DiGA: Ambi­va­len­te Bewer­tung bleibt

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind 2020 in das deutsche Gesundheitswesen eingezogen, mit dem Ziel, eine Entlastung für ein angeschlagenes System zu sein und die Versorgungssituation der Patienten zu verbessern. Gut sechs Jahre später fällt das Urteil von GKV-Spitzenverband, Eurocom und Co. weiterhin ambivalent aus.

Einer­seits steigt seit Jah­ren die Anzahl der Ver­ord­nun­gen der DiGA, wie dem aktu­el­len Bericht über die Inan­spruch­nah­me und Ent­wick­lung der Ver­sor­gung mit DiGA zu ent­neh­men ist. Bis Ende 2025 wur­den ins­ge­samt 1,9 Mil­lio­nen DiGA ver­ord­net oder geneh­migt. 82 Pro­zent (1,6 Mio.) die­ser Anwen­dun­gen wur­den im Berichts­zeit­raum akti­viert. Ande­rer­seits kri­ti­siert unter ande­rem der GKV-Spit­zen­ver­band, dass DiGA wei­ter­hin ohne nach­ge­wie­se­nen Nut­zen vor­läu­fig in das DiGA-Ver­zeich­nis des Bun­des­in­sti­tuts für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te (BfArM) auf­ge­nom­men wer­den kön­nen und es vor allem im ers­ten Jahr einen Son­der­weg bei der Preis­ge­stal­tung gibt.

Ste­fa­nie Stoff-Ahnis, stell­ver­tre­ten­de Vor­stands­vor­sit­zen­de des GKV-Spit­zen­ver­ban­des, erklär­te anläss­lich der Ver­öf­fent­li­chung des Berichts: „Die Bedeu­tung der Apps auf Rezept in der Ver­sor­gung wächst. Neben den stei­gen­den Ver­ord­nungs­zah­len zeigt sich das dar­an, dass mehr als die Hälf­te der zur Erpro­bung auf­ge­nom­me­nen Anwen­dun­gen zu einem spä­te­ren Zeit­punkt dau­er­haft in das DiGA-Ver­zeich­nis auf­ge­nom­men wur­de. Die­se Anwen­dun­gen haben ihren Nut­zen für die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten unter Beweis gestellt.“ Im Wei­te­ren kri­ti­siert sie dage­gen, dass die Auf­nah­me in das DiGA-Ver­zeich­nis wei­ter­hin ohne Nut­zen­nach­weis erfolgt und merkt an, dass ins­ge­samt 16 DiGA wie­der aus dem Ver­zeich­nis gestri­chen wur­den, da sie auch im Ver­lauf kei­nen Nut­zen für die Ver­sor­gung nach­wei­sen konn­ten. „Damit blei­ben die Apps auf Rezept ins­ge­samt immer noch hin­ter ihren Mög­lich­kei­ten zurück“, so das Fazit von Stoff-Ahnis.

Euro­com-Geschäfts­füh­re­rin Oda Hage­mei­er zieht ein ande­res Resü­mee: „Wir sehen es als drin­gend gebo­ten, Digi­ta­le Gesund­heits­an­wen­dun­gen als Bestand­tei­le einer Ver­sor­gungs­ket­te gesamt­öko­no­misch zu betrach­ten und dabei ihre Sys­tem­wir­kung und pati­en­ten­re­le­van­te Aspek­te ein­zu­be­zie­hen. Denn indem DiGA als orts- und zeit­un­ab­hän­gi­ge sowie evi­denz­ba­sier­te The­ra­pie­op­ti­on Ver­sor­gungs­lü­cken schlie­ßen und Pati­en­ten­sou­ve­rä­ni­tät stär­ken, haben sie einen Mehr­wert für Pati­ent und Gesund­heits­sys­tem: Sie hal­ten Ver­sor­gung auf­recht – trotz knap­per finan­zi­el­ler und per­so­nel­ler Res­sour­cen.“ Aktu­ell sind 59 DiGA im Ver­zeich­nis gelis­tet, unter ande­rem zum The­ma Knie- und Schul­ter­ver­sor­gung, Nicht-Rau­cher-Pro­gramm oder Unter­stüt­zung bei der Gewichtsfindung.

 

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