Digitalisierung

eVO HKP: Vor­bild für Hilfsmittel

Elektronische Hilfsmittelverordnung: Warum die häusliche Krankenpflege als Vorbild dient und welche Erfahrungen sich auf die Orthopädie-Technik übertragen lassen.

Die ambu­lan­te Kran­ken­pfle­ge ist Vor­rei­ter bei der elek­tro­ni­schen Ver­ord­nung (eVO) für die Gesund­heits­be­ru­fe, also die soge­nann­ten „Sons­ti­gen Leis­tungs­er­brin­ger“. Ende 2025 ver­öf­fent­li­che die Gema­tik GmbH – Natio­na­le Agen­tur für Digi­ta­le Medi­zin – das Fach­kon­zept Häus­li­che Kran­ken­pfle­ge (HKP) und aktu­ell läuft auf die­ser Basis die Fina­li­sie­rung der tech­ni­schen Kon­zep­ti­on der eVO HKP (ersetzt Mus­ter 12). Damit wird erst­mals ein kom­ple­xer Ver­sor­gungs­pro­zess inner­halb der Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur (TI) voll­stän­dig digi­tal abge­bil­det, und zwar von der ärzt­li­chen Ver­ord­nung über die Geneh­mi­gung bis zum Leis­tungs­nach­weis und zur Abrechnung.

Aller­dings mit ziem­li­cher Ver­spä­tung, denn der Start für die flä­chen­de­cken­de eVO-Pflicht in der Pfle­ge hat sich um Jah­re ver­zö­gert: Ursprüng­lich 2024 geplant, kam es bereits mehr­fach zu Ver­schie­bun­gen und wird nun vor­aus­sicht­lich erst 2027 oder sogar 2028 soweit sein. Ähn­lich ver­hält es sich bei der voll­elek­tro­ni­schen Abrech­nung in der Pfle­ge: Die kommt nicht wie vor­ge­se­hen Ende 2026, son­dern ver­mut­lich erst im Okto­ber 2027. Sol­che Auf­schü­be sind ein fort­wäh­ren­des Pro­blem, das bereits von ande­ren Digi­ta­li­sie­rungs­vor­ha­ben im deut­schen Gesund­heits­we­sen wie dem eRe­zept (Ver­zö­ge­rung etwa zwei Jah­re), der elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­ak­te (ePA) für alle (Ver­zö­ge­rung etwa vier Jah­re) und nicht zuletzt der elek­tro­ni­schen Hilfs­mit­tel­ver­ord­nung (Start unge­wiss) bekannt ist.

Trotz­dem mar­kie­ren das Fach­kon­zept HKP und die dar­aus fol­gen­de eVO HKP einen Mei­len­stein bei der Digi­ta­li­sie­rung im deut­schen Gesund­heits­we­sen. Die Prot­ago­nis­ten des eVO-­Pi­lot­pro­jekts für ortho­pä­di­sche Hilfs­mit­tel unter Feder­füh­rung des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) schau­en des­halb beson­ders inter­es­siert auf die Pfle­ge: Die eVO HKP gilt als Blau­pau­se für wei­te­re Ver­sor­gungs­be­rei­che wie zum Bei­spiel die Orthopädie-Technik.

Wel­che Leh­ren die Ortho­pä­die-­Tech­nik schon heu­te dar­aus zie­hen kann und war­um die eVO HKP tat­säch­lich als Blau­pau­se für die elek­tro­ni­sche Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung gilt, erläu­tert ­Andre­as Fischer, Vor­stand des Ver­ban­des für digi­ta­le Stan­dards in der Pfle­ge e. V. (VdSP), im Gespräch mit der OT.

Herr Fischer, wie wür­den Sie gegen­wär­tig das „digi­ta­le Mind­set“ in der häus­li­chen Kran­ken­pfle­ge beschreiben?

Andre­as Fischer: Aus­ge­spro­chen gut. Die Pfle­ge steht der Digi­ta­li­sie­rung auf­ge­schlos­se­ner gegen­über als so manch ande­re Berufs­grup­pe im deut­schen Gesund­heits­we­sen. Das hängt auch damit zusam­men, dass Pfle­ge­kräf­te sehr nah an den Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten arbei­ten und dabei mit vie­len unter­schied­li­chen Gesund­heits­be­ru­fen koope­rie­ren müssen.

