Bestä­ti­gung für die Berufswahl

Tronje Koppelmann belegte beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW) beim Bundesfinale den zweiten Platz. Der 25-Jährige, der sich in seiner Freizeit seinen Hobbys Popkultur, Literatur und Kunst widmet, spricht im OT-Interview über seine Erfahrungen im Leistungswettbewerb, darüber, was ihn antreibt und wie die Zukunft der Orthopädie-Technik aussehen könnte.

OT: Wie sind Sie zur Ortho­pä­die-Tech­nik gekommen?

Tron­je Kop­pel­mann: Ich hat­te das Glück, die Ortho­pä­die-Tech­nik über einen sehr lie­ben und geschätz­ten Men­schen, Hol­ger Kel­ling­husen, ken­nen­zu­ler­nen. Sein Pathos für die Ortho­pä­die-Tech­nik hat mich ange­steckt. Ich bin dann den klas­si­schen Weg über Prak­ti­ka gegan­gen und habe schluss­end­lich einen Aus­bil­dungs­platz bei Thies bekommen.

OT: Wel­chen Stel­len­wert hat das Hand­werk all­ge­mein bei jun­gen Menschen?

Kop­pel­mann: Das kann ich natür­lich nicht all­ge­mein­gül­tig beant­wor­ten. Ich mei­ne jedoch, das Hand­werk spielt eine immer klei­ne­re Rol­le in der Lebens­rea­li­tät von jun­gen Men­schen und ist somit zu etwas Abs­trak­tem gewor­den. Die zuneh­men­de Aka­de­mi­sie­rung und die feh­len­de Wahr­neh­mung des Hand­werks im All­tag mini­mie­ren die Aus­ein­an­der­set­zung – und damit den Stel­len­wert des Hand­werks bei vie­len jun­gen Menschen.

OT: Wie sind Sie auf den Leis­tungs­wett­be­werb auf­merk­sam geworden?

Kop­pel­mann: Vor Antritt der Aus­bil­dung hat mich die Mög­lich­keit ange­trie­ben, über gute Leis­tun­gen Begab­ten­för­de­rung zu bekom­men und mir so anschlie­ßend die Finan­zie­rung des Meis­ters ein wenig zu erleich­tern. Dem­entspre­chend hat­te ich den Leis­tungs­wett­be­werb immer im Hin­ter­kopf. Herr Kel­ling­husen hat­te mir damals als Ers­ter von dem Leis­tungs­wett­be­werb berichtet.

OT: Wel­che Prü­fungs­ar­beit haben Sie gezeigt?

Kop­pel­mann: Als Gesel­len­stück habe ich eine dyna­mi­sche Unter­schen­kel­or­the­se mit uni­la­te­ra­ler Gelenk­füh­rung, ven­tra­ler Anla­ge, kon­dy­lä­rer Anstüt­zung und her­aus­nehm­ba­rem Innen­schuh mit einem „Neu­ro Swing“-Systemknöchelgelenk gebaut.

Im Rah­men des Bun­des­leis­tungs­wett­be­wer­bes habe ich eine dor­sal ver­lau­fen­de Unter­schen­kel­or­the­se mit pro­xi­ma­ler Lasche sowie einer sprung­ge­lenk­s­um­grei­fen­den Lasche, teil­fle­xi­blem Vor­fuß und einem Innen­pols­ter gebaut. Dabei habe ich mich natür­lich an den eng gesteck­ten Vor­ga­ben der Prü­fung orientiert.

OT: Wel­che Erfah­run­gen haben Sie beim Bun­des­fi­na­le in Dort­mund gemacht?

Kop­pel­mann: Rund­um posi­ti­ve Erfah­run­gen. Allein die Bufa ein­mal vor Ort zu erle­ben, was zuvor coro­nabe­dingt nicht mög­lich war, ist schon inter­es­sant gewe­sen. Das Arbei­ten in einer frem­den Werk­statt und unter dem Druck des Bun­des­leis­tungs­wett­be­wer­bes ist schon eine Erfah­rung für sich. Der für mich jedoch schöns­te Aspekt waren die ande­ren Teilnehmer:innen. Der Aus­tausch war sehr span­nend und hat mich in der Berufs­wahl noch ein­mal bestätigt.

OT: Wie stel­len Sie sich die Zukunft der Ortho­pä­die-Tech­nik vor?

