Die neu­en „Genium“-Kniegelenke – Funk­ti­ons­er­wei­te­rung zur Erhö­hung des Anwendernutzens

Ph. Kampas, T. Hofmann, M. Mileusnic, E. Gonzalez, G. Schneider
Mit den neuen Kniegelenken „Genium“ und „Genium X3“ wird die aktuelle Generation mikroprozessorgesteuerter Kniegelenke von Ottobock vorgestellt. Der klinische Nutzen der „Genium“-Kniegelenke wurde inzwischen in 18 Publikationen nachgewiesen. In diesem Artikel werden die neuen Funktionserweiterungen erläutert und deren Anwendernutzen dargestellt. Eine entwicklungsbegleitende klinische Studie zeigt, dass die Probanden die Verbesserungen positiv wahrnehmen und eine hohe Präferenz für die neuen Kniegelenke haben.

Ein­lei­tung

Mit der Markt­ein­füh­rung des „Genium“-Kniegelenks im Jahr 2011 wur­de ein neu­es Kapi­tel in der mecha­tro­ni­schen Knie­pro­the­tik auf­ge­schla­gen 1. Im Jahr 2013 wur­de das „Geni­um X3“-Kniegelenk auf den Markt gebracht, wel­ches die Funk­ti­ons­pa­let­te im Wesent­li­chen um Was­ser- und Kor­ro­si­ons­be­stän­dig­keit erwei­ter­te, wel­che ein Grund­be­dürf­nis im All­tag vie­ler Anwen­der dar­stel­len. Im Jahr 2015 wur­den bei­de ­Pro­duk­te über­ar­bei­tet; es wur­den u. a. eine alter­na­ti­ve ­Steh­funk­ti­on, die „Cockpit“-App und ver­stell­ba­re Beu­ge­an­schlä­ge ein­ge­führt. Ziel bei der Ent­wick­lung war stets die Ver­rin­ge­rung der Ungleich­heit zwi­schen n­atürlicher Kör­per­funk­ti­on und künst­li­chem Ersatz durch fol­gen­de Aspekte:

Anzei­ge
  • Erhö­hung der Sicherheit,
  • Ver­rin­ge­rung der Auf­merk­sam­keit, die für das Gehen mit der Pro­the­se und bei Akti­vi­tä­ten des täg­li­chen Lebens benö­tigt wird,
  • Har­mo­ni­sie­rung des Gang­bil­des und Ent­las­tung der erhal­te­nen Sei­te sowie
  • Unter­stüt­zung wei­te­rer, vom Gehen abwei­chen­der Akti­vi­tä­ten des täg­li­chen Lebens.

Die Ver­bes­se­rung die­ser Aspek­te ist, wie im Fol­gen­den detail­lier­ter dar­ge­stellt wird, auch kli­nisch nach­weis­bar. Sie wei­ter zu ver­bes­sern gilt auch für die nächs­te Genera­ti­on der „Genium“-Familie als Ziel­set­zung. Dazu wur­den Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge von Anwen­dern und Tech­ni­kern auf­ge­grif­fen und inter­ne For­schungs­er­geb­nis­se umge­setzt. Das Augen­merk lag dabei ins­be­son­de­re auf indi­ka­ti­ons­spe­zi­fi­schen Ver­bes­se­run­gen bis hin zur Frei­ga­be für die Ver­sor­gung von Anwen­dern mit ­Osseo­in­te­gra­ti­on. In die­sem Arti­kel wer­den die kli­ni­schen Ergeb­nis­se zu den Vor­gän­ger­pro­duk­ten zusam­men­ge­fasst, die Wei­ter­ent­wick­lun­gen und deren Vor­tei­le für die Anwen­der erläu­tert sowie die Ergeb­nis­se einer ers­ten kli­ni­schen Stu­die vorgestellt.