Was erhofft sich die Pfle­ge von der Digitalisierung?

Die Pfle­ge­kräf­te ver­spre­chen sich von der Digi­ta­li­sie­rung vor allem einen bes­se­ren, schnel­le­ren inter­dis­zi­pli­nä­ren und inter­pro­fes­sio­nel­len Informa­tionsaustausch, zum Bei­spiel über die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­te KIM (Kom­mu­ni­ka­ti­on im Medi­zin­we­sen, ein siche­rer E‑Maildienst) oder den Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur-Mes­sen­ger TIM. Das wird die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Pfle­ge­diens­ten und Arzt­praxen erheb­lich erleich­tern, vie­le Tele­fo­na­te, Faxe und Fahr­ki­lo­me­ter ein­spa­ren. Ein wei­te­rer wich­ti­ger Bau­stein ist die ePA, denn sie macht die rele­van­ten Infor­ma­tio­nen dort ver­füg­bar, wo sie für die Ver­sor­gung benö­tigt wer­den – direkt beim Pati­en­ten. Der Zugriff auf die ePA wird wesent­lich sein, des­halb soll­ten die Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger ihn eben­falls bekom­men. Das Kri­te­ri­um soll­te nicht die Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten Berufs­grup­pe sein, son­dern die Ent­schei­dung der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten dar­über, wer ihre Daten für eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Ver­sor­gung nut­zen darf. Gesund­heits­ver­sor­gung funk­tio­niert heu­te inter­pro­fes­sio­nell. Des­halb soll­ten alle betei­lig­ten Berufs­grup­pen berück­sich­tigt wer­den, was sich in gleich­be­rech­tig­ten Zugriffs­rech­ten wider­spie­gelt. Die Digi­ta­li­sie­rung ent­fal­tet ihren größ­ten Nut­zen dort, wo Infor­ma­tio­nen sektorenüber­greifend ver­füg­bar wer­den und Daten flie­ßen kön­nen. Das ver­langt nicht zuletzt die Ver­ord­nung zum Euro­päischen Gesund­heits­da­ten­raum (Euro­pean Health Data Space, EHDS) der Euro­päi­schen Union.

Die Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger kön­nen von den eVO-Ver­schie­bun­gen ein Lied sin­gen. Jetzt wur­de auch die Ein­füh­rung der eVO HKP wie­der ver­scho­ben, von Okto­ber 2026 auf 2027. Viel­leicht kommt sie sogar noch spä­ter. Wor­an lie­gen die­se Verzögerungen?

Der Zeit­plan wur­de inzwi­schen auf 2027 ver­scho­ben. Ver­mut­lich, weil zunächst die tech­ni­sche Kon­zep­ti­on abge­schlos­sen und der Betrei­ber bestimmt wer­den muss. Um alle Pfle­ge­diens­te eVO-rea­dy zu bekom­men, braucht es zudem noch Zeit. Unser Ver­band wird des­halb auf dem Deut­schen Pfle­ge­tag am 12. und 13.  Novem­ber 2026 in Ber­lin gemein­sam mit dem Deut­schen Pfle­ge­rat den Zukunfts­gip­fel digi­ta­le Pfle­ge ver­an­stal­ten. Die Pfle­ge­diens­te kön­nen dort zum Bei­spiel ihren elek­tro­ni­schen Heil­be­rufs­aus­weis (eHBA) bean­tra­gen und ihre KIM-­Adres­se direkt mit­neh­men. Bereits bestehen­de Anträ­ge kön­nen beschleu­nigt bear­bei­tet wer­den, Ver­tre­ter des elek­tro­ni­schen Gesund­heits­be­ru­fe­re­gis­ters (eGBR) und der Bun­des­dru­cke­rei wer­den vor Ort sein. Außer­dem wird über die Umstel­lung auf den TI-Gate­way, die rein soft­ware­ba­sier­te Zugangs­in­fra­struk­tur zur TI, infor­miert – und wel­che grund­legenden Aus­wir­kun­gen das auf den Insti­tu­tio­nen­aus­weis SMC‑B haben wird. Genau­so wie die Hard­ware-Ein­box­kon­nek­to­ren ab 2030 ver­schwin­den wer­den, gilt dies Schritt für Schritt auch für die phy­sisch vor­han­de­nen Plas­tik­kar­ten. Ein Vor­teil für die hoch­mo­bi­le ambu­lan­te Pflege!

