TTO: Online-Tau­fe bestanden

Digital ist das „neue Normal“! Das galt ebenfalls für den Tag der Technischen Orthopädie (TTO) auf der 69. Jahrestagung der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden und Unfallchirurgen e. V. (VSOU) am 30. April 2021. Die 2013 von Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT), Vereinigung Technische Orthopädie (VTO) sowie Initiative ’93 ins Leben gerufene interdisziplinäre Plattform fand in diesem Jahr erstmals ausschließlich online statt – wie der gesamte viertägige VSOU-Kongress (28. April bis 1. Mai).

Auf die kol­le­gia­len Gesprä­che am TTO-Mes­se­stand sowie beim tra­di­tio­nel­len Get-tog­e­ther muss­te Coro­na-bedingt ver­zich­tet wer­den. Dafür war der Aus­tausch per Video­mee­ting über die Mög­lich­kei­ten der Tech­ni­schen Ortho­pä­die (TO) nach einem Schlag­an­fall bzw. bei der Ver­sor­gung von Fuß­he­ber­schwä­che umso kon­zen­trier­ter. Das TTO-Sym­po­si­um unter dem Vor­sitz von Prof. Dr. med. Bern­hard Grei­te­mann, Ärzt­li­cher Direk­tor der Kli­nik Müns­ter­land am Reha­kli­ni­kum Bad Rothen­fel­de, sowie BIV-OT-Vor­stand OTM Mat­thi­as Bau­che beleuch­te­te das The­ma „Pare­sen – wie kön­nen Hilfs­mit­tel helfen?“

Her­aus­for­de­rung Schlaganfall

Rund 300.000 Kran­ken­haus­be­hand­lun­gen auf­grund eines Schlag­an­falls habe es in Deutsch­land bis vor kur­zem pro Jahr gege­ben, unter­strich Dr. Wil­fried Schupp, Chef­arzt Neu­ro­lo­gie Pha­se D/Neuropsychologie/Geriatrische Reha­bi­li­ta­ti­on an der M&I‑Fachklinik Her­zo­gen­au­rach, in sei­nen Refe­rat „Wann und war­um – wel­che Hilfs­mit­tel nach Schlag­an­fall?“ Bei der Behand­lung der Schlag­an­fall­fol­gen spiel­ten Heil- und Hilfs­mit­tel die wich­tigs­te Rol­le, erklär­te er.

Dass spä­te­re Pha­sen der Reha­bi­li­ta­ti­on bei vie­len Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten nicht zum Tra­gen kämen, berich­te­te Mat­thi­as Bau­che in „Schlag­an­fall – Eine inter­dis­zi­pli­nä­re Her­aus­for­de­rung aus Sicht der Ortho­pä­die-Tech­nik“. Durch Ein­füh­rung der auf Schlag­an­fäl­le spe­zia­li­sier­ten Stro­ke Units habe es eine deut­li­che Ver­bes­se­rung bei der Sofort­be­hand­lung gege­ben, die Sterb­lich­keits­ra­te sin­ke. Nach der Ent­las­sung in die Häus­lich­keit oder die Kurz- bzw. Lang­zeit­pfle­ge gebe es aber Schnitt­stel­len­pro­ble­me. Bau­che schlug eine „gesetz­li­che Rege­lung für eine pro­fes­sio­nel­le Betreu­ung der Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten“ vor.

Die The­ra­pie­mög­lich­kei­ten bei Fuß­he­ber­schwä­che – zu deren Ursa­chen unter ande­rem Schlag­an­fäl­le gehö­ren – rück­ten PD Dr. med. Jür­gen Götz (Medar­tes Gemeinschaftspraxis/Privatklinik) sowie Lud­ger Last­ring (Bun­des­fach­schu­le für Ortho­pä­die-Tech­nik) auf dem TTO in den Mit­tel­punkt ihrer Beiträge.

Gro­ße Band­brei­te von Neu­ro­pro­the­tik bis MDR

Die anschlie­ßen­de Ses­si­on der Initia­ti­ve ’93 unter den Chairs PD Dr. Götz und Dipl.-Ing. (FH) Dani­el Heit­zmann, Hei­del­berg Moti­on­lab, Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Hei­del­berg, spann­te einen gro­ßen Bogen vom Neu­ro­pro­the­tik-Vor­trag von Prof. Dr. med. Kiria­kos Daniili­dis, OTC Ortho­pä­die Trau­ma­to­lo­gie Cen­trum Regens­burg, bis zu der in Sani­täts­häu­sern und ortho­pä­die­tech­ni­schen Betrie­ben heiß dis­ku­tier­ten euro­päi­schen Medi­zin­pro­duk­te-Ver­ord­nung (MDR). Wie Gre­gor Bene­dikt Otta­wa vom Koor­di­nie­rungs­zen­trum für Kli­ni­sche Stu­di­en (KKS), Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Hei­del­berg, in sei­nem Refe­rat „Fit for fire figh­t­ing! – die Medi­cal Device Regu­la­ti­on (MDR) und ihre Her­aus­for­de­run­gen“ aus­führ­te, sei die Medi­zin­pro­dukte­her­stel­lung in Deutsch­land vor allem in klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Betrie­ben ange­sie­delt. Die­se wer­de die Här­te der MDR mit „vol­ler Wucht“ treffen.

Prof. Dr. med. Wolf­ram Mit­tel­mei­er, Direk­tor der Ortho­pä­di­schen Kli­nik und Poli­kli­nik, Uni­ver­si­täts­me­di­zin Ros­tock, und Vor­sit­zen­der des geschäfts­füh­ren­den Vor­stands der Deut­schen Gesell­schaft für inter­pro­fes­sio­nel­le Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung e. V. (DGIHV), prä­sen­tier­te Ergeb­nis­se der Arbeits­grup­pe (AG) MDR der DGIHV. Durch die MDR sei eine kon­ti­nu­ier­li­che Nach­be­ob­ach­tung nach dem Inver­kehr­brin­gen der Pro­duk­te gefor­dert, so Mit­tel­mei­er. Die AG MDR habe Kli­ni­sche Bewer­tun­gen von Son­der­an­fer­ti­gun­gen und Risi­ko­ana­ly­sen erstellt. Die­se lie­fern Sani­täts­häu­sern und ortho­pä­die­tech­ni­schen Betrie­ben Hilfestellungen.

Sei­ne digi­ta­le Feu­er­tau­fe hat der TTO bestan­den. Wobei die Dis­kus­si­ons­freu­de der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer außer­halb des Online-Podi­ums noch aus­bau­bar blieb– die Chat-Funk­ti­on für Fra­gen an die Refe­ren­ten wur­de nur punk­tu­ell genutzt. Viel­leicht blie­ben aber nach den umfang­rei­chen Vor­trä­gen ein­fach auch kei­ne Fra­gen offen.

 

 

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