Mobi­le Bewe­gungs­ana­ly­se dank Smart­pho­ne und Tablet

Ch. Roth
Die Welt ist in Bewegung. Die digitale Revolution hat sich positiv auf alle Kommunikationskanäle ausgewirkt. Einfach und effizient werden Daten ermittelt und gesammelt, auch im Bereich der Bewegungsanalyse. Auf dem Markt finden sich zahlreiche hochkomplexe und teure Analysesysteme und -verfahren, die meist weder von der Krankenkasse vergütet noch von ungeübten Benutzern verstanden werden. Damit die Kommunikation über Bewegung zwischen Ärzten, Physiotherapeuten und Patienten positiv verläuft, sollten Hard- und Software auch bei unregelmäßigem Gebrauch verständlich, effizient und treffsicher sein. Drei Apps – Hudl Technique, Coach’s Eye und SlowPro – erfüllen dank einheitlicher Anwendungen auf Smartphones und Tablets Kriterien für die einfache und effiziente Auswertung von Analysedaten.

Ein­lei­tung

Die heu­ti­ge Welt ist reich an Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln und ‑ver­fah­ren. In Sekun­den­schnel­le wer­den Bil­der und Gedan­ken aus­ge­tauscht und alles Mög­li­che ana­ly­siert und doku­men­tiert. So auch im Bereich der Bewe­gung: Auf dem Markt fin­det sich eine Fül­le von Ana­ly­se­sys­te­men und ‑ver­fah­ren. Aber wel­che Bedin­gun­gen soll­ten die­se erfül­len, damit eine rei­bungs­lo­se, kos­ten­ef­fi­zi­en­te und ziel­grup­pen­ge­rech­te Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Ärz­ten, Phy­sio­the­ra­peu­ten und Pati­en­ten stattfindet?

Anzei­ge

Hoch­kom­ple­xe, teu­re Ana­ly­se­sys­te­me und ‑ver­fah­ren lie­fern zwar exzel­len­te Daten, sind aber zeit­auf­wen­dig, und weder Inves­ti­ti­ons- noch Anwen­dungs­kos­ten wer­den von den Kran­ken­kas­sen über­nom­men. Für den All­tag wer­den daher eher ein­fa­che Ana­ly­se-Instru­men­te benö­tigt, die treff­si­che­re und ein­deu­ti­ge Resul­ta­te lie­fern und auch bei unre­gel­mä­ßi­gem Gebrauch ein­fach zu bedie­nen sind.

Seit eini­gen Mona­ten wer­den den Pati­en­ten und Kun­den des Unter­neh­mens des Autors deren Bewe­gun­gen und Sta­tik mit unter­schied­li­chen Apps auf ein­fa­che Wei­se ver­mit­telt. Der Fokus liegt auf Hudl Tech­ni­que, Coach’s Eye und Slo­Pro. Jede die­ser Apps unter­stützt die ein­fa­che Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Phy­sio­the­ra­peu­ten und Ärz­ten, da sowohl auf dem Smart­pho­ne als auch auf dem Tablet die­sel­ben Anwen­dun­gen instal­liert werden.

So kann jede Gang­ana­ly­se in Sekun­den­schnel­le den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­nern sowie den Kun­den direkt zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Die Apps stel­len für vie­le Fra­ge­stel­lun­gen der täg­li­chen Anwen­dung eine sehr ein­fa­che Ana­ly­se­form dar, die bei hoher Trans­pa­renz, mini­ma­lem zeit­li­chem Auf­wand und gerin­gen Inves­ti­ti­ons­kos­ten eine güns­ti­ge Alter­na­ti­ve zu auf­wen­di­gen appa­ra­ti­ven Sys­te­men bil­det. Je nach Anfor­de­rung wählt der Benut­zer sei­ne App nach Ober­flä­che oder Benut­zer­freund­lich­keit aus.

Was und wie soll ana­ly­siert werden?

Der Umgang mit Smart­pho­nes, Tablets und Apps ist für jün­ge­re Men­schen eine Selbst­ver­ständ­lich­keit und für die ande­ren bei inno­va­ti­ons­freund­li­cher Grund­hal­tung meist rasch erklärt und ein­fach erlernt.

Damit mit den Apps eine treff­si­che­re Ana­ly­se mög­lich wird, sind eini­ge tech­ni­sche und bio­me­cha­ni­sche Kri­te­ri­en zu beach­ten, die im Fol­gen­den auf­ge­zeigt werden.

Tech­ni­sche Kriterien

Bei der Objekt­er­fas­sung muss die eige­ne Kör­per­po­si­ti­on beach­tet wer­den, das heißt, dass für ver­glei­chen­de Ana­ly­sen alle Auf­nah­men mög­lichst in glei­cher Form, also je nach Fra­ge­stel­lung im Ste­hen oder in der Hocke auf­zu­neh­men sind.

