Update Arthro­se – Ursa­chen und Prin­zi­pi­en der Therapie

T. Hügle
Die Arthrose ist eine Erkrankung des Knorpels, aber auch des ganzen Gelenks. Insbesondere Veränderungen im subchondralen Knochen spielen dabei eine wichtige Rolle und treten noch vor dem Knorpelschaden auf. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Arthrose ist die Entzündung von Gelenkhaut, Knochen oder Fettgewebe. Die Ursache der Entzündung kann einerseits Überlastung sein, andererseits kann sie aber auch durch Kristalle oder andere Ablagerungen ausgelöst werden. Eine rheumatologische Diagnose sollte immer ausgeschlossen werden. Biomechanische Faktoren spielen bei der Arthrose eine wichtige Rolle, insbesondere bei den gewichtstragenden Gelenken wie dem Knie- oder dem Sprunggelenk. Unfälle, Achsenfehlstellungen oder Gelenksinstabilitäten zählen zu den Hauptursachen für eine gestörte Biomechanik. Durch Orthesen, Einlagen oder Operationen können biomechanische Störungen oft wirkungsvoll behandelt werden. Bei der medikamentösen Therapie haben Substanzen mit reiner Wirkung auf den Knorpel bislang enttäuscht; Medikamente mit Wirkung auf den Knochenstoffwechsel, die auch bei der Osteoporose eingesetzt werden, zeigen in Studien bessere Resultate. Die Behandlung der Arthrose sollte auf jeden Fall so früh wie möglich und im interdisziplinären Team erfolgen, immer unter Einbindung des Patienten. Aus Studien, denen eine Distraktion oder Umstellungsosteomie zugrunde lag, wissen wir, dass das Regenerationspotenzial von Knorpel und Knochen wahrscheinlich größer ist als bislang gedacht.

Ein­lei­tung

Unter Arthro­se ver­steht man zunächst die Abnut­zung des Knor­pels in einem Gelenk. Dies führt zum Rei­ben von Kno­chen auf Kno­chen und schließ­lich zu Schmer­zen (Abb. 1). Das ist jedoch nur die hal­be Wahr­heit. Denn neben dem Knor­pel sind bei der Arthro­se auch ande­re Struk­tu­ren betrof­fen. Dazu gehö­ren Gelenks­in­nen­haut (Syn­ovi­al­mem­bran), Menis­kus, Bän­der, Mus­ku­la­tur und vor allem der Kno­chen unter­halb des Knor­pels 1. Die Kno­chen­ver­än­de­run­gen sieht man im Rönt­gen­bild als Ver­dich­tung (Osteo­skle­ro­se) oder frü­her in der Kern­spin­to­mo­gra­phie als Kno­chen­marks­ödem. Des­halb wird bei der Arthro­se von einer „Erkran­kung des gan­zen Gelenks” gespro­chen (Abb. 2). Das sind zwar schlech­te Neu­ig­kei­ten, auf der ande­ren Sei­te bie­tet uns die­ses Wis­sen aber auch neue Behand­lungs­an­sät­ze, z. B. durch geziel­te medi­ka­men­tö­se Ein­grif­fe im Bereich Kno­chen­stoff­wech­sel oder Entzündung.

Anzei­ge

Bei der Arthro­se voll­zieht sich momen­tan ein Para­dig­men­wech­sel. Bis­lang wur­de oft wert­vol­le Zeit bei der Behand­lung ver­schwen­det, bis schließ­lich die Gelenks­pro­the­se ein­ge­setzt wur­de. Ähn­lich wie bei der rheu­ma­to­iden Arthri­tis (RA) scheint sich aber auch bei der Arthro­se ein ande­res Kon­zept durch­zu­set­zen: „Behan­deln, bevor es zu spät ist”, lau­tet die Devi­se. Dies zielt dar­auf ab, die Arthro­se aktiv wäh­rend des poten­zi­ell rever­si­blen Früh­sta­di­ums zu behan­deln 2. Die Arthro­se hat einen schlei­chen­den, aber wel­len­för­mi­gen Ver­lauf 3. Das ver­lei­tet dazu, kurz­fris­ti­ge Stra­te­gien ein­zu­set­zen oder die Sym­pto­me zunächst gänz­lich zu igno­rie­ren. In neu­en Stu­di­en kom­men nun neue­re Dia­gnos­tik­me­tho­den (z. B. Kern­spin­to­mo­gra­phie anstatt Rönt­gen) zum Ein­satz, die Ver­än­de­run­gen frü­her und sen­si­ti­ver detek­tie­ren. Mit der soge­nann­ten Tre­at-to-Tar­get-Stra­te­gie wer­den Behand­lungs­zie­le genau fest­ge­legt und kon­se­quen­ter ver­folgt als bisher.

