf den Mit­tel­fuß zu redu­zie­ren. Gege­be­nen­falls kann die Bie­ge­be­las­tung zusätz­lich durch eine stei­fe Soh­le geschützt wer­den. Mit einer stei­fen Soh­le könn­te auch ein bes­se­rer Fuß­he­bel für einen guten Abdruck beim Gehen bewirkt wer­den. Ins­ge­samt wäre bei der aus­ge­präg­ten Fehl­stel­lung mit­tel­fris­tig ein ope­ra­ti­ver Ein­griff abzu­wä­gen, ins­be­son­de­re wenn der Fuß im kli­ni­schen Test nicht fle­xi­bel ist.

Neben der drei­di­men­sio­na­len Fuß­be­we­gung kann auch die Mit­tel­fuß­be­las­tung in der Abduck­pha­se über das resul­tie­ren­de Dreh­mo­ment zwi­schen Vor- und Rück­fuß abge­schätzt wer­den 8. Eine gegen­über der Norm­er­höh­te Mit­tel­fuß­be­las­tung kann zur bio­me­cha­ni­schen Erklä­rung bestehen­der Schmer­zen im Mit­tel­fuß­be­reich die­nen. In die­sem Fall könn­te mit Schuh­zu­rich­tun­gen und Ein­la­gen die Bie­ge­be­las­tung redu­ziert wer­den, um die Schmer­zen zu verringern.

Relia­bi­li­tät der Fußmodellmessung

Bei der vor­an­ge­hen­den Betrach­tung in Abbil­dung 2 wur­den die Abwei­chun­gen der Fuß­mo­dell­kur­ven eines Pati­en­ten von der Norm als Grund­la­ge zur The­ra­pie­ent­schei­dung her­an­ge­zo­gen. Dies stellt das typi­sche Vor­ge­hen bei der instru­men­tel­len Gang­ana­ly­se dar 9. Hier­bei stellt sich natür­lich die Fra­ge, wie relia­bel die Mess­wer­te sind und wel­che Aus­wir­kun­gen Posi­tio­nie­rungs­feh­ler der Mar­ker auf die Bestim­mung der Win­kel im OFM haben. Die Wie­der­hol­bar­keit des OFM beträgt zwi­schen 2 und 8° für die berech­ne­ten Maxi­mal­wer­te und ist deut­lich bes­ser (2 bis 3°) für berech­ne­te Bewe­gungs­aus­ma­ße 10 11. Die größ­te Wie­der­ho­bar­keit besteht in der Sagit­tal­ebe­ne, wohin­ge­gen die Trans­ver­sal­ebe­ne die gerings­te Wie­der­hol­bar­keit auf­weist 12 13. Es spielt wei­ter­hin kei­ne Rol­le hin­sicht­lich der Relia­bi­li­tät, ob Maxi­mal­wer­te in der Stand oder Schwung­pha­se ange­schaut wer­den 14.

