OST-Bran­che blickt in die Zukunft

Am 18. und 19. Oktober 2019 war das Kölner Messegelände der Mittelpunkt der Orthopädie-Schuhtechnik. Vom Verlag C. Maurer Fachmedien veranstaltet, fand die „Orthopädie Schuh Technik“, Internationale Fachmesse und Kongress, in der Rheinmetropole statt. Rund 150 Aussteller präsentierten sich dem interessierten Fachpublikum mit ihren Produkten und Dienstleistungen.

Die Fach­ge­sprä­che an den Stän­den dreh­ten sich vor allem um die Zukunft der Bran­che und den kom­men­den Her­aus­for­de­run­gen. Pas­sen­der­wei­se hieß das Mot­to der mitt­ler­wei­le fünf­ten Mes­se „Fit für die Zukunft“. Um das Hand­werk auf die anste­hen­den Auf­ga­ben ange­mes­sen vor­zu­be­rei­ten, bot der Kon­gress ein Fach­pro­gramm mit Vor­trä­gen und Semi­na­ren an. Ein The­ma, das vie­le Ortho­pä­die­schuh­ma­cher inter­es­sier­te, war die Digi­ta­li­sie­rung, der sich als Refe­ren­ten Chris­toph Krau­se, Dr. Jes­si­ca Hohen­schon und Linus Kri­wat in ihren Prä­sen­ta­tio­nen wid­me­ten. Vor allem Krau­se ermu­tig­te die Anwe­sen­den mehr Digi­ta­li­sie­rung zu wagen. Wobei er sogar ein Schritt wei­ter ging: „Ihr sollt nicht digi­ta­li­sie­ren, weil vie­le Pro­zes­se schon digi­ta­li­siert sind. Ihr sollt auto­ma­ti­sie­ren!“

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Als Bei­spie­le nann­te er die digi­ta­le Rech­nungs­er­stel­lung oder Kom­mu­ni­ka­ti­on per E‑Mail und Mes­sen­ger – alle­samt Pro­zes­se, die vie­le Hand­wer­ker bereits digi­tal erle­di­gen. Aller­dings sieht Krau­se deut­li­ches Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al, wie die­se Din­ge ange­gan­gen wer­den soll­ten. Mehr als ein Dut­zend Pro­zes­se par­al­lel lau­fen zu las­sen ohne Quer­ver­bin­dung, sei ein digi­ta­ler Brems­schuh. Eine bes­se­re Ver­net­zung der Pro­zes­se sei daher unbe­dingt nötig, falls man für die Zukunft gewapp­net sein will. Wie Digi­ta­li­sie­rung im Hand­werk im Hier und Jetzt aus­se­hen kann, zeig­te Dr. Hohen­schon. Auf der einen Sei­te als Hoch­schul­do­zen­tin in den Nie­der­lan­den leh­rend und lebend, und auf der ande­ren Sei­te als Che­fin in einem Ortho­pä­die-Schuh­tech­nik-Betrieb tätig, muss Hohen- schon auf die Digi­ta­li­sie­rung set­zen, um bei­des zu ver­ei­nen. „Ich bin nicht immer da, aber ich bin immer dabei“, erklärt Hohen­schon, wie wich­tig ihr die Kom­mu­ni­ka­ti­on per Mes­sen­ger­dienst und Co ist. Sie berich­te­te außer­dem, wie sie Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten muss­te, um ihre Mit­ar­bei­ter von not­wen­di­gen Digi­ta­li­sie­rungs-Schrit­ten zu über­zeu­gen. Sie mahn­te im glei­chen Atem­zug aber davor, zu über­for­dern. „Man muss wis­sen, wer am ande­ren Ende sitzt.“

