Ent­wick­lung eines Orthe­sen­knö­chel­ge­lenks mit neu­ar­ti­gem Rückstellfederelement

N. Fittkau, A. Spickenheuer
Die Versorgung neurologisch betroffener Patienten mit ihren individuellen Bedürfnissen stellt die Orthopädietechnik täglich vor neue Herausforderungen. Hierbei ist es außerordentlich wichtig, eine genaue Anamnese durchzuführen, um die Schwächen und Stärken des Patienten zu erkennen und einen klaren Maßnahmenplan für die technische Versorgung zu erstellen. Explizit die orthetische Versorgung erfordert umfassende biomechanische Kenntnisse, technisches Verständnis für Mechanik und Formgefühl bei Maßnahme und Gestaltung der körpernahen Auflageflächen. Der Gangmechanismus ist ein komplexer Prozess, der durch das Zusammenwirken von Muskeln, Gelenken, Nervensystem und dem Gleichgewichtssinn gesteuert wird. Ebenso sind grundsätzliche Kenntnisse über die anatomischen Strukturen erforderlich, um pathologische Bewegungsmuster einzuordnen und entsprechende Behandlungsstrategien zu entwerfen. Die daraus entstehenden mechanischen Anforderungen an ein Knöchelorthesengelenk sind von großer Relevanz, um eine adäquate Patientenversorgung sicherzustellen. Sogenannte Systemgelenke von unterschiedlichen Herstellern bauen typischerweise auf bekannte mechanische Technologien und Federelementkonzepte auf, die verschiedene Vor- und Nachteile besitzen. Dies war der Ansatz für die Neuentwicklung des Systemknöchelgelenkes „CarbonFlex“ (CF), welches zum Ziel hat, bekannte Schwächen bisheriger Konstruktionen auszugleichen und die Versorgung des Patienten zu verbessern. Hierzu soll ein Überblick über den Entwicklungsprozess und die vorläufigen Ergebnisse gegeben werden.

Das Sprung­ge­lenk des mensch­li­chen Körpers

Die drei­di­men­sio­na­le Bewe­gung der Sprung­ge­len­ke ermög­licht eine effi­zi­en­te Abroll­be­we­gung des Fußes wäh­rend des Gehens und Lau­fens, indem die Gelen­ke auf unter­schied­li­che Belas­tun­gen und Unter­grün­de reagie­ren. Es ist wich­tig zu beto­nen, dass die­se Bewe­gun­gen nicht iso­liert von­ein­an­der statt­fin­den, son­dern in einem koor­di­nier­ten Zusammenspiel.

Die Bewe­gun­gen in den drei Haupt­ebe­nen – der Sagit­tal­ebe­ne, der Fron­tal­ebe­ne und der Trans­ver­sal­ebe­ne – sind in Abbil­dung 1 nach Hoh­mann und Uhl­ig1 beschrieben.

Der Funk­ti­ons­aus­gleich orthe­ti­scher Knö­chel­ge­lenk­sys­te­me fokus­siert sich in der Regel auf das obe­re Sprung­ge­lenk (OSG), wel­ches wesent­li­che Funk­tio­nen für eine effek­ti­ve Fort­be­we­gung ermög­licht. Patho­lo­gi­sche Bewe­gungs­mus­ter füh­ren hier zu einer deut­lich redu­zier­ten Mobi­li­tät der betrof­fe­nen Patienten.

Wie in Abbil­dung 2 nach Hoh­mann und Uhl­ig2 zu erken­nen, wird zwi­schen akti­ver (Eigen­kraft) und pas­si­ver (Fremd­kraft) Ran­ge of Moti­on unter­schie­den. Laut der Neu­tral-Null-Metho­de besteht eine akti­ve Beweg­lich­keit von 20–0‑40, wel­che im Gang nicht voll­um­fäng­lich genutzt wird. Im nor­ma­len Gang­zy­klus wer­den ca. 10° Dor­sal­ex­ten­si­on und 15° Plant­ar­fle­xi­on benö­tigt3.

Das unte­re Sprung­ge­lenk (USG) hat im Wesent­li­chen die Funk­ti­on der Stoß­dämp­fung und Adap­ti­on an ver­schie­de­ne Unter­grün­de. Häu­fig ist die Funk­tio­na­li­tät in die­ser Gelen­kebe­ne durch den Auf­bau der orthe­ti­schen Ver­sor­gung deut­lich ein­ge­schränkt. In der Orthe­tik fin­det das USG in den meis­ten Fäl­len Berück­sich­ti­gung in einer ent­spre­chend tei­le­las­tisch gefer­tig­ten Fuß­scha­le mit elas­ti­scher Fuß­bet­tung4.

Rele­van­te Kräf­te inner­halb ana­to­mi­scher Strukturen

Im bio­me­cha­ni­schen Sin­ne hat der Fuß vie­le Auf­ga­ben zu bewäl­ti­gen und gewähr­leis­tet die Last­über­nah­me des viel­fa­chen Kör­per­ge­wich­tes. Der Fuß über­trägt zudem die Kräf­te, die neben der Gleich­ge­wichts­re­gu­lie­rung auch der Fort­be­we­gung die­nen. Um die viel­fäl­ti­gen Anfor­de­run­gen zu erfül­len, hat der Fuß eine kom­ple­xe knö­cher­ne, mus­ku­lä­re und liga­men­tä­re Struk­tur (Abb. 3). Die­se erlaubt es, dass der Fuß je nach Bedarf sei­ne Stel­lung, sei­ne Form und sei­ne Stei­fig­keit ver­än­dert. Die Anord­nung der Fuß­kno­chen bil­det eine cha­rak­te­ris­ti­sche längs­ge­wölb­te Form. Das Quer­ge­wöl­be wird durch die Mit­tel­fuß­kno­chen gebil­det, wel­ches durch mus­ku­lä­re und fas­zia­le Ver­span­nun­gen ent­steht. Die­ses dient pri­mär zur Erzeu­gung der erfor­der­li­chen Stei­fig­keit des Vor­fu­ßes in der Abstoß­pha­se5.

