Sani­täts­haus im Ein­satz beim „Wacken Open Air“

Beim Wacken Open Air sorgte das Sanitätshaus Stolle gemeinsam mit Partnern für barrierearmes Festivalerleben – mit Hilfsmittelverleih, Reparaturen und viel Teamspirit im Schlamm.

Bei jedem Schritt habe ich das Gefühl, als wür­de jemand mei­ne Füße fest­hal­ten. So zäh­flüs­sig klebt der Schlamm nach dem Dau­er­re­gen an mei­nen Gum­mi­stie­feln. „Nicht ste­hen blei­ben“ rufen mei­ne Freun­din und ich uns immer wie­der lachend zu, damit wir nicht schon wie­der ste­cken blei­ben. Wäh­rend wir – wenn auch etwas stak­sig und manch­mal schwan­kend – vor­an­kom­men, haben es ande­re deut­lich schwe­rer. Neben uns ringt ein Mann im Roll­stuhl mit dem zähen Boden. Lang­sam und mit Unter­stüt­zung bahnt er sich den Weg durch den Matsch. Gerät er ins Sto­cken, packen direkt wei­te­re Leu­te mit an und zie­hen den Roll­stuhl vor­an. Es sind Sze­nen, die sich mir beim „Wacken Open Air“ immer wie­der bie­ten. Jedes Mal macht es mich betrof­fen, zu sehen, wel­che Hür­den hier vie­le neh­men müs­sen. Und gleich­zei­tig bewegt mich der geleb­te Zusam­men­halt auf dem 85.000 Besu­cher star­ken Hea­vy-Metal-Fes­ti­val und führt mir vor Augen, was Inklu­si­on bedeu­ten kann.

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Schlamm oder Staub – das „Wacken Open Air“ ist bekannt für sei­ne wet­ter­be­ding­ten Extre­me. Was weni­ger geläu­fig ist: Trotz der Bedin­gun­gen eines Fes­ti­vals im Frei­en und dem Stand­ort – Wochen vor Beginn gra­sen auf dem Gelän­de noch Kühe – ver­su­chen die Orga­ni­sa­to­ren, Men­schen mit und ohne Behin­de­run­gen eine schö­ne und inten­si­ve Zeit zu ermög­li­chen. Was das im Detail bedeu­tet, erfah­re ich, als ich nach mei­nem ers­ten Rund­gang über das Gelän­de die „Wheels of Steel“-Area betre­te. Hier wur­de eine Cam­ping-Flä­che mit 500 Par­zel­len ein­ge­rich­tet, die auf die Bedürf­nis­se von Men­schen mit Han­di­caps zuge­schnit­ten ist. Direkt neben­an ist der Ser­vice-Point der gemein­nüt­zi­gen Ham­bur­ger gGmbH „Als­ter­ar­beit“ zu fin­den. Hier gibt es auf rund 150 Qua­drat­me­tern ver­schie­de­ne Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te für die Festivalbesucher.

