Begeis­te­rung für das Fach weitergeben

„Es gibt immer etwas zu tun“, so motiviert eine Baumarktkette Heimwerker:innen, neue Projekte im Haus und Garten in Angriff zu nehmen. Auch für Albin Mayer gibt es „immer etwas zu tun“. Die Projekte des fünffachen Vaters, der seit Dezember 1991 mit seinem Betrieb Orthopädie-Technik Mayer & Behnsen GmbH in Zwönitz selbstständig und seit 1999 im Vorstand der Landesinnung aktiv ist, werden nicht unbedingt weniger. Seit 2006 ist er Obermeister der Landesinnung für Orthopädie-Technik Sachsen und Thüringen und im Jahr 2017 ist er in den Vorstand des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT) gewählt worden, wo er seit 2020 als Vizepräsident in vorderster Linie für sein Fach agiert.

OT: Herr May­er, Ange­la Mer­kel hat­te nach 16 Jah­ren Bun­des­kanz­le­rin genug. Sie haben sich jüngst erneut zum Ober­meis­ter der Innung Sachsen/Thüringen wäh­len las­sen. Haben Sie wei­ter Lust auf das Gestalten?

Albin May­er: Ja. Ich habe gro­ße Lust auf das Gestal­ten und dafür zu strei­ten, dass es unse­rem Fach bes­ser geht. Die Her­aus­for­de­run­gen wer­den nicht weni­ger. Außer­dem möch­te ich mich um die Beset­zung mei­ner Nach­fol­ge küm­mern. Mei­ne Nach­fol­ge­rin oder mein Nach­fol­ger muss über die gesam­te Dau­er von vier Jah­ren einer gan­zen Amts­zeit ein­ge­ar­bei­tet wer­den. Dafür ste­he ich dann ab 2026 bereit, um vier Jah­re spä­ter den Staf­fel­stab weiterzugeben.

OT: Was treibt Sie an?

May­er: Der Grund, war­um ich das alles mache, ist die Lie­be zum Fach. Ich lie­be mei­nen Beruf. Wir die­nen dem Men­schen, wir schaf­fen Mobi­li­tät und sor­gen für Inte­gra­ti­on und Teil­ha­be. Das ist eine sehr hoheit­li­che Auf­ga­be, die wir haben.

OT: War­um haben Sie sich ent­schie­den, sich ehren­amt­lich im Fach zu engagieren?

May­er: Ich habe mich im Dezem­ber 1991 selbst­stän­dig gemacht und ab März 1992 war ich Mit­glied in der Lan­des­in­nung. Die Ver­samm­lun­gen der Innung habe ich regel­mä­ßig besucht und mich von Anfang an aktiv betei­ligt. In den Dis­kus­sio­nen habe ich gesagt, was ich gut, aber auch weni­ger gut fand und auch Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge ein­ge­bracht. Dem dama­li­gen Ober­meis­ter Hen­ning Boden­stein hat das gut gefal­len. Des­halb wur­de ich ange­spro­chen, ob ich mir nicht vor­stel­len könn­te, auch im Vor­stand eine Auf­ga­be zu über­neh­men. So wur­de ich 1999 dann in den Vor­stand gewählt. Als Innungs­mit­glied kann man natür­lich immer kri­ti­sie­ren, aber bes­ser ist es, wenn man mit­ge­stal­tet. Das war auch mein Ehr­geiz: gestal­ten und mit­hel­fen, dass es den Betrie­ben hier in Ost­deutsch­land bes­ser geht. Die Ver­gü­tung in der Anfangs­zeit mei­ner Selbst­stän­dig­keit lag 50 Pro­zent unter der im Wes­ten. Das waren sehr, sehr schwie­ri­ge Bedin­gun­gen. Durch die Hil­fe der Lan­des­in­nung Baden-Würt­tem­berg wur­de die Situa­ti­on bes­ser, aber als ich 1999 in den Vor­stand kam, lagen wir immer noch 35 Pro­zent unter dem Niveau der west­li­chen Bundesländer.

Fach­kräf­te­man­gel im Fokus

OT: Ein Blick in „Ihre“ Lan­des­in­nung: Wel­che Auf­ga­ben gibt es aktu­ell zu bewältigen?

