OT an die Welt – Die OTWorld 2024 ist in Leip­zig gelandet

Das einleitende Jingle des Blockbusters „Mission Impossible“ führte bei der offiziellen Eröffnung der OTWorld 2024 zunächst für einen Augenblick auf die falsche Fährte, stehen Weltkongress und Leitmesse in diesem Jahr doch vielmehr für die „Mission Possible“ der Hilfsmittelversorgung.

Zum Auf­takt bat Mode­ra­tor Hen­ning Quanz zunächst mit Alf-Reu­ter, Prä­si­dent des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik, sowie Mar­tin Buhl-Wag­ner, Geschäfts­füh­rer der Leip­zi­ger Mes­se, die bei­den Gast­ge­ber der OTWorld auf die Büh­ne. „Ich begrü­ße alle Gäs­te zu einem Fest der Mög­lich­kei­ten und zur Inspi­ra­ti­on der gemein­sa­men Zusam­men­ar­beit“, griff  Reu­ter sogleich das Leit­mo­tiv der „Mis­si­on Pos­si­ble“ auf. „Nur durch ihr Enga­ge­ment trei­ben Sie die Bran­che vor­an“, lob­te Buhl-Wag­ner die aktu­el­le Reso­nanz der Bran­che auf die Ver­an­stal­tung, die sich nach der Pan­de­mie-Del­le wie­der auf einem Niveau von 2018 befindet.

In sei­ner Video­bot­schaft an das Fach­pu­bli­kum in Leip­zig unter­strich Dr. Peter Lie­se, CDU, Abge­ord­ne­ter im EU-Par­la­ment, die gro­ße Bedeu­tung der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung für alle Betrof­fe­nen. Kri­tisch fass­te er die Umset­zung der EU-Medi­zin­pro­duk­te-Ver­ord­nung (MDR) zusam­men: „Die EU-Insti­tu­tio­nen sind hier über das Ziel hin­aus­ge­schos­sen.“ Er brach­te die Bot­schaft zur OTWorld, dass hier Ände­run­gen zuguns­ten der Bran­che in Aus­sicht ständen.

Als Gesand­ter der fran­zö­si­schen Bot­schaft in Deutsch­land tat Emma­nu­el Cohet sei­ne Freu­de dar­über kund, dass sein Hei­mat­land in die­sem Jahr das offi­zi­el­le Part­ner­land von Welt­kon­gress und Leit­mes­se ist, denn „Frank­reich zählt neben Deutsch­land zu den wich­tigs­ten euro­päi­schen Märk­ten im Gesundheitswesen.“

Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen wer­den durch den Ein­satz von Pro­the­sen, Orthe­sen, Kom­pres­si­on, Ein­la­gen und vie­lem mehr unter­stützt. Wozu die­ser Mobi­li­täts­ge­winn füh­ren kann, ver­deut­lich­te bei der Eröff­nungs­fei­er in Saal 1 des Kon­gres­ses vor allem ESA-Astro­naut John McFall. Seit einem Motor­rad­un­fall und anschlie­ßen­der Ampu­ta­ti­on unter­halb des rech­ten Knies mit einer Pro­the­se ver­sorgt, trai­niert der stu­dier­te Chir­urg aktu­ell für eine Lang­zeit­mis­si­on auf der Inter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on (ISS). Der Bri­te ver­wies im Gespräch mit Hen­ning Quanz ein­drück­lich auf die wei­ter­hin gro­ße Her­aus­for­de­rung der Mensch­heit, den Welt­raum zu erfor­schen. Sei­ne per­sön­li­che Moti­va­ti­on sei es, zu zei­gen, dass die­sem Pio­nier­geist auch kei­ne kör­per­li­che Beein­träch­ti­gung im Wege steht. Mit sei­ner eige­nen Lebens­ge­schich­te vom weg­wei­sen­den Unfall, über sei­ne Teil­nah­me an den Para­lym­pics, den Wer­de­gang zum Medi­zi­ner bis zur Aus­bil­dung zum Astro­nau­ten zog McFall das Publi­kum in sei­nen Bann.