Damit der Kame­ra­win­kel immer gleich bleibt, hilft es, Mar­kie­run­gen mit Malerkle­be­band auf dem Boden anzu­brin­gen, z. B. für Gang­li­ni­en, Distan­z­an­ga­ben, Kame­r­a­po­si­ti­on etc.

Der Kun­de soll­te kei­ne schwar­ze Klei­dung tra­gen, weil anschlie­ßend kei­ne sinn­vol­le Win­kel­aus­mes­sung auf dem Smart­pho­ne bzw. Tablet erfol­gen kann.

Der Film-Hin­ter­grund der Auf­nah­me muss beach­tet wer­den: Je neu­tra­ler, des­to bes­ser ist die spä­te­re Ori­en­tie­rung, beson­ders auf klei­nen Bild­schir­men (Abb. 1).

Bio­me­cha­ni­sche Kriterien

Die fol­gen­de Auf­lis­tung muss gege­be­nen­falls ana­ly­se­spe­zi­fisch indi­vi­du­ell ergänzt werden.

  1. Wie ste­hen die Füße zur Gang­ach­se? (außen­ro­tiert, neu­tral, innenrotiert)
  2. Auf­set­zen des Fer­sen­bei­nes (nach innen gekippt, neu­tral, nach außen gekippt)
  3. Ein­tauch­mo­men­te im Längs­ge­wöl­be (wie stark/symmetrisch links/rechts)
  4. „Spur“-Breite (breit, neu­tral, Absät­ze touchieren)
  5. Regel­mä­ßig­keit der Schritt­län­ge (Ist sie rhyth­misch [hör­bar], oder tritt ein Hin­ken auf?)
  6. Schritt­ab­wick­lung (läuft über Mit­tel­fuß und Vor­fuß oder nur Vorfuß)
  7. Schrittdämpfung/Bremsung (tritt hart auf dem Absatz auf, geht gedämpft über Absatz, Mit­tel- und Vorfuß)
  8. X- oder O‑Beine
  9. Körperneigung/Pendeln (nach vor­ne, nach hin­ten, zur Sei­te, symmetrisch)
  10. Arm­be­we­gung (sym­me­trisch, asym­me­trisch, verkrampft)
  11. Schul­ter­be­we­gung (Gegen­be­we­gung, starr)
  12. Kopf­hal­tung gegen­über Schul­ter (Lot­ab­wei­chun­gen) (Abb. 2)

Ver­ständ­li­che Auswertung

Ist die Auf­nah­me erstellt und vom Anwen­der ana­ly­siert, muss das Ergeb­nis dem Patienten/Kunden auf leicht ver­ständ­li­che Wei­se erläu­tert wer­den. Für eine sinn­vol­le Aus­wer­tung bzw. Argu­men­ta­ti­on sind fol­gen­de Fak­to­ren zu berücksichtigen:

  • Wer ist der Adres­sat, die Ziel­grup­pe? (Kunde/Arzt)
  • Wer­den die alters­ab­hän­gi­gen Gang- oder Bewe­gungs­spe­zi­fi­ka­tio­nen erklärt bzw. verstanden?
  • Gibt es eine ein­deu­ti­ge Fra­ge­stel­lung hin­sicht­lich des Problems?
  • Ist die manu­el­le Pati­en­ten­ana­mne­se (Win­kel­prü­fun­gen, Mus­kel­sta­tus­test etc.) im Kon­text mit der appa­ra­ti­ven Analyse?
  • Kann der Kun­de die sport­spe­zi­fisch bekann­te Para­me­tri­sie­rung nach­voll­zie­hen? Erkennt er in Form eines Spie­gel­ef­fekts sei­ne Bewe­gun­gen gegen­über dem mög­li­chen Optimum?
  • Ist die Ana­ly­se für alle Betei­lig­ten wirk­lich ver­ständ­lich, berück­sich­ti­gen alle die glei­chen Kriterien?

Lern­pro­zess mit Apps: metho­di­scher und didak­ti­scher Wert

Die Anwen­dung einer App in der Bewe­gungs­ana­ly­se för­dert das gefahr­lo­se und ent­spann­te Aus­pro­bie­ren. Schon eine Kaf­fee­pau­se eig­net sich, um Ergeb­nis­se noch­mals zu prü­fen, das Hand­ling zu üben oder Ver­bes­se­run­gen nachzugehen.

