Der Effekt dyna­mi­scher Car­bon-Ein­la­gen im Laufsport

L. Öksüz
Hintergrund: Ziel der wissenschaftlichen Untersuchung war es, die Auswirkungen dynamischer Carbon-Einlagen auf Laufsportler aufzuzeigen, die an Knie- oder Achillessehnenbeschwerden leiden. Material und Methoden: Insgesamt wurden bei 26 Probanden Laufanalysen durchgeführt. Im Anschluss wurde der Einfluss der Einlagen auf die Hüftrotation und die Fußbelastungen im Schuhausgewertet. Die Messdaten wurden mit dem Inertialsensorsystem „MyoMotion“ (Noraxon) und dem Innensohlenmesssystem „vebitoSCIENCE“ (Vebito) erfasst. Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass sich bei männlichen und weiblichen Probanden Hüftinnenrotation sowie Eversion durch die Einlage reduzieren lassen. Auch die Biege- und Torsionsmomentean Ferse und Metatarsophalangealgelenk (MTP) 5 wurden verringert. Keinen signifikanten Einfluss hat die Einlage dagegen auf die Fußbelastungen am MTP 1. Schlussfolgerung: Bei Sportlern mit speziellen Beschwerden ist eine Laufanalyse absolut empfehlenswert. Carbon-Einlagen können das Gangbild des Läufers im Hinblick auf Fußbelastungen, Sprunggelenksbewegung und Hüftrotation optimieren.

Ein­lei­tung

Lau­fen begeis­tert. Men­schen jeden Alters, aus sämt­li­chen Leis­tungs­klas­senund aus allen Bevöl­ke­rungs­schich­ten­lau­fen. Es ist die natür­li­che Bewe­gungs­form des Men­schen, und vie­le haben die­sen Sport in den letz­ten Jah­ren für sich ent­deckt. Obwohl vie­le Men­schen­das Pro­jekt „Lau­fen“ ange­hen, hal­ten es nur weni­ge durch. Häu­fig kla­gen Sport­ler über ortho­pä­di­sche Pro­ble­me, die ihr Lau­fen erschweren.

Anzei­ge

Die Basis einer opti­ma­len Ver­sor­gung sind umfas­sen­de Lauf- und Bewe­gungs­ana­ly­sen. Vie­le Sport­ler ent­schei­den sich auf­grund wie­der­keh­ren­der Schmer­zen am bezie­hungs­wei­se rund um das Knie­ge­lenk und der Achil­les­seh­ne für eine Lauf­ana­ly­se. Für die Schmer­zen, deren Loka­li­sa­ti­on die Knie­schei­be und das Patel­la­g­leit­la­ger sowie das Bin­de­ge­we­be betref­fen, lau­tet die häu­figs­te Dia­gno­se des Arz­tes: „Patellofe­mo­ra­les Schmerz­syn­drom“ (PFSS). Achil­les­seh­nen­schmer­zen rüh­ren häu­fig aus der star­ken Bean­spru­chung der Achil­les­seh­ne, die die­se beim Lauf­trai­ning erfährt.

Vor­an­ge­gan­ge­ne Stu­di­en unter­such­ten die Schmerz­ur­sa­chen und konn­ten in die­sem Zusam­men­hang eine ver­mehr­te Innen­ro­ta­ti­on der Hüf­te und Insta­bi­li­tä­ten des unte­ren Sprung­ge­lenks nach­wei­sen 123. Aus die­sem Grund stellt sich die Fra­ge, wie die­se Fak­to­ren durch eine schnel­le und prak­ti­sche Ver­sor­gung posi­tiv beein­flusst wer­den können.

Außer­dem zeig­te bereits Kraus im Jahr 1973, dass Sta­tik und Bean­spruch­bar­keit einer Fuß­wöl­bung unter ande­rem von ihrer Bogen­hö­he abhän­gig sind. „Flach­fü­ße mit gerin­gem Bogen­wert bean­spru­chen ihre plan­t­are Ver­span­nung weit mehr als hoch­ge­spreng­te Füße, die Nei­gung zur Defor­mie­rung ist also bei ihnen stär­ker“, so Kraus 4. Die Höhe der Fuß­wöl­bung ist unter ande­rem von der Stel­lung des Rück­fu­ßes abhän­gig. Die­se wie­der­um wird durch Kräf­te­ein­wir­kun­gen in Grö­ße und Rich­tung beein­flusst, die von der indi­vi­du­ell unter­schied­li­chen und auch patho­lo­gi­schen Sta­tik und Kine­tik der gesam­ten unte­ren Extre­mi­tät aus­ge­hen. Jede Ana­ly­se der Fuß­sta­tik muss also die gesam­te Becken-Bein-Sta­tik beinhalten.

