DKOU-Talk: Ver­trau­en in den Orthopädietechniker

Weitspringer Markus Rehm und Sprinter Johannes Floors gehören seit Jahren zu den Aushängeschildern des Para-Sports. Dass die beiden Athleten aber auch abseits der Tartanbahn zu glänzen wissen, unterstrich das Duo beim Podiumsgespräch im Rahmen des DKOU-Kongresses 2021 in Berlin.

Offen und authen­tisch berich­te­ten Rehm und Floo­rs im Talk mit Kon­gressprä­si­dent Univ.-Prof. Dr. Chris­ti­an Wirtz von der schwie­ri­gen Erfah­rung, als Jugend­li­cher aus jeweils ver­schie­de­nen Grün­den mit einer Bein­am­pu­ta­ti­on zurecht­zu­kom­men. Mar­kus Rehm schil­der­te dabei ein­drück­lich, wie ihm ein empa­thi­scher Ortho­pä­die­tech­ni­ker gleich zu Beginn der Ver­sor­gung die Mög­lich­kei­ten einer Pro­the­se doku­men­tier­te. Ähn­lich erging es Floo­rs: „Ich hat­te da viel­leicht ein nai­ves Grund­ver­trau­en, einen Ortho­pä­die­tech­ni­ker zu fin­den, der mir eine Pro­the­se baut und das Gan­ze schon irgend­wie funk­tio­niert. Und es hat auch funk­tio­niert!“ Regel­mä­ßig schau­te er im Sani­täts­haus sei­nes Ver­trau­ens vor­bei, um neue Ideen umzusetzen.

Dar­über hin­aus fass­ten bei­de letzt­lich den Ent­schluss, selbst das Ortho­pä­die­tech­nik-Hand­werk zu erler­nen und par­al­lel dazu Spit­zen­sport zu betrei­ben. „Die olym­pi­schen Sport­ler wech­seln ihre Schu­he und wir unse­re Bei­ne – der Rest ist gleich“, kom­men­tier­te Mar­kus Rehm den Unter­schied zwi­schen den Athlet:innen und bei der Nach­fra­ge nach der Anzahl sei­ner „Bei­ne“ erklär­te er schmun­zelnd: „Ich habe bestimmt 25 Pro­the­sen im Kel­ler – da sieht es aus wie in Fran­ken­steins Werk­statt.“ Nach­denk­lich wur­de er im Lau­fe des Gesprächs in Ber­lin dage­gen bei der Nut­zung des Begriffs „Behin­de­rung“. Ins­be­son­de­re ein Begriff wie „Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis“ sei außer­or­dent­lich nega­tiv behaf­tet. Er selbst spre­che lie­ber von „Beson­der­hei­ten“. Der sport­li­che Fokus von Johan­nes Floo­rs und Mar­kus Rehm ist der­weil auf 2024 gerich­tet, wenn bei­de heiß sind auf neu­es Edel­me­tall bei den Paralym­pi­schen Spie­len in Paris.

 

Michael Blatt
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