Neben der guten Wie­der­hol­bar­keit, die eine ent­schei­den­de Vor­aus­set­zung für die kli­ni­sche Anwen­dung dar­stellt, füh­ren Posi­tio­nie­rungs­feh­ler der Mar­ker und des Pati­en­ten meis­tens zu einem deut­li­chen Off­set der Fuß­mo­dell­kur­ven. Das ist auch der Grund, war­um dis­kre­te Maxi­mal­wer­te grö­ße­re Feh­ler auf­wei­sen als das berech­ne­te Bewe­gungs­aus­maß (Max–Min), auf das ein Off­set weni­ger Ein­fluss hat 15. Eine Nor­ma­li­sie­rung auf Neu­tral­stel­lung im auf­rech­ten Ste­hen ver­bes­sert daher die Relia­bi­li­tät, und die Feh­ler wer­den nach der Nor­ma­li­sie­rung in allen Ebe­nen klei­ner als 2,5° 16. Aller­dings geht durch die Nor­ma­li­sie­rung die Infor­ma­ti­on über das Aus­maß der Fehl­stel­lung ver­lo­ren. Bei dem Pati­en­ten mit Knick­platt­fuß aus Abbil­dung 2 wäre nach Nor­ma­li­sie­rung die erheb­li­che Ever­si­on im Stand (Abb. 2, Bil­der unten rechts) von ca. 20° nicht dar­ge­stellt, son­dern gegen neu­tral 0 nor­ma­li­siert. Daher ist die Nor­ma­li­sie­rung im kli­ni­schen All­tag nicht sinn­voll und wäre, wenn über­haupt, nur für kon­ser­va­ti­ve Inter­ven­ti­ons­stu­di­en geeig­net, um klei­ne­re Effek­te nach­zu­wei­sen. Die Fra­ge, ob grö­ße­re Füße von Erwach­se­nen eine bes­se­re Relia­bi­li­tät zei­gen als klei­ne­re Füße von Kin­dern, wur­de noch nicht beant­wor­tet; Stu­di­en zei­gen aber, dass sich auch Kin­der ab drei Jah­ren für eine Unter­su­chung mit dem OFM eig­nen 17 18 19.

Da Posi­tio­nie­rungs­feh­ler der Mar­ker und des Pati­en­ten zu Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen der Daten füh­ren kön­nen, wird im nach­fol­gen­den Abschnitt erläu­tert, was bei der Ver­wen­dung des OFM zur Beant­wor­tung kon­kre­ter kli­ni­scher Fra­ge­stel­lun­gen zu beach­ten ist.

Fol­gen­de bei­spiel­haf­te Fra­ge­stel­lun­gen sind bei einer Viel­zahl von Fuß­de­for­mi­tä­ten relevant:

  1. Besteht ein Rück­fuß­spitz­fuß oder Hacken­fuß beim Gehen, und ist der Mit­tel­fuß beim Abroll­vor­gang stabil?
  2. Wie stark ist das Aus­maß der dyna­mi­schen In- oder Ever­si­on im Rückfuß?
  3. Besteht oder domi­niert eine Vor­fuß­pro­na­ti­on oder ‑supi­na­ti­on?

Hier­durch kann beur­teilt wer­den, ob der Fuß sei­ner Funk­ti­on wäh­rend der Last­auf­nah­me und im Abdruck nach­kommt, was maß­geb­li­chen Ein­fluss auf die Pla­nung der wei­te­ren Behand­lung hat. Fol­gen­de Bei­spie­le ver­deut­li­chen, was bei der Anwen­dung zur Beant­wor­tung die­ser drei Fra­gen zu beach­ten ist:

Feh­ler­mög­lich­kei­ten bei der Bestim­mung der Rück­fuß- und Mittelfußdorsalflexion