Hoh­mann et al. beschrie­ben 2004, dass alle Bewe­gun­gen in den Fuß­ge­len­ken durch die schräg ver­lau­fen­den Bewe­gungs­ach­sen der Gelen­ke nur als Kom­bi­na­ti­ons­be­we­gung mög­lich sei­en: „Eine belas­te­te Ein­wärts dre­hung des Unter­schen­kels lässt den Talus nach plant­ar­me­di­al aus­wei­chen, die plan­t­are Flä­che gerät in rela­ti­ve Abduk­ti­on, die Fer­se in Pro­na­ti­on und unter Supi­na­ti­on des Vor­fu­ßes flacht sich der media­le Längs­bo­gen deut­lich ab. Die Aus­wärts­dre­hung des Unter­schen­kels macht die­sen Vor­gang rück­läu­fig“, so Hoh­mann 5. Beim Gehen ist im Augen­blick des Fer­sen­auf­trit­tes der Unter­schen­kel aus­wärts gedreht. Unter vol­ler Belas­tung in der Stand­pha­se dreht sich der Unter­schen­kel ein­wärts. In der Abstoß­pha­se dreht sich der Unter­schen­kel bei zuneh­men­der Knie­ex­ten­si­on wie­der nach außen, und der Fuß kann sich wie­der aufrichten.

Es ist bereits bekannt, dass sowohl Hob­by als auch Pro­fi­läu­fer nach der Ver­sor­gung mit einer dyna­mi­schen Car­bon-Ein­la­ge der Fir­ma Medi eine posi­ti­ve Ver­än­de­rung ihres Beschwer­de­bil­des emp­fin­den. Des­halb bestand das Ziel der vor­lie­gen­den Unter­su­chung dar­in, die Wir­kung der Scha­len­ein­la­ge mit Car­bon-Span­ge auf die Innen­ro­ta­ti­on der Hüf­te, die Aus­wei­chung des Talus und somit die Ein­wärts­dre­hung des Unter­schen­kels zu unter­su­chen. Es wird die Hypo­the­se unter­sucht, ob die Ein­la­ge die­se Para­me­ter redu­zie­ren kann, um die Schmerz­ur­sa­chen für Knie- und Sprung­ge­lenks­be­schwer­den 678 posi­tiv zu beeinflussen.

Mate­ri­al und Methoden

Pro­ban­den

Für die Erfas­sung der Mess­da­ten wur­den bei 26 Pro­ban­den (männ­lich: n = 12, weib­lich: n = 14) Lauf­ana­ly­sen durch­ge­führt. Das arith­me­ti­sche Mit­tel des Alters lag bei 29,5 Jah­ren ± 9,5 Jah­re, das des Gewich­tes bei 69,5 kg ± 15,5 kg und das der Kör­per­grö­ße bei 1,77 m ± 0,12 m. Die Pro­ban­den gaben unter­schied­li­che Trai­nings­zu­stän­de an. Ver­let­zun­gen inner­halb der letz­ten sechs Mona­te, Beweg­lich­keits­li­mi­tie­run­gen in den Gelen­ken und ein patho­lo­gisch auf­fäl­li­ges Gang­bild waren Aus­schluss­kri­te­ri­en der Unter­su­chung. 21 von 26 Pro­ban­den gaben an, min­des­tens ein­mal wäh­rend ihres Lauf­trai­nings unter Schmer­zen im Bereich der Patel­la gelit­ten zu haben.