Zusam­men­fas­sung der bis­he­ri­gen kli­ni­schen Studien

Die „Genium“-Familie wur­de inzwi­schen in 18 Publi­ka­tio­nen unter­sucht. Dabei wur­den in vie­len Aspek­ten sta­tis­tisch signi­fi­kan­te Vor­tei­le gegen­über dem Knie­ge­lenk „C‑Leg“ (3C98‑2=*) nach­ge­wie­sen 2. Ein phy­sio­lo­gi­sche­res und sym­me­tri­sche­res Gehen wur­de durch erhöh­te Stand­pha­sen­beu­ge­win­kel und eine bes­se­re Schwung­pha­sen­re­ge­lung erreicht 3 4 5. Die Belas­tung in der initia­len Stand­pha­se wur­de durch ­die Pre­flex-Funk­ti­on reduziert­ 6. Die Schwungphasenauslösung­ wurde­ noch zuver­läs­si­ger und kann beim Rück­wärts­ge­hen nicht mehr unbe­ab­sich­tigt aus­ge­löst wer­den 7. Die Trep­pen- und Hin­der­nis­funk­ti­on wird von 70 bis 80  % der Anwen­der genutzt und redu­ziert den Bewe­gungs­um­fang der kon­tralate­ra­len Hüf­te auf der Trep­pe auf annä­hernd phy­sio­lo­gi­sche Werte­8 9 10. Das Ste­hen auf Ram­pen ist aus­ge­gli­che­ner und siche­rer 11 12. Bei 45 unter­such­ten Akti­vi­tä­ten des täg­li­chen Lebens beur­teil­ten die Anwen­der im Durch­schnitt, dass alle Akti­vi­tä­ten leich­ter und siche­rer durch­zu­füh­ren sind. Davon war bei 53 % der erleich­ter­ten Akti­vi­tä­ten und bei 60 % der siche­rer durch­ge­führ­ten Akti­vi­tä­ten die Ver­bes­se­rung kli­nisch rele­vant 13. Auch beim Test von All­tags­ak­ti­vi­tä­ten mit Hil­fe des Bewer­tungs­in­stru­ments „Con­ti­nuous-Sca­le Phy­si­cal Func­tio­n­al Per­for­mance-10“ (CS-PFP10) schnitt das „Genium“-Kniegelenk in allen Ska­len und somit auch ins­ge­samt bes­ser ab. Sta­tis­tisch signi­fi­kant waren die Ver­bes­se­run­gen in drei von fünf Ska­len, näm­lich den Bewer­tun­gen der Beweg­lich­keit des Ober­kör­pers, des Gleich­ge­wichts und der Aus­dau­er 14. Alles in allem führt das zu einer signi­fi­kant ver­bes­ser­ten Lebens­qua­li­tät nach dem Prost­he­tic Eva­lua­ti­on Ques­ti­onn­aire (PEQ). Die Ver­bes­se­run­gen waren­im Detail bei vier von neun Ska­len signi­fi­kant 15.

Natür­li­che­res Gehen durch „OPG 2.0“

Das Gehen mit einem „Geni­um“- bzw. einem „Genium-X3“-Kniegelenk (Abb. 1) zeich­net sich durch ein vor­ge­beug­tes Auf­tre­ten beim Fer­sen­kon­takt („Pre­flex“) und eine adap­ti­ve Yiel­ding­kon­trol­le aus, die gemein­sam ein phy­sio­lo­gi­sche­res Gang­mus­ter mit tie­fe­rer Stand­pha­sen­beu­gung als bei einem „C‑Leg“ erlau­ben (OPG = „opti­mier­tes phy­sio­lo­gi­sche­res Gehen“). Dies ermög­licht einen wei­che­ren Auf­tritt und schont damit den Bewe­gungs­ap­pa­rat. Die Schwung­pha­sen­re­ge­lung passt sich adap­tiv an Ver­än­de­run­gen durch z. B. Klei­dung und Schuh­werk an und erlaubt auch eine spe­zi­el­le Schwung­pha­se ­für das Hin­un­ter­ge­hen auf Schrä­gen. Mit der Steue­rung „OPG 2.0“ wird die­ses Ver­hal­ten, wie im Fol­gen­den erläu­tert, verbessert.

