BIV-OT mobilisiert gegen Notfallreformgesetz

Erst der 3‑Prozent-Abschlag, nun die Rückkehr zu Ausschreibungen. Mit dem Beschluss des Notfallreformgesetzes muss die Branche erneut einen herben Schlag einstecken. Doch die setzt sich zur Wehr: In einer Stellungnahme fordert der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) die Bundesländer auf, gegenzusteuern und sich im Bundesrat für die Anrufung des Vermittlungsausschusses einzusetzen.
Ausschreibungen waren 2019 nach erheblichen Qualitätsproblemen abgeschafft worden. Bereits 2016 hatte der Bundesrechnungshof Versorgungsdefizite festgestellt. Auch die Bundesregierung hatte 2024 auf begrenzte Einsparwirkungen früherer Ausschreibungen und erneute Qualitätsrisiken hingewiesen. „Wir sind fassungslos, wie wenig diese Erkenntnisse heute zählen“, heißt es in der Stellungnahme des BIV-OT.
Der Verband befürchtet, dass regionale Betriebe durch selektive Zuschläge verdrängt werden – insbesondere im ländlichen Raum. Zudem kritisiert der Verband die Ausweitung des pauschalen Abschlags auf den Pflegebereich nach § 40 SGB XI. Gerade bei komplexen Versorgungen mit hochpreisigen Hightech-Komponenten und Garantieleistungen könne dies die Betriebe wirtschaftlich zusätzlich belasten.
Versorgungslücken bestehen laut BIV-OT bereits jetzt: Aus dem Rehacare Report 2026 geht hervor, dass von 1.527 befragten Hilfsmittelnutzern 72 Prozent von belastenden Wartezeiten bei Reparaturen oder Ersatzversorgungen betroffen waren. 61 Prozent gaben wirtschaftlich eingeschränkte Wahlmöglichkeiten an, 54 Prozent erhielten nach eigenen Angaben keine bedarfsgerechten Hilfsmittel, weil passende Alternativen nicht genehmigt wurden.
Die wirtschaftliche Stabilität der Betriebe sei zudem auch für die Versorgung in Krisensituationen relevant, argumentiert der BIV-OT. Regionale orthopädietechnische Netzwerke seien Teil der zivil-militärischen Gesundheitsversorgung.
Die vollständige Stellungnahme steht auf der Website des BIV-OT zur Verfügung.
- BIV-OT mobilisiert gegen Notfallreformgesetz — 26. Oktober 2026
- Zukunftstag: Branche fordert mehr Tempo — 23. Juni 2026
- Ottobock verkauft „Human Mobility“ — 19. Juni 2026