Die Arthro­se ist somit eine mul­ti­fa­cet­tä­re Erkran­kung, die inter­dis­zi­pli­när behan­delt wer­den muss. Dabei müs­sen Ortho­pä­den, Rheu­ma­to­lo­gen, Phy­sio­the­ra­peu­ten und Ortho­pä­die-Tech­ni­ker zusam­men­ar­bei­ten, um eine maß­ge­schnei­der­te Behand­lung für den ein­zel­nen Pati­en­ten durch­zu­füh­ren. Um den Bedürf­nis­sen der Pati­en­ten mit Arthro­se nach­zu­ge­hen, wur­de an unse­rer Kli­nik u. a. eine Früh­arthro­se-Sprech­stun­de ein­ge­rich­tet, um Arthro­se in einem kon­ser­va­tiv behan­del­ba­ren Sta­di­um inter­dis­zi­pli­när erfolg­reich ver­sor­gen zu kön­nen. Gleich­zei­tig wer­den vor einer Behand­lung immer ande­re Krank­hei­ten, die eine Arthro­se her­vor­ru­fen oder vor­täu­schen kön­nen, aus­ge­schlos­sen. Hier­zu gehö­ren rheu­ma­to­lo­gi­sche (z. B. RA, Pso­ria­sis, Mor­bus Bech­te­rew), meta­bo­li­sche (z. B. Gicht, Dia­be­tes) oder Abla­ge­rungs­krank­hei­ten (z. B. Eisen­über­la­dung), wel­che durch geziel­te Befra­gung, Unter­su­chung und Laborana­ly­se erkannt wer­den können.

Die Rol­le der Ent­zün­dung bei der Arthrose

Nächt­li­che Schmer­zen, Mor­gen­stei­fig­keit oder das Anschwel­len der betrof­fe­nen Gelen­ke wei­sen bei vie­len Pati­en­ten mit Arthro­se bereits auf eine Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on hin. In der Tat fin­det sich bei der Arthro­se ganz ähn­lich wie bei rheu­ma­to­lo­gi­schen Erkran­kun­gen in den meis­ten Fäl­len eine ent­zün­de­te Gelenks­in­nen­haut (Syn­ovi­tis) oder auch eine Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on im Kno­chen unter­halb des Knor­pels 4. Ver­mehr­te Ent­zün­dungs­stof­fe wer­den auch vom Gelenks­fett­kör­per frei­ge­setzt. Ent­zün­dungs­stof­fe wie Interleukin‑1, Tumor­ne­kro­se­fak­tor (TNF) oder Metallo­pro­teinasen sind wie­der­um aktiv an der Zer­stö­rung des Knor­pels betei­ligt 5. Die Grün­de für die Ent­zün­dung im Gelenk bei der Arthro­se sind unter­schied­lich. Mecha­ni­sche Über­be­las­tung z. B. durch ein Trau­ma oder Über­ge­wicht sind mög­li­che Grün­de. Über­ge­wicht kann durch eine nie­der­gra­di­ge sys­te­mi­sche Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on im Kör­per durch soge­nann­te Adi­po­ki­ne zur Arthro­se bei­tra­gen 6.

Ande­rer­seits kön­nen aber auch abge­rie­be­ne Kris­tal­le im Gelenk ähn­lich wie bei einem Gicht­schub zu einer star­ken Ent­zün­dung füh­ren. Die­se Kris­tal­le kön­nen aus Hydro­xya­pa­tit (Bestand­teil des Kno­chens), Harn­säu­re (Gicht), Cal­ci­um­py­ro­phos­phat (Pseu­do­gicht), aber auch aus Cho­le­ste­rol bestehen. Durch neue­re dia­gnos­ti­sche Tech­ni­ken wie die „Dual Emis­si­on Com­pu­ted Tomo­gra­phy” (DECT) kön­nen Gicht­kris­tal­le nach­ge­wie­sen wer­den (Abb. 3) 7. Dies ist ins­be­son­de­re bei klei­ne­ren Gelen­ken wie den Fin­ger­ge­len­ken von Bedeu­tung, aus denen man schlecht Flüs­sig­keit mit der Nadel zum Nach­weis der Kris­tal­le ent­neh­men kann. Neue­re Stu­di­en zei­gen in die­sem Zusam­men­hang, dass Gicht oder Cho­le­ste­rol­kris­tal­le bei der Fin­ger­ge­lenks­ar­thro­se von grö­ße­rer Bedeu­tung sind als bis­lang angenommen.