Euro­päi­scher Gesund­heits­da­ten­raum (EHDS): Ver­netz­te Ver­sor­gung in der EU
Mit dem Euro­päi­schen Gesund­heits­da­ten­raum (Euro­pean Health Data Space – EHDS) hat die Euro­päi­sche Uni­on einen Rechts­rah­men für den ­siche­ren Aus­tausch von Gesund­heits­da­ten geschaf­fen. Damit sol­len ­medi­zi­ni­sche Infor­ma­tio­nen in Zukunft grenz­über­schrei­tend ver­füg­bar sein sowie für die Ver­sor­gung und eben­so für die For­schung und Ent­wick­lung genutzt wer­den kön­nen. Die Basis sind inter­ope­ra­ble Daten, einheit­liche Stan­dards und siche­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge. Die Ent­schei­dung über ­Nut­zung und Wei­ter­ga­be der Daten wird von den Pati­en­tin­nen und ­Pati­en­ten getrof­fen. Die EHDS-Ver­ord­nung ist am 26. März 2025 in Kraft getre­ten. Die Umset­zung erfolgt stu­fen­wei­se bis 2035. 

 

Wel­che Ver­än­de­run­gen wer­den TI und eVO für die häus­li­che Kran­ken­pfle­ge mit sich bringen?

Der größ­te Mehr­wert liegt in deut­lich schlan­ke­ren Pro­zes­sen. Das betrifft beson­ders das Ver­ord­nungs­ma­nage­ment. Künf­tig kön­nen Infor­ma­tio­nen sicher über KIM und TIM aus­ge­tauscht sowie Fol­ge­ver­ord­nun­gen digi­tal bear­bei­tet wer­den. Vie­le Wege, die aktu­ell noch not­wen­dig sind, ent­fal­len voll­stän­dig. Heu­te fah­ren Pfle­ge­kräf­te teil­wei­se noch mit den Ver­si­cher­ten­kar­ten ihrer Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten durch gan­ze Regio­nen, um Rezep­te zu orga­ni­sie­ren. Die­se Abläu­fe las­sen sich in Zukunft kom­plett digi­tal abbil­den. Medi­en­brü­che wer­den ver­mie­den. Gleich­zei­tig sor­gen struk­tu­rier­te Daten für weni­ger Fehlerquellen.

Ist Digi­ta­li­sie­rung damit auto­ma­tisch ein Gewinn?

Digi­ta­li­sie­rung darf kein Selbst­zweck sein. Das heißt, schlech­te Pro­zes­se wer­den durch Digi­ta­li­sie­rung nicht bes­ser. Die Chan­ce besteht aber dar­in, Pro­zes­se grund­sätz­lich zu hin­ter­fra­gen und intel­li­gen­ter als bis­her zu orga­ni­sie­ren. Bis­her ist alles nicht so opti­mal gelau­fen, wie wir uns das gewünscht hätten.

Was bedeu­tet das?

Beim Roll-out der TI wur­de der Feh­ler gemacht, sie sek­to­ren­wei­se ein­zu­füh­ren und nicht alle Gesund­heits­be­ru­fe glei­cher­ma­ßen zu berück­sich­ti­gen. Also Ärz­te und Apo­the­ker zuerst, wäh­rend ande­re Berufs­grup­pen noch nicht ange­schlos­sen sind. Es wur­de nicht inter­pro­fes­sio­nell gedacht. Aber tra­di­tio­nel­le Hier­ar­chien hel­fen in einer digi­ta­len Ver­sor­gungs­welt nicht wei­ter. Hin­zu kommt, dass der allei­ni­ge Anschluss an die TI noch kei­nen unmit­tel­ba­ren Nut­zen schafft. Er ist ledig­lich die Vor­aus­set­zung, dass digi­ta­le Anwen­dun­gen über­haupt ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Der eigent­li­che Mehr­wert ent­steht erst durch die dar­auf auf­bau­en­den Pro­zes­se und Anwen­dun­gen – und die sind noch begrenzt. Aber es hilft wenig, über die Ver­gan­gen­heit zu jam­mern. Die Infra­struk­tur ent­steht jetzt. Wer jetzt aktiv wird, kann von den kom­men­den Ent­wick­lun­gen schnel­ler profitieren.