Das OSG und das USG erlau­ben Bewe­gung in zwei unter­schied­li­chen ana­to­mi­schen Ach­sen sowie zusam­men­ge­setz­te Bewe­gun­gen durch die struk­tu­rel­le Anord­nung der Kno­chen im Mit­tel­fuß. Die Kine­ma­tik des Fußes wird wesent­lich durch das OSG und das USG bestimmt. Der Talus hat hier eine beson­de­re Posi­ti­on, weil er an bei­den Gelen­ken betei­ligt ist und kei­nen eige­nen Mus­kel­an­satz auf­weist. Die Mus­keln über­span­nen den Talus, wes­halb die ein­wir­ken­den Kräf­te mus­ku­lär kom­pen­siert wer­den müs­sen. Zudem kreu­zen sich bei­de Ach­sen im Sinus Tar­si, was die gekop­pel­te Funk­tio­na­li­tät im Sin­ne eines aty­pi­schen Kar­dan-Gelen­kes beschreibt6.

Patho­lo­gi­sche Bewe­gungs­mus­ter und ent­spre­chen­de Gegenmaßnahmen

Die Ein­tei­lung der Gang­ty­pen nach der N.A.P. Gait Clas­si­fi­ca­ti­on beschreibt bei­spiels­wei­se vier ver­schie­de­ne Gang­ty­pen. Die vor­lie­gen­de Talus­fehl­stel­lung in Inver­si­on und Ever­si­on erfor­dert eine kom­pen­sa­to­ri­sche hyper­ex­ten­dier­te oder hyper­fek­tier­te Knie­stel­lung des betrof­fe­nen Pati­en­ten7. Auch wenn die patho­lo­gi­schen Mus­kel­funk­tio­nen hier ursäch­lich ver­ant­wort­lich sind, wird ersicht­lich, dass die kor­rek­te sta­ti­sche Basis des Talus erfor­der­lich ist, um eine effi­zi­en­te Fort­be­we­gung zu ermög­li­chen. Phy­sio­the­ra­peu­ti­sche, aber auch orthe­ti­sche Inter­ven­tio­nen bie­ten hier gute Möglichkeiten.

Qua­li­fi­zier­te Phy­sio­the­ra­pie nutzt die Fer­sen­kipp­he­bel­funk­ti­on zur Schu­lung natür­li­cher Gang­mus­ter. Bei die­sem Deh­nungs­ver­kür­zungs­zy­klus wer­den kor­rek­te neu­ro­na­le Ver­bin­dun­gen im Gehirn durch moto­ri­sche Impul­se gestärkt und spe­zi­fi­sche Mus­kel­grup­pen durch geziel­tes Kraft­trai­ning gekräftigt.

Kine­ma­tisch erzeugt die Boden­re­ak­ti­ons­kraft wäh­rend des „initi­al cont­act“ und der „loa­ding respon­se“ ein Dreh­mo­ment im OSG, was zu Rota­tio­nen im OSG und um den Fer­sen­auf­tritts­punkt führt und eine pas­si­ve Plant­ar­fle­xi­on des Fußes bewirkt. Kine­tisch arbei­tet der Mus­cu­lus tibia­lis ante­rior exzen­trisch gegen die­se Plant­ar­fle­xi­on, wodurch ein kon­trol­lier­tes Absen­ken des Fußes ermög­licht wird.

Für die Inte­gra­ti­on der Fer­sen­kipp­he­bel­funk­ti­on in eine Ank­le-Foot-Ortho­sis (AFO), wel­che eine Win­kel­ver­än­de­rung im OSG initi­iert, sind ein ein­stell­ba­rer Wider­stand in der Plant­ar­fle­xi­on und ein phy­sio­lo­gi­scher Dreh­punkt erfor­der­lich. Eine sol­che AFO unter­stützt die phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Zie­le im All­tag durch kon­trol­lier­te pas­si­ve Plant­ar­fle­xi­on8.

Kann ein mecha­ni­sches Gelenk die feh­len­den Mus­kel­funk­tio­nen ersetzen?

In der all­täg­li­chen Bewe­gung arbei­ten kon­zen­tri­sche und exzen­tri­sche Kon­trak­tio­nen wech­sel­sei­tig zusam­men, um kom­ple­xe und prä­zi­se Bewe­gun­gen zu ermög­li­chen. Die Begrif­fe „kon­zen­trisch“, „iso­me­trisch“ und „exzen­trisch“ bezie­hen sich auf ver­schie­de­ne Pha­sen der mus­ku­lä­ren Kon­trak­ti­on und Deh­nung wäh­rend der Bewe­gung (Abb. 4).

Kon­zen­tri­sche Mus­kel­kon­trak­ti­on: Kon­zen­tri­sche Kon­trak­ti­on tritt auf, wenn sich der Mus­kel aktiv ver­kürzt, um eine Bewe­gung aus­zu­füh­ren. Im Fal­le der Unter­schen­kel­mus­ku­la­tur, beson­ders der Waden­mus­ku­la­tur, geschieht dies wäh­rend einer akti­ven Plant­ar­fle­xi­on in Ter­mi­nal Stance/Pre Swing. Wäh­rend die­ser Bewe­gung zie­hen sich die Mus­kel­fa­sern zusam­men, und der Mus­kel wird kür­zer9.