May­er: Der Fach­kräf­te­man­gel in der Innung Sachsen/Thüringen ist enorm. Ich brau­che nur einen Blick in mei­nen eige­nen Betrieb zu wer­fen. Seit drei Jah­ren ver­su­chen wir qua­li­fi­zier­te Mitarbeiter:innen „aufs Land“ zu holen – lei­der erfolg­los. Bei der Nach­wuchs­ge­win­nung haben wir auch Defi­zi­te und müss­ten eigent­lich mehr aus­bil­den. Unser Pro­blem ist aber ers­tens, dass unser Beruf in der brei­ten Öffent­lich­keit nicht bekannt und zwei­tens die Ver­gü­tung schlecht ist. Um sowohl die Aus­bil­dungs­ver­gü­tung als auch die Gehäl­ter für Gesell:innen und Meister:innen ange­mes­sen stei­gen zu las­sen, müs­sen mehr Ein­nah­men erzielt wer­den. Das heißt: Wir brau­chen gute und struk­tu­rier­te Ver­trä­ge mit den Kos­ten­trä­gern, die für Betriebsinhaber:innen und Mitarbeiter:innen ein­fach und schnell zu ver­ar­bei­ten sind. Das ist – und da bin ich mir sicher – eine Mara­tho­nauf­ga­be und nicht im Sprint­tem­po zu erle­di­gen. Damit ein­her geht natür­lich die drin­gen­de For­de­rung zur Entbürokratisierung.

OT: Noch ein­mal das The­ma Nach­wuchs: Wie sieht es in Sach­sen und Thü­rin­gen mit den Fach­kräf­ten von mor­gen aus?

May­er: Wir haben deut­lich mehr Aus­bil­dungs­plät­ze als Bewerber:innen. Aber: Das ist natür­lich all­ge­mein das Pro­blem im Hand­werk und nicht exklu­siv bei uns Orthopädietechniker:innen. Die jun­gen Leu­te stre­ben eine aka­de­mi­sche Aus­bil­dung an oder wenn es eine beruf­li­che Aus­bil­dung ist, dann geht es meis­tens in die Ver­wal­tung und nicht zu uns Prak­ti­kern. Ehr­lich­wei­se haben wir uns die­ses gesell­schaft­li­che Pro­blem auch ein gro­ßes Stück weit selbst aner­zo­gen. Vie­le Eltern wol­len natür­lich, dass ihre Kin­der ein­mal einen guten Job haben und eben nicht auf dem Dach rum­klet­tern oder sich die Hän­de dre­ckig machen, wenn sie im Win­ter im Matsch han­tie­ren müs­sen. Lie­ber im war­men Büro und mit gere­gel­ten Arbeits­zei­ten als im Hand­werk, wo es auch ein­mal ein biss­chen unge­müt­lich wer­den kann.

OT: Wie kön­nen Sie denn jun­ge Men­schen vom Hand­werk bezie­hungs­wei­se vom Gesund­heits­hand­werk überzeugen?

May­er: Es gibt im Hand­werk ins­ge­samt über 130 ver­schie­de­ne Aus­bil­dungs­be­ru­fe von A wie Anla­gen­me­cha­ni­ker SHK bis Z wie Zwei­rad­me­cha­tro­ni­ker. Von uns Gesund­heits­hand­wer­ken gibt es aller­dings nur fünf. Was uns eint: Wir arbei­ten am Men­schen und haben des­halb eine ganz beson­de­re Ver­ant­wor­tung. Als Orthopädietechniker:innen arbei­ten wir zudem sehr abwechs­lungs­reich – wir ver­sor­gen schließ­lich von Kopf bis Fuß. Außer­dem müs­sen wir uns mit ver­schie­dens­ten Mate­ria­li­en in unse­rem Beruf aus­ein­an­der­set­zen, damit wir unse­re Patient:innen opti­mal im All­tag ver­sor­gen kön­nen. Und nicht zuletzt darf man auch ruhig mal erwäh­nen, dass wir auch einen künst­le­ri­schen Aspekt in unse­rer Arbeit haben. Wenn es um die The­men Kos­me­tik, Form­ge­stal­tung oder Pass­ge­nau­ig­keit geht, da gibt es gro­ßes Poten­ti­al. Abschlie­ßend gilt es auch mit einem Vor­ur­teil auf­zu­räu­men: Hand­werk ist digi­tal, Hand­werk kann digi­tal und Hand­werk macht digi­tal. Natür­lich arbei­ten wir mit unse­ren Hän­den, aber Scan­nen, Addi­ti­ve Fer­ti­gung und Co. sind längst Teil unse­res digi­ta­len Werk­zeug­kas­tens, um die Ver­sor­gung unse­rer Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten noch bes­ser, noch indi­vi­du­el­ler zu machen. Es ist ein­fach ein attrak­ti­ver Beruf mit einer hohen Zufrie­den­heits­ga­ran­tie. Unse­re Ver­sor­gun­gen hel­fen Men­schen, wie­der am Leben teil­zu­ha­ben – das Lächeln ist unser Dank.