Car­bon-Ein­la­ge

Bei der Car­bon-Ein­la­ge han­delt es sich um eine Schu­hein­la­ge in Scha­len­form (Abb. 1). Auf der Unter­sei­te der Ein­la­ge befin­det sich eine 0,8 mm star­ke Car­bon-Span­ge (Modell „Igli All­round light C+“ der Fir­ma Medi). In der Car­bon-Span­ge befin­den sich in Höhe des Sus­ten­ta­cu­lum tali und im Vor­fuß­be­reich Tor­si­ons­schnit­te. Die­se sol­len den phy­sio­lo­gi­schen Abroll­vor­gang erleich­tern. Durch die Schnit­te und die Rück­stell­kraft des Mate­ri­als wirkt die Ein­la­ge nicht wie ein star­res Kon­strukt, das die Fuß­ge­len­ke ruhig­stel­len wür­de. Viel­mehr soll die­ser Effekt der Akti­vie­rung der Mus­ku­la­tur der unte­ren Extre­mi­tä­ten die­nen. Die Decke der Ein­la­ge besteht aus einem 4 mm star­ken EVA 35° Shore A mit Velours­be­zug. Unter der Car­bon-Span­ge wur­de ein 2 mm dickes EVA 50° Shore A verarbeitet.

Die Ein­la­ge wur­de im Neu­tral­schuh „Makai“ des Her­stel­lers Zoot getes­tet. Die Zwi­schen­soh­le des Damen­schuhs baut Zoot mit einer Spren­gung von 11,5 mm, die Zwi­schen­soh­le des Her­ren­schuhs mit einer Spren­gung von 13,1 mm.

Iner­ti­al­sen­sor­sys­tem „Myo­Mo­ti­on“

„Myo­Mo­ti­on“ (Nora­xon) ist ein kame­rafrei­es, orts­un­ge­bun­de­nes 3D-Kine­ma­tik-Sys­tem, das die drei­di­men­sio­na­le Erfas­sung mensch­li­cher Bewe­gung ermög­licht. Es besteht aus einer Kom­bi­na­ti­on aus Hard­ware (Iner­ti­al­sen­so­ren) und der Myo­Re­se­arch-Soft­ware MR3. Durch Posi­tio­nie­rung der Iner­ti­al­sen­so­ren auf angren­zen­den Kör­per­seg­men­ten wird deren räum­li­che Ori­en­tie­rung erfasst und der Bewe­gungs­um­fang des dazwi­schen lie­gen­den Gelenks ermit­telt. Die gemes­se­nen Daten wer­den über Funk zu einem Recei­ver über­tra­gen und durch die Soft­ware MR3 analysiert.

Innen­soh­len­mess­sys­tem (ISM) „vebi­to­SCI­ENCE“

Das im Labor für Bio­me­cha­nik der Fach­hoch­schu­le Müns­ter ent­wi­ckel­te Mess­sys­tem „vebi­to­SCI­ENCE“ ist eine Kom­bi­na­ti­on aus Hard­ware (Mess­soh­len) und Soft­ware und dient zur Bestim­mung mehr­di­men­sio­na­ler Fuß­be­las­tun­gen im Schuh. Kerk­hoff et al. ver­öf­fent­lich­ten 2014 ers­te Stu­di­en, die zeig­ten, dass „das Innen­soh­len­sys­tem (…) durch mobi­le Bie­ge und Tor­si­ons­be­las­tungs­mes­sun­gen unter ande­rem die schnel­le, ein­fa­che und reli­able Über­prü­fung ortho­pä­di­scher Hilfs­mit­tel“ ermög­licht 9.

Die Hard­ware von „vebi­to­SCI­ENCE“ besteht aus einer Daten­über­tra­gungs­ein­heit, die die Mess­da­ten kabel­los an die Soft­ware über­trägt, sowie aus Ein­le­ge­soh­len, in die jeweils fünf Mess­stel­len zur Belas­tungs­mes­sung inte­griert sind. Die Trä­ger­schicht der Mess­soh­len besteht aus einem spe­zi­ell geform­ten, elas­ti­schen Mate­ri­al, auf dem Deh­nungs­mess­sen­so­ren (Vis­hay) ange­bracht sind. Die Mess­stel­len befin­den sich pro­xi­mal der dista­len Inter­phal­an­ge­al­ge­len­ke I und V (DIP I, DIP V), pro­xi­mal der Meta­tars­o­phal­an­ge­al­ge­len­ke 1 und 5 (MTP 1, MTP 5) sowie distal des Pro­ces­sus cal­ca­neus (Heel).