Iso­me­tri­sche Mus­kel­kon­trak­ti­on: Iso­me­tri­sche Mus­kel­kon­trak­ti­on tritt auf, wenn der Mus­kel sta­tisch kon­tra­hiert und die anlie­gen­den Kör­per­tei­le kei­ne Win­kel­ver­än­de­rung voll­zie­hen. Es wird also Kraft auf­ge­baut, ohne die Län­ge des Mus­kels zu ver­än­dern. Die­se ent­steht bei­spiels­wei­se wäh­rend der Kokon­trak­ti­on der Unter­schen­kel­mus­ku­la­tur im sta­bi­len Stand unter Belastung.

Exzen­tri­sche Mus­kel­kon­trak­ti­on: Exzen­tri­sche Kon­trak­ti­on tritt auf, wenn sich der Mus­kel kon­ti­nu­ier­lich ver­län­gert, wäh­rend er einer Belas­tung wider­steht. Im Fal­le der prä­ti­bia­len Mus­ku­la­tur geschieht dies beim Absen­ken des Fußes wäh­rend Ini­tal Contact/Loading Respon­se10.

Rele­van­te Mus­kel­ak­ti­vi­tä­ten im mensch­li­chen Gangzyklus

Für die Gesamt­be­ur­tei­lung der auf­tre­ten­den kon­zen­tri­schen und exzen­tri­schen Mus­kel­funk­tio­nen gibt die Über­sicht der EMG-Ampli­tu­den mit den Spit­zen­wer­ten der rele­van­ten Mus­kel­grup­pen aus der Abbil­dung 5 einen guten Über­blick. Um eine ent­spre­chen­de Ver­sor­gungs­stra­te­gie auf­zu­bau­en, defi­nie­ren die patho­lo­gi­schen Mus­kel­de­fi­zi­te hier die tech­ni­sche Anfor­de­rung an die Patientenversorgung.

Als Bei­spiel wird die Dor­sal­ex­ten­si­on des OSG in Mid stance/Terminal stance durch äuße­re Boden­re­ak­ti­ons­kräf­te ein­ge­lei­tet. Die stärks­ten Momen­te im OSG ent­ste­hen vor dem soge­nann­ten Push-off in der ter­mi­na­len Stand­pha­se (Abb. 6). Dem ent­ge­gen ste­hen die kom­pen­sa­to­ri­schen Kräf­te der Unter­schen­kel­mus­ku­la­tur (Mus­kel­kon­trak­ti­on), wel­che in dem Leis­tungs­dia­gramm (Abb. 7) dar­ge­stellt wer­den. Hier wird ersicht­lich, dass ein ent­spre­chen­des Dreh­mo­ment immer eine ant­ago­nis­ti­sche Gegen­kraft benö­tigt, um das nöti­ge Kräf­te­gleich­ge­wicht wiederherzustellen.

Zwi­schen­fa­zit

Der­zei­ti­ge mecha­ni­sche Orthe­sen-Gelenk­sys­te­me kön­nen die exzen­tri­sche Mus­kel­funk­ti­on gut unter­stüt­zen und patho­lo­gi­sche Bewe­gungs­aus­schlä­ge begren­zen. Die­se sto­ßen beim Aus­gleich der kon­zen­tri­schen Akti­vi­tät aber an ihre Gren­zen. Die dyna­mi­sche Rück­füh­rung geht kon­struktiv immer zurück auf den ein­ge­stell­ten Null­punkt des Gelen­kes, was in bestimm­ten Gang­pha­sen nicht phy­sio­lo­gisch ist. Zu nen­nen ist hier bei­spiels­wei­se die ter­mi­na­le Stand­pha­se. Die kon­zen­tri­sche Funk­ti­on der Wade erfor­dert hier im Norm­bereich eine Win­kel­ver­än­de­rung im OSG von 10° Dor­sal­ex­ten­si­on auf 15° Plant­ar­fle­xi­on, um den nöti­gen Push-off zu generieren.

Ent­wick­lung eines neu­ar­ti­gen Orthesengelenkes

Stand der Technik

Im Rah­men des Ver­bund­for­schungs­vor­ha­bens „Flex­Or“ (ZF 4451701AK7) des Zen­tra­len Inno­va­ti­ons­pro­gramms Mit­tel­stand (ZIM), geför­dert durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz (BMWK), wur­de die Ent­wick­lung eines neu­ar­ti­gen Orthe­sen­ge­lenks initi­iert. Dabei wur­de zunächst der Stand der Tech­nik untersucht.

Die gän­gi­gen Knö­chel­ge­lenk­kon­struk­tio­nen haben, mit weni­gen Aus­nah­men, ihren Ein­satz im Aus­gleich bei Funk­ti­ons­stö­run­gen im OSG. Hier tre­ten bekann­ter­wei­se die größ­ten Kräf­te und Win­kel­ver­än­de­run­gen auf, wel­che für den effek­ti­ven Vor­trieb im Gang­zy­klus ent­schei­dend sind. Bei den Kon­struk­tio­nen han­delt es sich um soge­nann­te Dou­ble-Action-Gelen­ke, bei wel­chen Bewe­gungs­aus­schlä­ge und die Belas­tungs­wi­der­stän­de unab­hän­gig in bei­de Bewe­gungs­rich­tun­gen von­ein­an­der jus­tiert wer­den kön­nen (Abb. 8).

Bei her­kömm­li­chen Gelenk­sys­te­men sind die Feder­pa­ke­te jeweils in einem bestimm­ten Win­kel zum Sys­tem­fuß­bü­gel ange­ord­net, um die opti­ma­le Auf­nah­me der Kräf­te zu gewähr­leis­ten. Im Gang­zy­klus kom­pri­miert der Fuß­bü­gel die ent­spre­chen­den Feder­ele­men­te in der Stand­pha­se und sorgt bei Ent­las­tung für eine Abga­be der gespei­cher­ten Energie.

