„From Basic to Bionics“

In ihrem Gastbeitrag berichten Dipl.-Ing. Merkur Alimusaj, Heidelberg, und Dr. Jennifer Ernst, Göttingen, als Vertreter der Initiative ´93 vom 17. Weltkongress der Internationalen Gesellschaft für Prothetik und Orthetik(ISPO) International, der vom 5. bis zum 8. Oktober im japanischen Kobe stattfand.

Für uns Fel­lows der Initia­ti­ve ´93 hat die ISPO eine ganz beson­de­re Bedeu­tung – auf deren Welt­kon­gress 1992 in Chi­ca­go war die Geburts­stun­de zur Grund­idee zur Initia­ti­ve ´93, die dann letzt­end­lich ein Jahr spä­ter gegrün­det wur­de. Die Initia­ti­ve ´93 hat es sich zur Auf­ga­be gemacht, das ortho­pä­di­sche und tech­ni­sche Wis­sen zu ver­ste­ti­gen und Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten auf dem Gebiet der Tech­ni­schen Ortho­pä­die zu för­dern. Gemäß die­ser Grund­idee reis­ten wir ins fer­ne Japan, mit dem Ziel unse­ren Hori­zont zu erwei­tern und neu­es Wis­sen und Moti­va­ti­on mit nach Hau­se zu brin­gen Vor­ab zusam­men­ge­fasst ist es gemäß des ISPO-Leit­bilds gelun­gen, durch die inter­dis­zi­pli­nä­re Gestal­tung des wis­sen­schaft­li­chen Kon­gress­pro­gramms alle Dis­zi­pli­nen der Tech­ni­schen Ortho­pä­die aktiv ein­zu­bin­den und ihre außer­or­dent­li­che Zusam­men­ar­beit abzu­bil­den. Das Pro­gramm umfass­te Podi­en mit span­nen­den Vor­trä­gen welt­be­kann­ter Key­note-Spea­ker, inno­va­ti­ve Sym­po­si­en, Lehr­gän­ge sowie Pos­ter- und Fall­stu­di­en­prä­sen­ta­tio­nen. Es wur­de nicht nur der aktu­el­le Stand der Pro­the­tik und Orthe­tik dar­ge­stellt – es war eben­so moti­vie­rend zu sehen, wie inter­na­tio­na­le For­schungs­grup­pen über den aktu­el­len Hori­zont hin­aus­bli­cken und uns Kon­gress­teil­neh­mer mit ihren Ergeb­nis­sen inspi­rier­ten, auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen zu schaf­fen, in der indi­vi­du­el­le Reha­bi­li­ta­ti­ons­be­dürf­nis­se zukünf­tig erfüllt wer­den kön­nen. Stell­ver­tre­tend für vie­le Facet­ten, wel­che in Kobe beleuch­tet wur­den, war der „Point­dex­ter“ des US-ame­ri­ka­ni­schen Pro­the­sen-Pas­s­tei­le-Her­stel­lers Col­le­ge Park ein per­sön­li­ches High­light aus dem Bereich der Pro­the­tik der obe­ren Extre­mi­tät. Die­se von der natio­na­len Gesund­heits­be­hör­de geför­der­te Inno­va­ti­on inte­griert einen „Hook“ oder Grei­fer in einer mul­ti­ar­ti­ku­lie­ren­den Hand, sodass die häu­fig beschrie­be­nen Schwie­rig­kei­ten der bisherigen

mul­ti­ar­ti­ku­lie­ren­den Hän­de, klei­ne Gegen­stän­de sta­bil grei­fen zu kön­nen, über­wun­den wer­den soll­te. Robo­tik und soge­nann­te Assis­tenz­sys­te­me waren ein eige­ner The­men­schwer­punkt des Kon­gres­ses und bil­de­ten den Zeit­geist der Reha­bi­li­ta­ti­ons­be­dürf­nis­se unse­rer altern­den Gesell­schaft und des medi­zi­ni­schen Fort­schritts ab. Par­al­lel zum Haupt­kon­gress fand eine Aus­stel­lung für Robo­ter­tech­no­lo­gie und ‑gerä­te statt. Der Gast­ge­ber­kon­ti­nent Asi­en und ins­be­son­de­re Japan taten sich hier ganz beson­ders mit ihren Inno­va­tio­nen und Initia­ti­ven im Bereich von Ent­wick­lun­gen der assis­tie­ren­den Sys­te­me und der zugrun­de­lie­gen­den Tech­no­lo­gien her­vor. Ein wei­te­res Haupt­the­ma in Kobe war die nicht-medi­ka­men­tö­se The­ra­pie von Schmer­zen – ins­be­son­de­re von Phan­tom­schmer­zen. In sei­ner Key­note „Osseo-neu­ro­mus­cu­lar

Inte­gra­ti­on of Prost­he­tic Lim­bs and Neu­ro­reha­bi­li­ta­ti­on from Phan­tom Limb Pain“ konn­te Prof. Max-Ortiz Cata­lan aus Schwe­den einen beein­dru­cken­den Über­blick des gegen­wär­ti­gen Stan­des der „Bio­nik“, also dem Ver­schmel­zen von Bio­lo­gie und Tech­nik geben. Hier arbei­ten Ärz­te, Inge­nieu­re, Tech­ni­ker und The­ra­peu­ten immer enger in Ent­wick­lung und Ver­sor­gung zusam­men. So kön­nen alle ihr Exper­ten­wis­sen maxi­mal in inno­va­ti­ve aber auch kom­ple­xe Ver­sor­gun­gen ein­brin­gen – ein unglaub­li­ches Poten­ti­al. Dies trifft auch für das wei­te­re Schwer­punkt­the­ma „Osseo­in­te­gra­ti­on“ zu, wel­ches offen­kun­dig der­zeit eine außer­or­dent­li­che Wahr­neh­mung auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne erfährt. Die Viel­zahl der Markt­ver­füg­ba­ren Implan­ta­te konn­ten nicht nur auf dem Indus­trie­teil des Welt­kon­gres­ses inspi­ziert wer­den, die refe­rier­ten (Langzeit)-ergebnisse der Schwe­den, Aus­tra­li­er und eines deut­schen Implan­tats führ­ten zu erhitz­ten und durch­aus emo­tio­na­len Dis­kus­sio­nen. Hier ist implan­tat­un­ab­hän­gig die Zusam­men­füh­rung aller Ergeb­nis­se in ein Regis­ter not­wen­dig, um zukünf­tig unab­hän­gi­ge Emp­feh­lun­gen für die­se Ver­sor­gungs­mög­lich­keit aus­spre­chen zu kön­nen. Abschlie­ßend möch­ten wir dem Orga­ni­sa­ti­ons­team der ISPO für die­sen fan­tas­ti­schen Kon­gress in einem beein­dru­cken­den Land dan­ken. Wir freu­en uns schon auf die nächs­te Ver­an­stal­tung 2021 im mexi­ka­ni­schen Guadalajara.

Die Autoren: Mer­kur Ali­mus­aj (Dipl.-Ing.), Lei­ter Tech­ni­sche Ortho­pä­die am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Hei­del­berg – Zen­trum für Orthopädie,Unfallchirurgie und Paraplegiologie
Dr. med. Jen­ni­fer Ernst, Ärz­tin Kli­nik für Unfall­chir­ur­gie, Ortho­pä­die und Plas­ti­sche Chir­ur­gie der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göttingen

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