Chef­ta­gung: Die Stär­ke der Gruppe

„Welcher Typ Geschäftsführer bin ich?“ – Dieser Frage gingen am 20. März auf Einladung der Leistungserbringergemeinschaft Sanitätshaus Aktuell die Teilnehmer der Cheftagung im Hilton Hotel am Frankfurter Flughafen spontan in der Mittagspause nach.

Hin­ter­grund: Soeben hat­te Sven Gábor Jánz­ky vom 2b Ahead Think Tank die rund 180 Teil­neh­mer in sei­nem Gast­vor­trag mit auf eine Zeit­rei­se in die tech­no­lo­gi­sche Zukunft genom­men und dabei zwei Typen von Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten vor­ge­stellt. Der eine Cha­rak­ter sei eher „kon­ser­va­tiv“ an einem wei­test­ge­hend linea­ren Wachs­tum inter­es­siert, der ande­re Typus dage­gen zei­ge mehr Risi­ko­be­reit­schaft, um schnell und stark zu wachsen.

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Nach Ansicht von Jánz­ky gin­gen die größ­ten gesell­schaft­li­chen Inno­va­tio­nen in der Regel von risi­ko­freu­di­gen Den­kern & Len­kern aus. In den Rei­hen der Sani­täts­haus­be­trei­ber neigt die Mehr­zahl aller­dings nicht zum exzes­si­ven, dafür aber siche­ren Wachs­tum. Dies bestä­ti­gen auch die Umsatz­zah­len der Ver­bund­grup­pe von 2018 mit einem Wachs­tum von gut 5 %, die Sani­täts­haus-Aktu­ell-Finanz­vor­stand Micha­el Haas den Mit­glie­dern in Frank­furt präsentierte.

Die Bran­che sei ins­ge­samt betrach­tet wirt­schaft­lich gesund, hät­te aber zeit­nah eini­ge ech­te Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern. „Die MDR hat das Poten­zi­al, uns in 2019 und 2020 zu beschäf­tig­ten“, ver­wies Haas auf die ab Mai kom­men­den Jah­res ver­bind­lich anzu­wen­den­de EU-Medi­zin­pro­duk­te­ver­ord­nung. Aus die­sem Grund hielt im spä­te­ren Ver­lauf der Chef­ta­gung mit Tho­mas Lipp­ke von Medi­cal Device Cer­ti­fi­ca­ti­on (MDC) auch ein aus­ge­wie­se­ner MDR-Exper­te einen sepa­ra­ten Vor­trag zum Thema.

Zu den wei­te­ren Auf­ga­ben des Sani­täts­fach­han­dels zählt Haas aktu­ell die Ein­hal­tung der EU-Daten­schutz­grund­ver­ord­nung (DSGVO), den Bereich des digi­ta­len Ent­lass­ma­nage­ments sowie eine Qua­li­täts­ver­bes­se­rung bei der Arti­kel-Stamm­da­ten-Pfle­ge. Da die­se The­men letzt­lich alle Betrie­be angin­gen, warb der Sani­täts­haus-Aktu­ell-Vor­stands­vor­sit­zen­de Ben Bake für ein geschlos­se­nes Auf­tre­ten. „Die Bran­che muss sich ver­än­dern. Unse­re gro­ße Chan­ce ist es, die Zukunft gemein­sam zu gestal­ten.“ Im wei­te­ren Ver­lauf der Ver­an­stal­tung nahm Bake auch die Kran­ken­kas­sen mit ins Boot. Mehr Mit­ein­an­der statt gegen­ein­an­der wür­de letzt­lich allen Betei­lig­ten zu Gute kom­men. Zu den Stär­ken des Sani­täts­fach­han­dels zäh­le ins­be­son­de­re die flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung durch den sta­tio­nä­ren Han­del in Deutsch­land: „Das ist unser gro­ßes Kapital.“

