„Du machst den Unterschied“ heißt das Motto der OTWorld in diesem Jahr. Damit auch in Zukunft weiterhin die Vertreter der Technischen Orthopädie den Unterschied machen, sollten sie dringend vom 19. bis 22. Mai nach Leipzig kommen, findet Alf Reuter, Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik. Im Interview mit der OT-Redaktion gibt er einen Einblick in die Vorbereitung zur Weltleitmesse und zum Weltkongress und erklärt, warum die OTWorld für jeden und jede aus dem Fach ein Pflichttermin ist.
Herr Reuter, Sie werden im Mai Ihre vierte OTWorld als Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik erleben. Bedeutet das für Sie mittlerweile Routine oder verspüren Sie immer noch ein bisschen Kribbeln im Bauch?
Alf Reuter: Ganz ehrlich, ein bisschen Kribbeln ist immer dabei. Ich kenne die OTWorld seit vielen Jahren – erst als junger Orthopädietechniker, später als Betriebsinhaber und heute als Präsident des BIV-OT. Routine wird sie trotzdem nie. Wenn Kollegen aus mehr als 90 Ländern zusammenkommen und Medizin, Wissenschaft und Handwerk miteinander ins Gespräch treten, entsteht eine besondere Dynamik. Das macht die OTWorld ja so spannend.
2026 ist keine „normale“ Veranstaltung, denn die OTWorld feiert ihren 50. Geburtstag. Was bedeutet es für das Fach, dass es seit fünf Jahrzehnten diese Veranstaltung gibt – und können Sie aus Ihrer persönlichen Erfahrung heraus die Entwicklung zur Weltleitmesse und zum Weltkongress skizzieren?
Für mich sind 50 Jahre OTWorld vor allem ein Zeichen dafür, was unser Berufsstand aufgebaut hat. Aus den Jahresversammlungen des Bundesinnungsverbandes ist Schritt für Schritt eine Plattform mit weltweiter Strahlkraft entstanden. Viele innovative Versorgungskonzepte wurden in Leipzig vorgestellt – und wurden im Anschluss im Alltag selbstverständlich. Die OTWorld steht seit fünf Jahrzehnten für das Zusammenspiel von technischem Fortschritt und Versorgungspraxis. Nicht zuletzt zeigen 50 Jahre OTWorld, dass unser Handwerk in Deutschland international großes Ansehen genießt.
Die OTWorld haben Sie einmal als „großes Klassentreffen“ bezeichnet. Zeichnet das die Veranstaltung aus?
Ja, absolut. Die OTWorld ist ein Klassentreffen – allerdings auf fachlich höchstem Niveau. Dort begegnen sich erfahrene Kollegen und junge Talente aus Wissenschaft, Industrie und Praxis. Man diskutiert konkrete Versorgungen, lernt voneinander und fährt mit neuen Ideen und manchmal mit neuen Freunden zurück in den Betrieb.
Haben Sie sich schon ein paar Höhepunkte aus dem Kongressprogramm herausgesucht?
Besonders gespannt bin ich auf die Schwerpunkte der Kongresspräsidenten. Dr. Doris Maier stellt die Rehabilitation in den Mittelpunkt – ein Thema, das für Mobilität und Teilhabe unserer Patienten entscheidend ist. Thomas Münch rückt die Ausbildung in den Fokus, was angesichts des Fachkräftemangels sehr wichtig ist. Auch die Diskussion zur integrativen Versorgung erwarte ich mit Spannung.
Wie wichtig ist es, dass Auszubildende und Studierende nach Leipzig kommen?
Ich bin damals während meiner Ausbildungszeit auf eigene Faust gefahren, weil ich sehen wollte, was fachlich möglich ist. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Man kehrt anders in den Betrieb zurück, wenn man erlebt hat, wie groß und international unser Beruf ist, wie viel wir voneinander lernen können. Ich möchte daher meine Kollegen ausdrücklich ermutigen, auch ihrem Nachwuchs die Reise nach Leipzig
zu ermöglichen.
Ab vier Personen kostet das OTWorld-Messeticket, das die internationale Fachmesse und 130 Workshops sowie den eSummit beinhaltet, nur 29 Euro pro Person.
Viele Betriebe überlegen genau, welche Mitarbeiter sie nach Leipzig schicken und welches Ticket dafür sinnvoll ist. Welchen Rat geben Sie Ihren Mitgliedern?
