SOSORT-Kongress diskutierte Skolioseversorgung

Insgesamt nahmen 379 Fachleute aus Medizin, Orthopädie-Technik, Physiotherapie und Wissenschaft teil. Mit 146 Referentinnen und Referenten sowie 23 Industriepartnern bot der Kongress ein breit gefächertes wissenschaftliches und praxisorientiertes Programm.
Ein zentrales Thema des Kongresses war die zunehmende Bedeutung datenbasierter Entscheidungsprozesse in Diagnostik und Therapie. In seiner Keynote zeigte
Prof. Federico Cabitza auf, wie Künstliche Intelligenz (KI) künftig mithilfe von Registerdaten zur Entwicklung und Validierung medizinischer Modelle beitragen kann. Ergänzend präsentierte Dr. Ferran Pellisé, Scoliosis Research Society (SRS), aktuelle Ansätze zur Nutzung europäischer Registerdaten für die Versorgung erwachsener Patienten mit Skoliose. Auch die Weiterentwicklung dreidimensionaler Klassifikationssysteme für die idiopathische Adoleszentenskoliose stand im Fokus, unter anderem durch den Vortrag von PhD Carl-Éric Aubin zur Lenke-Aubin-3D-Klassifikation.
Neben wissenschaftlichen Innovationen wurde erneut die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit hervorgehoben. Dies spiegelte sich auch im Wechsel an der Spitze der Gesellschaft wider: Zur neuen Präsidentin wurde Dr. Suncica Bulat Würsching aus Kroatien gewählt. Die langjährige Skolioseexpertin engagiert sich seit vielen Jahren innerhalb der SOSORT und verfolgt das Ziel, die internationale multidisziplinäre Zusammenarbeit weiter auszubauen.
Traditionell wurden im Rahmen des Kongresses auch die SOSORT-Awards für herausragende Forschungsarbeiten verliehen. Ausgezeichnet wurde unter anderem eine internationale Arbeitsgruppe für die Entwicklung konsensbasierter Forschungsrichtlinien zur Korsettversorgung bei idiopathischer Skoliose. Die Arbeit unterstreicht die zunehmende Bedeutung standardisierter Qualitätskriterien in Forschung und klinischer Versorgung.
Ein weiterer prämierter Beitrag beschäftigte sich mit der Diskrepanz zwischen früh messbaren klinischen Verbesserungen und der subjektiven Wahrnehmung ästhetischer Veränderungen während der Korsetttherapie bei Jugendlichen mit idiopathischer Skoliose. Die Ergebnisse verdeutlichen die Relevanz patientenzentrierter Bewertungskriterien in der konservativen Behandlung.
Der Kongress zeigte insgesamt deutlich, dass moderne Skolioseversorgung heute weit über die reine Korrekturversorgung hinausgeht. Themen wie Digitalisierung, Registerforschung, Outcome-Messung und multidisziplinäre Zusammenarbeit prägen zunehmend die Weiterentwicklung konservativer Therapiekonzepte – mit direkten Auswirkungen auf die tägliche klinische und orthopädietechnische Praxis.
Der nächste Kongress wird im Frühjahr 2027 im kanadischen Montreal stattfinden. Weitere Informationen gibt es auf der Website der SOSORT unter sosort.org.
Andreas Würsching
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