Bio­me­cha­ni­sche Faktoren

Ein Leit­satz bei der Arthro­se lau­tet: „Bio­me­cha­nik schlägt Bio­lo­gie”. Das bedeu­tet, dass die Ein­flüs­se einer gestör­ten Geo­me­trie, etwa nach einem schlecht ver­heil­ten Bruch oder bei einer fal­schen Bei­n­ach­sen­stel­lung, nie­mals durch eine medi­ka­men­tö­se Behand­lung voll­stän­dig behan­del­bar sind. Beim Knie sind O- oder X‑Beine durch die kli­ni­sche Unter­su­chung oder eine Ganz­bein­auf­nah­me (Abb. 4) ein­fach dar­zu­stel­len. Es konn­te gezeigt wer­den, dass eine Fehl­stel­lung im Knie ers­tens zu Menis­kus­schä­den 8 und zwei­tens zu einer soge­nann­ten „bone mar­row lesi­on”, einer Schwel­lung im sub­chon­dra­len Kno­chen, füh­ren kann (Abb. 5) 9. Dies zeigt, wie eine gestör­te Bio­me­cha­nik zur bio­lo­gi­schen Fehl­re­ak­ti­on führt.

Neben ana­to­mi­schen oder post­trau­ma­ti­schen Fehl­stel­lun­gen führt auch die Gelenks­in­sta­bi­li­tät zur Arthro­se. Die­se kann z. B. am Sprung­ge­lenk nach einem schlecht ver­heil­ten Bän­der­riss 10 oder nach Kreuz­band­riss als klas­si­scher Fuß­ball­ver­let­zung auf­tre­ten. Dies führt beim vor­de­ren Kreuz­band zu einem Pivot-Shift, einer Art „Abrut­schen” der Gelenk­flä­chen auf­ein­an­der, was wie­der­um auf Dau­er in einem Knor­pel­scha­den resul­tiert. Fuß­ball­spie­ler haben nach einem Kreuz­band­riss ein deut­lich erhöh­tes Risi­ko, im wei­te­ren Ver­lauf eine Arthro­se zu ent­wi­ckeln 11.

Ein wei­te­rer Grund für eine Gelenks­in­sta­bi­li­tät ist gene­ti­sche Ver­an­la­gung. Dies kann eine gene­ti­sche Muta­ti­on im Kol­la­gen sein wie beim Mar­fan-Syn­drom, aber auch ein Hyper­mo­bi­li­täts­syn­drom, das mit einer Laxi­zi­tät der Gelen­ke asso­zi­iert ist 12. Schließ­lich kann auch eine Atro­phie der Mus­ku­la­tur zur Arthro­se füh­ren 13. Der genaue Mecha­nis­mus des­sen ist noch nicht geklärt, betei­ligt ist aber z. B. man­geln­de Gelenk­sta­bi­li­tät. Dies wird beim Knie oder Sprung­ge­lenk beob­ach­tet; eine schlech­te Bauch­wand­mus­ku­la­tur ist aber auch an der Facet­ten­ge­len­kar­thro­se an der Wir­bel­säu­le beteiligt.

Vor­gän­ge auf zel­lu­lä­rer Ebene

Um zu klä­ren, was genau bei einer Arthro­se geschieht, muss das Mikro­skop zu Hil­fe genom­men wer­den. In Abbil­dung 6 kann man gut den Ver­lauf einer Knie­ge­lenks­ar­thro­se erken­nen: Wäh­rend links die Knor­pel­schicht noch rela­tiv intakt ist, zeigt sich rechts ein deut­lich beschä­dig­tes Knor­pel­ge­we­be. Genau umge­kehrt ver­hält es sich im dar­un­ter­lie­gen­den (sub­chon­dra­len) Kno­chen­ge­we­be. Die­ses ver­dickt sich, um ein Ein­bre­chen des Kno­chens unter der Fehl­be­las­tung zu ver­hin­dern. Zwi­schen den Kno­chen­bälk­chen liegt nor­ma­ler­wei­se ein reiz­lo­ses Fett­mark. Bei der Arthro­se wird die­ses durch ent­zünd­li­ches Bin­de­ge­we­be ersetzt. Inter­es­san­ter­wei­se sind in die­sem Rah­men nicht nur die kno­chen­bil­den­den Zel­len (Osteo­b­las­ten) ver­mehrt, son­dern auch die Zel­len, die den Kno­chen ähn­lich wie bei der Osteo­po­ro­se abbau­en (Osteo­klas­ten). Es kommt bei der Arthro­se also zu einem „ent­kop­pel­ten” Kno­chen­auf- und ‑abbau. Mit­be­tei­ligt an die­sem Pro­zess sind Ent­zün­dungs­zel­len (Mar­ko­pha­gen oder Lym­pho­zy­ten), die ihrer­seits die Kno­chen­zel­len beein­flus­sen 14.

