Facet­ten­rei­che Som­mer­aka­de­mie der Bufa

Bereits zum elften Mal veranstalteten die Bundesfachschule für Orthopädie-Technik (Bufa) und der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) gemeinsam die Sommerakademie. An vier Tagen wurden 21 Programmpunkte aus den Bereichen Medizin, Orthopädie-Technik und darüber hinaus geboten. Den Teilnehmenden wurde dabei ein breites Themenspektrum präsentiert.

KD Dr. med. Tho­mas Böni, Lei­ter Tech­ni­sche Ortho­pä­die an der Uni­ver­si­täts­kli­nik Bal­grist (Zürich), sprach bei­spiels­wei­se über das Zusam­men­spiel von Medi­zin und Technik.

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Einen span­nen­den Blick über den „Tel­ler­rand“ warf Lina Neu­mair. Die Refe­ren­tin Nach­wuchs­leis­tungs­sport im Deut­schen Behin­der­ten­sport­ver­band (DBS) sprach mit den Akademie-Teilnehmer:innen über das The­ma „Sport und Handicap“.

Die Gestal­tungs­kri­tie­ren in der Unter­schen­kel­pro­the­tik erör­ter­te Jan Becker, Fach­leh­rer an der Bufa mit den Fach­ge­bie­ten Fuß- und Unter­schen­kel­pro­the­tik sowie Werk­stoff­kun­de Metall. Sein Kol­le­ge Bernd Sib­bel, mit den Fach­ge­bie­ten Orthe­tik und Pro­the­tik obe­re Extre­mi­tät, Werk­stoff­kun­de Holz und Kork sowie Elas­to­me­re, brach­te den Teilnehmer:innen im Vor­trag „Sili­kon – ein Mate­ri­al mit Poten­zi­al“ einen Werk­stoff näher, der in der Ortho­pä­die-Tech­nik noch nicht den Weg ins Ram­pen­licht geschafft hat. Eben­falls an der Bufa als Leh­rer tätig ist Lud­ger Last­ring. Er infor­mier­te in sei­nem Rede­bei­trag über „Bein­ort­he­tik – Funk­ti­on und Design“. Nor­bert Stock­mann kom­plet­tier­te das Quar­tett der Leh­ren­den und wur­de bei sei­nem Vor­trag „Kri­te­ri­en der Roll­stuhl­adap­ti­on“ von Nina Sören­sen, selbst­stän­di­ge Refe­ren­tin zum The­ma Roll­stuhl­ver­sor­gung, unter­stützt. Mat­thi­as Schmitt gehört dage­gen nicht zum etat­mä­ßi­gen Lehr­per­so­nal der Bufa, ist aber kein Unbe­kann­ter. Der Ortho­pä­die­tech­nik-Meis­ter (Opti­mus – Zen­trum für tech­ni­sche Ortho­pä­die) gehör­te schon im ver­gan­ge­nen Jahr beim 12. Dort­mun­der Sym­po­si­um Tech­ni­sche Ortho­pä­die zum Exper­ten­kreis und gab bei der dies­jäh­ri­gen Som­mer­aka­de­mie sein Wis­sen zu „Pro­prio­zep­ti­ve Ein­la­gen in der Pra­xis“ an die Teil­neh­men­den weiter.

Teilnehmer:innen wer­den in Work­shops aktiv

Alem Ter­zic, einer der Geschäfts­füh­rer von Ortho­pä­die­tech­nik Schrei­ber & Ebert, wur­de aus der eige­nen Werk­statt mit einer Gips-Demons­tra­ti­on am Pati­en­ten zuge­schal­tet. Auch die Akademie-Teilnehmer:innen konn­ten selbst aktiv wer­den – bei vier Work­shops zum Ober­the­ma „Asyn­chro­nes Ler­nen“. Bufa-Direk­tor Ste­fan Bie­rin­ger bot Lern­ef­fek­te zu den The­men „Fuß­druck­mes­sung“ und „Gelenk­sta­tus an der unte­ren Extre­mi­tät“ und Dr. Ann-Kath­rin Höm­me zu „Kör­per­sta­tik und Gleich­ge­wicht“ und „Bewe­gungs­ana­ly­se“ an. Die Ergeb­nis­se wur­den in einem dyna­mi­schen Aus­tausch am jeweils fol­gen­den Tag vor­ge­stellt und dis­ku­tiert. Vor allem die akti­ve Par­ti­zi­pa­ti­on der Teilnehmer:innen beleb­te die Ergeb­nis­vor­stel­lung, die auf Grund der Gebun­den­heit an den Bild­schirm ansons­ten sehr zäh hät­te wer­den kön­nen. Dr. Höm­me infor­mier­te zudem in einem wei­te­ren Ver­an­stal­tungs­punkt über die Fort- und Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten in der Ortho­pä­die-Tech­nik.

Dr. Tymo­teusz Bud­ny, Lei­ten­der Ober­arzt am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Müns­ter, brach­te den Teil­neh­men­den in einem inter­es­san­ten Vor­trag das The­ma „Ampu­ta­ti­ons­tech­nik und Stumpf­be­last­bar­keit“ näher. Wie die Zukunft in die Gegen­wart gelangt, das zeig­te Gerd Klinz vom Sani­täts­haus Klinz in sei­nem Vor­trag „Hand­werk 4.0: Digi­ta­li­sie­rung der Orthopädie-Technik“.

