Ein Lang­zeit­be­richt über drei pro­the­ti­sche Kinderversorgungen

M. Hofer
Die pro­fes­sio­nel­le pro­the­ti­sche Ver­sor­gung von Kin­dern und Jugend­li­chen stellt die Fach­leu­te vor Ort vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Der kind­li­che Bewe­gungs­drang belas­tet die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mate­ria­li­en und Kon­struk­tio­nen bis aufs Äußers­te, so dass oft das Mate­ri­al nicht Stand hal­ten kann. Es müs­sen also neue Lösun­gen gefun­den wer­den, wie der Bericht von Micha­el Hofer, Team­lei­ter Pro­the­tik der Bal­grist Tec AG, zeigt: Die Ver­sor­gung von drei Kin­dern und Jugend­li­chen, die in die Mobi­li­täts­klas­se vier ein­zu­stu­fen sind, for­der­te die Tech­ni­ker des Ver­sor­gungs­teams her­aus. Hin­zu kommt, dass die sehr begrenz­te Pass­teil­aus­wahl in der Kin­der­pro­the­tik ein gro­ßes Pro­blem dar­stellt, da hoch­funk­tio­nel­le Kom­po­nen­ten schwer zu beschaf­fen sind. Erschwert wird die Ver­sor­gung auch durch Begleit­erschei­nun­gen wie Haut­ir­ri­ta­tio­nen, Ekzem­bil­dung und Weich­teil­über­hän­ge. Sol­che erschwer­ten Rah­men­be­din­gun­gen erfor­dern mit­un­ter auch unkon­ven­tio­nel­le Lösungen.

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Gehen mit mecha­ni­scher und mikro­pro­zes­sor­ge­steu­er­ter Knie­pro­the­se – Eine Stu­die über die phy­sio­lo­gi­sche und neu­ro­phy­sio­lo­gi­sche Beanspruchung

N. Nitz­sche, M. Ger­ber, J. Rehor
Ziel der Stu­die war es, die phy­sio­lo­gi­sche Bean­spru­chung in Bezug auf Geh­ge­schwin­dig­keit und den Pro­the­sen­typ zu unter­su­chen. Es wur­den sechs männ­li­che, uni­la­te­ral trans­fe­mo­ral ampu­tier­te Pro­ban­den (42,7 ± 8,1 Jah­re, 1,77 ± 0,1 m, 82,7 ± 10,6 kg) auf einem Lauf­band mit drei ver­schie­de­nen Pro­the­sen (C‑Leg, Rheo Knee 2, Kin­egen 3A2000) unter­sucht. Wäh­rend­des­sen wur­de die neu­ro­mus­ku­lä­re Akti­vi­tät und Sau­er­stoff­auf­nah­me erfasst. Die Geschwin­dig­keit zeigt einen signi­fi­kan­ten Effekt auf die Akti­vi­tät der unter­such­ten Mus­keln (p0,05). Es zeig­te sich mit stei­gen­der Geschwin­dig­keit eine pro­the­sen­un­ab­hän­gi­ge Zunah­me der Bein­mus­kel­ak­ti­vi­tät und des Sau­er­stoff­ver­brauchs. Das mecha­ni­sche Knie­ge­lenk zeig­te eine signi­fi­kant gerin­ge­re Akti­vi­tät des M. obli­quus exter­nus abdo­mi­nis gegen­über mikro­pro­zes­sor­ge­steu­er­ten Knie­ge­len­ken (p0,05). Die­se Erkennt­nis­se könn­ten bei Umstel­lung des Pro­the­sen­trä­gers von mecha­ni­scher auf mikro­pro­zes­sor­ge­stütz­ter Pro­the­se von Bedeu­tung sein. 

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Der Ein­satz von Car­bon­fe­der­fü­ßen mit Zwi­schen­la­gen­elas­to­mer-Ein­hei­ten bei Anwen­dern der Mobi­li­täts­klas­sen 2 und Anfang 3 – Ergeb­nis­se einer mul­ti­zen­tri­schen Anwen­dungs­be­ob­ach­tung zum Ein­satz von Pro­the­sen­fü­ßen unter Ein­schluss von 32 Anwendern