Die­ser Kno­chen­um­bau kann für die Dia­gnos­tik der Arthro­se genutzt wer­den. Bei der soge­nann­ten Sin­gle-Pho­ton Emis­si­on Com­pu­ted Tomo­gra­phy (SPECT), die mit einer nor­ma­len Com­pu­ter­to­mo­gra­phie (CT) kom­bi­niert wird, kann genau die­ser Vor­gang dar­ge­stellt wer­den (Abb. 7). Durch die Kom­bi­na­ti­on mit der CT ist es fer­ner mög­lich, kno­chen­me­ta­bo­li­sche Vor­gän­ge mit struk­tu­rel­len Infor­ma­tio­nen zu kop­peln, was sehr hilf­reich z. B. bei ope­ra­ti­ven Ein­grif­fen oder Infil­tra­tio­nen sein kann 15.

Alte und neue Behand­lungs­me­tho­den bei der Arthrose

Grund­sätz­lich muss bei der Behand­lung der Arthro­se zwi­schen medi­ka­men­tö­ser und nicht-medi­ka­men­tö­ser The­ra­pie unter­schie­den wer­den. Immer soll­te vor einer sol­chen Behand­lung eine ande­re Ursa­che der Arthro­se aus­ge­schlos­sen wer­den, da hier ander­wei­ti­ge The­ra­pie­an­sät­ze not­wen­dig sind.

Nicht-medi­ka­men­tö­se Behandlung

Die bio­me­cha­ni­sche Behand­lung steht immer an vor­ders­ter Stel­le, ins­be­son­de­re bei den gewichts­tra­gen­den Gelen­ken. Ach­sen­fehl­stel­lun­gen soll­ten wenn immer mög­lich kor­ri­giert wer­den. Bei aus­ge­präg­ten Fäl­len geschieht dies ope­ra­tiv in Form einer Umstel­lungs­os­teo­to­mie. Bei leich­te­ren Fehl­stel­lun­gen kön­nen eine auf­klap­pen­de Orthe­se oder Schu­hein­la­gen eine Ent­las­tung der Gelen­ke und damit eine Reduk­ti­on der Schmer­zen brin­gen 16.

Eine wie­der­ent­deck­te älte­re Behand­lungs­form ist die Dis­trak­ti­on am Knie und Sprung­ge­lenk 17. Hier­für wird tem­po­rär eine umge­kehrt gespann­te Feder implan­tiert und somit die Gelenks­flä­che ent­las­tet (Abb. 8). Nach zwei Mona­ten wird die Kon­struk­ti­on ent­fernt. Die bis­lang erziel­ten Daten sind erstaun­lich posi­tiv, da z. B. in der Kern­spin­to­mo­gra­phie eine Knor­pel- und Kno­chen­re­ge­ne­ra­ti­on nach­weis­bar ist. Lei­der kann die­se Inter­ven­ti­on nicht sel­ten zu Infek­tio­nen füh­ren; bis­lang muss­te die Gerät­schaft des Öfte­ren vor­zei­tig ent­fernt wer­den. Auch aus die­sem Grund fin­det die­se Metho­de noch kei­nen flä­chen­de­cken­den Einsatz.