Kop­pel­mann: Mit moder­nen Fer­ti­gungs­ver­fah­ren wie z. B. dem 3D-Druck wird schon heu­te Zeit ein­ge­spart. In Zukunft wer­den wir das Poten­zi­al die­ses sowie ande­rer Fer­ti­gungs­ver­fah­ren mit Sicher­heit noch wei­ter aus­schöp­fen können.

Die ent­schei­den­de Fra­ge für mich ist, wie wir die über die opti­mier­ten Fer­ti­gungs­schrit­te gewon­ne­ne Zeit nut­zen. Mei­ne Hoff­nung dabei ist, dass die­se zum einen in die ganz­heit­li­che Betrach­tung der Anwender:innen bzw. eine ver­mehr­te inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit fließt und schluss­end­lich die Ver­sor­gungs­qua­li­tät erhöht. Ande­rer­seits kön­nen redu­zier­te hand­werk­li­che Fer­ti­gungs­schrit­te natür­lich auch ein Werk­zeug gegen den Fach­kräf­te­man­gel sein.

OT: Kri­sen bestim­men die aktu­el­le Zeit. Was sind für Sie die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen für die Orthopädie-Technik?

Kop­pel­mann: Natür­lich neben allen glo­ba­len Kri­sen, die uns offen­sicht­lich alle betref­fen, und neben dem Fach­kräf­te­man­gel glau­be ich tat­säch­lich, dass unse­re klei­ne Lob­by und die gerin­ge gesell­schaft­li­che Wahr­neh­mung die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen der Ortho­pä­die-Tech­nik sind. Gera­de gegen­über den Kos­ten­trä­gern gilt es dabei gemein­sam die abso­lu­te gesell­schaft­li­che Not­wen­dig­keit in den Vor­der­grund zu stel­len und die Deckung der Ver­sor­gungs­kos­ten zu sichern.

Der Fach­kräf­te­man­gel wird sich sicher­lich noch ver­stär­ken, zum einen durch das rela­tiv nied­ri­ge Lohn­ni­veau bzw. man­geln­de Anrei­ze für Neu- und Quereinsteiger:innen sowie zum ande­ren aus demo­gra­fi­schen Grün­den. Wenn bald die soge­nann­te Boo­mer-Gene­ra­ti­on in Ren­te geht, wer­den die Aus­wir­kung auf den Hilfs­mit­tel­markt mit Sicher­heit spür­bar sein.

OT: Wie sieht Ihre per­sön­li­che Zukunft in der Ortho­pä­die-Tech­nik aus?

Kop­pel­mann: Zunächst möch­te ich mög­lichst vie­le und inten­si­ve Berufs­er­fah­run­gen sam­meln und mich wei­ter­bil­den. Momen­tan ist das kla­re Ziel, bei­zei­ten Ortho­pä­die­tech­nik-Meis­ter zu wer­den, aber schau­en wir ein­mal, wo mich mein Weg am Ende hin­füh­ren wird.

OT: Wie infor­mie­ren Sie sich über die Neu­ig­kei­ten der Branche?

Kop­pel­mann: Selbst­ver­ständ­lich immer mit der monat­li­chen Aus­ga­be des Fach­ma­ga­zins ORTHOPÄDIE TECHNIK sowie dem Fach­por­tal 360°. Der Aus­tausch mit Kolleg:innen ist auch immer sehr infor­ma­tiv und gera­de beim Bun­des­leis­tungs­wett­be­werb konn­te ich dadurch neue Per­spek­ti­ven gewin­nen. Dafür bin ich sehr dankbar.

OT: Alf Reu­ter, Prä­si­dent des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik, hat kürz­lich mehr jun­ge Leu­te im Ehren­amt gefor­dert. Sehen Sie dort ein Betä­ti­gungs­feld für sich, um die Zukunft des Fachs mitzugestalten?

Kop­pel­mann: Ein Ehren­amt zu füh­ren, kann mit Sicher­heit sehr erfül­lend sein und wür­de mich und garan­tiert vie­le ande­re jun­ge Orthopädietechniker:innen rei­zen. Unser Fach dabei mit­zu­ge­stal­ten, ist sicher­lich ein aus­schlag­ge­ben­der Punkt dabei. Wenn der Raum neben Beruf und der Ver­ant­wor­tun­gen im All­tag da ist, enga­giert sich bestimmt jeder/jede lei­den­schaft­li­che Handwerker:in.

Die Fra­gen stell­te Hei­ko Cordes.

 

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