Vor allem die älte­re Kund­schaft, die nicht in der digi­ta­li­sier­ten Welt lebt, müs­se zum Bei­spiel wei­ter­hin der Zugang ermög­licht wer­den, etwa durch einen Tele­fon­an­ruf oder per­sön­li­chen Kon­takt. Ein Best-Prac­ti­ce-Bei­spiel aus dem digi­ta­len All­tag im Sani­täts­haus stell­te anschlie­ßend Linus Kri­wat vor. Wie kann man Kun­den an sich bin­den? Wo kann man einen Mehr­wert für Kun­de  gene­rie­ren? Wo sind Hür­den im Daten­schutz? Die­se Fra­gen beant­wor­te­te Kri­wat anhand der eige­nen Er­fahrungen und Bei­spie­le aus der Pra­xis. „Ver­trau­en ist die Wäh­rung der Digi­ta­li­sie­rung“, so das Fazit des Kie­lers.

Ins­ge­samt spra­chen über 60 Refe­ren­ten in Kongressvor­trägen, Semi­na­ren und dem Mes­se-Forum zu den Fachbe­suchern. Ein her­aus­ge­ho­be­ner Pro­gramm­punkt war die Aus­ein­an­der­set­zung mit Wir­kungs­nach­wei­sen für Hilfs­mittel, ins­be­son­de­re für sen­so­mo­to­ri­sche Ein­la­gen, um eine Auf­nah­me in das Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis zu errei­chen. Dr. Moni­ka Kücking, Abtei­lungs­lei­te­rin Gesund­heit im GKV-Spit­zen­ver­band, und Dr. Nao­mi Fuji­ta-Roh­wer­der vom Insti­tut für Wirt­schaft­lich­keit und Qua­li­tät im Ge­sundheitswesen (IQWiG) stell­ten sich auf dem OST-Podi­um den Nach­fra­gen des Fach­pu­bli­kums.

Eben­so wur­den meh­re­re The­men­schwer­punk­te in Ko­operation mit füh­ren­den Fach­ge­sell­schaf­ten durch­ge­führt – die Gesell­schaft für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie(GFFC), die Deut­sche Asso­zia­ti­on für Fuß und und Sprung­ge­lenk (D.A.F.) und die Stu­di­en­ge­mein­schaft Ortho­pä­die­schuh­tech­nik Han­no­ver gestal­te­ten inter­dis­zi­pli­nä­re Sit­zun­gen zu Hohl­fuß, Zehen­de­for­mi­tä­ten und Evi­denz in der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung. Par­al­lel zum Vor­trags­pro­gramm boten 27 Semi­na­re die Gele­gen­heit, Fach­wis­sen in den Berei­chen Bio­me­cha­nik, Ana­ly­se­tech­ni­ken, Betriebs­füh­rung und Digi­ta­li­sie­rung in klei­nen Grup­pen zu ver­tie­fen. Work­shops zu Fas­zi­en­trai­ning, Spi­ral­dy­na­mik, funk­tio­nel­len Tests, myo­fas­zia­ler Trig­ger­punkt­the­ra­pie, Ver­kaufs­trai­ning und K‑Taping befass­ten sich kon­kret mit der Pra­xis.

Nach Anga­ben des Ver­an­stal­ters fan­den ins­ge­samt rund 4.500 Teil­neh­mer den Weg nach Köln. „Wir freu­en uns, dass sich alle rele­van­ten Anbie­ter der Ortho­pä­die­schuh­tech­nik-Bran­che auf unse­rer Mes­se mit solch ein­drucks­vol­len Stän­den prä­sen­tiert haben und dass unse­re Besu­cher der­art aktiv die Gele­gen­heit genutzt haben, sich bei ihnen über die neu­es­ten Ent­wick­lun­gen in der Ortho­pä­die­schuh­tech­nik zu infor­mie­ren“, freu­te sich Carl Otto Mau­rer, Geschäfts­füh­rer von C. Mau­rer Fach­me­di­en.

Die nächs­te „Ortho­pä­die Schuh Tech­nik“ in Köln ist auf den 22. und 23. Okto­ber 2021 ter­mi­niert.

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