Bei der Knor­pel­chir­ur­gie wird ver­sucht, die Hei­lung des Knor­pel­scha­dens ope­ra­tiv zu ver­bes­sern. Dies geschieht z. B. bei der Knor­pel­trans­plan­ta­ti­on. Zunächst wer­den dazu Knor­pel­zel­len aus einer nicht-tra­gen­den Stel­le im Gelenk ent­nom­men, im Labor wer­den wei­te­re Zel­len gezüch­tet und anschlie­ßend in einem zwei­ten Ein­griff wie­der ein­ge­setzt. Obwohl die­se Metho­de ele­gant und modern erscheint, ist ihre Wirk­sam­keit noch nicht abschlie­ßend nach­ge­wie­sen; sie ist mit sehr hohen Kos­ten ver­bun­den und erfor­dert zwei chir­ur­gi­sche Ein­grif­fe. Bei der soge­nann­ten Mikro­frak­tu­rie­rung wer­den unter­halb des Knor­pel­scha­dens, z. B. wäh­rend der Arthro­sko­pie im Bereich der Arthro­se, klei­ne Löcher in den Kno­chen gebohrt, um Kon­takt mit den im Kno­chen­mark situ­ier­ten Stamm­zel­len zu schaffen.

Weni­ger inva­siv sind neue­re Ent­wick­lun­gen aus dem Gang­la­bor. So kann durch Schwan­ken der Wir­bel­säu­le oder die Fuß­stel­lung beim Gehen das Adduk­ti­ons­mo­ment (das für die Knie­ge­lenks­ar­thro­se mit­ver­ant­wort­lich gemacht wird) redu­ziert wer­den 18. Die Gewichts­ab­nah­me ist ins­be­son­de­re für die Knie­ge­lenks­ar­thro­se aus­schlag­ge­bend und somit die ein­fachs­te und gleich­zei­tig oft die schwie­rigs­te Behand­lungs­me­tho­de 19. Um effi­zi­ent zu sein, wird eine Umstel­lung des Lebens­stils erfor­der­lich, alter­na­tiv kann bei sehr star­kem Über­ge­wicht und Fehl­schla­gen von Diä­ten ein ope­ra­ti­ver baria­tri­scher Ein­griff mit Ein­set­zen eines Magen­ban­des oder künst­li­cher Ver­klei­ne­rung des Magens erfolgen.

Medi­ka­men­tö­se Behandlung

Medi­ka­men­te sind für man­che Pati­en­ten eine bevor­zug­te Behand­lungs­me­tho­de, da hier kei­ne eige­ne akti­ve und zeit­auf­wen­di­ge Betei­li­gung not­wen­dig ist. Lei­der ist der medi­ka­men­tö­se Weg bei einer Arthro­se allein aber oft nicht wirk­sam; gera­de an der unte­ren Extre­mi­tät müs­sen bio­me­cha­ni­sche Fak­to­ren zwin­gend berück­sich­tigt werden.

Bei der medi­ka­men­tö­sen Behand­lung unter­schei­det man die schmerz- und ent­zün­dungs­ba­sier­te von der krank­heits­mo­di­fi­zie­ren­den The­ra­pie. Hin­sicht­lich der Schmer­zen wer­den nicht-ste­ro­ida­le Anti­ph­lo­gis­ti­ka (z. B. Vol­ta­ren) am häu­figs­ten und sehr erfolg­reich ein­ge­setzt. Lei­der kön­nen bei dau­er­haf­ter Ein­nah­me die bekann­ten Neben­wir­kun­gen im Bereich des Gastro­in­tes­ti­nal­trak­tes und des Herz-Kreis­lauf-Sys­tems zum Pro­blem wer­den. Von der Ein­nah­me von stär­ke­ren Schmerz­mit­teln wie Mor­phin­de­ri­va­ten ist abzu­ra­ten, da deren Wir­kung auf die Arthro­se­schmer­zen oft schwä­cher ist und Neben­wir­kun­gen wie Müdig­keit, Ver­stop­fung und Abhän­gig­keit auf­tre­ten können.

Ein Gelenks­er­guss wird in der Regel durch eine Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on aus­ge­löst. Trotz der bekann­ten Neben­wir­kun­gen von Kor­ti­son unter län­ge­rer Ein­nah­me kann die zwi­schen­zeit­li­che Infil­tra­ti­on eines Gelenks eine aku­te Ent­zün­dung schnell durch­bre­chen 20. Bei einem ent­zünd­li­chen Ver­lauf einer Arthro­se kön­nen Medi­ka­men­te aus der Rheu­ma­to­lo­gie zum Zuge kom­men. So gibt es Hin­wei­se auf die Wirk­sam­keit von Metho­trex­at und nied­rig dosier­tem ora­lem Kor­ti­son für die Behand­lung bei der ero­si­ven Fin­ger­ar­thro­se 21 22. Ins­be­son­de­re wenn Kris­tal­le im Gelenk zu fin­den sind, wen­den wir auch das Gicht­me­di­ka­ment Col­chi­zin an.