BIV-OT-Prä­si­dent stellt sich vor

Auch BIV-OT-Prä­si­dent Alf Reu­ter wand­te sich per Live­schal­tung aus sei­nem Büro an die Akademie-Teilnehmer:innen an den Bild­schir­men. „Ich bin ein OTler mit Herz­blut“, stell­te sich Reu­ter vor und erzähl­te von sei­nem beruf­li­chen und ehren­amt­li­chen Wer­de­gang. Neben dem eige­nen Betrieb und dem BIV-OT führt Reu­ter als Ober­meis­ter auch die Lan­des­in­nung Hes­sen an. Aber vor allem die Arbeit auf Bun­des­ebe­ne und die dafür nöti­ge Zusam­men­ar­beit von Haupt- und Ehren­amt führ­te Reu­ter den Teil­neh­men­den vor Augen. Beson­ders für den Auf­ga­ben­be­reich des Refe­rats „Wirt­schaft

& Ver­trä­ge“ sei­en die Ehren­amt­li­chen, die ja „neben­bei“ noch Unter­neh­mer sei­en, wich­ti­ge Ansprech­part­ner, da sie aus der Pra­xis her­aus Input geben kön­nen, ob die ver­han­del­ten Ver­trags­in­hal­te prak­ti­ka­bel sind. „Um Feh­ler bei der Abrech­nung zu ver­mei­den, wird alles bis in die kleins­te Pro­dukt­grup­pe mit den Kas­sen durch­ver­han­delt. Das gibt den Mit­glieds­be­trie­ben Sicher­heit“, beschrieb Reu­ter die Arbeit des Referats.

Eine „prä­si­dia­le“ Her­aus­for­de­rung sei die poli­ti­sche Arbeit. „Mei­ne Auf­ga­be: das Fach am Markt zu hal­ten. Kaum ein Hand­werk ist von der Poli­tik so abhän­gig wie unse­res. Wir müs­sen früh­zei­tig neue Refe­ren­ten­ent­wür­fe zu uns betref­fen­den Geset­zen ken­nen, um dage­gen anzu­ar­bei­ten“, erklär­te Reu­ter die Wich­tig­keit, auch in Ber­lin vor Ort zu sein und sich in dem Bünd­nis „Wir ver­sor­gen Deutsch­land“ (WvD) zu enga­gie­ren. Am Bei­spiel der frü­hen Coro­na-Ver­ord­nun­gen führ­te Reu­ter aus, wel­che prak­ti­schen Aus­wir­kun­gen es hat, wenn man nicht mit den Politiker:innen inter­agiert und die Bedeu­tung der Arbeit in Sani­täts­häu­sern für die Gesund­heits­ver­sor­gung betont: „Im ers­ten Geset­zes­ent­wurf waren Sani­täts­häu­ser als für die Gesund­heits­ver­sor­gung rele­van­te Ein­rich­tun­gen nicht erwähnt. Kräu­ter­tee konn­te man kau­fen, aber Sauer­stoff oder ente­ra­le Ernäh­rung waren nicht vorgesehen.“

Außer­dem wie­der­hol­te Reu­ter noch­mals, dass der Büro­kra­tie­auf­wand in den Betrie­ben zu hoch sei. Eine gro­ße For­de­rung des BIV-OT lau­tet daher, dass zukünf­tig ein Ver­bands­ver­trag pro Pro­dukt­grup­pe statt hun­der­ter Ein­zel­ver­trä­ge abge­schlos­sen und so der Büro­kra­tie-Dschun­gel gelich­tet wird und als posi­ti­ver Effekt auch die Kos­ten für die Betrie­be gesenkt werden.

Aus dem Bereich Digi­ta­li­sie­rung berich­te­te der BIV-OT-Prä­si­dent über das Pilot­pro­jekt, das der Spit­zen­ver­band mit Part­nern auf­ge­setzt hat, um die Betrie­be auf das E‑Rezept vor­zu­be­rei­ten und die Rück­schlä­ge, die aktu­ell bei den Apo­the­ken zu ver­zeich­nen sind, zu ver­mei­den. Außer­dem berich­te­te Reu­ter von den Akti­vi­tä­ten der Con­fair­med GmbH und des Ver­lags OT.

Neben ortho­pä­die­tech­ni­schen und medi­zi­ni­schen Vor­trä­gen und einem Ein­blick in den Bun­des­in­nungs­ver­band bot die Som­mer­aka­de­mie die Mög­lich­keit, auch wie­der die Per­spek­ti­ve der Patient:innen noch bes­ser ken­nen­zu­ler­nen. Adnan Mez­bur arbei­tet bei einem Spe­zia­lis­ten für Reha-Tech­nik für Kin­der und Jugend­li­che und ist selbst Roll­stuhl­fah­rer. In sei­nem Bei­trag: „Inklu­si­on: Leben mit Behin­de­rung“ konn­te er daher nicht nur theo­re­tisch, son­dern ganz prak­tisch schil­dern, an wel­chen Punk­ten Inklu­si­on funk­tio­niert und wo nicht.

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