Lymph­ödem und Lipö­dem im Fokus

Ende März fand in Paris das 8. Internationale Lymphsymposium statt. Dieses bot neben wissenschaftlichen Fachvorträgen auch Workshops, die den praxisnahen Austausch förderten und den Transfer theoretischer Inhalte in den klinischen Alltag ermöglichten.

Das Sym­po­si­um war in drei The­men­blö­cke geglie­dert. Der ers­te Abschnitt wid­me­te sich neu­en Ansät­zen und aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in der The­ra­pie des Lymph­ödems sowie des Lipö­dems. Prof. Jean‑Paul Bel­gra­do ver­an­schau­lich­te anhand von Fall­bei­spie­len die Lymph­ab­fluss­we­ge des mensch­li­chen Kör­pers. Er beton­te, dass in der Lym­pho­lo­gie häu­fig meh­re­re dia­gnos­ti­sche Schrit­te not­wen­dig sei­en, um die rich­ti­ge The­ra­pie für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten zu fin­den, da „in der Lym­pho­lo­gie grund­sätz­lich alles mög­lich ist.“

Anzei­ge

Dr. Sté­pha­ne Vignes plä­dier­te für die kor­rek­te Ver­wen­dung und kla­re Dif­fe­ren­zie­rung der Begrif­fe Lymph­ödem, Lipö­dem und Adi­po­si­tas. Nur mit prä­zi­ser Ter­mi­no­lo­gie sei­en eine ein­deu­ti­ge Dia­gno­se­stel­lung und dar­auf auf­bau­end eine adäqua­te The­ra­pie mög­lich. Dr. Julie Malloizel‑Delaunay ging auf die chro­ni­sche Erkran­kung des Lymph­ödems ein und unter­strich die Not­wen­dig­keit indi­vi­du­el­ler Behand­lungs­stra­te­gien. Dies bestä­tig­te auch der Phy­sio­the­ra­peut Pas­cal Gous­sé, der die ganz­heit­li­chen The­ra­pie­an­sät­ze der Poly­cli­nic Bor­deaux präsentierte.

Im The­men­block „Manage­ment und the­ra­peu­ti­sche Opti­onen für Lymph­ödem­pa­ti­en­tin­nen und ‑pati­en­ten“ erläu­ter­te Bernd Man­gold die Her­stel­lung von Kom­pres­si­ons­be­klei­dung sowie die damit ver­bun­de­nen regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen. Dr. Tim Wen­tel stell­te anschlie­ßend die phy­sio­lo­gi­schen Grund­la­gen der Kom­pres­si­ons­the­ra­pie vor und erklär­te die drei zen­tra­len Eigen­schaf­ten von Kom­pres­si­ons­ma­te­ria­li­en: Elas­ti­zi­tät, Stiff­ness und Hysterese.

Phy­sio­the­ra­peu­tin Nadi­ne Guill­oux ver­deut­lich­te die Bedeu­tung von Bewe­gung in Kom­pres­si­on. Die psy­cho­lo­gi­schen Aspek­te der Erkran­kung beleuch­te­te Sand­ri­ne Jean­mai­re, die auf­zeig­te, dass vie­le Betrof­fe­ne nach der ­Dia­gno­se einen Akzep­tanz­pro­zess durch­lau­fen müssen.

Einen chir­ur­gi­schen Blick­win­kel brach­te Assoc.-Prof. PD Dr. med. Chieh‑Han John Tzou ein, die ope­ra­ti­ve Ver­fah­ren wie Lymphknoten‑Transplantationen und lympho­venöse Anas­to­mo­sen als sinn­vol­le Ergän­zung zur kon­ser­va­ti­ven The­ra­pie in der Lym­pho­lo­gie darstellte.

Der letz­te The­men­block wid­me­te sich dem Manage­ment und den the­ra­peu­ti­schen Optio­nen bei Lipö­dem. Dr. Gabrie­le Faer­ber stell­te die deut­schen S2k‑Leitlinien vor und dis­ku­tier­te die­se gemein­sam mit emer. Prim. Dr. Chris­ti­an Ure und Dr. Bri­git­te Haber­malz. Dabei wur­de ins­be­son­de­re die Not­wen­dig­keit einer ganz­heit­li­chen Betrach­tung der Pati­en­tin­nen – inklu­si­ve kör­per­li­cher, funk­tio­nel­ler und psy­cho­so­zia­ler Aspek­te – hervorgehoben.

Dr. Robert Boo­nen stell­te indi­vi­dua­li­sier­te Therapie­optionen vor und hob die Schmerz­re­duk­ti­on als zen­tra­les The­ra­pie­ziel bei Lipö­dem-Pati­en­tin­nen her­vor. Caro­li­ne Mey­rignac ergänz­te, dass ins­be­son­de­re bei der konserva­tiven The­ra­pie die Kom­pres­si­ons­ver­sor­gung stets indi­vi­du­ell anzu­pas­sen sei. Die Rol­le der Ernäh­rung beleuch­te­te Dr. Gabrie­le Faer­ber, die den posi­ti­ven Ein­fluss einer aus­gewogenen Ernäh­rung auf die Lebens­qua­li­tät von Lipö­de­m­-Pati­en­tin­nen beton­te. Haber­malz erklär­te abschlie­ßend, wann chir­ur­gi­sche Maß­nah­men sinn­voll sein könn­ten, stell­te jedoch klar, dass kon­ser­va­ti­ve und opera­tive The­ra­pien immer gemein­sam betrach­tet wer­den müss­ten und eine Lipo­suk­ti­on kein All­heil­mit­tel darstelle.

Über 270 Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer aus 12 Län­dern waren in die fran­zö­si­sche Haupt­stadt gereist. Sie nutz­ten die Ver­an­stal­tung, um sich inter­na­tio­nal zu ver­net­zen und aktu­el­le Ent­wick­lun­gen in der Lymph‑ und Lipö­dem­the­ra­pie zu diskutieren.

 

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