Fol­gen­de Merk­ma­le an bestehen­den Gelenk­sys­te­men konn­ten fest­ge­stellt werden:

  • Hohe Mas­se und gro­ßer Bau­raum: Aktu­el­le Orthe­sen­ge­len­ke wei­sen eine hohe Struk­tur­mas­se und einen ver­gleichs­wei­sen gro­ßen Bau­raum auf. Dies resul­tiert u. a. aus den bio­me­cha­ni­schen Anfor­de­run­gen, wie dem Errei­chen einer hohen Rück­stell­kraft. Durch den vor­ran­gi­gen Ein­satz von zum Teil mas­si­ven Schrau­ben- bzw. Tel­ler­fe­dern aus Stahl sind hier­für ent­spre­chend gro­ße Bau­räu­me not­wen­dig und resul­tie­ren in einer hohen Bauteilmasse.
  • Geräusch­in­ten­si­ve Nut­zung: Aktu­el­le Orthe­sen­ge­len­ke besit­zen bau­wei­sen­be­dingt akus­tisch wahr­nehm­ba­re Betriebs­ge­räu­sche. Beson­ders hin­sicht­lich der Akzep­tanz der Pati­en­ten (Com­pli­ance) stellt dies eine gro­ße Ein­schrän­kung dar.
  • Kom­ple­xe Bau­wei­sen: Der Ein­satz von Tel­ler- und Schrau­ben­fe­der­kon­zep­ten erfor­dert eine auf­wen­di­ge kon­struk­ti­ve Umset­zung. Dies wie­der­um bedingt den Ein­satz von Exper­ten für eine teil­wei­se auf­wen­di­ge und zeit­in­ten­si­ve Mon­ta­ge und Jus­ta­ge bestehen­der Sys­te­me. So kön­nen Jus­ta­gen an vor­han­de­ne Sys­te­me teil­wei­se nur durch Ver­stel­lung inner­halb der Feder­ein­heit erreicht wer­den, wodurch eine feh­ler­haf­te Ein­stel­lung der Kom­po­nen­ten begüns­tigt wer­den kann.

Anfor­de­run­gen an ein neu­es Federgelenk

Für die Ent­wick­lung eines neu­en Gelenk­an­sat­zes wur­den hier­aus fol­gen­de Ziel­stel­lun­gen abgeleitet:

  • Ver­bes­ser­te Com­pli­ance: Eine ver­bes­ser­te Akzep­tanz bei den Trä­gern von Bein­or­the­sen soll durch die Mini­mie­rung des Bau­raums und der Struk­tur­mas­se erreicht wer­den. Gleich­zei­tig soll ein neu­es Gelenk mög­lichst mini­ma­le Geräusch­emis­sio­nen aufweisen.
  • Ein­fa­che Bau­wei­se: Der neue Gelenk­me­cha­nis­mus soll mög­lichst ein­fach mon­tier­bar, war­tungs­arm und idea­ler­wei­se über eine ein­fa­che Jus­ta­ge ver­fü­gen. Die Anzahl an not­wen­di­gen Bau­tei­len soll auf ein Mini­mum redu­ziert wer­den. Den der­zei­ti­gen Stan­dards bzgl. der Ver­mei­dung von Klemm­ge­fah­ren und der Ver­wen­dung eta­blier­ter Sys­tem­brei­ten soll dar­über hin­aus ent­spro­chen werden.
  • Ange­streb­ter Funk­ti­ons­um­fang: Das neue Gelenk soll mög­lichst über eine vol­le Feder­kraft bei vol­ler Ran­ge-of-Moti­on ver­fü­gen. Das heißt, dass unab­hän­gig von der Feder­kraft ein Aus­schlag von 20° in jede Bewe­gungs­rich­tung (Plantarflexion/Dorsalextension) mög­lich sein soll. Die Beweg­lich­keit soll zudem mit jus­tier­ba­ren Anschlä­gen nach­träg­lich ein­ge­schränkt wer­den kön­nen. Dar­über hin­aus soll auch der Gelenk­win­kel (Ran­ge of Moti­on) bis zur voll­stän­di­gen Blo­ckie­rung des Bewe­gungs­aus­schlags ver­stell­bar sein. Dies ist not­wen­dig, um im Fal­le einer Sta­tus­ver­än­de­rung oder einer gering­fü­gi­gen Stel­lungs­kor­rek­tur nach­bes­sern zu kön­nen, jedoch ohne dabei die Federn unter­schied­lich vor­zu­span­nen, sodass stets der maxi­ma­le Feder­weg zur Ver­fü­gung steht.

Kon­struk­ti­ons­be­schrei­bung des neu­ar­ti­gen Knöchelgelenks

Zunächst aus­ge­hend von einem Schrau­ben­fe­der­an­satz stell­te sich im Ver­lauf der Ent­wick­lung ein Kon­struk­ti­ons­prin­zip auf Basis von Blatt­fe­dern als vor­teil­haft her­aus. Blatt­fe­dern kön­nen sowohl platz­spa­rend als auch unter Ein­satz alter­na­ti­ver Werk­stof­fe rea­li­siert wer­den, wodurch eine deut­li­che Sen­kung von Bau­raum und Struk­tur­mas­se erzielt wer­den kann.