Gehen in der Ebene

Bei den neu­en Knie­ge­len­ken ist das „Pre­flex“ als Teil­funk­ti­on abschalt­bar (Abb. 2, Punkt 1), dafür bleibt die adap­ti­ve Yiel­ding­kon­trol­le nun immer aktiv (2), was beson­ders Anwen­dern mit Hüft­ex­ar­ti­ku­la­ti­on ent­ge­gen­kommt, da­ die­se somit auch den Vor­teil der adap­ti­ven Yiel­ding­kon­trol­le nut­zen kön­nen, ohne durch „Pre­flex“ pro­ak­tiv in die Stand­pha­sen­beu­gung zu gelan­gen. Der Ver­lauf des Standphasenstreck­widerstands ist gleich­mä­ßi­ger, dadurch kommt das Knie lang­sa­mer und etwas spä­ter in die vol­le Stre­ckung (3). Die Erken­nung der Schwung­pha­se durch eine dyna­mi­sche Sta­bi­li­täts­kon­trol­le (DSC) wur­de wei­ter ver­bes­sert, sodass sie nun auch bei leicht gebeug­tem Knie zuver­läs­sig erfol­gen kann, was das Gehen auf unebe­nen Unter­grün­den oder auf fla­chen Ram­pen erleich­tert (4). Der Schwung­pha­sen­reg­ler wur­de bei glei­cher Regel­ge­nau­ig­keit ange­passt, sodass der Momen­ten­ver­lauf in Beu­gung (5) und Stre­ckung (6) frü­her und gleich­mä­ßi­ger ansteigt, was dem Anwen­der ein gleich­mä­ßi­ge­res, wei­che­res Geh­ge­fühl ver­mit­telt und die Maxi­mal­mo­men­te reduziert.

Berg­ab­ge­hen

Beim Berg­ab­ge­hen kann man bei den neu­en Knie­ge­len­ken zwi­schen einem „dyna­mi­schen“ und einem „unter­stütz­ten“ Ver­hal­ten wäh­len (Abb.  3). Das „dyna­mi­sche“ Ver­hal­ten ent­spricht dem der Vor­gän­ger­ge­len­ke: In der spä­ten Stand­pha­se wird eine spe­zi­el­le Schwung­pha­se freigeschaltet­(1), die den Beu­ge­win­kel auf der Ram­pe erhöht (2) und damit für mehr Boden­frei­heit sorgt (3). Wählt der ­Ortho­pä­die-Tech­ni­ker die Ein­stel­lung „unter­stütz­tes Ram­pen­ge­hen“, wird der ­Wider­stand mit dem Ein­beu­gen des Knies erhöht (4), und es kann auf der Ram­pe kei­ne Schwung­pha­se mehr aus­ge­löst wer­den (5). Das Knie hält ­damit län­ger ein unter­stüt­zen­des Knie­mo­ment auf­recht (6). Die­ses Ver­hal­ten kommt vor allem Anwen­dern mit erhöh­tem Sicher­heits­be­dürf­nis – spe­zi­ell bila­te­ral ampu­tier­ten Anwen­dern und Anwen­dern mit Hüft­ex­ar­ti­ku­la­ti­on – zugute.

Berg­auf­ge­hen

Bei den neu­en Knie­ge­len­ken bleibt beim Berg­auf­ge­hen die „Preflex“-Funktion län­ger aktiv (die Streck­be­we­gung bleibt gesperrt). Das erleich­tert es dem Anwen­der, sein Gewicht schnel­ler über die Pro­the­se zu ver­la­gern, und unter­stützt damit die­se Alltagssituation.

Intui­ti­ve Funktionen

Fol­gen­de intui­ti­ve Funk­tio­nen wer­den von den Knie­ge­len­ken unterstützt:

  • Ste­hen (intui­ti­ve und bewuss­te Stehfunktion)
  • Hin­set­zen und Sitzen
  • alter­nie­ren­des Trepp­auf- und ‑abstei­gen sowie Über­stei­gen von Hin­der­nis­sen (Trep­pen- und Hindernisfunktion)
  • Über­gang vom Gehen zum Ren­nen (Walk-to-run-Funk­ti­on).