Um die Ver­än­de­run­gen genau­er zu ver­ste­hen, die mit der eVO HKP und der Digi­ta­li­sie­rung für die ambu­lan­te Pfle­ge ver­bun­den sind: Bit­te erklä­ren Sie dies an einem Beispiel.

Die Leis­tungs­nach­wei­se als Basis für die Abrech­nung zum Bei­spiel wer­den der­zeit über­wie­gend hand­schrift­lich auf Papier erstellt und unter­schrie­ben. Das Ein­sam­meln von Unter­schrif­ten der Pati­en­ten erzeugt zusätz­li­che Fahr­ten, durch das Nach­for­dern feh­ler­haf­ter Unter­la­gen ent­steht viel Auf­wand für die Pfle­ge­diens­te. Die­se Abläu­fe las­sen sich digi­tal deut­lich ein­fa­cher und schnel­ler gestal­ten. Elek­tro­ni­sche Leis­tungs­nach­wei­se (eLNW) wer­den direkt in den Soft­ware­lö­sun­gen erzeugt, elek­tro­nisch signiert und als struk­tu­rier­te Daten­sätze über KIM an Kran­ken­kas­sen oder Abrech­nungs­dienst­leis­ter über­mit­telt. Vor Ort wer­den mobi­le End­ge­rä­te des­halb eine wich­ti­ge Rol­le spie­len, um die Daten unmit­tel­bar zu erfas­sen. Dazu kom­men Sprach­do­ku­men­ta­tio­nen, die direkt in Text umge­wan­delt und wei­ter­ver­ar­bei­tet wer­den, sowie per­spek­ti­visch KI-­ge­stütz­te Doku­men­ta­ti­ons­hil­fen. So wer­den Daten nicht nur schnel­ler ver­ar­bei­tet, son­dern auch in einer ein­heit­li­chen Struk­tur für die wei­te­ren Pro­zess­schrit­te bereitgestellt.

Wel­che Aus­wir­kun­gen wird die­se Ent­wick­lung auf Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und ihre Ange­hö­ri­gen haben?

Das wich­tigs­te Ziel ist die Ent­las­tung der Pfle­ge­kräf­te von admi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben. Jede Minu­te, die nicht für Büro­kra­tie auf­ge­wen­det wer­den muss, steht für die Pati­en­ten­ver­sor­gung zur Ver­fü­gung. Hin­zu kommt ein deut­licher Qua­li­täts­ge­winn. Siche­re digi­ta­le Über­tra­gungs­we­ge redu­zie­ren Miss­ver­ständ­nis­se und Über­tra­gungs­feh­ler, beschleu­ni­gen Abläu­fe und erhö­hen die Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Davon pro­fi­tie­ren letzt­lich alle Betei­lig­ten, aber beson­ders die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und ihre Ange­hörigen selbst.

Wor­in sehen Sie die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen bei der eVO-Umset­zung in der ambu­lan­ten Pflege?

Zunächst ein­mal in der tech­ni­schen Umstel­lung. Die Ein­füh­rung neu­er Sys­te­me bedeu­tet Auf­wand und erfor­dert Inves­ti­tio­nen in Hard- und Soft­ware sowie in die Qua­li­fi­zie­rung der Mit­ar­bei­ten­den. Die ambu­lan­te Pfle­ge umfasst rund 15.000 Pfle­ge­diens­te und ist sehr hete­ro­gen, von ganz gro­ßen Häu­sern bis zu ganz klei­nen Betrie­ben. Wich­tig ist, alle mit­zu­neh­men und auf die unter­schied­li­chen Bedürf­nis­se, Geschwin­dig­kei­ten und Mög­lich­kei­ten ein­zu­ge­hen. Das Schlimms­te wäre, wenn wir ein­zel­ne Unter­neh­men auf dem Weg ver­lie­ren. Die größ­te He­rausforderung wird des­halb aus mei­ner Sicht die Über­gangs­pha­se sein. Über einen gewis­sen Zeit­raum wer­den ana­lo­ge und digi­ta­le Ver­fah­ren par­al­lel exis­tie­ren. Die­se Dop­pel­struk­tu­ren las­sen sich nicht völ­lig ver­mei­den und sie bedeu­ten zunächst einen höhe­ren orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­wand. Sol­che Anlauf­schwie­rig­kei­ten las­sen sich aber mit tech­ni­schen Über­gangs- bzw. Unter­stüt­zungs­lö­sun­gen überbrücken.