Am Ein­gang tref­fe ich Robert Bauch, Stand­ort-Lei­tung des Zen­trums für Reha-Tech­nik Ham­burg. Zusam­men mit neun wei­te­ren Mit­ar­bei­tern des Sani­täts­hau­ses Stol­le ist er bereits im vier­ten Jahr im Ein­satz. Mehr als 100 Hilfs­mit­tel haben sie auf das Gelän­de gebracht. Die­se stam­men aus dem betriebs­ei­ge­nen Bestand, 64 Rol­la­to­ren hat die Fir­ma Topro gespen­det. Die Hälf­te der Roll­stüh­le, Rol­la­to­ren und Unter­arm­geh­stüt­zen wur­de vor­be­stellt, der Rest wird je nach Bedarf aus­ge­lie­hen. „Gegen Ende ist fast alles raus“, sagt Bauch an Tag drei und lugt dabei in den Con­tai­ner, der sich schon gut geleert hat. Allein beim Ver­leih bleibt es aber nicht. Das Team steht von 10 bis 22 Uhr bereit, falls Repa­ra­tu­ren anfal­len. „Pan­zer­tape und Kabel­bin­der sind unse­re wich­tigs­ten Werk­zeu­ge“, betont er. Mit einer kom­plett aus­ge­stat­te­ten Werk­statt anzu­rei­sen, die auf alle Hilfs­mit­tel aus dem In- und Aus­land ein­ge­stellt ist, sei unmög­lich. Dafür im Gepäck: viel Krea­ti­vi­tät und Impro­vi­sa­ti­ons­ta­lent. „Ziel ist es, dass nie­mand abrei­sen muss“, sagt Bauch, wäh­rend er zufrie­den auf das Trei­ben um sich schaut. Der eine Besu­cher kommt mit einem plat­ten Rei­fen her­ein, bei dem ande­ren müs­sen Schrau­ben nach­ge­dreht oder Räder fest­ge­macht wer­den. Der nächs­te ist mit dem Fuß umge­knickt. Bricht ein Schaft, muss tat­säch­lich das Pan­zer­tape her­hal­ten. Für lädier­te Schu­he, die es zu fli­cken gilt, ist Mat­hil­da Kun­kel die ers­te Ansprech­part­ne­rin. Die 22-Jäh­ri­ge steht kurz vor ihrem Aus­bil­dungs­ab­schluss und darf sich bald Ortho­pä­die­schuh­ma­che­rin nen­nen. „Der Spi­rit im Team ist wirk­lich toll“, sagt sie, als sie sich ein paar Minu­ten Aus­zeit in der doch mal her­vor­kom­men­den Son­ne nimmt. Sie und zwei wei­te­re Kol­le­gen sind vom Stand­ort Schwe­rin ange­reist, der Rest aus Ham­burg. „Wir ver­brin­gen hier viel Zeit mit­ein­an­der. Man­che Kol­le­gen wür­de ich ansons­ten gar nicht oder deut­lich weni­ger gut kennen.“

Mit dem Rollstuhl zu den Hauptbühnen? Das war für Rollstuhlfahrer aufgrund der Schlammmassen eine Herausforderung. Foto: BIV-OT/Engelbrecht
Mit dem Roll­stuhl zu den Haupt­büh­nen? Das war für Roll­stuhl­fah­rer auf­grund der Schlamm­mas­sen eine Her­aus­for­de­rung. Foto: BIV-OT/En­gel­brecht

Team­buil­ding mal anders

Auch Robert Bauch schwärmt von der Zusam­men­ar­beit. „Das ist die bes­te Team­buil­ding-Maß­nah­me, die es gibt. Die­se Trup­pe ist lei­dens­fä­hig und lösungs­ori­en­tiert, zieht bei Wind und Wet­ter durch“, sagt er und ergänzt: „Wir machen mit unse­rer Arbeit kei­nen Pro­fit. Die Wahr­schein­lich­keit, dass wir hier neue Kun­den fin­den, ist gering.“ Denn die Besu­cher rei­sen aus ganz Deutsch­land sowie dem Aus­land an. Was die Crew antreibt, sind all die glück­li­chen Gesich­ter. „So vie­le sagen ‚Dan­ke. Ihr wart mei­ne Ret­tung. Ohne euch hät­te ich nach Hau­se fah­ren müs­sen‘“. Davon kann ich mich beim gemein­sa­men Mit­tag­essen selbst über­zeu­gen. Mir gegen­über sitzt Flo­ris Lan­ge von „Als­ter­ar­beit“, der kur­zer­hand sei­ne Gabel fal­len lässt und schnell zu Ende kaut, als er bekann­te Gesich­ter auf sich zusteu­ern sieht. Lars, Jes­si­ca und Mar­co Schma­ger kom­men, um sich zu ver­ab­schie­den und sich für die Füh­rung über das Gelän­de zu bedan­ken. Für Lars war es ein Her­zens­wunsch, nach Wacken zu kom­men. Für sei­nen Bru­der und des­sen Frau eine Freu­de, zusam­men sein Geburts­tags­ge­schenk ein­lö­sen zu kön­nen. Trübt der Schlamm ihre Stim­mung? Kei­nes­falls. Das High­light? „Alles. Das gan­ze Drum und Dran“, sagt Lars.