Die­se Tätig­kei­ten wer­den auto­ma­tisch (intui­tiv) erkannt und die ent­spre­chen­den Funk­tio­nen akti­viert, ohne dass der Anwen­der dazu eine vom natür­li­chen Bewe­gungs­ab­lauf abwei­chen­de Bewe­gung voll­füh­ren muss. Der ­Ortho­pä­die-Tech­ni­ker kann in Zukunft wei­ter­hin die Funk­tio­nen für den Anwen­der in der Ein­stell­soft­ware „X‑Soft“ frei­schal­ten und zwi­schen intui­ti­ver und bewuss­ter Steh­funk­ti­on unter­schei­den. Fürs Hin­set­zen kann eine Wider­stands­pro­gres­si­on ähn­lich dem „Kenevo“-Kniegelenk gewählt wer­den,­ wodurch der Anwen­der bei Bedarf mehr Kon­trol­le und Unter­stüt­zung erfährt, wenn er sein Gewicht beim Hin­set­zen nach hin­ten ver­la­gert. Die Walk-to-run-Funk­ti­on erlaubt einen flie­ßen­den Über­gang zwi­schen Gehen und Ren­nen. Hier wur­de das Ver­hal­ten der Schwung­pha­se fürs Ren­nen wei­ter angepasst.

Anwen­der­spe­zi­fi­sche Modes („MyMo­des plus“)

Für wei­te­re anwen­der­spe­zi­fi­sche Akti­vi­tä­ten für Beruf, All­tag und Frei­zeit haben die „Genium“-Kniegelenke fünf zusätz­li­che soge­nann­te „MyMo­des“, die im Gegen­satz zu den intui­ti­ven Funk­tio­nen durch den Anwen­der bewusst per „Cockpit“-App oder Wipp­mus­ter akti­viert wer­den kön­nen. Die neue „Cockpit“-App Ver­si­on 2.0, die neben dem Betriebs­sys­tem Android ­jetzt auch für iOS-End­ge­rä­te (Apple) ver­füg­bar ist, stellt zusätz­lich einen Schritt­zäh­ler sowie Infor­ma­tio­nen über den Akku­stand und gege­be­nen­falls eine Ser­vice­fäl­lig­keit zur Verfügung.

Die neu­en „MyMo­des plus“ Funk­tio­nen ermög­li­chen eine Anpas­sung an meh­re­re indi­vi­du­el­le Akti­vi­tä­ten des Anwen­ders. Zusätz­lich zum Beu­ge­ver­hal­ten ist nun auch das Streck­ver­hal­ten durch den Ortho­pä­die-Tech­ni­ker für die gewünsch­ten indi­vi­du­el­len Akti­vi­tä­ten pro­gram­mier­bar (Abb. 4). So kann der Wider­stand bei der Streck­be­we­gung ein­ge­stellt (4) und die Stre­ckung ab ­einem gewünsch­ten Win­kel auch gesperrt wer­den (5), was z. B. Hand­wer­kern oder Auto­me­cha­ni­kern hilft, die oft in gebück­ter Hal­tung arbei­ten müs­sen. Wäh­rend man die Brems­knie­funk­tio­na­li­tät, bei der das Gelenk einen wähl­ba­ren Basis­wi­der­stand bie­tet und bei Belas­tung sperrt, bei den Vor­gän­ger­mo­del­len nur als eige­nen „MyMo­de“ wäh­len konn­te, ist die­se nun in allen „­MyMo­des“ als Opti­on akti­vier­bar. Eine erwei­ter­te Aus­wahl vor­ein­ge­stell­ter, häu­fig ver­wen­de­ter „MyMo­des“ in der Ein­stell­soft­ware erleich­tert dem Tech­ni­ker den Anpas­sungs­vor­gang. Beim „Geni­um X3“-Kniegelenk ist bei allen „MyMo­des plus“ zusätz­lich das Frei­schal­ten einer Schwung­pha­se zum Ren­nen wähl­bar (Lauf­mo­dus).