Mein Rat ist ganz einfach: Leipzig ist ein Reiseziel fürs Team. Für viele Mitarbeiter ist das OTWorld-Messeticket ideal. Es bietet Zugang zur Fachmesse, zu den 130 Workshops und zum eSummit – mit vielen Impulsen für den Versorgungsalltag. Mein Tipp: Mitarbeiter ins Auto packen und gemeinsam zur OTWorld fahren. Wer tiefer in wissenschaftliche Themen einsteigen möchte, ist mit dem Komplett-Ticket gut beraten, das auch den Weltkongress umfasst.
Der Bundesinnungsverband ist fachlicher Träger der Veranstaltung. Was bedeutet das konkret?
Als fachlicher Träger prägt der BIV-OT die inhaltliche Ausrichtung der OTWorld, benennt etwa das Kongresspräsidenten-Duo oder wirkt im Programm- und Workshopkomitee mit. Gleichzeitig entsteht die Veranstaltung im Zusammenspiel vieler Partner – von der Confairmed über die Leipziger Messe bis zu den Ausstellern, den „OTWorld friends“ und vielen weiteren engagierten Partnern. Und genau dieses Zusammenspiel macht für mich die Stärke der OTWorld aus.
Hört die Politik zu, wenn Sie sprechen?
In Leipzig sprechen wir mit Fachkollegen, in Berlin müssen wir oft erst erklären, was unser Gewerk eigentlich leistet. Aber ich merke: Es hat sich etwas bewegt. Viele Entscheidungsträger haben heute ein klareres Bild davon, welchen Beitrag unsere Betriebe leisten. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, wie stark Bürokratie unsere Arbeit belastet.
Wie gelingt es Ihnen trotz politischer Wechsel, die Positionen des Fachs anzubringen?
Politik verändert sich ständig, das gehört dazu. Viele bleiben dem Thema Gesundheit über Jahre verbunden – nur in unterschiedlichen Rollen. Für uns heißt das: Wir müssen dranbleiben. Denn Kontinuität ist in der Interessenvertretung wichtiger als kurzfristige Schlagzeilen. Der Besuch der Bundesgesundheitsministerin in einem Sanitätshaus war ein wichtiger Fortschritt. Damit konnten wir erstmals eine amtierende Ministerin direkt im Versorgungsalltag begrüßen.

Hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken die Sorgen und Potenziale der Hilfsmittelversorgung im Blick?
Mein Eindruck: Die Ministerin kam sehr gut vorbereitet zu ihrem Besuch im Vital-Zentrum meines Vorstandskollegen Joachim Glotz. Sie wusste, welche Bedeutung die Hilfsmittelversorgung für das Gesundheitssystem hat, und auch die Bürokratiebelastung war ihr nicht neu. Besonders eindrucksvoll wirkte auf sie die Fußballtorwand mit 700 Ordnern vor Ort – ein Bild für die rund 700 Verträge, die ein Betrieb braucht, um Versicherte versorgen zu dürfen. Beim anschließenden Rundgang durch die Werkstatt hat sie angeboten, den Dialog mit uns weiterzuführen.
Der BIV-OT treibt mit dem Pilotprojekt zur eVerordnung und mit dem eSummit zentrale Digitalisierungsthemen voran. Wie wird sich das auf der OTWorld konkret widerspiegeln?
Digitalisierung wird auf der OTWorld sehr konkret erlebbar. Mit dem neuen „OTWorld eSummit“ schaffen wir erstmals einen festen Rahmen, in dem digitale Prozesse entlang der gesamten Versorgungskette verständlich und praxisnah aufgezeigt werden. Dort stellen wir unter anderem die komplette digitale Versorgungskette vor – von der Beantragung der SMC-B-Karte über die eVerordnung bis zur Abrechnung. Betriebe sollten sich unbedingt mit diesen Themen auseinandersetzen.
Die Fragen stellte Heiko Cordes.
Alf Reuter ist seit April 2014 Teil des Vorstands des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik. Ab April 2017 amtierte er in der Funktion des Vizepräsidenten. Von November 2017 bis März 2020 übernahm er die Leitung des Wirtschaftsausschusses. Seit März 2020 verantwortet er das Amt des Präsidenten. 2010 wurde Reuter in den Vorstand der Landesinnung Hessen für Orthopädie-Technik gewählt und bekleidet seit 2020 das Amt des Obermeisters. Reuter ist seit 1994 Orthopädietechnik-Meister, seit 2002 zeichnet er als geschäftsführender Gesellschafter der OTZ – Orthopädietechnisches Zentrum Lichtenau GmbH in Hessisch Lichtenau sowie weiteren Tochtergesellschaften in Rotenburg an der Fulda und Kassel verantwortlich.
- Echt, persönlich, herzlich — 21. April 2026
- „Leipzig ist ein Reiseziel fürs Team“ — 21. April 2026
- Umsatzverteilung der Orthopädieproduktgruppen — 20. April 2026



