Sport­li­cher Lei­den­schaft pro­blem­los nachgehen

Sport ist seine große Leidenschaft. Krafttraining, Laufen, Schwimmen – all das stellt für den aus Rheine stammenden Devin Schulte, der seinen rechten Unterschenkel 1997 bei einem Zugunfall verloren hat, kein Problem dar.

Sei­ne Pro­the­sen­ver­sor­gung gewährt Halt, Kom­fort sowie Sicher­heit und ist im (sport­li­chen) All­tag sein bes­ter Beglei­ter. „Ich bin mit mei­ner Pro­the­se auf­ge­wach­sen. Sie beglei­tet mich, seit ich drei Jah­re alt bin. Ich kann alles machen, was auch ein Mann mit zwei gesun­den Bei­nen machen kann“, berich­tet der 29-Jäh­ri­ge. Neben der Funk­ti­on ist ihm beson­ders wich­tig, dass die Pro­the­se nicht auf­fällt. Mit dem „Öko Liner“ und der Knie­kap­pe „Flex Slee­ve“ des Her­stel­lers Alps, die er seit rund acht Jah­ren trägt, ist Schul­te sehr zufrie­den. „Der Liner hat mir gehol­fen, dass mei­ne offe­nen Wun­den schnel­ler ver­hei­len. Die Knie­kap­pe ist sehr elas­tisch und man kann sie gut ver­ste­cken“, betont er. Seit eini­ger Zeit hat er mit Was­ser­ein­la­ge­run­gen zu kämp­fen und tes­tet des­we­gen den Pro­to­typ eines „Shock Absorbing“-Systems. „Das hilft mir sehr“, lau­tet sein ers­tes Fazit.

Sicher­heit und Kom­fort dank Gel-Liner

Von Anfang an ist Devin Schul­te Kun­de beim Sani­täts­haus Damer in Rhei­ne und seit meh­re­ren Jah­ren in Betreu­ung bei Ana­to­li Trost­schen­kow. Im Gespräch mit der OT-Redak­ti­on erläu­tert der Ortho­pä­die­tech­ni­ker, was die sport­li­chen Akti­vi­tä­ten sei­nes Kun­den für die Ver­sor­gung bedeu­ten und wel­che Rol­le dabei ins­be­son­de­re dem Liner zukommt.

OT: Schon seit Jah­ren ist Herr Schul­te bei Ihnen Kun­de im Sani­täts­haus. Wie sah die Ver­sor­gung über die Jah­re hin­weg aus?

Ana­to­li Trost­schen­kow: Ich lern­te Herrn Schul­te Ende 2014 im Rah­men einer Anpas­sung sei­ner Unterschenkel­prothese ken­nen. Durch eine Viel­zahl an Pro­ble­men mit der zu dem Zeit­punkt genutz­ten Pro­the­se, wel­che unter ande­rem sei­ne Mobi­li­tät stark ein­schränk­ten, ent­schlos­sen wir uns Anfang 2015 zu einer kom­plet­ten Neu­ver­sor­gung. Im Lau­fe der Zeit erprob­ten wir sämt­li­che Vari­an­ten von Weich­wand­in­nent­rich­tern, Sili­kon- und Gel-Linern. Schließ­lich kamen wir zu dem Ergeb­nis, dass er mit Gel-Linern am bes­ten ver­sorgt ist. Begon­nen haben wir mit einer klas­si­schen Unter­schen­kel-Kurz­pro­the­se mit pas­si­vem Unterdruck­system, was schon damals gut funk­tio­niert und bis heu­te Bestand hat.

OT: Herr Schul­te nutzt die Pro­the­se nicht nur im All­tag, ­son­dern auch beim Sport. Wel­che beson­de­ren Ansprü­che stellt das an die Versorgung?

Trost­schen­kow: Er betreibt inten­siv Kraft­sport, jedoch ist der Stumpf auf­grund eines Neu­roms am Stump­fen­de nicht end­be­last­bar, was die Sport­lich­keit immens ein­schränkt. Auf­grund des­sen mach­ten wir den Schaft im Lau­fe der Zeit immer län­ger und füg­ten ein wei­ches Sili­kon­kis­sen am Schaft­en­de hin­zu. Des Wei­te­ren erhöh­ten wir auch den ­hydro­sta­ti­schen Druck, bis ein Gleich­ge­wicht zwi­schen Alltags‑, Berufs- und Sport­be­las­tung ent­stan­den ist.

OT: Wel­che Kri­te­ri­en galt es bei der Aus­wahl des rich­ti­gen Liners zu beachten?

Trost­schen­kow: Der Liner muss­te weich und dehn­fä­hig genug sein, um das Neu­rom nicht zu rei­zen, dabei die auf­kom­men­den Kräf­te gut abfan­gen und ver­tei­len kön­nen. Zudem soll­te der Liner über den gesam­ten Tag den glei­chen Kom­fort bie­ten. All unse­re Kri­te­ri­en konn­te der „Öko Liner“ der Fir­ma Alps sehr zufrie­den­stel­lend erfüllen.

OT: Jede Pro­the­se ist nur so gut wie ihr Schaft­sys­tem. Wie haben Sie bei Herrn Schul­te die rich­ti­ge Pass­form sichergestellt?

Trost­schen­kow: Getreu dem Mot­to „So viel wie nötig, so wenig wie mög­lich“ und aus der Gewohn­heit von Herrn Schul­te behiel­ten wir einen Kurz­pro­the­sen­schaft bei und pass­ten die­sen an jede neue Situa­ti­on an.

OT: Durch ein beson­de­res Sys­tem wird ein Unter­druck zwi­schen Liner und Schaft erzeugt. Wel­chen Vor­teil bie­tet das?

Trost­schen­kow: Ein Vaku­um­sys­tem bie­tet für uns den ­Vor­teil des gerin­ge­ren Weich­teil­pumps und die Stabi­lisierung des Volu­mens durch den gege­be­nen Druck­un­ter­schied auf­grund des Vaku­ums. Die Nut­zung eines Vaku­um­sys­tems ist ein häu­fig ein­ge­setz­tes und sehr bewähr­tes Sys­tem bei der Ver­sor­gung, beson­ders bei eher problema­tischeren Stümpfen.

OT: Der „Öko Liner“ besteht aus High Den­si­ty (HD) Gel. Wel­che Vor­tei­le bie­tet die­ses Gel gegen­über Sili­kon und ande­ren ther­mo­plas­ti­schen Gelen?

Trost­schen­kow: Durch die Fließ­ei­gen­schaft von Gel-­Li­nern ent­steht ein gleich­mä­ßig ver­teil­ter Druck auf den Stumpf. Durch Erpro­bun­gen unser­seits sind wir schluss­end­lich auf den „Öko Liner“ auf­merk­sam gewor­den und stell­ten fest, dass die­ser am bes­ten abge­schnit­ten hat.

OT: Volu­men­schwan­kun­gen tre­ten bei Sportler:innen häu­fi­ger auf. Wie kön­nen die­se aus­ge­gli­chen werden?

Trost­schen­kow: Herr Schul­te ach­tet gene­rell sehr genau auf sein Volu­men. Mit­hil­fe eines Kom­pres­si­ons-Stumpf­s­trump­fes, wel­chen er wäh­rend der Nacht trägt, regu­liert er sein Stumpf­vo­lu­men. Bei Bedarf trägt er ver­schie­de­ne Arten von Stumpf­strümp­fen, um die Volu­men­schwan­kun­gen aus­glei­chen zu können.

Die Fra­gen stell­te Pia Engelbrecht.

 

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