Beim Nach­schlag­ho­len gesellt sich Sven Niel­sen von Stol­le in die Run­de. „Dafür kannst du jedes Semi­nar in die Ton­ne tre­ten“, sagt er und spielt dabei auf das Team­work an. Er küm­mert sich vor allem um den Emp­fang der Kun­den am Ser­vice-Point. Auf­grund sei­ner eige­nen Han­di­caps kommt er kör­per­lich an sei­ne Gren­zen. „Ich habe gro­ßen Respekt vor allen, die hier zel­ten. Ich könn­te das nicht“, gibt er zu. „Ich weiß, dass es für Men­schen mit Behin­de­run­gen sehr her­aus­for­dernd sein kann, sich in einem neu­en Umfeld zu ori­en­tie­ren und mit unge­wohn­ten Hygie­ne­be­din­gun­gen klar­zu­kom­men.“ Abseits des Emp­fangs hat Niel­sen eben­so stets eine „hel­fen­de Hand“ für sei­ne Kol­le­gen bereit und wirft, wenn gebraucht, mal eben sei­ne Arm­pro­the­se rüber – Humor kommt im Team defi­ni­tiv nicht zu kurz. Niel­sen ist wohl einer der weni­gen Pro­the­sen­trä­ger auf dem Fes­ti­val. Sowohl sein rech­tes Bein als auch sein rech­ter Arm sind ver­sorgt. „Gefühlt wird das Ange­bot vor allem von Roll­stuhl­fah­rern ange­nom­men“, erzählt Bauch. Sich mit einer Bein­pro­the­se auf dem unebe­nen, rut­schi­gen Boden fort­be­we­gen? Schwie­rig bis unmöglich!

Podest mit bes­ter Sicht

Als ich auf eine der Haupt­büh­nen zulau­fe, sehe ich zum ers­ten Mal eines der gro­ßen Podes­te, die für Men­schen mit Behin­de­run­gen und deren Begleit­per­so­nen gedacht sind. Auf dem Ban­ner davor prankt der Schrift­zug „Wheels of Steel“ und das Logo – ein Roll­stuhl­fah­rer mit Flam­men unterm Rad. Die Ver­an­stal­ter haben nicht zu viel ver­spro­chen: Die Sicht auf die Büh­ne ist super. Vom Rol­la­tor aus, mit Regen­pon­cho gewapp­net für den nächs­ten Schau­er, ver­folgt auch Pim van Dort gemein­sam mit sei­nem Sohn Bram das Kon­zert. Top Sicht – top Stimmung.

Wäh­rend­des­sen geht es am Stand von Stol­le wei­ter. „Die Kern­auf­ga­ben sind die glei­chen, aber die Umstän­de sind anders“, berich­tet Bauch, als ich vom Infield zurück­keh­re. Im hei­mi­schen Betrieb muss er sich zum Bei­spiel nie auf die Suche nach einem Ven­til bege­ben – auf Wacken erschwert schon mal dicker Schlamm die Sicht beim Auf­pum­pen. Durch­schnitt­lich 20 bis 30 Repa­ra­tu­ren fal­len am Tag an. Der Anrei­se­tag for­der­te das Team aber in beson­de­rem Maße. Das Equip­ment muss­te aus­ge­la­den und die Räum­lich­kei­ten ein­ge­rich­tet wer­den. Die vor­be­stell­ten Hilfs­mit­tel gin­gen wie am Fließ­band an die Besu­cher, wur­den pas­send ein­ge­stellt und „als geprüft und zug­las­sen“ gelabelt.

Gemeinsam stark: (hinten v. l.) Kim Krause, Katharina Scholz, Mathilda Kunkel, Robert Bauch und Thies Schütt sowie (vorne v. l.) Sven Nielsen (alle Stolle), Fabian Rumpke (Topro) und Toni Jäger (Stolle). Foto: BIV-OT/Engelbrecht
Gemein­sam stark: (hin­ten v. l.) Kim Krau­se, Katha­ri­na Scholz, Mat­hil­da Kun­kel, Robert Bauch und Thies Schütt sowie (vor­ne v. l.) Sven Niel­sen (alle Stol­le), Fabi­an Rump­ke (Topro) und Toni Jäger (Stol­le). Foto: BIV-OT/En­gel­brecht