Vor jeder Mes­sung im Gehen muss eine Stand­mes­sung im auf­rech­ten Stand durch­ge­führt wer­den, um in der Soft­ware die Posi­ti­on der Koor­di­na­ten­sys­te­me zur Berech­nung der Gelenk­win­kel fest­zu­le­gen. Ein jugend­li­cher Pati­ent mit Klump­fuß bei Arthro­gry­po­se kann wegen sei­nes Spitz­fu­ßes im auf­rech­ten Stand sei­ne Fer­se nicht auf den Boden auf­set­zen (Abb. 3A). Dadurch wird in der Stand­auf­nah­me die Spitz­fuß­stel­lung über­schätzt; setzt man den Fuß nach vor­ne, bis die Fer­se flach auf dem Boden auf­liegt, hat man den kor­rek­ten Wert. In der Soft­ware kann auch bei hoch­ste­hen­der Fer­se im Nach­hin­ein eine Kor­rek­tur durch­ge­führt wer­den. Bei dem Pati­en­ten aus Abbil­dung 3 wur­de kli­nisch ein Spitz­fuß von –10° gemes­sen; dies deckt sich auch gut mit dem Maxi­mal­wert der gestri­chel­ten Kur­ve in der Schwung­pha­se und dem Wert bei initia­lem Boden­kon­takt. In der Mit­te der Stand­pha­se gibt das Sprung­ge­lenk durch Ein­wir­kung des Kör­per­ge­wich­tes noch um ca. 5° nach. Die­se hohe Kraft des Kör­per­ge­wich­tes kann man bei der manu­el­len Mes­sung in der Regel nicht erzeu­gen. Man soll­te daher zur Über­prü­fung der Plau­si­bi­li­tät nicht den maxi­ma­len Wert der Dor­sal­fle­xi­on in der Stand­pha­se mit dem kli­ni­schen Wert ver­glei­chen. Bei die­sem Pati­en­ten ist im Gegen­satz zu dem Pati­en­ten mit Knick­platt­fuß aus Abbil­dung 2 kei­ne Mit­tel­fuß-Dor­sal­fle­xi­on gegen­über der Norm gegen Ende der Stand­pha­se vor­han­den; somit stellt der Fuß einen guten Hebel für den Abdruck dar. Zusam­men­ge­fasst kann die Stand­po­si­ti­on das Aus­maß des Rück­fuß­spitz­fu­ßes und die Durch­bie­gung im Mit­tel­fuß beein­flus­sen. Es soll­te dar­auf geach­tet wer­den, dass die Fer­se bei der Stand­mes­sung auf dem Boden auf­liegt bzw. die Kor­rek­tur in der Soft­ware bei hoch­ste­hen­der Fer­se ein­ge­stellt wird.

Feh­ler­mög­lich­kei­ten bei der Bestim­mung von In- und Eversion

Die Stel­lung des Rück­fu­ßes ist von der manu­el­len Pal­pa­ti­on der Längs­ach­se des Cal­ca­neus (grü­ne Linie in Abb. 4) abhän­gig. Die­se ver­läuft durch die Mit­tel­punk­te der Mar­ker mit der Bezeich­nung HEE und PCA. Wäh­rend HEE in der Mit­te des Cal­ca­neus von pos­te­rior pal­piert wird, bestimmt die medi­o­la­te­ra­le Ver­schie­bung des Mar­kers HEE in Bezug auf den Mar­ker PCA die Abwei­chun­gen des Rück­fu­ßes in Varus und Val­gus. Die Linie folgt nicht dem Ver­lauf der Achil­les­seh­ne, son­dern stellt die Ori­en­tie­rung des Cal­ca­neus in der Fron­tal­ebe­ne dar. Eine Ver­schie­bung des PCA-Mar­kers von 3 mm (der Durch­mes­ser der dar­ge­stell­ten Mar­ker in Abb. 4 beträgt 9 mm) ver­ur­sacht bis zu 5° Unter­schied in der berech­ne­ten Ever­si­on im Rück­fuß und kann wie hier rot dar­ge­stellt zu einem feh­ler­haf­ten Befund füh­ren. Die Autoren emp­feh­len daher, den Cal­ca­neus zunächst ein­mal unbe­las­tet von dor­sal zu ertas­ten und dann zu beob­ach­ten, wie er sich unter Belas­tung in Varus und Val­gus ein­stellt, um dar­auf­hin die Linie von HEE nach PCA im belas­te­ten Stand einzuzeichnen.

Feh­ler­mög­lich­kei­ten bei der Bestim­mung von Vor­fuß­pro­na­ti­on und ‑supi­na­ti­on

