Robo­ter-Unter­stüt­zung für ALS-Patienten

Wie helfen Robotik-Systeme Menschen mit Amyotro- pher Lateralsklerose (ALS), deren Angehörigen, Pfl ege- und Assistenzpersonen im Alltag? Profitieren die Betroffenen auch in Palliativsituationen – und wie sähe dann ein Einsatzszenario aus, das die gesetzliche Krankenversicherung finanzieren würde? An der Beantwortung dieser Fragen, neuen Versorgungsformen und Therapieansätzen forscht Prof. Dr. Thomas Meyer, Leiter der ALS- Ambulanz an der Charité in Berlin sowie Geschäftsführer des Versorgungsnetzwerks Ambulanzpartner Soziotechnologie APST. Das Versorgungsnetzwerk mit Sitz in der Hauptstadt hat seit 2011 bundesweit die Hilfsmittelversorgung von 4.752 ALS-Patienten koordiniert und vernetzt 14 spezialisierte ALS-Zentren in Deutschland.

Die Robi­na-Stu­die ist im April 2017 gestar­tet und hat ein Volu­men von 2,57 Mil­lio­nen Euro, davon 68 Pro­zent För- der­an­teil durch das BMBF. „Der Pro­to­typ eines augen­ge- steu­er­ten Robo­ters kommt von der deut­schen Fir­ma Fran­ka Emi­ka. Denn oft kön­nen Pati­en­ten im pal­lia­ti­ven Sta­di­um der Erkran­kung nur noch die Augen bewe­gen“, so Mey­er. Das Münch­ner Robo­tik-Start-up Fran­ka Emi­ka erhielt 2017 den Deut­schen Zukunfts­preis für Tech­nik und Inno­va­ti- on für den lern­fä­hi­gen Leicht­bau­ro­bo­ter „Pan­da“.

Wei­te­re Part­ner sind die Charité–Universitätsmedizin Ber­lin, Talk- Tools aus Duis­burg, das FZI For­schungs­zen­trum Infor­ma- tik am Karls­ru­her Insti­tut für Tech­no­lo­gie und die Evan­ge- lische Hoch­schu­le Lud­wigs­burg. „Bei Robi­na ist außer­dem der AOK-Bun­des­ver­band als Trans­fer­part­ner mit im Boot“, unter­streicht Mey­er die Be- deu­tung der Stu­die. „Schon wäh­rend des Pro­jekts wird so- mit dar­auf geach­tet, ob die For­schungs­er­geb­nis­se auch aus Kos­ten­trä­ger­per­spek­ti­ve sinn­voll und finan­zier­bar sind.“ Des Wei­te­ren brin­ge die Deut­sche Gesell­schaft für Mus­kel­er­kran­kun­gen als wei­te­rer Trans­fer­part­ner die Pati­en­ten­sicht ein.

„Im April 2020 wer­den Ergeb­nis­se vor­lie­gen“, kün­digt Mey­er an. Erfah­rungs­stu­die mit Kino­va Ein wei­te­res For­schungs­vor­ha­ben zur Anwen­dung von Arm­ro­bo­tern bei der ALS wer­de inner­halb des Ambu­lanz­part­ner-Ver­sor­gungs­netz­wer­kes durch­ge­führt: „Bis Sep- tem­ber 2020 rea­li­sie­ren wir eine indus­trie­fi nan­zier­te Er- fah­rungs­stu­die zum Robo­ter­arm des Her­stel­lers Kino­va, dem ers­ten der­ar­ti­gen Sys­tem, das auf dem Markt war“, berich­tet Prof. Mey­er. „Dabei erfas­sen 14 ALS-Spe­zi­al­am­bu­lan­zen unter ande­rem aus Ber­lin, Essen, Jena, Han­no­ver, Bochum, Dres­den und Ros­tock Daten zu den Erwar­tun­gen von ALS-Pati­en­ten an der­ar­ti­ge Systeme.“

Für die Stu­die „Digit Robot – digi­ta­le Erfas­sung der ambu­lan­ten Ver­sor- gung mit einem Robo­ter­arm bei ALS“ wer­den bei 80 ALS- Pati­en­ten sys­te­ma­ti­sche Inter­views und Online-Befra­gun­gen durch­ge­führt, um zu ermit­teln, für wel­che Funk­tio­nen die Betrof­fe­nen den Robo­ter­arm als beson­ders wich­tig erach­ten. Dabei ist ein Nut­zen für das Anrei­chen von Ge- trän­ken, Öff­nen von Türen oder kör­per­na­he Diens­te wie das Käm­men der Haa­re oder das Krat­zen denk­bar. „Die tat­säch­li­chen Erfah­run­gen und Nut­zen­ein­schät­zun­gen wer­den wir in Inter­views mit 20 Pati­en­ten ermit­teln, die mit dem Robo­ter­arm ver­sorgt wur­den“, sagt Mey­er. „Die Stu­di­en sol­len zei­gen, wel­ches Poten­zi­al Robo­ter­ar­me für Pati­en­ten, Her­stel­ler und Sani­täts­häu­ser bieten.“

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