OT: Sie brin­gen eine Viel­zahl von über­zeu­gen­den Argu­men­ten für Ihren Beruf. War­um klappt es nicht, die Begeis­te­rung bei jun­gen Men­schen zu entfachen?

May­er: Das liegt – und da sind wir wie­der bei dem The­ma Geld – an der schlech­ten Ver­gü­tung. Aus der Poli­tik wer­den dabei auch nicht unbe­dingt för­der­li­che Signa­le gesen­det. Der ehe­ma­li­ge Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat gesagt, dass Pfle­ge­kräf­te 4.500 brut­to monat­lich für ihre Tätig­keit erhal­ten soll­ten. Das hören unse­re Mit­ar­bei­ten­den und fra­gen sich, war­um ihre Tätig­keit am Men­schen – auch unter den schwie­ri­gen Pan­de­mie­be­din­gun­gen – weni­ger wert sein soll. Wenn wir unse­re Mit­ar­bei­ten­den bes­ser bezah­len wol­len, dann brau­chen wir einen bes­se­ren Stun­den­ver­rech­nungs­satz, den wir gegen­über den Kos­ten­trä­gern gel­tend machen kön­nen. Dann kön­nen wir auch bes­se­re Löh­ne zah­len. Poli­tik und Gesell­schaft müs­sen sich in die­sem Zusam­men­hang auch ein­mal selbst fra­gen, was ihnen eine gute Ver­sor­gung wert ist. Denn: Wenn wir kei­nen Nach­wuchs für unser Hand­werk fin­den kön­nen, dann läuft es lang­fris­tig auf immer grö­ße­re per­so­nel­le Lücken in unse­ren Rei­hen hin­aus und schluss­end­lich sind dann kei­ne Ver­sor­gun­gen mehr mög­lich, weil es kei­ne Fach­kräf­te mehr gibt. Wir ste­hen ja nicht nur im Wett­be­werb mit ande­ren Beru­fen um Aus­zu­bil­den­de, son­dern auch um Fach­kräf­te, die in fach­frem­de Beru­fe abwan­dern, weil dort der finan­zi­el­le Anreiz zu groß ist. Wer am Fließ­band 1.500 Euro mehr als im Sani­täts­haus ver­die­nen kann, der über­legt sich sicher­lich, ob ein beruf­li­cher Tape­ten­wech­sel ange­bracht ist.

OT: Aktu­ell läuft eine Stu­die zum Stun­den­ver­rech­nungs­satz im Auf­trag des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik. Kön­nen Sie einen Zwi­schen­stand vermelden?

May­er: Lei­der sind die Teil­nah­me­zah­len bis­her zu gering, um als Grund­la­ge für unse­re Ver­hand­lun­gen mit den Kos­ten­trä­gern zum The­ma Stun­den­ver­rech­nungs­satz zu die­nen. Ich hof­fe, dass sich zeit­nah wei­te­re Betrie­be an der Stu­die betei­li­gen, damit wir ent­spre­chend gut auf­ge­stellt sind für die Ver­hand­lun­gen. Denn ohne die Mit­ar­beit der Betrie­be kön­nen wir unse­rer Auf­ga­be, uns für eine bes­se­re wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der Betrie­be ein­zu­set­zen, nicht gerecht werden.

Ehren­amt: Ger­ne jün­ger und weiblicher

OT: Ist denn das Ehren­amt eine Opti­on für jun­ge Orthopädietechniker:innen?

May­er: Bei uns in der Innung haben wir in der ver­gan­ge­nen Sit­zung expli­zit noch ein­mal dar­auf hin­ge­wie­sen, dass wir jun­ge Leu­te im Vor­stand brau­chen. Nach die­ser Amts­zeit wer­den drei Vor­stands­mit­glie­der aus Alters­grün­den aus dem Amt schei­den und da brau­chen wir Ersatz, der im bes­ten Fall bereits einen Ein­blick in unse­re Vor­stands­ar­beit erhal­ten hat. Des­halb haben wir vier jun­ge Kol­le­gen ein­ge­la­den, als Gäs­te an unse­ren Vor­stands­sit­zun­gen teil­zu­neh­men und ein­mal in den kom­men­den vier Jah­ren aus­zu­lo­ten, ob ein Vor­stands­pos­ten etwas für sie ist. Die Bereit­schaft ist also grund­sätz­lich da, wenn­gleich natür­lich ein biss­chen mehr Begeis­te­rung für das Ehren­amt schön wäre. Wir sind aller­dings auch eine attrak­ti­ve Innung in Kom­bi­na­ti­on mit unse­rem Fach­ver­band und – aus mei­ner Sicht – mit einer guten und gerech­ten Auf­ga­ben­ver­tei­lung im Vor­stand und in den Aus­schüs­sen, die den Auf­wand im Rah­men hält.