Werk­stoff­aus­wahl: Metal­le und Verbundwerkstoffe

Für hoch­be­las­te­te Bau­tei­le hat sich Stahl als Werk­stoff für inge­nieur­tech­ni­sche Auf­ga­ben eta­bliert, da er her­aus­ra­gen­de mecha­ni­sche Eigen­schaf­ten besitzt. Zuneh­mend wer­den jedoch Stahl und auch Leicht­me­tall­le­gie­run­gen durch Ver­bund­werk­stof­fe, bestehend aus einer Ver­stär­kungs­fa­ser und einer Kunst­stoff­ma­trix, wie koh­len­stoff­fa­ser­ver­stärk­ter Kunst­stoff (CFK) oder glas­fa­ser­ver­stärk­ter Kunst­stoff (GFK), ersetzt. Vor allem bei Leicht­bau­an­wen­dun­gen spie­len die mecha­ni­schen Kenn­wer­te für Stei­fig­keit und Fes­tig­keit eine ent­schei­den­de Rol­le. Bezo­gen auf die Werk­stoff­dich­te über­tref­fen die­se soge­nann­ten spe­zi­fi­schen Kenn­wer­te bei einer Betrach­tung des Werk­stoffs in Faser­rich­tung bei­spiels­wei­se für CFK die Stei­fig­keit (Elas­ti­zi­täts­mo­dul) von Feder­stahl um mehr als das Zwei­ein­halb­fa­che. Hin­sicht­lich der Belast­bar­keit (Zug­fes­tig­keit) wird die­ser Wert sogar über das Vier­ein­halb­fa­che über­trof­fen (Tab. 1). Die­ses Eigen­schafts­pro­fil kann gezielt genutzt wer­den, um die Bau­teil­mas­se signi­fi­kant zu ver­rin­gern. Dar­über hin­aus bie­ten Ver­bund­werk­stof­fe gegen­über Stahl und Alu­mi­ni­um­le­gie­run­gen wei­te­re Vor­tei­le, wie etwa deut­lich bes­se­re Kor­ro­si­ons­be­stän­dig­keit und in bestimm­ten Fäl­len sogar eine Wider­stands­fä­hig­keit gegen­über Materialermüdung.

Jedoch stellt der Ein­satz von Ver­bund­werk­stof­fen den Anwen­der auch vor beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen. Eine ver­gleichs­wei­se gerin­ge Här­te begüns­tigt die Abra­si­on. Außer­dem sind umfang­rei­che Kennt­nis­se zum stark aniso­tro­pen (rich­tungs­ab­hän­gi­gen) Werk­stoff­ver­hal­ten, zur Ver­ar­bei­tung und zur Recy­cling­fä­hig­keit des Werk­stoffs notwendig.

Aus die­sem Grund wer­den sowohl Blatt­fe­der­kon­zep­te auf Basis von Metal­len als auch Ver­bund­werk­stof­fen unter­sucht. Bedingt durch das Kon­struk­ti­ons­prin­zip ist sogar eine Kom­bi­na­ti­on unter­schied­li­cher Werk­stof­fe inner­halb eines Blatt­fe­der­pa­kets realisierbar.

Die Inno­va­ti­on: Blatt­fe­der ver­sus Schrau­ben- und Tellerfeder

Dem neu ent­wi­ckel­ten Orthe­sen­ge­lenk wur­de die Bezeich­nung Car­bon­Flex (CF) gege­ben, die auf den mög­li­chen Ein­satz von Car­bon­fe­dern hin­weist. Bei dem neu­ar­ti­gen Feder­sys­tem funk­tio­niert der Fuß­bü­gel wie ein Pen­del, wel­ches die vor­ge­spann­ten Blatt­fe­dern aus­lenkt. Die Feder­blatt­sta­pel neh­men Bewe­gungs­en­er­gie auf und geben die­se bei Ent­las­tung wie­der ab.

Durch die Anord­nung der Blatt­fe­dern im Ver­lauf der Sys­tem­schie­nen kann das Gelenk deut­lich schma­ler gestal­tet wer­den. Die Vor­span­nung der Feder­sta­pel sorgt zudem für einen har­mo­ni­schen Über­gang in der Be- und Ent­las­tungs­pha­se des Gan­ges, was zusätz­lich zu einer Redu­zie­rung der Geräusch­ent­wick­lung führt. In Abbil­dung 9 sind Schnitt­an­sich­ten des CF-Gelenks für zwei unter­schied­li­che Aus­len­kun­gen dargestellt.

Die Stei­fig­keit der Feder­pa­ke­te kann über die Kom­bi­na­ti­on ver­schie­de­ner CFK, GFK und Metall­fe­dern indi­vi­du­ell ein­ge­stellt wer­den und ist abhän­gig von dem jewei­li­gen Bedarf des Pati­en­ten. Über distal ange­ord­ne­ten Schrau­ben kann der Ran­ge of Moti­on im OSG bis zur Blo­ckie­rung der jewei­li­gen Bewe­gungs­rich­tung ein­ge­schränkt werden.

Bei voll­stän­di­ger Ent­fer­nung der Ein­stell­schrau­ben ist eine maxi­ma­le Aus­len­kung von 20° in jeder Bewe­gungs­rich­tung mög­lich. Die­se wird begrenzt durch die Stei­fig­keit der ein­ge­setz­ten Federpakete.

Der eigent­li­che Kor­pus des Gelen­kes besteht aus einer Titan­le­gie­rung und ist ledig­lich aus zwei Tei­len auf­ge­baut (Abb. 10). Die Mas­se des Gehäu­ses konn­te mit­hil­fe einer FEM(Finite-Elementen-Methode)-simulationsgestützten Topo­lo­gie­op­ti­mie­rung und eines addi­ti­ven Her­stel­lungs­ver­fah­rens deut­lich redu­ziert wer­den. Deckel und Gehäu­se wie­gen zusam­men nur rund 90 g.

Die Fer­ti­gung erfolgt addi­tiv qua­si abfall­frei im DLMS(Direct-Metal-Laser-Sintering)-Verfahren, einem laser­ba­sier­ten Pul­ver­betts­in­ter­ver­fah­ren. Über­schüs­si­ges Mate­ri­al wird auf­ge­fan­gen und wiederverwendet.

Mecha­nisch ver­fügt das Gehäu­se über eine Auf­nah­me des Fuß­bü­gels distal und des Sys­te­man­kers pro­xi­mal. Die Sys­tem­fe­dern wer­den mit­hil­fe des Metall­de­ckels in den Kor­pus ein­ge­führt und unter Vor­span­nung fixiert.