Zu mehr­di­men­sio­na­len Fuß­be­las­tun­gen zäh­len Bie­ge­ver­for­mun­gen wie zum Bei­spiel die Ver­for­mung des Vor­fu­ßes zum Rück­fuß beim Über­gang von der mitt­le­ren in die ter­mi­na­le Stand­pha­se, die durch Bie­ge­mo­men­te her­vor­ge­ru­fen wer­den. Phy­si­ka­lisch sind Bie­ge­mo­men­te durch das Pro­dukt aus der wir­ken­den Kraft und der Län­ge des Hebel­arms defi­niert. Die Tor­si­on beschreibt die Ver­dre­hung eines Kör­pers, zum Bei­spiel die Ver­dre­hung des Fußes um sei­ne Längsachse.

Ver­suchs­ab­lauf

Vor der Mes­sung wur­den von jedem Pro­ban­den Alter, Kör­per­grö­ße, Gewicht, Trai­nings­zu­stand und Ver­let­zungs­his­to­rie erfragt und in einem kur­zen Fra­ge­bo­gen doku­men­tiert. Zur Fest­stel­lung von Beweg­lich­keits­li­mi­tie­run­gen in den Sprung­ge­len­ken und Auf­fäl­lig­kei­ten im Gang­bild wur­de die Neu­tral-Null-Metho­de ange­wen­det und eine ers­te Bar­fuß­mes­sung auf einem Lamel­len­lauf­band (Wood­way) durchgeführt.

Jeder Pro­band lief sich vor Auf­zeich­nung der Mes­sun­gen 3 Minu­ten ohne Sen­so­ren zur Ein­ge­wöh­nung auf dem Lauf­band warm. Die Pro­ban­den wähl­ten dabei unter­schied­li­che Geschwin­dig­kei­ten zwi­schen 8 km/h und 10 km/h. Bei der anschlie­ßen­den Bar­fuß­mes­sung wur­den die Iner­ti­al­sen­so­ren zur Auf­zeich­nung der Win­kel­ver­läu­fe ver­wen­det. Bei den fol­gen­den Mes­sun­gen trug der Pro­band den Neu­tral­schuh inklu­si­ve Innen­soh­len­mess­sys­tem (ISM). Die Mes­sun­gen wur­den jeweils mit und ohne Ein­la­ge durch­ge­führt und fan­den in ran­do­mi­sier­ter Rei­hen­fol­ge statt. Für die Mes­sung mit der Car­bon-Ein­la­ge wur­den die zum Schuh gehö­ri­gen Soh­len aus Platz­grün­den ent­fernt und durch die vor­her zuge­schlif­fe­ne Ein­la­ge ersetzt. Das ISM wur­de auf den Ein­la­gen plat­ziert. Alle Sen­so­ren sowie das ISM wur­den wäh­rend der Mes­sun­gen von der­sel­ben Per­son plat­ziert und der Sitz nach jeder Mes­sung kon­trol­liert (Abb. 2).

Aus­wer­tung

Für die Aus­wer­tung wur­den aus jeder Mes­sung 20 Dop­pel­schrit­te extra­hiert und dar­aus der Mit­tel­wert gebil­det. Die sta­tis­ti­sche Ana­ly­se der erho­be­nen Daten erfolg­te mit­tels der von IBM ver­trie­be­nen Soft­ware SPSS. In der Unter­su­chung wur­de die Soft­ware dazu genutzt, die gemes­se­nen Maxi­mal- und Mini­mal­wer­te auf ihre sta­tis­ti­sche Signi­fi­kanz zu prü­fen. Das Signi­fi­kanz­ni­veau wur­de auf p = 0,05 festgelegt.

Die Mess­da­ten von Män­nern und Frau­en wur­den getrennt aus­ge­wer­tet, da Kerk­hoff et al. in vor­an­ge­gan­ge­nen Stu­di­en geschlechts­spe­zi­fi­sche Unter­schie­de im Lauf­stil und bei den Fuß­be­las­tun­gen nach­wei­sen konn­ten 10 und sich zudem die Schu­he in ihrer Spren­gung von­ein­an­der unterschieden.

Ergeb­nis­se

Die Dia­gram­me in den Abbil­dun­gen 3 bis 8 zei­gen die Aus­wer­tung der Win­kel- und Belas­tungs­mes­sun­gen. Dar­ge­stellt sind jeweils die errech­ne­ten Mit­tel­wer­te sowie der Maxi­mal- und Mini­mal­wert eines Pro­ban­den für die Bar­fuß­mes­sung (= B), die Mes­sung ohne Ein­la­ge (= oE) und die Mes­sung mit Ein­la­ge (= mE). Die gro­ße Streu­ung resul­tiert aus der von jedem Pro­ban­den unter­schied­lich gewähl­ten Geschwin­dig­keit. Der Begriff „Ran­ge“ bezeich­net im Fol­gen­den den Bewe­gungs­um­fang bezie­hungs­wei­se die Dif­fe­renz der Außen­ro­ta­ti­ons- und Innenrotationsmomente.

