Lymphologie im Fokus

Bereits zum dritten Mal trafen sich internationale Expertinnen und Experten in Hinterzarten, um dort an den Földiklinik-Tagen teilzunehmen. 400 Teilnehmer aus 26 Nationen waren angereist, um tief in die Versorgung von heute und morgen im Bereich der Lymphologie einzutauchen.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) und ihren vielfältigen Einsatzgebieten. Dr. med. Hans-Walter Fiedler stellte die zentrale Rolle der KPE in der Behandlung venöser Ulzera heraus und betonte den Zusammenhang mit phlebolymphostatischer Insuffizienz. Sein Ansatz verdeutlichte, dass die konsequente Ödemtherapie eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Ulcusbehandlung darstellt. Dr. med. Simon Classen beleuchtete die besonderen Herausforderungen der Ödemdiagnostik und ‑therapie bei Diabetes mellitus und benannte bestehende Defizite in der klinischen Praxis, insbesondere im Hinblick auf Anamnese und körperliche Untersuchung.
Vertiefende Einblicke in die Manuelle Lymphdrainage (MLD) gab Guenter Klose, der gemeinsam mit Dr. Tobias Bertsch die wissenschaftliche Leitung der Veranstaltung inne hatte. Er hob die Bedeutung einer individuell angepassten Behandlung hervor und betonte, dass insbesondere bei fibrotischem Gewebe ein gezielter, differenzierter Druckeinsatz entscheidend für den Therapieerfolg sein kann. Thomas Zähringer zeigte ergänzend die Möglichkeiten der intermittierenden pneumatischen Kompression (IPK) auf, die individuell angepasst im häuslichen Umfeld die Selbstständigkeit der Betroffenen fördern könne. Konstantinos P. Asmatzis richtete den Blick auf die Versorgungssituation in Griechenland und zeigte mit der von ihm gegründeten Initiative APLESO, wie ehrenamtliche Zusammenarbeit strukturelle Versorgungslücken nachhaltig verbessern kann.
Ein weiterer Themenblock widmete sich dem Lipödem und dessen differenzierter Betrachtung. Dr. Melanie Thomas plädierte für die Verwendung des Begriffs „Lipalgia“, um den Schmerzcharakter der Erkrankung stärker hervorzuheben und Missverständnisse in der Therapie zu reduzieren. Gabriele Erbacher und Dr. Bertsch beschrieben den komplexen Behandlungsbedarf vieler Patientinnen und betonten die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Therapieansatzes, der körperliche und psychische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt, insbesondere vor dem Hintergrund psychischer Belastung und hoher Adipositasraten.
Die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit in der Lymphödemtherapie stand im Mittelpunkt des abschließenden Themenblocks. Dr. Michael Oberlin, Prof. Claus C. Pieper und Prof. Christian Taeger verdeutlichten anhand klinischer Fallbeispiele den Stellenwert moderner Bildgebung für fundierte Therapieentscheidungen. Sie zeigten auf, wie wichtig es sei, konservative und operative Therapieverfahren nicht isoliert, sondern komplementär zu betrachten und individuell auf die Patientensituation abzustimmen.
Einen wissenschaftlichen Impuls setzte Dhruv Singhal, der die Bedeutung der Darstellung der lymphatischen Anatomie hervorhob. Seine Ausführungen machten deutlich, dass individuelle anatomische Variationen eine entscheidende Rolle für die Entstehung eines Lymphödems spielen könnten und damit neue Ansätze für Prävention und personalisierte Therapie ermöglichten. Ergänzend hob Christoffer V. S. Nissen die Bedeutung von Ausdauer und Konsequenz in der Kompressionstherapie hervor. Anhand eines eindrucksvollen Fallbeispiels eines ausgeprägten Lymphödems zeigte er, dass auch bei schweren Verläufen durch eine konsequent und langfristig durchgeführte Kompressionstherapie bemerkenswerte Behandlungserfolge erzielt werden könnten.
Die nächsten Internationalen Földiklinik-Tage finden am 19. und 20. Mai 2028 statt.
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