Sicher­heits­ein­rich­tun­gen

Neben der inhä­ren­ten Sicher­heit der Zwei-Wege-Hydrau­lik­tech­no­lo­gie und red­un­dan­ten Sen­so­ren wur­den nun auch in den „Geni­um“ und „Geni­um X3“-Kniegelenken die Stol­per­schutz-Funk­ti­on von „C‑Leg“ und „Ken­evo“ in für mobi­le­re Anwen­der adäqua­ter Wei­se umge­setzt. Die Zwei-Wege-Hydrau­lik ermög­licht, dass eine über­ra­schen­de Beu­ge­be­we­gung wäh­rend der Schwung­pha­sen­stre­ckung sofort mit Stand­pha­sen­wi­der­stand gedämpft wird. Durch den Stol­per­schutz wird der Wider­stand im Fal­le eines Stol­perns sowohl in der Schwung­pha­sen­beu­gung als auch in der Schwung­pha­sen­stre­ckung über den Wert der Stand­pha­se hin­aus erhöht 16. Damit wird das Risi­ko von Stür­zen im Fal­le eines Stol­perns redu­ziert. Die neu­en Knie­gelenke haben außer­dem einen dyna­mi­schen Sicher­heits­mo­dus: Wech­selt das Gelenk z. B. wegen eines lee­ren Akkus in den Sicher­heits­mo­dus, so wird der Wider­stand zunächst für zwei Sekun­den auf einen hohen Wert ein­ge­stellt und wech­selt dann zum anwen­der­spe­zi­fisch ein­stell­ba­ren Wert.

Wei­te­re Merkmale

Wie gewohnt bie­ten auch die neu­en Knie­ge­len­ke in Laut­stär­ke und Ton­hö­he ein­stell­ba­re Feed­back­si­gna­le, eine induk­ti­ve Lade­vor­rich­tung, die sich adäquat in kos­me­ti­sche Ver­sor­gun­gen inte­grie­ren lässt, und fünf Tage Akku­lauf­zeit. Das neue „Genium“-Kniegelenk ist mit IP67 „wet­ter­fest“ klas­si­fi­ziert und bis 150 kg zuge­las­sen. Das neue „Genium-X3“-Kniegelenk ist wei­ter­hin bis 125 kg zuge­las­sen, was­ser- und kor­ro­si­ons­be­stän­dig und bis 3 m Was­ser­tie­fe was­ser­dicht (IP68). Die Knie­ge­len­ke sind für trans­fe­mo­ral ampu­tier­te, knie­ex­ar­ti­ku­lier­te, hüft­ex­ar­ti­ku­lier­te und osseo­in­te­grier­te Anwen­der und in Kom­bi­na­ti­on mit einer Viel­zahl von Füßen freigegeben.

Der inte­grier­te Knie­schutz unter­stüzt das Tra­gen des Knie­ge­lenks ohne Kos­me­tik. Mit den Pro­tek­to­ren „4X880“, „4X193“, „4X900“ und der neu­en funk­tio­nel­len Kos­me­tik „3F1=1/2“ wer­den ver­schie­de­ne auf die Anwen­der­be­dürf­nis­se abgestimmte­ kos­metische­ Kon­zep­te ange­bo­ten. Für das „Genium-X3“-Kniegelenk ist zudem ein salz­was­ser­be­stän­di­ger Dreh­adapter mit der Bezeich­nung „4R57=WR“ erhält­lich; mit dem Quick­chan­ge Adap­ter „4R10=111“ kann der Anwen­der schnell zwi­schen ver­schie­de­nen Pro­the­sen­fü­ßen wechseln.