Auf der Rück­sei­te der Gelenk­kon­struk­ti­on befin­det sich eine exzen­tri­sche Ver­stel­lung, wel­che es erlaubt, nach­träg­lich die Posi­ti­on der Absatz­hö­he zu jus­tie­ren, ohne dabei die Feder­pa­ke­te zu kom­pri­mie­ren. Somit kön­nen Auf­bau­feh­ler oder Schuh­ver­än­de­run­gen mit einer Ver­stell­bar­keit von maxi­mal 10° in jede Bewe­gungs­rich­tung aus­ge­gli­chen wer­den.  Der Sys­te­man­ker wird zusätz­lich von zwei Maden­schrau­ben fixiert, nach­dem die Win­kel­ein­stel­lung vor­ge­nom­men wor­den ist.

Unter­su­chung der Eigen­schafts­pro­fi­le ver­schie­de­ner Gelenksysteme

Um das mecha­ni­sche Ver­hal­ten des neu ent­wi­ckel­ten Blatt­fe­der­ge­lenks zu bewer­ten und mit den am Markt ver­füg­ba­ren Kon­zep­ten zu ver­glei­chen, wur­den trans­la­to­ri­sche Mes­sun­gen ent­lang der sagit­ta­len Bewe­gungs­ebe­ne durch­ge­führt. Hier­für wur­de ein spe­zi­ell für die Kali­brier­prü­fung von Orthe­sen­ge­len­ken ent­wi­ckel­ter Prüf­stand ein­ge­setzt (Abb. 11).

Neben dem Car­bon­Flex-Gelenk mit einer mitt­le­ren Rück­stell­kraft wur­den noch wei­te­re Dou­ble-Action-Gelen­ke, wie oben beschrie­ben und in Abbil­dung 11 sche­ma­tisch dar­ge­stellt, mit Rück­stell­kräf­ten von „extra stark“ bis „extra weich“ expe­ri­men­tell unter­sucht. Die Aus­len­kung erfolg­te in posi­ti­ver und nega­ti­ver Rich­tung bis zu einer maxi­ma­len spe­zi­fi­schen Kraft von ca. ± 12 N/Nm bzw. einem maxi­ma­len Dreh­win­kel von ± 15° – je nach Stei­fig­keit des Gelenksystems.

Das Dia­gramm in Abbil­dung 12 zeigt das qua­li­ta­ti­ve Ver­hal­ten anhand von Kenn­kur­ven der gemes­se­nen spe­zi­fi­schen Kraft und des Dreh­win­kels für je ein Dou­ble-Action-Gelenk mit Schrau­ben­fe­der (weich) bzw. mit Tel­ler­fe­der (stark) sowie das Car­bon­Flex-Gelenk mit mit­tel­star­ker Rück­stell­kraft. Alle drei Gelenk­va­ri­an­ten wei­sen nach einem hier nicht dar­ge­stell­ten Anlauf­ver­hal­ten deut­li­che Hys­te­re­se­ef­fek­te auf. Das heißt, dass ein Teil der in den Federn gespei­cher­ten poten­zi­el­len Ener­gie in der Rück­stell­pha­se in Wär­me umge­wan­delt wird. Die­se Ener­gie­um­wand­lung resul­tiert mit hoher Wahr­schein­lich­keit aus kon­struk­ti­ons­be­ding­ten Rei­bungs­ef­fek­ten der ein­ge­setz­ten Feder­ele­men­te bzw. der Stellglieder.

Ein bemer­kens­wer­ter Unter­schied der unter­such­ten Gelenk­ty­pen ist jedoch, dass die Vari­an­ten mit Blatt­fe­dern eine glo­ba­le Hys­te­re­se auf­wei­sen. Eine weni­ger aus­ge­präg­te, aber dafür um die Null­stel­lung des Gelenks her­um auf­tre­ten­de Hys­te­re­se kann bei Gelenk­ty­pen mit Spi­ral­fe­dern beob­ach­tet wer­den. Dafür ver­hal­ten sich die­se bei grö­ße­ren Aus­len­kun­gen line­ar bzw. mit einer nur gerin­gen Hys­te­re­se. Im Gegen­satz hier­zu zeigt das Car­bon­Flex-Sys­tem­ge­lenk mit Blatt­fe­dern gera­de beim Null­durch­gang ein vor­ran­gig linea­res Ver­hal­ten und neigt erst bei grö­ße­ren Aus­len­kun­gen zu einem nicht­li­nea­ren Ver­hal­ten in Ver­bin­dung mit einer Energiedissipation.

Dies resul­tiert wahr­schein­lich aus der Gestal­tung des Blatt­fe­der­pa­kets, bei dem mit zuneh­men­der Aus­len­kung die außen­lie­gen­den Federn mit bean­sprucht und aus­ge­lenkt wer­den, was eine zuneh­men­de Rei­bung her­vor­ruft. Der deut­lich aus­ge­präg­te linea­re Anstieg beim Last­wech­sel von einem Blatt­fe­der­pa­ket zum ande­ren kann unter ande­rem als Ursa­che für eine gerin­ge­re Geräusch­ent­wick­lung beim Ein­satz des Car­bon­Flex-Sys­tem­ge­lenks ange­nom­men werden.

Zusam­men­fas­sung

Das vor­ge­stell­te neu­ar­ti­ge und in Abbil­dung 13 dar­ge­stell­te Orthe­sen­ge­lenk Car­bon­Flex basiert auf einem für Orthe­sen­ge­len­ke neu­ar­ti­gen Blatt­fe­der­prin­zip. Durch den Ein­satz von Leicht­bau­ver­bund­werk­stof­fen für die Blatt­fe­dern und eine nume­risch opti­mier­te Gehäu­se­kon­struk­ti­on ist eine Mas­sen­ein­spa­rung von bis zu 50 % gegen­über bereits am Markt eta­blier­ten Pro­duk­ten erreichbar.

