Man­fred Rothe fei­ert Gol­de­nes Meisterjubiläum

Am 15. Mai 2021 feierte der Berliner Orthopädiemechaniker-Meister Manfred Rothe sein Goldenes Meisterjubiläum. Als älterer Sohn seiner Eltern Frieda und Otto Rothe wurde Manfred Rothe (geboren 1937) mit acht Jahren zum Kriegsende in Berlin frühzeitig mit dem Leid der Menschen konfrontiert: 200.000 Kriegsversehrte waren in der Stadt zu versorgen.

Sein Vater Otto, gelern­ter Ortho­pä­die­schuh­ma­cher, war nicht kriegs­taug­lich gewe­sen und wur­de wegen sei­ner unpo­li­ti­schen Hal­tung zusam­men mit Lud­wig Heim (dem Vater von Sepp Heim) mit der Lei­tung der Ortho­pä­die-Tech­nik an der Cha­ri­té betraut. Es waren bit­te­re Zei­ten: Mate­ri­al und Pas­s­tei­le waren knapp. Aus Holz, Eisen und alten Leder­män­teln wur­den Pro­vi­so­ri­en ent­wor­fen. Es gab kaum Geld und wenig Essen.

Der jun­ge Man­fred bekam Alp­träu­me von den Rei­hen der Arm- und Bein­pro­the­sen, die an lan­gen Roh­ren in der Werk­statt hin­gen. Als trau­ma­tisch erleb­te er auch die von den eng­li­schen Besat­zungs­mäch­ten befoh­le­nen Kino­ver­an­stal­tun­gen mit KZ-Fil­men für Schul­kin­der — ver­bun­den mit dem Hin­weis, dass dies das Werk ihrer Eltern ist.

Am 15. Okto­ber 1953 begann Man­fred Rothe sei­ne Leh­re zum Ortho­pä­die­me­cha­ni­ker bei der Fir­ma Owsin­ski in Ber­lin-Wed­ding. Für die Fir­ma war er der ers­te Lehr­ling, der aus­ge­bil­det wur­de. Er muss­te als Gesel­len­stück einen Schie­nen-Schel­len-Appa­rat mit Schwei­zer Sper­re, Fuß­schie­nen und Metal­l­ein­la­ge in drei­ein­halb Tagen fer­ti­gen. Die Schie­nen waren selbst­ver­ständ­lich zu schmie­den. Mit dem Gesel­len­brief begann er bei der Fir­ma Ernst Bohm zu arbei­ten und wech­sel­te bald zur Fir­ma Erwin Schö­ne­beck, wo er sich von ers­ten Hilfs­ar­bei­ten zum Spe­zia­lis­ten für den Holz­pro­the­sen­bau ent­wi­ckel­te. Zur Meis­ter­prü­fung 1971 bau­te Man­fred Rothe eine Kipp­schaft-Holz­pro­the­se mit selbst kon­stru­ier­ter Mecha­nik, dazu eine Dys­me­lie-Orthe­se mit Gegen­tu­ber für einen sechs­jäh­ri­gen Jun­gen mit Con­ter­gan-Miss­bil­dung. Mit die­sem Hilfs­mit­tel konn­te das Kind zum ers­ten Mal lau­fen. Für die Fort­schrit­te beim Geh­trai­ning sorg­te die täg­li­che Cur­ry­wurst als Beloh­nung. Sein Meis­ter­brief bescher­te Man­fred Rothe umge­hend die Mit­ar­beit im Meis­ter­prü­fungs­aus­schuss für ins­ge­samt 38 Jahre.

Als frisch­ge­ba­cke­ner Meis­ter wirk­te Man­fred Rothe bei der Fir­ma Paul Schul­ze 23 Jah­re lang und war Mit­in­ha­ber des Betrie­bes. Für sechs Jah­re bil­de­te er ab 1994 im Oskar-Hele­ne-Heim Lehr­lin­ge aus. Anfang der 2000er-Jah­re grün­de­ten ver­schie­de­ne Fir­men den Ortho­bund, des­sen Lei­tung in den Hän­den von Man­fred Rothe lag. Nach dem Ver­kauf von Ortho­bund ist Man­fred Rothe nun seit zehn Jah­ren ange­stell­ter Meis­ter bei der Fir­ma Sage, arbei­tet heu­te mit sei­nen 83 Jah­ren wei­ter die vol­le Arbeits­wo­che, führt die gesam­te Werk­statt­ar­beit der Tech­ni­schen Ortho­pä­die aus und ist in Kran­ken­häu­sern und bei den Pati­en­ten ein kom­pe­ten­ter und gern gese­he­ner Fachmann.

Mit sei­ner Frau Mari­an­ne war er bis zu deren Tod 54 Jah­re lang ver­hei­ra­tet. Aus der Ehe ging der Sohn Dr. Jan Rothe her­vor, wel­cher in der Radio­lo­gie und Nukle­ar­me­di­zin in Ber­lin tätig ist.

Man­fred Rothe sagt von sich, dass er dem Hand­werk wei­ter­hin treu bleibt und noch bis zu sei­nem 90. Geburts­tag aktiv sein wird.

Dipl.-Med.-Päd. Georg Schubert

 

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