Der Lauf­schuh allei­ne hat­te bei männ­li­chen und weib­li­chen Pro­ban­den kei­nen sta­tis­tisch signi­fi­kan­ten Ein­fluss (pm = 0,211, pw = 0,421). Die Ever­si­on (Abb. 3 u. 4) wur­de durch die Ein­la­ge bei bei­den Pro­banden­grup­pen signi­fi­kant um etwa 1,5° redu­ziert (pm = 0,001, pw = 0,017). Die Ver­klei­ne­rung des Bewe­gungs­um­fangs ist nur bei den männ­li­chen Pro­ban­den sta­tis­tisch signi­fi­kant (pm = 0,002, pw = 3,309).

Der Ver­gleich der Hüft­ro­ta­ti­ons­win­kel (Abb. 5 u. 6) zeig­te, dass der Neu­tral­schuh kei­nen signi­fi­kan­ten Ein­fluss auf die Innen­ro­ta­ti­on der Hüf­te hat (pm = 0,289, pw = 0,758). Die Ergeb­nis­se der Hüft­au­ßen­ro­ta­ti­on zei­gen eben­so kei­ne Ände­rung durch das Tra­gen der Car­bon-Ein­la­ge (pm = 0,502, pw = 0,755). Dage­gen wird die Innen­ro­ta­ti­on durch die Ein­la­ge bei männ­li­chen Pro­ban­den von 7,03° auf 5,83° redu­ziert (pm = 0,005). Die Kom­bi­na­ti­on von Schuh und Ein­la­ge führt im Ver­gleich zum Bar­fuß­lauf zu einer Ver­klei­ne­rung des Innen­ro­ta­ti­ons­win­kels um 2,48° (pm = 0,001). Die Hüftin­nen­ro­ta­ti­on bei den weib­li­chen Pro­ban­den wird durch die Ein­la­ge von 3,26° auf 1,55° beschränkt (pw = 0,045). Die ver­stärk­te Hüftin­nen­ro­ta­ti­on durch den Schuh bei den Pro­ban­din­nen ist sta­tis­tisch nicht signi­fi­kant (pw = 0,758). Auch der Bewe­gungs­um­fang wird nicht signi­fi­kant durch eine der Kon­di­tio­nen beeinflusst.

Die Ver­glei­che der Tor­si­ons­mo­ment­mes­sun­gen an der Mess­stel­le Heel (Abb. 7 u. 8) wei­sen nur bei Innen­ro­ta­ti­ons­mo­ment und Ran­ge eine sta­tis­ti­sche Signi­fi­kanz bei Mes­sun­gen mit Ein­la­ge auf. Das Innen­ro­ta­ti­ons­mo­ment ver­rin­gert sich bei den männ­li­chen Pro­ban­den durch die Ein­la­ge im Mit­tel von 15,00 Nmm auf 5,56 Nmm (pm = 0,031). Die Ran­ge zwi­schen Außen­ro­ta­ti­ons- und Innen­ro­ta­ti­ons­mo­ment ver­klei­nert sich um 6,6 Nmm (pm = 0,047).

Bei den Pro­ban­din­nen redu­ziert sich das Innen­ro­ta­ti­ons­mo­ment durch die Ein­la­ge von 22,75 Nmm auf 10,42 Nmm (pw = 0,001). Die Ran­ge wird infol­ge­des­sen um 21,17 Nmm klei­ner (pw = 0,000).

Dis­kus­si­on

Sprung­ge­lenk

Die Ein­schrän­kung der Ever­si­ons­be­we­gung durch die Ein­la­ge konn­te durch die Win­kel­mes­sun­gen nach­ge­wie­sen wer­den (Abb. 3 u. 4). Der Ever­si­ons­win­kel wird durch die Ein­la­ge signi­fi­kant ver­klei­nert, wäh­rend der Inver­si­ons­win­kel sich nicht signi­fi­kant ändert. Eine blo­ße Ver­schie­bung eines gleich groß blei­ben­den Win­kels hät­te eine Len­kung des Rück­fu­ßes in die Supi­na­ti­ons­fehl­stel­lung bedeu­tet. Die­se Ergeb­nis­se zei­gen, dass die Ein­la­ge den Fuß nicht in eine Über­kor­rek­tur drängt, son­dern nur eine Über­pro­na­ti­on durch eine geziel­te Abstüt­zung ausgleicht.