Die Geräusch­ent­wick­lung konn­te deut­lich redu­ziert wer­den. Begrün­den lässt sich die­ses Ver­hal­ten sehr wahr­schein­lich mit einem geän­der­ten Ver­hal­ten beim Auf­la­den der Blatt­fe­der­pa­ke­te beim Null­durch­gang gegen­über bekann­ten Systemen.

Durch die geschlos­se­ne und auf ein Mini­mum an Kom­po­nen­ten redu­zier­te Bau­wei­se konn­te ein Schutz vor Schmutz­par­ti­keln erreicht wer­den. Der Fuß­bü­gel läuft zwi­schen zwei Tef­lon­schei­ben, um den Ver­schleiß auf ein Mini­mum zu redu­zie­ren. Die Feder­pa­ke­te, Bol­zen und Gleit­schei­ben müs­sen aktu­ell auf­grund der star­ken Belas­tung der Funk­ti­ons­bau­tei­le nach ca. sechs Mona­ten gewech­selt werden.

Die schlan­ke Bau­wei­se, wel­che durch die neu­ar­ti­ge Feder­kon­struk­ti­on mög­lich wird, ver­bes­sert die Tra­ge­ei­gen­schaf­ten im kon­fek­tio­nier­ten Schuh­werk deut­lich. Die Kon­zep­ti­on des Gelenks erfolg­te ana­log zu bekann­ten Sys­te­men, pri­mär auf einer Sys­tem­brei­te von 16 mm. Wei­te­re Sys­tem­brei­ten wer­den der­zeit entwickelt.

Die Mon­ta­ge ist ein­fach, schnell und redu­ziert poten­zi­el­le Mon­ta­ge­feh­ler. Die Feder­pa­ke­te wer­den vor­mon­tiert gelie­fert und kön­nen je nach Bedarf in das Sys­tem ein­ge­setzt werden.

Die nach­träg­li­che Jus­tie­rung über den Exzen­ter funk­tio­niert ein­wand­frei, beson­ders im Ver­lauf der dyna­mi­schen Anpro­be. Auch wenn die Win­kel­ver­än­de­rung nicht im Dreh­punkt des Knö­chel­ge­len­kes statt­fin­det, ent­steht kein Shif­ting im Bereich der kör­per­na­hen Anla­ge­flä­chen der Orthe­se. Der Exzen­ter muss nach erfolg­ter Jus­tie­rung wie­der fixiert wer­den und soll­te sich in der Defi­ni­tiv­ver­sor­gung mög­lichst in Neu­tral­stel­lung befinden.

Der Kor­pus ermög­licht eine Aus­len­kung des Gelenk­win­kels von 20° in jede Bewe­gungs­rich­tung. Die maxi­ma­le Win­kel­ver­än­de­rung hängt stark von den Stei­fig­kei­ten der jewei­li­gen Feder­pa­ke­te ab. Das Bie­ge­ver­hal­ten ist sehr dyna­misch und wird von den Pati­en­ten posi­tiv wahrgenommen.

Die Ent­wick­lung der Feder­ele­men­te des Gelen­kes stell­te ins­ge­samt die größ­te Her­aus­for­de­rung dar. Aktu­ell wer­den unter­schied­li­che Blatt­fe­der­va­ri­an­ten bzgl. ihres maxi­ma­len Stei­fig­keits- und Aus­len­kungs­ver­hal­tens unter­sucht sowie ver­schie­de­ne Ver­schleiß- und Dau­er­fes­tig­keits­un­ter­su­chun­gen durchgeführt.

Fazit und Ausblick

Das neu ent­wi­ckel­te Car­bon­Flex-Orthe­sen­ge­lenk zeich­net sich durch eine mode­ra­te Bau­teil­grö­ße, eine gerin­ge Mas­se, ein ein­fa­ches Kon­struk­ti­ons­prin­zip und har­mo­ni­sche Eigen­schaf­ten der ein­ge­setz­ten Blatt­fe­der­tech­no­lo­gie aus. Es lässt sich pro­blem­los in den meis­ten kon­fek­tio­nier­ten Schu­hen tra­gen. Das Kon­struk­ti­ons­prin­zip bie­tet ein hohes Poten­zi­al zur Ent­wick­lung unter­schied­li­cher Gelenk­grö­ßen, Vari­an­ten mit ver­schie­de­nen Rück­stell­kräf­ten und was­ser­fes­ter Bauteilgruppen.

Im Mit­tel­punkt wei­te­rer Ent­wick­lun­gen ste­hen das Errei­chen hoher Feder­wi­der­stän­de, wie sie bis­her von ande­ren Sys­tem­ge­len­ken erzielt wer­den, sowie die Erhö­hung des maxi­mal mög­li­chen Aus­len­kungs­win­kels. Hier­für exis­tie­ren bereits ver­schie­de­ne Lösungs­an­sät­ze für die Blatt­fe­der­kon­struk­ti­on, wel­che aktu­ell durch sta­ti­sche und dyna­mi­sche Unter­su­chun­gen eva­lu­iert werden.