Grund­sätz­lich nimmt es Zeit in Anspruch, etwas Neu­es zu ler­nen. Seit der Ein­füh­rung von Apps wur­de der Auf­wand für das Lesen und Ver­ste­hen von Gebrauchs­an­wei­sun­gen prak­tisch auf null redu­ziert und das blitz­schnel­le Begrei­fen mar­kant geför­dert. Dabei unter­stüt­zen Tuto­ri­als und Foren die Pro­blem­lö­sung und tra­gen viel zur Inspi­ra­ti­on im Lern­pro­zess bei.

Lern­pro­zess mit Apps

Die Aus­wahl der App erfolgt nach per­sön­li­chen Bedürf­nis­sen. Jede App hat enda­zu für den Lern­ein­stieg eine Vor­schau und bie­tet teil­wei­se Kom­men­ta­re von Anwen­dern, wel­che die Aus­wahl begren­zen und unter­stüt­zen; Bewer­tun­gen erfol­gen durch User.

Der App-Ein­stieg soll­te duch eine geziel­te Pro­gramm­füh­rung statt­fin­den und qua­li­fi­ziert eine App als taug­lich oder untaug­lich anspre­chend oder weni­ger ansprechend.

Dank der vie­len Bei­spie­le in Tuto­ri­als und in Foren lernt der user, Ana­ly­se­pro­zes­se zu kopie­ren, oder fin­det sogar einen ver­bes­ser­ten Ein­satz. In der Lern­me­tho­dik spricht man dabei vom ANi­ma­ti­ons­pro­zess, der zum Aus­pro­bie­ren, Wei­ter­ent­wi­ckeln und Mit­ge­stal­ten bei­trägt und somit den per­sön­li­chen Wis­sens­fun­dus auf spie­le­ri­sche Wei­se ergänzt.

Prak­ti­scher Wert von Apps

  • preis­güns­tig oder sor­gar kos­ten­los (Basis­ver­si­on)
  • geeig­net für gegen­sei­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on, da ver­schie­dens­te Anwen­der betei­ligt wer­den können
  • ein­fa­cher Daten­trans­fer an Kun­den, Ärz­te und Therapeuten
  • schnell und mehr­mals abrufbar
  • geeig­ne­tes Medi­um auch zur Refle­xi­on sel­te­ner Lern­se­quen­zen (für Lernende)
  • per­so­na­li­sier­te Ana­ly­sen und Tipps: Anzieh­hand­ling für Pro­the­sen und Orthe­sen, rasche Demons­tra­ti­on von Übun­gen für den Pati­en­ten, der die­se evtl. auf sei­nem Smart­pho­ne abspei­chern kann, indi­vi­dua­li­sier­te Gebrauchsanweisungen

Ver­gleich von Apps mit Highspeed-Kameras

Der­zeit unter­schei­det sich die Bild­qua­li­tät von High­speed-Kame­ras und Smart­pho­ne-Kame­ras noch deut­lich. Für die meis­ten Fra­ge­stel­lun­gen des All­tags ist die Auf­lö­sung moder­ner Smart­pho­ne-Kame­ras zwar völ­lig aus­rei­chend. Den­noch wer­den die Unter­schie­de im Fol­gen­den kurz aufgeführt:

High­speed-Kame­ras

  1. High­speed-Kame­ras mit 1.800 Bildern/Sekunde und 5 Mega­pi­xeln kos­ten rund 900 Euro.
  2. Sie gene­rie­ren hohe Daten­men­gen, die durch hoch getak­te­te Kame­ras noch deut­lich ver­grö­ßert werden.
  3. Opti­ma­le Bild­qua­li­tät wird nur durch Beleuch­tung mit Kalt­licht­strah­lern erreicht. Dadurch ergibt sich eine gleich­mä­ßi­ge und schat­ten­freie Aus­leuch­tung des Analysebereichs.
  4. Damit ein­her gehen auf­wen­di­ge Posi­tio­nie­rung, begrenz­te Mobi­li­tät und meist hoher Installationsaufwand.
  5. Hin­zu kom­men teu­re Soft- und Hardware-Updates.

Smart­pho­nes mit App-Technik

  • Daten­men­gen kön­nen ein­fach via Cloud gespei­chert werden
  • über­all instal­lier­bar ohne auf­wen­di­ge Zusatz­hilfs­mit­tel oder Lichtquellen
  • schnel­le Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Ärz­ten, The­ra­peu­ten und Kunden
  • Anschaf­fungs- und App-Kos­ten sehr gering
  • dau­er­haf­te Gewähr­leis­tung von Updates
  • Mit­ent­wick­lung und Bewer­tung der Apps durch User, dadurch Gewähr­leis­tung per­ma­nen­ter Aktualität
  • Bild­auf­lö­sung abhän­gig von der Kame­raqua­li­tät des Smart­pho­nes bzw. Tablets

Wahl der App

Im Unter­neh­men des Ver­fas­sers wer­den Apps aus dem Foto‑, Video- und Sport­be­reich ver­wen­det, die bereits in ein­schlä­gi­gen PC- bzw. Mac-Maga­zi­nen aus­führ­lich getes­tet wur­den. Die unten vor­ge­stell­ten Apps sind meist in der Basis-Ver­si­on kos­ten­los und nur in der Pro-Ver­si­on kos­ten­pflich­tig. Für das Ein­zeich­nen und Ver­mes­sen von Win­keln bei­spiels­wei­se muss die Pro-Ver­si­on instal­liert wer­den, die zwi­schen 10 und 15 Euro kostet.