Ein neue­res The­ma bei der medi­ka­men­tö­sen Behand­lung der Arthro­se sind die soge­nann­ten Bio­lo­gi­ka. Bio­lo­gi­ka sind moder­ne, ziel­ge­rich­te­te Medi­ka­men­te, durch die sich ver­schie­de­ne Ent­zün­dungs­stof­fe oder Schmerz­me­dia­to­ren aus­schal­ten las­sen. Lei­der waren die­se Ansät­ze (z. B. Anti-Tumor­ne­kro­se­fak­tor oder Inter­leu­kin-1-Hem­mung) bis­lang ent­täu­schend. Ledig­lich die Schmerz­be­hand­lung mit einem Anti­kör­per gegen den „ner­ve growth fac­tor” (Tane­zumab) war bezüg­lich Schmer­zen wirk­sam, aller­dings kam es in man­chen Fäl­len sogar zu einer Ver­schlech­te­rung der Arthro­se, wes­we­gen die­ses Medi­ka­ment zunächst noch nicht auf dem Markt erhält­lich ist 23.

Die Gabe „künst­li­cher Gelenk­schmie­re” in das Gelenk durch Hyaluron­säu­re oder oral durch Chon­droi­t­in­sulp­hat oder Glu­cos­amin wird häu­fig ange­wen­det, wenn­gleich die Daten­la­ge nicht kon­klu­siv beur­teilt wer­den kann. Meta-Ana­ly­sen (also die Bün­de­lung ver­schie­de­ner Stu­di­en) konn­ten kei­nen ein­deu­ti­gen Nut­zen fest­stel­len, wenn­gleich ein­zel­ne Stu­di­en eine Reduk­ti­on der Schmer­zen zei­gen 24. Ein kla­rer krank­heits­mo­di­fi­zie­ren­der Effekt durch die­se Medi­ka­men­te kann gemäß aktu­el­ler Daten­la­ge jedoch weit­ge­hend aus­ge­schlos­sen werden.

Viel bes­ser sieht es hier bei Medi­ka­men­ten aus, die auf den Kno­chen­stoff­wech­sel wir­ken. So konn­te für Stron­ti­um-Ranelat, ein Osteo­po­ro­se-Medi­ka­ment, in einer kon­trol­lier­ten Stu­die eine posi­ti­ve Wir­kung bei der Arthro­se nach­ge­wie­sen wer­den 25. Auch für Bis­phos­pho­na­te wur­de dies gezeigt 26. Der Grund, wes­halb Osteo­po­ro­se­mit­tel bei der Arthro­se wir­ken, liegt wahr­schein­lich dar­in, dass kno­chen­ab­bau­en­de Osteo­klas­ten auch bei der Arthro­se aktiv sind und dass Bis­phos­pho­na­te durch eine Hemmung­von Makro­pha­gen die Ent­zün­dung hem­men können.

Fazit

Die Arthro­se ist eine mul­ti­fa­cet­tä­re Erkran­kung des gan­zen Gelenks. Die Behand­lung muss im inter­dis­zi­pli­nä­ren Team unter akti­ver Ein­be­zie­hung des Pati­en­ten und so früh wie mög­lich erfol­gen. Gera­de bei gewichts­tra­gen­den Gelen­ken wie dem Knie sind bio­me­cha­ni­sche Fak­to­ren sehr wich­tig und müs­sen bei der The­ra­pie immer berück­sich­tigt wer­den. Die Ent­zün­dung bei der Arthro­se spielt auf bio­lo­gi­scher Sei­te eine gro­ße Rol­le und kann hof­fent­lich bald noch geziel­ter für die The­ra­pie der Arthro­se genutzt wer­den. Sub­stan­zen mit Wir­kung auf den Kno­chen­stoff­wech­sel wer­den aber der­zeit die höchs­ten Chan­cen zuge­schrie­ben, den Ver­lauf der Arthro­se nach­hal­tig posi­tiv zu beeinflussen.

Der Autor:
PD Dr. med. Dr. phil. Tho­mas Hügle
Osteo­ar­thri­tis Rese­arch Cen­ter Basel
Ortho­pä­di­sche Uni­ver­si­täts­kli­nik Basel
Uni­ver­si­täts­spi­tal Basel
Spi­tal­stras­se 21
CH – 4031 Basel
thomas.huegle@usb.ch

Begut­ach­te­ter Beitrag/Reviewed paper

Zita­ti­on
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