Das Kapi­tal der Zukunft, da ist sich Sven Gábor Jánz­ky sicher, wer­den Daten­sät­ze sein, deren Ver­ket­tung er als das „neue Gold“ bezeich­net: „Wir wer­den alles in der Welt mes­sen kön­nen. Alles, was wir mes­sen, kön­nen wir pro­gnos­ti­zie­ren. Alles, was wir mes­sen kön­nen, kön­nen wir ver­bes­sern.“ Für den Arbeits­markt 2025 pro­gnos­ti­ziert er eine „Abwer­tung“ des Exper­ten­tums, da sich Ver­brau­cher und Nut­zer immer mehr Wis­sen selbst aneig­nen wür­den. Dem Fach­han­del rät er, sich eine aus­ge­präg­te Mar­ke­ting- und Digi­tal­kom­pe­tenz anzu­eig­nen, um im Wett­be­werb zu bestehen.

Dr. Frank Ant­wer­pes, Doc­Check AG, stell­te die­sen Ansatz wei­ter­füh­rend, das Fir­men­b­ran­ding in den Mit­tel­punkt sei­nes Vor­trags. Die Mar­ke sei, so Ant­wer­pes, die Visi­ten­kar­te eines Unter­neh­mens, die es nicht nur nach Außen, son­dern eben­so in die eige­ne Beleg­schaft hin­ein zu kom­mu­ni­zie­ren gel­te. Hier setz­te im Anschluss wie­der­um Ben Bake an, als er an die Sani-Aktu­ell-Mit­glie­der gerich­tet für ein 2‑Mar­ken-Sys­tem warb. Wäh­rend die indi­vi­du­el­le Mar­ke eines Fach­händ­lers im Vor­der­grund ste­he, sor­ge der iko­ni­sche Smi­ley der Ver­bund­grup­pe in Kom­bi­na­ti­on mit der aktu­el­len „Lächeln ist…“-Kampagne für die Klam­mer aller in der Leis­tungs­er­brin­ger­ge­mein­schaft ver­tre­te­nen Unternehmen.

Zum Abschluss der Chef­ta­gung rück­te dann die bereits ange­spro­che­ne EU-Medi­zin­pro­duk­te­ver­ord­nung in den Fokus. Dabei gelang es Tho­mas Lip­ke die­ses für alle Leis­tungs­er­brin­ger immens wich­ti­ge, wenn­gleich in sei­nen Details „sper­ri­ge“ The­ma kom­pe­tent und pra­xis­nah vor­zu­stel­len. „Die Aus­sa­ge ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘ wird nicht mehr funk­tio­nie­ren“, hob er gleich zu Beginn die weit­rei­chen­den Ände­run­gen, die die MDR für die Betrie­be mit sich bringt, her­vor. „Der gesam­te ‚Lebens­lauf‘ eines Medi­zin­pro­dukts wird von der MDR gere­gelt.“ Wie sehr das The­ma den Betrie­ben auf den Nägeln brennt, unter­strich in Frank­furt die an den Vor­trag anschlie­ßen­de Debat­te im Plenum.

Bei allem Auf­wand der auf die Fir­men zukommt, sehen sowohl Tho­mas Lip­ke als auch Micha­el Haas in Bezug auf die Ein­hal­tung der MDR eine gro­ße Chan­ce für den gut orga­ni­sier­ten Fach­han­del gegen­über sta­tio­nä­ren Dis­coun­ter-Ange­bo­ten oder Online-Händ­lern. Zur Unter­stüt­zung der Bran­che erar­bei­tet eine Arbeits­grup­pe unter der Lei­tung der Deut­schen Gesell­schaft für inter­pro­fes­sio­nel­le Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung e. V. (DGIHV) der­zeit u. a. mit Betei­li­gung von Sani­täts­haus Aktu­ell und wei­te­ren Leis­tungs­er­brin­ger­ge­mein­schaf­ten Hand­lungs­emp­feh­lun­gen im Umgang mit der MDR. So schloss sich am Ende der Chef­ta­gung der Kreis mit der Erkennt­nis, dass die OT-Bran­che auf vie­len Geschäfts­ebe­nen letzt­lich dann in ihrer Gesamt­heit pro­fi­tiert, wenn sie gemein­sam an einem Strang zieht.6

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