OT: Wie groß ist denn Ihr per­sön­li­cher Arbeits­auf­wand als Obermeister?

May­er: Das ist ganz unter­schied­lich. In Wochen, in denen man mit Kos­ten­trä­gern ver­han­delt, ist die zeit­li­che Belas­tung rela­tiv hoch. Dann gibt es auch Wochen, in denen es etwas ruhi­ger ist. Als Faust­for­mel für mei­ne Arbeit als Ober­meis­ter wür­de ich sagen, dass ich wöchent­lich im Durch­schnitt rund sechs Stun­den gebun­den bin. Bei den ande­ren Vor­stands­mit­glie­dern sind es ent­spre­chend weni­ger Stunden.

OT: Mit Adel­heid Micke von der Innung Müns­ter ist die ein­zi­ge Ober­meis­te­rin kürz­lich aus dem Amt geschie­den. Kön­nen Sie sich erklä­ren, war­um gera­de für Frau­en das Ehren­amt so unat­trak­tiv zu sein scheint?

May­er: In der Tat ist das ein bekann­tes Phä­no­men. Mit Petra Men­kel als stell­ver­tre­ten­de Ober­meis­te­rin in Berlin/Brandenburg ist aktu­ell nur noch eine Frau in der Vor­stands­ar­beit prä­sent. Das liegt viel­leicht einer­seits dar­an, dass Frau­en nicht ganz so häu­fig Geschäfts­in­ha­be­rin bezie­hungs­wei­se Geschäfts­füh­re­rin sind wie Män­ner. Ande­rer­seits sind Frau­en in vie­len Fami­li­en immer noch für Kin­der­er­zie­hung und ande­re fami­liä­re Auf­ga­ben zustän­dig. Neben­bei die Zeit und Kraft auf­zu­wen­den und ein Ehren­amt zu beset­zen, ist sehr anstren­gend. Dem gan­zen Fach stän­de es aber wirk­lich gut zu Gesicht, wenn es deut­lich mehr weib­li­che Dele­gier­te und Vor­stän­de geben würde.

Finan­zi­el­le Anrei­ze und Spielräume

OT: Bei der Land­tags­wahl in Nord­rhein-West­fa­len hat die CDU mit einer Meis­ter­prä­mie von 3.000 Euro gewor­ben. Wie sieht es bei Ihnen in Sach­sen und Thü­rin­gen aus?

May­er: Das ist ein wenig kom­pli­ziert. In Thü­rin­gen bekom­men Meisterabsolvent:innen ein­ma­lig 1.000 Euro. Zusätz­lich kön­nen sie, wenn sie eine aus­ge­zeich­ne­te Leis­tung erbracht haben, 1.000 Euro extra bekom­men. Für die Über­nah­me oder Neu­grün­dung besteht die Mög­lich­keit, einen Zuschuss von 5.000 Euro zu bean­tra­gen. In Sach­sen bekom­men Absolvent:innen ein­ma­lig 1.000 Euro, wenn sie sie bean­tra­gen. Aller­dings ist die­se Rege­lung an den Ort der Meis­ter­aus­bil­dung gebun­den. Mei­ne bei­den Söh­ne haben bei­spiels­wei­se an der Bun­des­fach­schu­le für Ortho­pä­die-Tech­nik in Dort­mund ihren Abschluss gemacht und des­halb kei­nen Meis­ter­bo­nus bekom­men. Es wäre schön, wenn man sich auf Bun­des­ebe­ne auf ein­heit­li­che För­der­kri­te­ri­en für die Meis­ter­aus­bil­dung eini­gen könn­te, das wür­de even­tu­ell der beruf­li­chen Fort- und Wei­ter­bil­dung im Hand­werk noch­mals einen Schub ver­lei­hen. Und las­sen Sie mich noch eine Sache erneut ergän­zen: Gesell:innen soll­ten in unse­rem Hand­werk im Bun­des­durch­schnitt zwi­schen 3.000 und 3.500 Euro ver­die­nen. Die­se Löh­ne kön­nen wir aber gar nicht zah­len, weil uns die Ein­nah­men dazu feh­len. Könn­ten wir die­ses Lohn­ni­veau anbie­ten, dann hät­ten wir auch sicher­lich mehr Leu­te, die den Weg ins Hand­werk fin­den wür­den und als nächs­te Stu­fe auch poten­zi­ell mehr Gesel­lin­nen und Gesel­len, die sich weiterqualifizieren.