Die Wahl des geeig­ne­ten Pro­the­sen­fu­ßes spielt für die Stand- und Gang­si­cher­heit des Bein­am­pu­tier­ten eine wesent­li­che Rol­le. In der Ver­sor­gungs­pra­xis hat sich eine Unter­schei­dung in ener­gie­spei­chern­de (i. d. R. Car­bon­fe­der­fü­ße) und dämp­fen­de (i. d. R. Schau­mo­der Elas­tom­er­fü­ße) Fuß­pass­tei­le eta­bliert. In die­sem Zusam­men­hang herrscht häu­fig die Mei­nung vor, dass Car­bon gera­de bei nied­ri­gen Mobi­li­täts­gra­den, bei­spiels­wei­se der Mobi­li­täts­klas­se 2, auf­grund sei­ner Stei­fig­keit bei gerin­ger Kraft­ein­lei­tung weni­ger geeig­net sei. Genau­so gel­ten Pro­the­sen­fü­ße aus pri­mär dämp­fen­den Werk­stof­fen bei höhe­rer Mobi­li­tät nicht als ers­te Wahl, da sie dem Trä­ger bei­spiels­wei­se im Ver­gleich zu Car­bon­fe­der­fü­ßen nur wenig Dyna­mik und Ener­gie­rück­ga­be (in der Abstoß­pha­se) bie­ten. Mit der Ent­wick­lung neu­er Car­bon­fe­der­fü­ße mit inte­grier­ten Elas­to­mer­ein­hei­ten ver­folgt die Indus­trie einen Ansatz, der die Vor­tei­le bei­der Mate­ria­li­en – bei gleich­zei­ti­ger Kom­pen­sa­ti­on der Nach­tei­le – mit­ein­an­der ver­bin­den soll. Um die Gül­tig­keit die­ses Ansat­zes zu über­prü­fen, wur­de eine bun­des­wei­te, mul­ti­zen­tri­sche Anwen­dungs­be­ob­ach­tung im ers­ten Halb­jahr 2012 durch­ge­führt, die in die­sem Arti­kel dar­ge­stellt wird. Dabei stell­te sich her­aus, dass 71,9 % der ein­be­zo­ge­nen Anwen­der in der Mobi­li­täts­klas­se 2 und Anfang 3 – unab­hän­gig von deren Vor­ver­sor­gung (15 Anwen­der mit Elas­tom­er­fü­ßen, 17 Anwen­der mit Car­bon­fe­der­fü­ßen) – von der neu­ar­ti­gen Ver­bin­dung aus Car­bon und Elas­to­mer im Pro­the­sen­fuß profitieren.

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Ver­bes­ser­te Sicher­heit und Mobi­li­tät durch ein mikro­pro­zes­sor­ge­steu­er­tes Bein­pro­the­sen­sys­tem – Ers­te Ergeb­nis­se einer Multicenter-Pilotstudie

D. Mer­bold, T. Häh­nel, J. Bran­den­burg, Ch. Mül­ler, M. Tschernig
Die Unter­su­chung über­prüft, ob die Ver­sor­gung von ober­schen­kel­am­pu­tier­ten Per­so­nen mit dem Bein­pro­the­sen­sys­tem „Sym­bio­nic Leg“ die all­ge­mei­ne Mobi­li­tät und die Bewäl­ti­gung von Akti­vi­tä­ten des täg­li­chen Lebens als Vor­aus­set­zung für eine grö­ße­re Teil­ha­be am fami­liä­ren, beruf­li­chen und gesell­schaft­li­chen Leben ver­bes­sert. In fünf Test­zen­tren wur­de ein akti­ves Kol­lek­tiv von 10 Anwen­dern einer Rei­he von Tests unter­zo­gen. Neben zwei objek­ti­ven Tests, Timed-Up-and-Go-Test (TUG) und 6‑Mi­nu­ten-Geh­test (6MWT), wur­den die Anwen­der zu ihrer Sicher­heit und Zufrie­den­heit sowie zu 26 Para­me­tern des Pro­the­sen­ge­brauchs befragt. Bereits bei den bei­den objek­ti­ven Tests konn­ten signi­fi­kan­te Ver­bes­se­run­gen fest­ge­stellt wer­den. Auch das sub­jek­ti­ve Sicher­heits­emp­fin­den und die Zufrie­den­heit mit der Pro­the­se konn­ten gestei­gert wer­den. In der ver­glei­chen­den Bewer­tung des bis­he­ri­gen und des neu­en Pro­the­sen­sys­tems zeig­ten sich die deut­lichs­ten Ver­bes­se­run­gen in einer redu­zier­ten Stol­per­ge­fahr, beim Hin­auf­ge­hen von Schrä­gen, in der Reduk­ti­on von Aus­gleichs­be­we­gun­gen und einer län­ge­ren Geh­stre­cke sowie einem deut­lich ver­bes­ser­ten Gang­kom­fort. Ins­ge­samt las­sen die Ergeb­nis­se den Schluss zu, dass das Bein­pro­the­sen­sys­tem „Sym­bio­nic Leg“ eine wei­te­re Opti­mie­rung der Pro­the­sen­ver­sor­gung ober­schen­kel­am­pu­tier­ter Anwen­der ermög­licht. Dies stellt einen wesent­li­chen Schritt in Rich­tung des sozi­al­recht­lich gewünsch­ten Ver­sor­gungs­ziels des Gleich­zie­hens mit der Mobi­li­tät eines Nicht­be­hin­der­ten dar.

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