Funk­tio­nen für den Orthopädie-Techniker

Die Ver­sor­gung mit „Genium“-Kniegelenken wird durch die PC-Soft­ware ­„X‑Soft“ unter­stützt. Die für die neu­en Knie­ge­len­ke not­wen­di­ge, abwärts­kom­pa­ti­ble Ver­si­on 1.8 bie­tet Video­an­lei­tun­gen, die direkt im jewei­li­gen Ein­stelltab ver­linkt sind. Der Auf­bau der Knie­ge­len­ke wird wei­ter­hin durch eine computergestützte­ Auf­bau­hil­fe („Com­pu­ter Assisted­Alignment“, CAA) unter­stützt. Diese­ wur­de um neue Füße ergänzt und die Tipps zur Auf­bau­kor­rek­tur über­ar­bei­tet. Um dem Ortho­pä­die-Tech­ni­ker die Anpas­sung der neuen­ Knie­ge­len­ke an unter­schied­li­che Indi­ka­tio­nen zu erleich­tern, wer­den die Vor­ein­stel­lun­gen diver­ser Para­me­ter – wie in Tabel­le 1 ersicht­lich – von den Indi­ka­tio­nen „uni­la­te­ral“ oder „bila­te­ral“ bzw. der Ver­sor­gungs­hö­he „hüft­ex­ar­ti­ku­liert“, „trans­femoral“ oder „Langstumpf/Knie­exartikulation“ abgeleitet.

Ergeb­nis­se der kli­ni­schen Studie

Ent­wick­lungs­be­glei­tend wur­de eine kli­ni­sche Stu­die in den USA durch­ge­führt. In der ers­ten Pha­se der Stu­die wur­den zehn erfah­re­ne „Geni­um“- bzw. „Genium-X3“-Anwender mit den ent­spre­chen­den neu­en Knie­ge­len­ken ver­sorgt. Die vor­läu­fi­gen Ergeb­nis­se zei­gen eine erhöh­te Sicher­heit beim Gehen – gemes­sen wur­den dazu die Wahr­neh­mung der Pro­ban­den und die berich­te­te Anzahl von Stolper­situationen und Stür­zen (Abb. 5). Die ver­bes­ser­te Funk­tio­na­li­tät führ­te zu einer Erhö­hung des Kom­forts. Beson­ders ­berich­te­ten Pati­en­ten von kraft­schonenderem Gehen und einer Schmerz­re­duk­ti­on am gesun­den Bein.

Zehn Mona­te nach der Ver­sor­gung mit dem neu­en Knie­ge­lenk waren acht Pro­ban­den „sehr zufrie­den“ mit dem neu­en Knie­ge­lenk, einer „zufrie­den“ und einer „indif­fe­rent“ gegen­über dem Vor­gän­ger­mo­dell. Her­vor­ge­ho­ben wur­den unter ande­rem das „geschmei­di­ge­re“ Gehen („smoot­her“), die „Intui­ti­vi­tät“ („ease of use“), das unter­stütz­te Ram­pen­ge­hen und die neu­en Funk­tio­na­li­tä­ten in den „MyMo­des“ (Schwung­pha­sen­aus­lö­sung und Brems­knie­funk­tio­na­li­tät). Schluss­end­lich bevor­zug­ten neun der zehn Anwen­der das neue Kniegelenk.

Die Stu­die wird nun in einer zwei­ten Pha­se mit 26 Pro­ban­den weiter­geführt. Die Beob­ach­tun­gen in der zwei­ten Pha­se decken sich bis­her mit den posi­ti­ven Erfah­run­gen der ers­ten Pha­se und wer­den dem­nächst detail­liert publiziert.

