Künstliche Intelligenz

Reiz­the­ma oder Revolution?

Chatbots, KI-Telefonie und KI-Agenten: Wie Künstliche Intelligenz die Kommunikation verändert und warum sie längst im Arbeitsalltag angekommen ist.

„Die Fra­ge ist aber nicht, ob wir KI wol­len oder nicht. KI ist da und ist in der prak­ti­schen Anwen­dung. Wir ent­schei­den jetzt aber selbst, was in der Trans­for­ma­ti­on mit KI geschieht. Wir kön­nen es ent­schei­den. Es liegt bei uns, wie wir KI ver­ant­wor­tungs­be­wusst ein­set­zen, um Pro­duk­ti­on, Arbeits­plät­ze und Wohl­stand bei uns zu erhal­ten und zu meh­ren.“ Das sag­te Deutsch­lands Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz im Rah­men der Han­no­ver Mes­se 2026 zum The­ma Künst­li­che Intel­li­genz. Die Wor­te zei­gen, dass KI längst kei­ne Rand­erscheinung mehr ist, wie sie es über vie­le Jah­re war.

Denn: KI ist kein Kind der 2020er-Jah­re, es wird viel­mehr seit vie­len Jahr­zehn­ten an der „Künst­li­chen Intel­li­genz“ geforscht und getüf­telt. Maschi­nel­les Ler­nen wird bereits seit den spä­ten 1980er-Jah­ren prak­ti­ziert und ist spä­tes­tens 2010 mit der Indus­trie 4.0 in der Seri­en­fer­ti­gung ange­kom­men. War­um dau­er­te es ein wei­te­res Jahr­zehnt, bis KI in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung die­sen Stel­len­wert ein­ge­nom­men hat, der heu­te Sta­tus quo ist? Auf die­se Fra­ge gibt es eine ein­fa­che Ant­wort. Dank der Mög­lich­keit, über Ein­ga­be­fel­der mit der KI wie in einem Chat-Dia­log zu kom­mu­ni­zie­ren, ist die Sprach­barriere weg­ge­fal­len, die vie­le Jahr­zehn­te dazu führ­te, dass nur tech­nisch ver­sier­te und inter­es­sie­re Men­schen Künst­li­cher Intel­li­genz Beach­tung geschenkt haben. Ein­facher gesagt: Die Maschi­ne ver­steht nun, was der Mensch von ihr will.

Selbst­ver­ständ­lich ist dies nur ein Teil der Wahr­heit. Hohe Rechen­leis­tung durch ent­spre­chen­de Hard­ware in den Rechen­zen­tren, die flächen­deckende Ver­brei­tung des Inter­nets mit ent­spre­chen­der Leis­tung, eine grund­sätz­lich tech­ni­kof­fe­ne Ein­stel­lung und auch ein neu­er Umgang mit der Fra­ge „Daten­schutz oder Inno­va­ti­on?“ haben ihren Bei­trag geleis­tet, dass sich nach dem Maschi­nel­len Ler­nen auch die gro­ßen Sprach­mo­del­le (Lar­ge Lan­guage Modells/LLM) erfolg­reich durch­ge­setzt haben. Außer­dem wird KI längst nicht mehr nur beruf­lich genutzt, son­dern zuneh­mend auch pri­vat. Dadurch hat sich der Nut­zer­kreis deut­lich erweitert.

War­um KI?
KI ist ein The­ma, das längst nicht mehr für die „Nerds“ reser­viert ist, son­dern in alle Berei­che, ­beruf­lich wie pri­vat, Ein­zug gehal­ten hat. Es ist in unse­ren Augen kein Trend, son­dern eine indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on. Des­halb kom­men wir gar nicht um das The­ma her­um. Aller­dings ist Künst­li­che Intel­li­genz immer noch schwer greif­bar, da sie sich in einer Geschwin­dig­keit ent­wickelt wie kaum eine Techno­logie zuvor. Das erschwert dau­er­haft gül­ti­ge Aus­sa­gen. Den­noch kam es für uns nicht infra­ge, das The­ma aus­zu­klam­mern. Statt­des­sen haben wir eine Aus­wahl an Anwen­dungs­be­rei­chen getrof­fen, mit denen wir un­sere Bericht­erstattung begin­nen wollen.