The­ra­pie für den „Wacken-Nacken“

Ein klei­ner Pavil­lon, drei Reha­tech­ni­ker, fünf Leih­roll­stüh­le und etwas Repa­ra­tur­ma­te­ri­al – so fing im Jahr 2014 alles an. Zunächst war das Sani­täts­haus Thies Medi­cen­ter für den Ver­leih zustän­dig, 2021 über­nahm Stol­le. Ange­bot und Per­so­nal wur­den über die Jah­re deut­lich auf­ge­stockt. Mitt­ler­wei­le sind unter der Schirm­herr­schaft der „Als­ter­ar­beit“ mehr als 70 Mit­ar­bei­ter, Koope­ra­ti­ons­part­ner, Spon­so­ren und Ehren­amt­ler vor Ort und sor­gen dafür, dass Men­schen mit Behin­de­run­gen das Fes­ti­val so bar­rie­re­arm wie mög­lich erle­ben kön­nen. Eine der Frau­en der ers­ten Stun­de ist Mona Sam­ba­le. Sie setzt sich nach dem Gril­len zu mir auf eine der Bier­bän­ke. Wäh­rend wir den Regen auf das Zelt­dach pras­seln hören, berich­tet sie von den Tätig­kei­ten und Zie­len von „Als­ter­ar­beit“ und von wei­te­ren Ange­bo­ten vor Ort. Vier Phy­sio­the­ra­peu­ten arbei­ten am Ser­vice-Point, um die Besu­cher bei Ver­let­zun­gen zu ver­sor­gen, sie bei Mus­kel- und Gelenk­schmer­zen sowie Ver­span­nun­gen zu tapen und den – wie Sam­ba­le sagt – typi­schen, head­ban­ging­be­ding­ten „Wacken-­Na­cken“ zu behan­deln. Dafür ste­hen meh­re­re fes­te und eine mobi­le Lie­ge bereit. Eben­falls Lymph­drai­na­gen wer­den hier­auf durch­ge­führt. Eini­ge Besu­cher steu­ern die „Wheels of Steel“-Area auch an, um täg­lich ihre kühl­pflich­ti­gen Medi­ka­men­te abzu­ho­len oder ihre mobi­len Sau­er­stoff­ge­rä­te auf­fül­len zu las­sen. Neu in die­sem Jahr: eine Ruhe­zo­ne für Men­schen, die reiz­über­flu­tet sind und sich zurück­zie­hen möchten.

Erst Kühe, dann Konzerte

Das Team hat­te von „Mat­ten­we­gen“ erzählt, die ich aber erst wahr­neh­me, als ich dar­auf ste­he. Von wei­tem sicht­bar sind sie nicht (mehr) – eine dicke Schicht aus Schlamm hat sich dar­über­ge­legt und erschwert das Gehen. In dem Moment schie­ßen mir die Bil­der der Kühe, die ich vom Check-in aus sehen konn­te, in den Kopf. Wo jetzt Büh­nen, Zel­te, Autos und Toi­let­ten­wa­gen ste­hen, suchen die Tie­re nor­ma­ler­wei­se nach fri­schem Gras. Das 360 Hekt­ar gro­ße Are­al ist Acker. Und der wird bei Regen zu einer gro­ßen Schlamm­flä­che, bei lang­an­hal­ten­der Tro­cken­heit legt sich eine Staub­wol­ke dar­über. „Kann man mehr machen, es bes­ser machen?“, fra­ge ich mich. „Oder ist logis­tisch unter die­sen Bedin­gun­gen ein­fach nicht mehr drin?“ Nicht jeder Roll­stuhl­fah­rer wagt den Weg ins Infield, bleibt lie­ber an einer halb­wegs guten, weni­ger mat­schi­gen Stel­le ste­hen. Von den Podes­ten kann man die Kon­zer­te sehr gut ver­fol­gen, hier dage­gen bleibt nur die Sicht aus der Fer­ne. „Das ist ein Open-Air-Fes­ti­val. Das muss jedem klar sein. Ja, wir ver­su­chen, den Auf­ent­halt so bar­rie­re­arm wie mög­lich zu gestal­ten, aber es wird nie­mals bar­rie­re­frei sein“, ist sich Mona Sam­ba­le über die Gren­zen ihrer Arbeit bewusst. „Bei sol­chen Wet­ter­be­din­gun­gen wie in die­sem Jahr ent­schei­den sich man­che Besu­cher auch dafür, nach dem ers­ten Tag abzu­rei­sen. Das ist scha­de, aber ver­ständ­lich“, ergänzt Bauch.