Zur Ver­deut­li­chung die­ser Ergeb­nis­se die­nen die Mess­ergeb­nis­se aus den Tor­si­ons­mo­ment­mes­sun­gen an der Mess­stel­le Heel (Abb. 7 u. 8). Je weni­ger Tor­si­ons­mo­men­te auf die Fer­se wir­ken, des­to gerin­ger ist die Ach­sen- und Lage­ver­schie­bung des Rück­fu­ßes zum Vor­fuß und des­to gerin­ger sind die Zug- und Rei­bungs­kräf­te, die auf die Achil­les­seh­ne wir­ken. Mit­tels Vebi­to­so­lu­ti­on konn­te bei bei­den Pro­ban den­grup­pen eine signi­fi­kan­te und um mehr als 50 % redu­zier­te Belas­tung der Fer­se durch Innen­ro­ta­ti­ons­mo­men­te nach­ge­wie­sen wer­den. Ins­ge­samt fiel auch die Dif­fe­renz zwi­schen Außen- und Innen­ro­ta­ti­ons­mo­men­ten klei­ner aus, wenn die Pro­ban­den die Car­bon-Ein­la­ge tru­gen. Eben­falls wur­den an der glei­chen Mess­stel­le klei­ne­re Dor­sal exten­si­ons­mo­men­te fest­ge­stellt. Das bedeu­tet eine gerin­ge­re Belas­tung für die kur­ze Fuß­mus­ku­la­tur, die Seh­nen der lan­gen Fuß­mus­ku­la­tur und vor allem die Plan­t­ar­a­po­neu­ro­se, die für die Auf­recht­erhal­tung des Längs­ge­wöl­bes sorgen.

Die Car­bon-Span­ge, die in der Scha­len­ein­la­ge ver­ar­bei­tet ist, hat einen Tor­si­ons­schnitt medi­al zwi­schen Cal­ca­neus und Fuß­wur­zel­kno­chen, der etwa bis zur Längs­ach­se des Fußes reicht. An der late­ra­len Sei­te ist die Ein­la­ge sta­bil durch das durch­ge­hen­de Car­bon. Durch die Tor­si­ons­schnit­te sol­len ein natür­li­cher Abroll­vor­gang unter­stützt und eine Aus­weich­be­we­gung ins Genu var­um ver­hin­dert wer­den. Da sowohl die Dor­salex­ten­si­ons­mo­men­te als auch die Außen­ro­ta­ti­ons­mo­men­te am MTP 5 durch die Ein­la­ge ver­rin­gert wur­den, kann eine Aus­weich­be­we­gung aus­ge­schlos­sen wer­den. Am MTP 1 lie­ßen sich kei­ne Ver­än­de­run­gen mit sta­tis­ti­scher Signi­fi­kanz durch das Tra­gen der Ein­la­ge nach­wei­sen, wor­aus sich ablei­ten lässt, dass wei­ter­hin ein phy­sio­lo­gi­scher Abroll­vor­gang über den ers­ten Strahl stattfindet.

Durch die­se Ergeb­nis­se konn­te die posi­ti­ve Wir­kung der dyna­mi­schen Car­bon-Ein­la­ge auf die Fak­to­ren nach­ge­wie­sen wer­den, die in den Stu­di­en von Lori­mer et al. 11, Reu­le et al. 12 und Sou­za et al. 13 als mög­li­che Ursa­chen für Achil­les­seh­nen­be­schwer­den oder ‑ver­let­zun­gen und das Patellofe­mo­ra­le Schmerz­syn­drom iden­ti­fi­ziert wurden.

Hüf­te

Der zwei­te zu unter­su­chen­de Para­me­ter betraf die Ver­min­de­rung der Hüftin­nen­ro­ta­ti­on wäh­rend des Lau­fens. Zwar zei­gen die Ergeb­nis­se nur gerin­ge Abwei­chun­gen, den­noch sind die­se Abwei­chun­gen ste­tig und bei fast allen Pro­ban­den nach­ge­wie­sen wor­den (Abb. 5 u. 6).