„KI in der Kom­mu­ni­ka­ti­on“ bil­det den Auf­takt unse­rer Serie, gefolgt von „KI in der Ver­sor­gung“ und schließ­lich „KI in der Ver­wal­tung“. Alle drei Tei­le geben einen Ein­blick in die heu­ti­gen Ein­satz­mög­lich­kei­ten von KI und zei­gen, wo sie in der Ortho­pä­die-Tech­nik bereits zum Ein­satz kommt. Dabei rich­ten wir den Blick auch über den Tel­ler­rand hin­aus in ande­re Gewer­ke. Wir kon­zen­trie­ren uns bewusst auf Anwen­dungs­be­rei­che, von denen wir über­zeugt sind, dass sie Ihnen im Arbeits­all­tag einen kon­kre­ten Nut­zen bie­ten. Gleich­zei­tig steht für uns fest, dass mit die­ser Serie das The­ma nicht abge­schlos­sen ist, son­dern – ganz im Gegen­teil  – erst der Start­schuss erfolgt ist. 

 

Wer nutzt eigent­lich KI?

Haben Sie schon ein­mal bewusst mit einer KI gespro­chen? Gespro­chen, nicht geschrie­ben. Wahr­schein­lich schon und viel­leicht haben Sie es noch nicht ein­mal gemerkt. Grund dafür ist, dass die Künst­li­che Intel­li­genz mit mensch­li­chen Stim­men „gefüt­tert“ wird, sie ana­ly­siert und ein­fach nach­baut. Dar­aus ent­steht ein digi­ta­ler Gesprächs­part­ner, der sich nur in den unper­fek­ten Momen­ten ver­rät. Denn Men­schen müs­sen Atem­pau­sen machen, vor allem mit­ten im Satz. Soll­te jeder Satz, egal wie lang er ist, in einem Atem­zug durch­ge­spro­chen wer­den, dann steckt dahin­ter wohl eine Maschi­ne, die noch nicht ganz die mensch­li­che Spra­che per­fek­tio­niert hat. Auch Sprach­tem­po, Ton­hö­hen und natür­lich auch Inhalt des Gesprächs kön­nen Anhalts­punk­te dafür sein, dass man aktu­ell nicht mit einem Men­schen spricht.

Wäh­rend die­se Form der Kommu­nikation anfangs noch auf gro­ße Ableh­nung stieß, ist ihre Akzep­tanz inzwi­schen deut­lich gestie­gen. Ins­ge­samt sind Deutsch­lands Bür­ge­rin­nen und Bür­ger offen für die KI-Nut­zung, wie der Digi­tal­ver­band Bit­kom in einer Befra­gung fest­stell­te. Bereits jeder Drit­te (34 Pro­zent) nutzt KI min­des­tens ein­mal pro Woche, 15 Pro­zent sogar täg­lich. „Künst­li­che Intel­li­genz ist schnel­ler im All­tag ange­kom­men als jede ande­re Inno­va­ti­on zuvor“, kon­sta­tiert daher Bit­kom-Prä­si­dent Dr. Ralf Win­ter­gerst. „Deutsch­land muss KI nicht nur nut­zen, son­dern mit­ge­stal­ten – und die Skep­ti­ker dabei mit­neh­men. Dazu gehört, offen über die Gren­zen und Risi­ken von KI zu dis­ku­tie­ren, zugleich aber auch über die enor­men Mög­lich­kei­ten der Tech­no­lo­gie zu spre­chen: zum Bei­spiel in der Medi­zin, in der Bil­dung, in der Forschung.“