Bei dem jugend­li­chen Pati­en­ten in Abbil­dung 5 mit Knick­senk­fuß besteht eine leicht erhöh­te Ever­si­on im Rück­fuß von 10° in der Stand­pha­se. Der Vor­fuß müss­te zum Aus­gleich der Ever­si­on eine Ver­wrin­gung (Supi­na­ti­on) von eben­falls 10° zei­gen, damit der Fuß plan­tig­ra­de auf­liegt. Die Supi­na­ti­on domi­niert aber mit ca. 20° über die Rück­fuß-Ever­si­on und müss­te daher zu einer Fuß­au­ßen­rand­be­las­tung füh­ren. Die Druck­ver­tei­lung des­sel­ben Pati­en­ten (Abb. 5) zeigt aber eine Innen­rand­be­las­tung, also besteht hier ein Wider­spruch. Es liegt ein Feh­ler beim Pal­pie­ren des Mar­kers D1M vor. Bei der Neu­tral­stel­lung im auf­rech­ten Stand soll­ten die Kugeln STL und D1M den­sel­ben ver­ti­ka­len Abstand vom Boden auf­wei­sen. In Abbil­dung 5 ist der Mar­ker D1M ca. 5 mm zu hoch ange­bracht wor­den; in der Fol­ge wird die Vor­fuß zur Rück­fuß-Supi­na­ti­on (durch­ge­zo­ge­ne Linie) um ca. 10° über­schätzt. Hier emp­feh­len die Autoren, die Plau­si­bi­li­tät der Daten noch­mals mit der plan­taren Druck­ver­tei­lung zu kon­trol­lie­ren. Idea­ler­wei­se kön­nen sie auf eine stan­dar­di­sier­te Foto­do­ku­men­ta­ti­on zurück­grei­fen und im Fal­le eines Wider­spruchs die Posi­ti­on der Mar­ker in den Fotos des Fußes, die den auf­rech­ten Stand zei­gen, überprüfen.

Anwen­dungs­be­rei­che von Fußmodellen

Das Fuß­mo­dell ist geeig­net für die ziel­ge­rich­te­te Pla­nung der The­ra­pie von Fuß­de­for­mi­tä­ten mit Ein­la­gen, Orthe­sen oder bei ope­ra­ti­vem Vor­ge­hen als sinn­vol­le Ergän­zung zur bis­he­ri­gen Dia­gnos­tik (sie­he Abb. 1). Die Mes­sung soll­te wegen der direkt auf die Haut auf­ge­brach­ten Mar­ker mög­lichst bar­fuß erfol­gen, sodass eine Mes­sung des Effek­tes von Ein­la­gen oder Orthe­sen im Schuh nur ein­ge­schränkt mög­lich ist, indem man klei­ne Löcher in den Schuh schnei­det und somit das Schuh­werk zer­stört 20. Die Ver­sor­gung z. B. mit Funk­tio­nel­ler Elek­tro­sti­mu­la­ti­on (FES) zur Behand­lung der Fuß­he­ber­schwä­che bil­det hier­bei eine Aus­nah­me. FES benö­tigt kei­ne mecha­ni­sche Kor­rek­tur­wir­kung am Fuß, da sie direkt auf den Pero­ne­al­nerv wirkt und ein Fuß­mo­dell in der Lage ist, Fuß­he­bung und Kor­rek­tur­wir­kung der damit ver­bun­de­nen Fuß­de­for­mi­tät nach­zu­wei­sen und opti­mal ein­zu­stel­len, wie im nach­fol­gen­den Bei­spiel erläu­tert wird.

Anwen­dungs­bei­spiel zur Wir­kung einer funk­tio­nel­len Fuß­he­ber­or­the­se auf die Fußbewegung