Der Lauf­schuh allei­ne hat­te bei bei­den Pro­banden­grup­pen kei­nen signi­fi­kan­ten Ein­fluss auf die Rota­ti­ons­be­we­gung der Hüf­te. Aus die­sem Grund kann auch ein Ein­fluss der an den Bei­nen befes­tig­ten Kabel aus­ge­schlos­sen werden.

Die Ein­la­ge sorgt durch die media­le Abstüt­zung für eine Auf­rich­tung des Talus in der Stand­pha­se. Durch die Sta­bi­li­sie­rung des Talus wird zunächst die Ever­si­ons­be­we­gung mini­miert. Wie bereits in der Ein­lei­tung erläu­tert, ist eine Bewe­gung in den Gelen­ken nur als Kom­bi­na­ti­ons­be­we­gung mög­lich. Eine Belas­tung mit auf­ge­rich­te­tem Talus führt zur Aus­wärts­dre­hung des Unter­schen­kels. Durch ana­to­mi­sche und mus­ku­lä­re Gege­ben­hei­ten bewirkt die­ser Effekt eben­falls eine Redu­zie­rung der Hüftinnenrotation.

Bei­de Mess­sys­te­me zeig­ten auch einen geschlechts­spe­zi­fi­schen Unter­schied. Der Grund für eine getrenn­te Aus­wer­tung der Ergeb­nis­se bestand in bereits doku­men­tier­ten Unter­schie­den in vor­he­ri­gen Stu­di­en 14. Die Ergeb­nis­se die­ser Unter­su­chung bestä­ti­gen, dass eine geson­der­te Betrach­tung der bei­den Geschlech­ter sinn­voll ist. Aller­dings wur­den die Ergeb­nis­se nur bedingt mit­ein­an­der ver­gli­chen, da die unter­schied­li­che Spren­gung der Lauf­schu­he Ein­fluss auf die Wer­te haben könnte.

Fazit und Ausblick

Die Ver­sor­gung mit der Ein­la­ge ersetzt nicht ein geziel­tes Mus­kel­auf­bau­trai­ning, um mus­ku­lä­re Dys­ba­lan­cen aus­zu­glei­chen. Ein sol­ches Trai­ning erfor­dert auch Zeit. Aber vor allem im Lauf­sport ist das Inter­es­se an einer zumin­dest vor­über­ge­hen­den schnel­len Ver­sor­gung gewünscht. Bei Sport­lern, die unter einem der hier behan­del­ten Beschwer­de­bil­der lei­den, sind eine Gang­ana­ly­se und eine genaue Betrach­tung der Bewe­gungs­ab­läu­fe des­halb abso­lut emp­feh­lens­wert. Der Vor­teil der Car­bon-Ein­la­ge besteht dar­in, dass ein klei­ner Effekt sofort mess­bar ist. Durch die Car­bon-Ein­la­ge kann das Gang­bild des Läu­fers zumin­dest im Hin­blick auf Fuß­be­las­tun­gen, Sprung­ge­lenks­be­we­gung und Hüft­ro­ta­ti­on opti­miert werden.

Die Autorin:
Lin­da Öksüz
Medi GmbH & Co. KG
Foot­ca­re
Elbring­hau­sen 2+4
42929 Wer­mels­kir­chen
l.oeksuez@medi.de

Begut­ach­te­ter Beitrag/reviewed paper

Zita­ti­on
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  9. Kerk­hoff A, Dawin N, Stief T, Seeß­le M, Pei­ken­kamp K. Inno­va­ti­ves Mess­sys­tem bie­tet neue Mög­lich­kei­ten der Bewe­gungs­ana­ly­se in der Pro­the­tik. Ortho­pä­die Tech­nik, 2014; 65 (12): 30–34
  10. Kerk­hoff A, Pei­ken­kamp K. Norm data for ben­ding and tor­sio­nal loads of the foot in shoes inclu­ding the effect of gen­der. Prä­sen­ta­ti­on AS-0233 auf dem Kon­gress der Inter­na­tio­nal Socie­ty of Bio­me­cha­nics ISB 2015 in Glas­gow. https://isbweb.org/activities/congresses (Zugriff am 26.07.2017)
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