OT: Sie spre­chen die finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten von Betrie­ben an. Mit Coro­na-Pan­de­mie und stei­gen­den Ener­gie­prei­sen in Fol­ge des Ukrai­ne­kriegs müs­sen die Betrie­be ihre finan­zi­el­len Rück­la­gen für die stei­gen­den Kos­ten auf­brau­chen. Haben Sie einen Lösungs­vor­schlag, wie man zukünf­tig ein­fach und schnell auf sol­che dyna­mi­schen Pro­zes­se reagie­ren kann?

May­er: Nun ja, in unse­re aktu­el­len oder zukünf­ti­gen Ver­trä­ge könn­te man natür­lich eine Preis­gleit­klau­sel ein­bau­en, die es uns ermög­licht, die Prei­se in vor­her abge­stimm­ten Situa­tio­nen – wie einer Pan­de­mie – um den abge­mach­ten Pro­zent­satz anzu­he­ben. Dies müss­ten die Kos­ten­trä­ger aber auch wol­len und da sehe ich wenig Bereit­schaft. Das vor­ge­brach­te Argu­ment wird sein, dass man solch unvor­her­seh­ba­ren Ereig­nis­se ja nicht in den Haus­halts­plan ein­pla­nen kön­ne. Des­we­gen schei­tert die­se Idee mit Sicher­heit an der Umset­zung. Ein­fa­cher wäre es natür­lich, wenn die Anzahl der Ver­trags­par­tei­en sich dras­tisch redu­zie­ren wür­de. Opti­ma­ler­wei­se ver­han­deln wir unse­re Ver­trä­ge mit dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um aus. Im Fal­le einer dras­ti­schen Ver­än­de­rung – wie Krieg, Pan­de­mie und den damit ein­her­ge­hen­den Kos­ten­stei­ge­run­gen – gibt es nur einen Ver­trags­part­ner, mit dem man ver­han­deln muss. Ein posi­ti­ver Neben­ef­fekt: Für unse­re Betrie­be wür­de es einen enor­men Büro­kra­tie­ab­bau bedeu­ten. Man­che Betrie­be haben aktu­ell zwi­schen 200 und 300 Ver­trä­ge zu mana­gen, dann wäre es nur noch einer. Durch den ein­ge­spar­ten Ver­wal­tungs­auf­wand könn­te man sogar man­che Din­ge güns­ti­ger anbieten.

OT: Wenn Sie einen Wunsch­zet­tel für die Lan­des­in­nung aus­fül­len wür­den, wel­che vier Sachen wür­den dann dar­auf stehen?

May­er: Spon­tan fal­len mir fol­gen­de Wün­sche für die Lan­des­in­nung Sachsen/Thüringen ein: Ers­tens wäre es toll, wenn wir für die aktu­el­len Vor­stän­de jun­ge Nachfolger:innen fin­den wür­den, ger­ne in der Haupt­zahl weib­lich. Über­haupt, dass sich die jun­gen Leu­te in der Innung enga­gie­ren wol­len, wäre erstre­bens­wert. Zwei­tens wün­sche ich mir, dass der gute kol­le­gia­le Zusam­men­halt in der Innung wei­ter­hin bestehen bleibt, und für die Betrie­be, dass sie wirt­schaft­li­che Sicher­heit haben und nicht um ihre Exis­tenz ban­gen müs­sen. Drit­tens wün­sche ich unse­ren Betrie­ben, dass sie wie­der mehr Aus­zu­bil­den­de fin­den, um dem Fach­kräf­te­man­gel ent­ge­gen­zu­tre­ten. Und vier­tens wün­sche ich mir eine Nach­fol­ge­rin oder einen Nach­fol­ger für mein Amt als Ober­meis­ter, die oder der wil­lens ist, mit Enga­ge­ment und Gesamt­über­blick für unser Fach die­se Rol­le auszufüllen.

Die Fra­gen stell­te Hei­ko Cordes.

 

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