Bekannt­ga­be der Kon­gress­prä­si­dent­schaft 2026

Eine Gesprächs­run­de im Bei­sein der bei­den Kon­gress­prä­si­den­ten Dipl.-Ing. Ingo Pfef­fer­korn und Prof. Dr. med. Tho­mas Wirth, Alf Reu­ter, Mar­tin Buhl-Wag­ner und ISPO-Inter­na­tio­nal-Prä­si­dent David Con­stan­ti­ne rück­te im wei­te­ren Ver­lauf die Situa­ti­on der natio­na­len und glo­ba­len Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung in den Fokus. Con­stan­ti­ne zeig­te sich zunächst vom Wer­de­gang McFalls begeis­tert: „Du brauchst die­se Geschich­ten“, um gleich­zei­tig zu ergän­zen: „aber wir müs­sen auch die glo­ba­le Per­spek­ti­ve im Blick behal­ten, denn vie­le Men­schen haben wei­ter­hin kei­nen Zugang zu einer pro­fes­sio­nel­len Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung.“ Prof. Wirth hob her­vor, dass in einem Land wie Deutsch­land zwar grund­sätz­lich „groß­ar­ti­ge tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten“ gege­ben sei­en, aber selbst in der Kin­der- und Jugend­ver­sor­gung die Kos­ten­trä­ger in vie­len Fäl­len Ein­wän­de gegen sinn­vol­le Ver­ord­nun­gen hät­ten. Aus Sicht von Alf Reu­ter muss es das Ziel sein, „dass die Inno­va­tio­nen der Bran­che viel schnel­ler an die Pati­en­ten kom­men.“ Auch der Mes­se­ver­ant­wort­li­che Mar­tin Buhl-Wag­ner schlug erns­te Töne an: „Wir sind hier nicht zum Spaß. Wir haben den Anspruch, dass wir in Leip­zig die Platt­form stel­len, wo sich alle tref­fen.“ Dies­be­züg­lich zeig­te sich Ingo Pfef­fer­korn sehr dank­bar, dass sich unter ande­rem zahl­rei­che natio­na­le und inter­na­tio­na­le Fach­ge­sell­schaf­ten für das hoch­ka­rä­ti­ge Pro­gramm ver­ant­wort­lich zeichnen.

Von Mode­ra­tor Hen­ning Quanz auf die zuver­sicht­li­chen Signa­le der OTWorld über die Kon­gress- und Mes­se­wo­che hin­aus ange­spro­chen, gab Prof. Wirth die kon­struk­ti­ve Losung aus: „Es gibt nur den Weg vor­wärts.“ Oder alter­na­tiv für John McFall, den Weg auf­wärts. Alf Reu­ter beton­te in Bezug auf sei­ne per­sön­li­che Moti­va­ti­on: „Das Leben mei­ner Pati­en­ten jeden Tag ein Stück bes­ser zu machen, dafür ste­he ich jeden Tag auf.“

Dem BIV-Prä­si­den­ten war es zum Abschluss der Eröff­nung vor­be­hal­ten, die Bekannt­ga­be der Kon­gress­prä­si­den­schaft 2026 publik zu machen: Mit Dr. med. Doris Mai­er von der BG Unfall­kli­nik Mur­nau wird es erst­mals eine Kon­gress­prä­si­den­tin geben. Mai­er zur Sei­te steht mit OTM Tho­mas Münch aus Duis­burg einer der pro­fi­lier­tes­ten Ortho­pä­die-Tech­ni­ker des Fachs.

Das aktu­el­le Fest der Mög­lich­kei­ten setzt sich noch bis Frei­tag fort und wird dar­über hin­aus im Sin­ne einer hoch­wer­ti­gen Ver­sor­gungs­qua­li­tät auch für die Zukunft sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen. Von der täg­li­chen Ver­sor­gung in den OT-Betrie­ben bis hin­auf in die Inter­na­tio­na­le Raumstation.

Micha­el Blatt

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