„2022 war es geil, in die­sem Jahr sau­fen wir ab“, erzählt mir die 25-jäh­ri­ge Julia, die ich den­noch gut gelaunt am Ser­vice-Point tref­fe. Wor­über sie sich hin­ge­gen ärgert: die Secu­ri­ty. Mit dem tür­kis­far­be­nen „Wheels-of-Steel“-Bändchen darf sie auch die asphal­tier­ten Wege benut­zen, die für Men­schen ohne Behin­de­run­gen nicht zugäng­lich sein soll­ten. Eigent­lich. „Die Mit­ar­bei­ter sind teil­wei­se schlecht auf­ge­stellt und infor­miert, unter­sa­gen uns den Zugang. Die wirk­lich gro­ßen Bar­rie­ren auf Wacken sind in den Köp­fen der Security.“

Musik zum Sehen

Es ist kurz nach 20 Uhr. Am Ser­vice-Point ist es ruhi­ger gewor­den – Zeit, dass auch wir uns für die Haupt­acts fer­tig machen. Zusam­men mit eini­gen Mit­ar­bei­tern bre­che ich auf zur „Faster“-Stage. Wäh­rend wir – dies­mal aber beglei­tet von Son­nen­schein – gewohnt durch den Matsch waten, wird die Musik von Schritt zu Schritt lau­ter, das Vibrie­ren der Bäs­se inten­si­ver. Am Nach­mit­tag war es noch luf­tig, im Ver­gleich dazu ste­hen und sit­zen die Besu­cher auf dem „Wheels-of-Steel“-Podest jetzt dicht an dicht und war­ten dar­auf, dass „Papa Roach“ die Büh­ne betritt. Ich wer­fe mei­ne Arme zur Begrü­ßung in die Höhe, der Mann neben mir sei­ne Geh­stüt­ze. Ein klei­ner Kreis tut sich auf, ent­puppt sich aber nicht als Mosh­pit, son­dern gibt einer Frau Raum, die allen, die die Musik nicht hören kön­nen, sie auf ande­rem Weg wahr­neh­men lässt. Die Gebär­den­sprach­dol­met­sche­rin lässt die Lie­der mit ihrem gan­zen Kör­per spre­chen, fängt Text, Rhyth­mus, Melo­die, Instru­men­te und Emo­tio­nen ein und macht deut­lich, dass Musik nicht nur etwas für die Ohren ist.

(Ein biss­chen) Matsch muss sein

Für mich endet der Tag mit vie­len Ein­drü­cken, die ich teils neben­bei und teils ganz bewusst ein­ge­so­gen habe, um noch lan­ge davon zu zeh­ren. Und tat­säch­lich wirkt das „Wacken Open Air“ auch jetzt, Wochen spä­ter, nach. Was bleibt, sind vor allem die Men­schen, die ich ken­nen­ler­nen durf­te. Mal war es ein län­ge­res Gespräch, mal nur ein Lächeln oder das gemein­sa­me Grö­len zum Lieb­lings­song, das eine Ver­bin­dung geschaf­fen hat. Und: Wir saßen alle im sel­ben „Schlamm-Boot“. Mei­ne Defi­ni­ti­on von Schlamm hat sich seit die­sen Erleb­nis­sen defi­ni­tiv ver­än­dert. So wie die Inu­it vie­le Wör­ter für die ver­schie­de­nen Arten von Schnee haben, über­le­ge ich, für wel­che „Matsch­zu­stän­de“ ich gern Wör­ter zur Unter­schei­dung hät­te: Es gab flüs­si­gen Matsch, zähen Matsch, sehr tie­fe Matsch­gru­ben und eher fla­che, rut­schi­gen Matsch und sol­chen, der etwas mehr Halt gab. Matsch, der mich nicht mehr los­las­sen woll­te, und Matsch, der mich ein­mal zum Fal­len brach­te. Aber das ist ok, das muss so: Das ist Wacken.

Pia Engel­brecht

 

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