Meis­ter­fei­er: BUFA ver­gibt die 100

Eine Abschlussfeier per Videokonferenz veranstalten – kann das funktionieren? Die Bundesfachschule für Orthopädie-Technik (BUFA) trat Ende Februar den Nachweis an, dass dies mit einer guten Organisation und dem Gespür für besondere Momente in virtuell gelöster Atmosphäre durchaus von Erfolg gekrönt sein kann.

Nach 13 Mona­ten Aus­bil­dung nah­men ins­ge­samt 28 Absolvent:innen auf digi­ta­lem Wege ihren Meis­ter­brief ent­ge­gen. „Uns war die­ser Ter­min sehr wich­tig“, bekräf­tig­te BUFA-Schul­lei­ter Ste­fan Bie­rin­ger gleich zu Beginn der unge­wöhn­li­chen Ver­an­stal­tung, die auf­grund der gel­ten­den Abstands­re­geln nicht in Prä­senz statt­fin­den konn­te. Statt­des­sen ver­sam­mel­ten sich die Jung-Meister:innen, zum Teil im Krei­se ihrer Fami­li­en, die Leh­rer­schaft der BUFA und wei­te­re Ver­tre­ter aus dem Hand­werk vor den Bild­schir­men, um unter wid­ri­gen Bedin­gun­gen die­sen Abschluss den­noch zu etwas Beson­de­rem zu machen.

Alf Reu­ter, Prä­si­dent des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT), zoll­te dem Jahr­gang 2020/21 sei­nen beson­de­ren Respekt: „Sie haben in die­ser Zeit Ihren Meis­ter gemacht. Davor zie­he ich mei­nen Hut. Auch gegen­über Ste­fan Bie­rin­ger und sei­nem Team.“ An den frisch gekür­ten Nach­wuchs gewandt ergänz­te Reu­ter: „Hal­ten Sie Kon­takt! Holen Sie die Par­ty nach!“ Erst­mal in sei­ner Funk­ti­on als Vor­sit­zen­der des BUFA e. V. nahm Lars Grun an der Meis­ter­fei­er teil, der in sei­nem Gast­bei­trag die Ehr­lich­keit und Offen­heit des Hand­werks her­vor­hob: „Es zählt nicht, woher man kommt, son­dern wer man ist.“

Anspruch: das Unmög­li­che mög­lich machen

Ingo Pfef­fer­korn, Prä­si­dent der Fort­bil­dungs­ver­ei­ni­gung für Ortho­pä­die-Tech­nik e. V. (FOT), stell­te eben­falls die Leis­tung her­aus, gera­de in die­ser Zeit einen Meis­ter­ab­schluss zu rea­li­sie­ren: „Die Coro­na-beding­ten Zustän­de haben Sie für die Zukunft gestärkt.“  Den tra­di­tio­nel­len Fest­vor­trag der Fei­er­stun­de hielt 2021 Gerd Klinz. Der Geschäfts­füh­rer des Sani­täts­haus Klinz in Bern­burg wur­de von Ste­fan Bie­rin­ger als Ortho­pä­die­tech­ni­ker vor­ge­stellt, „der die Digi­ta­li­sie­rung und das Hand­werk lebt“. So ver­sah Klinz sei­nen Bei­trag, der sich mit den Inno­va­ti­ons­schü­ben der Bran­che von 1946 bis in die Gegen­wart beschäf­tig­te, auch mit der Über­schrift „Ortho­pä­die-Tech­nik und Digi­ta­li­sie­rung – Umbruch oder Wei­ter­ent­wick­lung?“. Im Zuge des­sen warb der Fest­red­ner an die Absolvent:innen gerich­tet auch um die Bewah­rung eines offe­nen Geists, der vor den Her­aus­for­de­run­gen der Ver­sor­gungs­land­schaft nicht zurück­schreckt. Das ver­meint­lich Unmög­li­che mög­lich machen, „soll­te eure Ziel­set­zung sein“, so Klinz.

In eine ähn­li­che Ker­be schlug Dr. med. Ulrich Haf­ke­mey­er, Vor­sit­zen­der des Prü­fungs­aus­schus­ses an der Hand­werks­kam­mer Dort­mund, mit sei­nem Appell, Eigen­in­itia­ti­ve zu zei­gen und auch mit dem Meis­ter­brief in der Tasche das eige­ne Wis­sen ste­tig zu ver­grö­ßern. Eben­so sei Empa­thie für den Pati­en­ten von zen­tra­ler Bedeu­tung für den Ver­sor­gungs­er­folg. Als Stif­ter der Ehren­prei­se für die Jahr­gangs­bes­te und das bes­te Meis­ter­stück mach­te sich in die­sem Jahr der Geschäfts­füh­rer der Jütt­ner Ortho­pä­die und BIV-OT-Ehren­prä­si­dent Frank Jütt­ner ver­dient, der sich schmun­zelnd noch gut an sei­ne eige­ne Meis­ter­prü­fung im Jah­re 1974 in Ber­lin erin­nern konn­te: „Da war ich schon ein biss­chen aufgeregt.“

Ihre Über­ra­schung und Freu­de, als Jahr­gangs­bes­te mit einem Preis­geld von 1000 € aus­ge­zeich­net zu wer­den, konn­te und woll­te Lore­na Klin­ge­biel nicht ver­heh­len und ver­goss rüh­rend das ein oder ande­re Trän­chen. Bei der Ver­lei­hung des mit 500 € dotier­ten Health­ca­re Engi­nee­ring Award des bes­ten Meis­ter­stücks führ­te kein Weg an Mar­vin Lamers vor­bei, der vom Prü­fungs­aus­schuss die Höchst­punkt­zahl von 100 Punk­ten ver­lie­hen bekam.

Aber nicht nur den Bes­ten des BUFA-Jahr­gangs wur­de in der Video­kon­fe­renz eine Büh­ne gege­ben, son­dern allen Absolvent:innen. Mit Auf­ruf der jewei­li­gen Namen hob die Tech­nik alle Jung-Meister:innen ein­zeln in den Bild­schirm­vor­der­grund, was für eine ganz beson­de­re und mit­füh­len­de Atmo­sphä­re und Stim­mung unter allen Anwe­sen­den sorgte.

Jahr­gang 2020/21 blickt auf Aus­bil­dung zurück

Der Abschluss der Fei­er­stun­de gehör­te tra­di­tio­nell den nun ehe­ma­li­gen Schüler:innen. Als stell­ver­tre­ten­de Klas­sen­spre­che­rin blick­te Lore­na Klin­ge­biel im Namen ihrer Mitstreiter:innen auf „eine neue Woh­nung in der gro­ßen Stadt“ zurück, schil­der­te ihre Moti­ve für die Aus­bil­dung und beton­te, neue Freun­de gefun­den zu haben. Zwei Video-Col­la­gen doku­men­tier­ten das Aus­bil­dungs­jahr und erin­ner­ten die Akteu­re an vie­le spe­zi­el­le Momen­te im und abseits des Unter­richts. Mit welch gro­ßem Stolz die Absolvent:innen fort­an ihren neu­en Titel tra­gen wer­den, bezeug­te indes eine klei­ne Ges­te, als dem eige­nen Namen im Video­chat-Fens­ter sogleich ein „Meis­ter“ vor­an­ge­stellt wur­de. Ver­dient ist verdient.

Micha­el Blatt

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