Eine Indi­ka­ti­on zur Ver­wen­dung von FES ist eine Fuß­he­ber­schwä­che nach Schlag­an­fall, ver­ur­sacht durch eine Schä­di­gung von Ner­ven­zel­len des zen­tra­len Ner­ven­sys­tems. FES akti­viert direkt den Ner­vus pero­neus com­mu­nis, um die Fuß­he­bung wie­der­her­zu­stel­len. Die­ser Nerv teilt sich im Bereich des Knie­ge­lenks in den Ner­vus pero­neus super­fi­cia­lis und den Ner­vus pero­neus pro­fun­dus. Der Ner­vus pero­neus super­fi­cia­lis ver­sorgt den Mus­cu­lus pero­neus lon­gus und den Mus­cu­lus pero­neus bre­vis, die der Pro­na­ti­ons­be­we­gung des Fußes die­nen. Der Ner­vus pero­neus pro­fun­dus ver­sorgt die zur Fuß­he­bung benö­tig­ten Mus­keln des Sprung­ge­lenks wie z. B. den Mus­cu­lus tibia­lis ante­rior und den Mus­cu­lus exten­sor hal­lu­cis lon­gus. Durch unter­schied­li­che medi­o­la­te­ra­le Ver­schie­bung der Elek­tro­den in der Knie­ge­gend (Abb. 6) oder mit­tels geziel­ter Implan­ta­ti­on 21 las­sen sich die bei­den Ner­ven­an­tei­le Super­fi­cia­lis und Pro­fun­dus in unter­schied­li­cher Inten­si­tät ansteu­ern, um den Fuß in der Schwung­pha­se anzu­he­ben und eine zusätz­lich bestehen­de Fuß­de­for­mi­tät, z. B. einen Klump­fuß wie in Abbil­dung 6 bei einem erwach­se­nen Pati­en­ten nach Schlag­an­fall, zu kor­ri­gie­ren. Wie in Abbil­dung 6 und in den Kur­ven des OFM dar­ge­stellt, wur­de zwi­schen Rück­fuß und Tibia die Dor­sal­fle­xi­on (Fuß­he­bung) in der Schwung­pha­se deut­lich ver­bes­sert. Zudem wur­de der initia­le Fuß­auf­satz güns­tig beein­flusst und führ­te auch zu einer Ände­rung der Fuß­be­we­gung in der Stand­pha­se, in der eigent­lich kei­ne Strom­ak­ti­vie­rung erfolg­te. Durch ver­stärk­te Akti­vie­rung des Ner­vus pero­neus super­fi­cia­lis wur­de die Ever­si­ons­be­we­gung des Rück­fu­ßes sti­mu­liert und die bestehen­de Rück­fu­ß­in­ver­si­on und Vor­fuß­ad­duk­ti­on des Klump­fu­ßes erheb­lich ver­rin­gert. Somit hat die FES eine kor­ri­gie­ren­de Wir­kung auf den Fuß, da sie durch die ver­bes­ser­te Fuß­he­bung das Durch­schwin­gen erleich­tert und beim Boden­auf­satz die Inver­si­on und somit das Risi­ko eines Umkni­ckens reduziert.

Schluss­fol­ge­rung

Fuß­mo­del­le erwei­tern die Dia­gnos­tik und zei­gen die dyna­mi­sche Fuß­funk­ti­on auf. Bei der Anwen­dung ist die Pal­pie­rung der Mar­ker unter Belas­tung im auf­rech­ten Stand von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Die vor­ge­stell­ten drei Bei­spie­le von Anwen­dungs­feh­lern beim Oxford-Fuß­mo­dell zei­gen die Hin­ter­grün­de und Aus­wir­kun­gen der Posi­tio­nie­rung auf die Bestim­mung der Fuß­win­kel auf und kön­nen für Anwen­der hilf­reich sein. Die Aus­füh­run­gen bezie­hen sich auf das Oxford-Fuß­mo­dell. Da die ana­to­mi­schen Land­marks am Fuß in den Model­len oft ähn­lich sind 22, kön­nen bei ande­ren Model­len ver­gleich­ba­re Effek­te erwar­tet werden.

Für die Autoren:
Dr. Harald Böhm
Direc­tor Gait Laboratory
Ortho­pa­e­dic Hos­pi­tal for Children
Behand­lungs­zen­trum Aschau GmbH
Ber­nau­er­stra­ße 18
83229 Aschau i. Chiemgau
h.boehm@bz-aschau.de

Begut­ach­te­ter Beitrag/reviewed paper

Zita­ti­on
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