KI in der Kommunikation

Aber wel­che Rol­le spielt KI nun in der Kom­mu­ni­ka­ti­on? Mitt­ler­wei­le eine gro­ße. Denn Unter­neh­men set­zen in der inter­nen wie exter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on immer mehr auf die tech­ni­sche Lösung, um per­so­nel­le Res­sour­cen zu scho­nen. Laut Bit­kom nut­zen 88 Pro­zent der KI-nut­zen­den Unter­neh­men KI im Kun­den­kon­takt, 57 Pro­zent in Kom­mu­ni­ka­ti­on und Mar­ke­ting. Kon­kret geht es dabei häu­fig um drei Tools: Chat­bots, KI-gestütz­te Tele­fo­nie und KI-Agenten.Chatbots sind mitt­ler­wei­le auf nahe­zu jeder klei­ne­ren und grö­ße­ren Platt­form zu fin­den. Meist erschei­nen sie zunächst unauf­fäl­lig am Bild­schirm­rand, bevor sie den Nut­zern ihre Unter­stüt­zung anbie­ten. Je nach­dem, auf wel­che Infor­ma­tio­nen der Bot zugrei­fen kann, las­sen sich z. B. Öff­nungs­zei­ten, Ansprech­part­ner oder Retou­ren erfra­gen sowie Ter­mi­ne ver­ein­ba­ren. Der Vor­teil: Der digi­ta­le Assis­tent steht rund um die Uhr zur Ver­fü­gung – auch außer­halb der Öff­nungs­zei­ten – und erspart vie­len Kun­den die zeit­auf­wen­di­ge Suche nach Infor­ma­tio­nen. Das bedeu­tet ­einen deut­li­chen Servicegewinn.

KI in Zahlen

48 % der Beschäf­tig­ten in Deutsch­land nut­zen KI beruflich.
46 % der KI-Nut­zer erstel­len mit­hil­fe von KI Tex­te und Bilder.
5 % mehr Aus­bil­dungs­ver­trä­ge im Hand­werk, da grö­ßere Jobsicherheit.
25,4 % aller Hand­werks­be­trie­be in NRW beschäf­ti­gen sich mit Chat­bots und KI-Telefonie. 

 

Aber es gibt auch Kun­din­nen und Kun­den, die den Umweg über die Web­site nicht gehen möch­ten, son­dern lie­ber direkt mit dem Unter­neh­men spre­chen. Aus dem Betriebs­all­tag wis­sen die meis­ten Unter­neh­mer jedoch: So vie­le Mit­ar­bei­ter, wie in Stoß­zei­ten für die Tele­fo­nie erfor­der­lich wären, las­sen sich wirt­schaft­lich kaum vor­hal­ten. Hier kann KI-gestütz­te Tele­fo­nie Abhil­fe schaf­fen. Wie bereits erwähnt, spricht dabei ent­we­der eine aus­ge­wähl­te Stim­me oder sogar die Stim­me eines Mit­ar­bei­ters aus dem Unter­neh­men mit den Kun­den und kann – ähn­lich wie ein Chat­bot – ­Infor­ma­tio­nen direkt im Gespräch bereitstellen.

Ein wei­te­rer Bau­stein sind KI-Agen­ten. Was zunächst nach einem Spio­na­ge­film klingt, hat mit Geheim­nis­krä­me­rei nichts zu tun. Ein KI-Agent ist viel­mehr ein auto­no­mes Soft­ware­pro­gramm, das mit sei­ner Umge­bung inter­agiert und kom­plexe Auf­ga­ben eigen­stän­dig erle­digt. Anders als her­kömm­li­che ­Chat­bots, die ledig­lich auf Nut­zer­ein­ga­ben reagie­ren, kön­nen KI-Agen­ten Informa­tionen ana­ly­sie­ren, Abläu­fe pla­nen, Werk­zeu­ge wie Schnitt­stel­len (APIs) oder Daten­ban­ken nut­zen und ziel­ge­rich­tet han­deln. Die Ein­satz­mög­lich­kei­ten in der Kom­mu­ni­ka­ti­on sind viel­fäl­tig. So kann ein KI-Agent E‑Mails ver­fas­sen, kom­ple­xe Kun­den­an­fra­gen bear­bei­ten oder Retou­ren selbst­stän­dig ver­ant­wor­ten. Der ent­schei­den­de Unter­schied zum Chat­bot: Wäh­rend die­ser dar­auf war­tet, dass er einen Befehl erhält, den er aus­füh­ren soll, ist der KI-Agent in der Lage, aus Daten, die er zuge­spielt bekommt, eine Ent­schei­dung zu tref­fen und selbst­stän­dig tätig zu werden.

Hei­ko Cordes

Lesen Sie auch die wei­te­ren Arti­kel unse­rer neu­en Serie
„Künst­li­che Intel­li­genz – Teil 1: KI in der Kommunikation“:

 

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