 

Dank­sa­gun­gen:

Die Autoren bedan­ken sich bei Dr. Inke Marie Albert­sen, Lei­tung des Gang­la­bors der Schön Kli­nik in Ham­burg-Eil­beck, für die Erhe­bung, Aus­wer­tung und Inter­pre­ta­ti­on der ers­ten Test­ver­su­che mit der neu­en Gelenk­kon­struk­ti­on. Des Wei­te­ren dan­ken wir Harald Mel­chi­or, Mats Ole Schulz und Lenn­art Kosel von der Fir­ma Reha-OT Lüne­burg für die Auf­be­rei­tung kine­ti­scher Daten sowie die Dar­stel­lung, Ent­wick­lung und Erfin­dung der kon­struk­ti­ven Bau­teil­geo­me­trie. Eben­falls möch­ten wir uns beim Inge­nieur­bü­ro Krem­ser für die Unter­stüt­zung im Bereich Konstruk­tion und Pro­dukt­zu­las­sung bedan­ken, außer­dem Dipl.-Ing. Ema­nu­el Rich­ter und Dipl.-Ing. Jona­than Andrä für die durch­ge­führ­ten nume­ri­schen Berechnungen.

För­der­hin­weis:

Die hier vor­ge­stell­ten Ergeb­nis­se stam­men aus For­schungs- und Ent­wick­lungs­pro­jek­ten, die mit Mit­teln des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft und Ener­gie (BMWi) im Rah­men der ZIM-For­schungs­pro­jek­te „Flex­Or“ (För­der­kenn­zei­chen ZF4028409AK7) unter­stützt wurden.

Inter­es­sen­kon­flikt:

Der Autor Nor­man Fitt­kau ist für den Her­stel­ler von „Car­bon­Flex“ tätig.

 

Die Autoren:
Nor­man Fitt­kau, OTM
Callu­na Tec GmbH
An der Roten Blei­che 1
21335 Lüne­burg
fittkau@callunatec.de

Prof. Dr.-Ing. Axel Spickenheuer
Leib­niz-Insti­tut für Poly­mer­for­schung Dres­den e. V.
Hohe Str. 6
01069 Dres­den

 

Begut­ach­te­ter Beitrag/reviewed paper

Zita­ti­on
Fitt­kau N, Spi­cken­heu­er A. Ent­wick­lung eines Orthe­sen­knö­chel­ge­lenks mit neu­ar­ti­gem Rück­stell­fe­der­ele­ment. Ortho­pä­die Tech­nik, 2025; 76 (2): 32–39

 

 

Tab. 1  Mecha­ni­sche Kenn­wer­te von aus­ge­wähl­ten Kon­struk­ti­ons­werk­stof­fen (vgl. Gute­kunst + Co. KG. Feder­stahl­dräh­te und ihre Eigen­schaf­ten. Blog Federn­shop https://blog.federnshop.com/federstahldraht/; Zugriff am 13.11.2024 sowie Mat­Web. Stain­less Steel, Alu­mi­num 7075-T6 T651 / Tei­jin Ten­ax® E HTS40 F13 / E‑Glass Fiber, Gene­ric. https://www.matweb.com/search/DataSheet.aspx?MatGUID=0cf4755fe3094810963eaa74fe812895; Zugriff am 12.11.2024) .

Werk­stoff­kenn­wertFeder­stahl (1.4310)Alu­mi­n­um­le­gie­rung
(EN AW 7075-T6 T651)
CFK (HTS40/EP-Harz,
50 % Faservolumengehalt, 
Anga­ben in Faser­rich­tung)
GFK (E‑Glas/EP-Harz,
50 % Faservolumengehalt, 
Anga­ben in Faserrichtung)
Dich­te [g/cm³]7,92,81,51,9
Elas­ti­zi­täts­mo­dul [GPa]1857212137
Spe­zi­fi­sches Elastizitätsmodul 
[GPa/(g/cm³)]
23266220
Zug­fes­tig­keit [MPa]bis zu 250052422001976
Spe­zi­fi­sche Zugfestigkeit 
[MPa/(g/cm³)]
3161861472992

 

Quel­len­ver­zeich­nis

  1. Hoh­mann D, Uhl­ig R. Ortho­pä­di­sche Tech­nik. 9. Auf­la­ge. Stutt­gart: Thie­me, 2005 
  2. Hoh­mann D, Uhl­ig R. Ortho­pä­di­sche Tech­nik. 9. Auf­la­ge. Stutt­gart: Thie­me, 2005 
  3. Götz-Neu­mann K. Gehen ver­ste­hen. Gang­ana­ly­se in der Phy­sio­the­ra­pie. 4. Auf­la­ge. Stutt­gart: Thie­me, 2016 
  4. Hoh­mann D, Uhl­ig R. Ortho­pä­di­sche Tech­nik. 9. Auf­la­ge. Stutt­gart: Thie­me, 2005 
  5. Brinck­mann P, Fro­bin W, Leiv­seth G, Drer­up B. Ortho­pä­di­sche Bio­me­cha­nik. Wis­sen­schaft­li­che Schrif­ten der WWU Müns­ter, Rei­he V, Band 2. Müns­ter: West­fä­li­sche Wil­helms-Uni­ver­si­tät, 2012 
  6. Brinck­mann P, Fro­bin W, Leiv­seth G, Drer­up B. Ortho­pä­di­sche Bio­me­cha­nik. Wis­sen­schaft­li­che Schrif­ten der WWU Müns­ter, Rei­he V, Band 2. Müns­ter: West­fä­li­sche Wil­helms-Uni­ver­si­tät, 2012 
  7. Horst R (Hrsg.). N.A.P. – The­ra­pie­ren in der Neu­ro­or­tho­pä­die. Stutt­gart: Thie­me, 2011 
  8. Horst R. Moto­ri­sches Stra­te­gie­trai­ning und PNF. Stutt­gart: Thie­me, 2009 
  9. Götz-Neu­mann K. Gehen ver­ste­hen. Gang­ana­ly­se in der Phy­sio­the­ra­pie. 4. Auf­la­ge. Stutt­gart: Thie­me, 2016 
  10. Götz-Neu­mann K. Gehen ver­ste­hen. Gang­ana­ly­se in der Phy­sio­the­ra­pie. 4. Auf­la­ge. Stutt­gart: Thie­me, 2016 
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