Fazit

Die kli­ni­schen Vor­tei­le des „Genium“-Prothesenkniegelenks gegen­über dem „C‑Leg“ wur­den inzwi­schen wis­sen­schaft­lich nach­ge­wie­sen. Ange­sichts der Ergeb­nis­se einer ers­ten kli­ni­schen Stu­die ist der Her­stel­ler über­zeugt, dass die neu­en Knie­ge­len­ke eine wei­te­re Ver­bes­se­rung für Reha­bi­li­ta­ti­on und Behin­de­rungs­aus­gleich dar­stel­len. Vor­ran­gi­ges Ziel bleibt die weitere­ Ver­rin­ge­rung der Ungleich­heit zwi­schen natür­li­cher Kör­per­funk­ti­on des gesun­den Bewe­gungs­ap­pa­ra­tes der unte­ren Extre­mi­tät und künst­li­chem Ersatz durch eine Pro­the­se – sowohl beim Gehen als auch wäh­rend ande­rer Akti­vi­tä­ten des täg­li­chen Lebens.

Dank­sa­gung

Die Autoren bedan­ken sich bei den bei­den Stu­di­en­zen­tren Prost­he­tic & Ortho­tic Asso­cia­tes (POA) in Orlando/ Flo­ri­da und Dream Team Prost­he­tics in Duncan/Oklahoma.

Für die Autoren:
Dipl.-Ing. Phil­ipp Kam­pas, MBA
Princi­pal Expert Lower Limb Prosthetics
Otto­bock Aus­tria GmbH
Brehm­stra­ße 16
A‑1110 Wien
philipp.kampas@ottobock.com

Begut­ach­te­ter Beitrag/reviewed paper

Zita­ti­on
Kam­pas Ph, Hof­mann T, Mileus­nic M, Gon­za­lez E, Schnei­der G. Die neu­en „Genium“-Kniegelenke – Funk­ti­ons­er­wei­te­rung zur Erhö­hung des Anwen­der­nut­zens. Ortho­pä­die Tech­nik, 2018; 69 (11): 38–42
 uni­la­te­ralbila­te­ral
hüft­ex­ar­ti­ku­liertPre­flex: aus
Trep­pen- und Hin­der­nis­funk­ti­on: aus
Ram­pen­funk­ti­on: unterstützt
Steh­funk­ti­on: bewusst

Schwung­pha­sen­win­kel: 65
trans­fe­mo­ralPre­flex: ein
Trep­pen- und Hin­der­nis­funk­ti­on: ein
Schwung­pha­sen­win­kel: 65
Ram­pen­funk­ti­on: dynamisch
Steh­funk­ti­on: intuitiv
Ram­pen­funk­ti­on: unterstützt
Steh­funk­ti­on: bewusst
Lang­stumpf, KnieexartikulationPre­flex: ein
Trep­pen- und Hin­der­nis­funk­ti­on: ein
Schwung­pha­sen­win­kel: 67
Ram­pen­funk­ti­on: dynamisch
Steh­funk­ti­on: intuitiv
Ram­pen­funk­ti­on: unterstützt
Steh­funk­ti­on: bewusst
Tab. 1 Logik der Indi­ka­ti­ons­an­pas­sun­gen; Abwei­chun­gen von der Standardv­ersorgung (uni­la­te­ral, trans­fe­mo­ral) sind fett gedruckt.
  1. Kam­pas Ph, Seyr M. Tech­no­lo­gie und Funk­ti­ons­wei­se des Geni­um-Pro­the­sen­knie­ge­lenks. Ortho­pä­die Tech­nik, 2011; 62 (12): 898–903
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  3. Hup­pert L et al. Das Geni­um-Pro­the­sen­knie­ge­lenk – ein Über­blick über die wis­sen­schaft­li­che Evi­denz. Ortho­pä­die Tech­nik, 2016; 67 (4): 44–49
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  6. Bell­mann M et al. Immedia­te effects of a new micro­pro­ces­sor­con­trol­led prost­he­tic knee joint: a com­pa­ra­ti­ve bio­me­cha­ni­cal eva­lua­ti­on. Arch Phys Med Reha­bil, 2012; 93 (3): 541–549
  7. Blu­men­tritt S et al. Zur Bio­me­cha­nik des mikro­pro­zessor­ge­steu­er­ten Pro­the­sen­knie­ge­lenks Geni­um. Ortho­pä­die Tech­nik, 2012; 63 (1): 24–35
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