Hilfsmittelstudie offenbart Zukunftsfragen der Branche

Durchgeführt wurde die Studie von der Opta-Data-Zukunfts-Stiftung, dem Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement der Sigmund Freud Privat-Universität Wien sowie in Kooperation mit dem Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) und dem Verband Versorgungsqualität Homecare (VVHC). Befragt wurden rund 1.000 Mitarbeiter aus der Sanitätshaus- und Homecare-Branche zu den aktuellen Herausforderungen und Perspektiven der Versorgung. Die Ergebnisse zeigen eine Branche, die sich angesichts des demografischen Wandels in einer wachsenden Verantwortung sieht: 88 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Bedeutung von Sanitätshäusern und Homecare-Anbietern in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Als Gründe nennen sie unter anderem die alternde Bevölkerung, die steigende Zahl multimorbider Patienten sowie die zunehmende Ambulantisierung der Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig sehen viele Beschäftigte erhebliche Herausforderungen: 93 Prozent fühlen sich nach eigenen Angaben von der aktuellen Gesundheitspolitik nicht ausreichend vertreten. 76 Prozent bewerten die langfristige Existenz der Betriebe bereits unter den aktuellen Vergütungsbedingungen als gefährdet – der im Zuge des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes geplante pauschale Drei-Prozent-Abschlag auf die Vergütung von Hilfsmittelversorgungen wird die Lage nach Ansicht zahlreicher Vertreter der Branche weiter verschärfen.
Als weitere zentrale Herausforderungen nennt die Studie Fachkräftemangel, Bürokratie und Kostendruck. 81 Prozent der Befragten erwarten mit Blick auf die steigende Patientenzahlen negative Auswirkungen des Fachkräftemangels auf die künftige Patientenversorgung. 84 Prozent gehen davon aus, dass sich die Versorgung durch den steigenden Kostendruck und überbordende Bürokratie verschlechtern wird. Nach Angaben der Studienteilnehmer entfallen bereits heute mehr als 30 Prozent der Betriebszeit auf administrative Aufgaben – der „Vertragsdschungel“ fordert seinen Tribut.
Entlastung erhoffen sich die Studienteilnehmer von der Digitalisierung. 77 Prozent rechnen mit tiefgreifenden Veränderungen durch digitale Technologien und Künstliche Intelligenz. Als wichtigsten Nutzen nennen 76 Prozent effizientere Prozesse. Zudem wünschen sich 75 Prozent eine stärkere digitale Vernetzung mit Ärzten, Kliniken und Pflegediensten.
„Die entscheidende Entwicklung in der Hilfsmittelbranche wird jedoch keine technologische sein“, fasst Prof. Thomas Druyen, Präsident der Opta-Data-Zukunfts-Stiftung, die Ergebnisse der Studie zusammen. „Die Zukunft der Hilfsmittelbranche und damit die Zukunft der Patientenversorgung wird das sein, was wir ‚Care-Navigation‘ nennen – ein neues Berufsbild, ein neues Versorgungsmodell.“ Die Kernidee: In einem fragmentierten System von zahlreichen, bislang nicht vernetzten Akteuren begleiten Sanitätshäuser und Homecare-Anbieter den Patienten durch den gesamten Versorgungspfad, dies nicht allein mit medizinischen Hilfsmitteln, sondern mit Beratung, häuslicher Versorgung, Nachsorge und Prävention.
Die „Hilfsmittelstudie 2026“ steht kostenlos auf der Website der Opta-Data-Zukunfts-Stiftung zum Download zur Verfügung.
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