Emp­feh­lens­wer­te Apps für die Betriebs­sys­te­me Android und iOS sind:

  • Coach’s Eye
  • Hudl Tech­ni­que
  • Slo­Pro

Alle drei Apps haben den Vor­teil, dass zwei Auf­nah­men syn­chro­ni­siert und gleich­zei­tig auf dem Smart­phone dar­ge­stellt wer­den kön­nen (dua­le Bild­dar­stel­lung). Somit kön­nen Ver­sor­gun­gen ver­gli­chen und Sequen­zen ver­lang­samt oder gar im Stand­bild betrach­tet wer­den, sodass auch der Laie nach­voll­zie­hen kann, wie sich bei­spiels­wei­se das Gang­bild mit oder ohne Hilfs­mit­tel dar­stellt (Tab. 1).

Fazit

Für den All­tags­ge­brauch ist teu­re hoch­mo­der­ne Tech­no­lo­gie häu­fig wenig nütz­lich, wenn dem Kun­den die Ergeb­nis­se nicht ver­ständ­lich ver­mit­telt wer­den kön­nen, sofern zur Beur­tei­lung der Daten eine ent­spre­chen­de Vor­bil­dung erfor­der­lich ist. Bis­wei­len führt High­tech sogar dazu, dass nicht mehr der Anwen­der, son­dern der Com­pu­ter vor­gibt, wel­che Para­me­ter ana­ly­siert wer­den. Vor allem aber sind auf­wen­di­ge Ana­ly­sen zeit­in­ten­siv und daher oft sowohl für den Mit­ar­bei­ter als auch für den Kun­den unattraktiv.

Smart­pho­nes, Tablets und Apps sind zeit­ge­mä­ße Lösun­gen. Sie fin­den Platz in der Tasche oder sogar Hosen­ta­sche, wer­den auto­ma­tisch aktua­li­siert bzw. wei­ter­ent­wi­ckelt, sind nahe­zu über­all ein­satz­be­reit, und das alles bei erfreu­lich nied­ri­gen Einstandskosten.

Der Autor:
Chris­ti­an Roth
Eidg. dipl. Ortho­pä­dist CPO – FA-Ausbilder
Roth4foot GmbH
Post­stra­ße 3
CH-9100 Heri­s­au
roth@roth4foot.ch

Begut­ach­te­ter Beitrag/reviewed paper

Zita­ti­on
Roth Ch. Mobi­le Bewe­gungs­ana­ly­se dank Smart­pho­ne und Tablet. Ortho­pä­die Tech­nik, 2015; 66 (12): 46–49
 Coach’s EyeUber­sen­se (Hudl)Slo­Pro
Betriebs­sys­temiOS und AndroidiOS und AndroidiOS und Android
Spra­cheEnglisch/DeutschEnglisch/DeutschEnglisch/Deutsch
Home­page des Herstellerscoachseye.comubersense.comsloproapp.com
Auf­nah­me direkt aus der App
jajaja
Video­im­portjajaja
Slow-Moti­on-Wie­der­ga­be1/2, 1/4, 1/81/2, 1/4, 1/8slow, slower, slo­west, fast, fas­ter, fastest
Zoom­funk­ti­onjajaja
Win­kel­mes­sunggegen Auf­preisjagegen Auf­preis
Dua­les Bild, Video neben Video
Basis­ver­si­on: neinjaBasis­ver­si­on: nein
Video-Syn­chro­ni­­sie­rungjajaja
Vide­os in Auf­nah­me­ord­ner speichernjajaja
Vide­os per Mail sendenBasis­ver­si­on: neinjaBasis­ver­si­on: nein
Tab. 1 Alle drei Apps sind pra­xis­taug­lich. Indi­vi­du­el­len Prä­fe­ren­zen bezüg­lich Dar­stel­lung und Bedie­nungs­füh­rung kann somit nach­ge­gan­gen wer­den. Alle drei Apps wer­den auf den Home­pages der Her­stel­ler mi pra­xis­bei­spie­len aus dem Sport erläutert.

 

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