Was ist damit gemeint?

Eine Über­gangs­lö­sung auf dem Weg zum eLNW gibt es bereits: Abrech­nungs­zen­tren kön­nen heu­te schon sämt­li­che Papier­nach­wei­se in digi­ta­le Leis­tungs­nach­wei­se umwan­deln. Auch wenn Pfle­ge­diens­te also noch nicht mit den ent­spre­chen­den digi­ta­len Gerä­ten aus­ge­rüs­tet sind, kann der Leis­tungs­nach­weis den Kranken­kassen schon in elek­tro­ni­scher Form vor­ge­legt werden.

Infor­mie­ren und mitmachen
Updates zum Pilot­pro­jekt eVO für BIV-OT-Mit­glieds­be­trie­be lie­fert der News­let­ter „eVO-Aktu­ell“. Inter­es­sier­te kön­nen sich im Mit­glie­der­be­reich unter dem Menü­punkt News­let­ter anmel­den. Wer sich aktiv betei­li­gen möch­te (zum Bei­spiel Mit­glieds­be­trie­be, Kos­ten­trä­ger oder PVS-Anbie­ter), mel­det sich unter: telematik@biv-ot.org

Die Pro­jekt­lei­tung infor­miert anschlie­ßend über Details. 

 

Sie haben Mit­ar­bei­ter­schu­lun­gen und die digi­ta­le Aus­stat­tung ange­spro­chen – wie sieht es mit der Finan­zie­rung aus?

Die Kos­ten der digi­ta­len Infra­struk­tur, für Hard- und Soft­ware sowie Mit­ar­bei­ter­schu­lun­gen, sind schwer aus den Mit­teln der gesetz­li­chen Krankenver­sicherung (GKV) oder Pfle­ge­ver­si­che­rung zu stem­men. Des­halb haben wir vor­ge­schla­gen, dass die Bundes­regierung aus Mit­teln des Infra­struktur­pakets etwa 9 Mil­li­ar­den Euro zur Ver­fü­gung stellt. Im Ent­wurf zum Pfle­ge­neu­ord­nungs­ge­setz wird der Weg nun gegan­gen, zumin­dest mit 1,6  Mil­li­ar­den Euro. Man wird bestimmt mer­ken, dass das für die Pfle­ge nicht reicht und nach­jus­tie­ren. Schließ­lich wächst der Pfle­ge­be­darf kon­ti­nu­ier­lich, wäh­rend Fach­kräf­te feh­len. Die not­wen­di­gen Effi­zi­enz­ge­win­ne wer­den sich lang­fris­tig nur durch Digi­ta­li­sie­rung und tech­no­lo­gi­sche Unter­stüt­zung errei­chen las­sen. Per­spek­ti­visch gehö­ren dazu auch The­men wie Künst­li­che Intel­li­genz und Robotik.

Was kön­nen Sani­täts­häu­ser und OT-Betrie­be beim The­ma Digi­ta­li­sie­rung und vor allem hin­sicht­lich der eVO für ortho­pä­di­sche Hilfs­mit­tel von der ambu­lan­ten Pfle­ge lernen?

Bera­tung, Außen­dienst, Geneh­mi­gungs­ma­nage­ment, Ver­sor­gung und Abrech­nung soll­ten bei Sanitäts­häusern und OT-Betrie­ben eben­falls als zusam­men­hän­gen­der digi­ta­ler Pro­zess mit durch­gän­gi­gen Daten­flüs­sen ver­stan­den wer­den. Mit der eVO HKP wur­de eine Blau­pau­se geschaf­fen, auf deren Basis wei­te­re elek­tro­ni­sche Ver­ord­nun­gen wie die eVO für ortho­pä­di­sche Hilfs­mit­tel rea­li­siert wer­den kön­nen. Sie ist des­halb eine Blau­pau­se, weil hier erst­mals der kom­plet­te digi­ta­le Pro­zess, von der Ver­ord­nung über Geneh­mi­gung und Leis­tungs­nach­weis bis zur Abrech­nung, prak­tisch umge­setzt wird.

Es wur­de ein mög­lichst ein­fa­ches Sys­tem kon­zi­piert, das nicht ver­sucht, sämt­li­che denk­ba­re Son­der­fäl­le bereits im ers­ten Schritt abzu­bil­den. Statt­des­sen geht es dar­um, einen sta­bi­len digi­ta­len Kern­pro­zess zu eta­blie­ren, der an bestehen­de Sys­te­me anschluss­fä­hig ist und sich Stück für Stück erwei­tern lässt. Genau dar­in liegt auch die wich­tigs­te Erkennt­nis für die Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung. Digi­ta­le Pro­zes­se müs­sen pra­xis­taug­lich sein und sich an bestehen­de Sys­te­me anbin­den las­sen. Gleich­zei­tig muss man berücksich­tigen, dass ver­schie­de­ne Akteu­re in unter­schied­li­chen Geschwin­dig­kei­ten digi­ta­li­sie­ren wer­den. Man­che Ein­rich­tun­gen bzw. Beschäf­tig­te stel­len sich schnel­ler um als ande­re. Des­halb brau­chen wir Über­gän­ge und Brü­cken­lö­sun­gen, die alle mit­neh­men. Schließ­lich geht es bei digi­ta­len Lösun­gen genau­so um Teil­ha­be. Das Wich­tigs­te ist, dass sich alle auf den Weg machen.

Wel­che Erwar­tun­gen rich­tet Ihr Ver­band an die Politik?

Vor allem wün­schen wir uns Ver­läss­lich­keit. Wei­te­re Ver­schie­bun­gen von Ein­füh­rungs­fris­ten füh­ren häu­fig dazu, dass not­wen­di­ge Vor­be­rei­tun­gen auf­ge­scho­ben wer­den. Sinn­vol­ler wäre es, die­je­ni­gen zu unter­stüt­zen, die bereits heu­te mit der Umset­zung begin­nen möch­ten. Zum Bei­spiel, indem jeder, der will, ab sofort an die TI ando­cken und im Rah­men des Mög­li­chen los­le­gen kann. Dar­über hin­aus wün­schen wir uns eine stär­ke­re Ein­bin­dung aller Gesundheitsfach­berufe in die Gestal­tung digi­ta­ler Ver­sor­gungs­pro­zes­se. Pfle­ge­kräf­te und ande­re Gesund­heits­be­ru­fe ver­brin­gen den größ­ten Teil ihrer Arbeits­zeit unmit­tel­bar bei den Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten. Die­ses prak­ti­sche Wis­sen soll­te bei der Wei­ter­ent­wick­lung des Gesund­heits­we­sens stär­ker berück­sich­tigt werden.

Abschlie­ßend gefragt: Ist die Pfle­ge mit der eVO HKP ein Leucht­turm der Digi­ta­li­sie­rung oder eher das Versuchslabor?

Ich sehe sie ein­deu­tig als Leucht­turm. Erst­mals ent­steht ein durch­gän­gi­ger digi­ta­ler Ver­sor­gungs­pro­zess, der zeigt, wie sek­toren­über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit funk­tio­nie­ren kann. Dass dabei Erfah­run­gen gesam­melt und Ver­bes­se­run­gen vor­ge­nom­men wer­den, gehört zu einem Inno­va­ti­ons­pro­zess. Davon wird auch die Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung profitieren.

Die Fra­gen stell­te Cath­rin Günzel.

Zur Per­son
Andre­as Fischer ist Geschäfts­füh­rer der Opta-Data-Grup­pe und enga­giert sich seit vie­len Jah­ren für die Weiter­entwicklung digi­ta­ler Stan­dards im Gesund­heits­we­sen. Er setzt sich für offe­ne, her­stel­ler­un­ab­hän­gi­ge und anwen­dungs­freund­li­che Lösun­gen sowie eine stär­ke­re Ein­bin­dung der Gesund­heits­fach­be­ru­fe in die digi­ta­len Ver­sor­gungs­pro­zes­se ein. Als Vor­stand des 2025 gegrün­de­ten Ver­ban­des für digi­ta­le Stan­dards in der Pfle­ge e. V. (VdSP) beglei­tet und unter­stützt der Diplom-Infor­ma­ti­ker u. a. die Ein­füh­rung der TI und der eVO in die­sem Bereich. Der VdSP ist eine unab­hän­gi­ge Inter­es­sen­ver­tre­tung mit Sitz in Ber­lin, die sich auf die Digi­ta­li­sie­rung der Pflege­branche kon­zen­triert und dabei die Sicht der Leis­tungs­er­brin­ger aus dem Praxis­alltag in der Pfle­ge einbringt. 

 

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