Aktuell

Rück­kehr der Aus­schrei­bun­gen perfekt

Die Wiedereinführung von Hilfsmittel-Ausschreibungen sorgt für Kritik. WvD und BVMed warnen vor Qualitätsverlusten und fordern ein politisches Umdenken.

Das Bünd­nis „Wir ver­sor­gen Deutsch­land“ (WvD) kri­ti­siert die am 15. Okto­ber vom Bun­des­tag beschlos­se­ne erneu­te Ein­füh­rung von Aus­schrei­bun­gen in der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung scharf. Dass die­ses 2019 auf­grund von Gefah­ren für die Ver­sor­gungs­qua­li­tät abge­schaff­te Instru­ment nun über Ände­rungs­an­trä­ge zur Not­fall­re­form zurück­kehrt, stößt beim Ver­band auf Unver­ständ­nis. WvD warnt vor einem zuneh­men­den Preis­druck zulas­ten der Versorgungs­qualität und wohn­ort­na­hen Versorgung.

„Die­se Ent­schei­dung ist ein Rück­schritt für die Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung. Die Poli­tik nimmt erneut Risi­ken für die Ver­sor­gungs­qua­li­tät in Kauf, obwohl die nega­ti­ven Erfah­run­gen mit Aus­schrei­bun­gen hin­läng­lich bekannt sind. Beson­ders ent­täu­schend ist, dass eine so weit­rei­chen­de Ent­schei­dung ohne eine ange­mes­se­ne fach­po­li­ti­sche Debat­te getrof­fen wird. Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung darf nicht auf den nied­rigs­ten Preis redu­ziert wer­den“, erklä­ren Kirs­ten Abel und Dr. Hen­ning Schweer, Gene­ral­se­kre­tä­re von WvD.

WvD kün­digt zugleich an, den Pro­test gegen Aus­schrei­bun­gen bun­des­weit sicht­bar zu machen. Unter dem Mot­to „Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung ist kei­ne Bil­lig­wa­re!“ ver­teilt der Ver­band Pro­test­pla­ka­te an Leis­tungs­er­brin­ger in ganz Deutsch­land. Mit der kla­ren Bot­schaft „NEIN zu Aus­schrei­bun­gen!“ sol­len die Betrie­be vor Ort auf die Bedeu­tung per­sön­li­cher Bera­tung, indi­vi­du­el­ler Ver­sor­gung und wohn­ort­na­her Qua­li­tät auf­merk­sam machen.

„Für uns ist die Debat­te mit die­ser Ent­schei­dung kei­nes­wegs been­det. Wir wer­den nicht nach­las­sen, uns gegen Aus­schrei­bun­gen ein­zu­set­zen. Mit unse­rer Pla­kat­ak­ti­on tra­gen wir den Pro­test dort­hin, wo Ver­sor­gung täg­lich statt­fin­det. Die Poli­tik muss sehen, dass die Sor­ge um die Zukunft einer hoch­wer­ti­gen Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung weit über Ber­lin hin­aus­reicht“, beto­nen Abel und Schweer.

Schwar­zer Tag für die Hilfsmittelversorgung

Der Bun­des­ver­band Medi­zin­tech­no­lo­gie (BVMed) hat den Bun­des­tags­be­schluss als einen „schwar­zen Tag für die Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung in Deutsch­land“ bezeich­net. Jetzt müs­se der Bun­des­rat inter­ve­nie­ren, um die Wie­der­ein­füh­rung zu ver­hin­dern. „Uni­on und SPD haben 2019 Hilfs­mit­tel-Aus­schrei­bun­gen abge­schafft, da sie zu mas­si­ven Ein­schrän­kun­gen in der Ver­sor­gungs­qua­li­tät der betrof­fe­nen Patient:innen geführt hat­ten. Jetzt wird die­ser Feh­ler aus kurz­sich­ti­gen Spa­rer­wä­gun­gen und gegen den Rat aller Exper­ten wie­der­holt“, kri­ti­siert BVMed-Hilfs­mit­tel­ex­per­tin Julia­ne Pohl.

Ein brei­tes Bünd­nis von Pati­en­ten­ver­tre­tun­gen, Leis­tungs­er­brin­gern und Her­stel­lern hat sich gegen die Wie­der­ein­füh­rung aus­ge­spro­chen. Denn die Erfah­run­gen der Ver­gan­gen­heit haben gezeigt, dass Aus­schrei­bun­gen erheb­li­che Risi­ken für die Ver­sor­gungs­qua­li­tät, die Ver­sor­gungs­kon­ti­nui­tät und eine bedarfs­ge­rech­te Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung ber­gen. Auch ein for­ma­ler Qua­li­täts­rah­men hat schon damals die grund­le­gen­den Risi­ken des Aus­schrei­bungs­mo­dells nicht besei­ti­gen können.

Mit der Wie­der­ein­füh­rung von Aus­schrei­bun­gen befürch­tet der BVMed daher eine Rück­kehr zu den bekann­ten Pro­ble­men – mit erneut mas­si­ven Beein­träch­ti­gun­gen für Pati­en­ten und Ver­sor­gungs­struk­tu­ren. Zudem sei damit zu rech­nen, dass preis­ge­trie­be­ne Ein­spa­run­gen durch Fehl- und Unter­ver­sor­gung sowie dar­aus resul­tie­ren­de Fol­ge­kos­ten an ande­rer Stel­le wie­der auf­ge­zehrt wer­den, erklärt Pohl. Der BVMed for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, mit dem für 2026 ange­kün­dig­ten Hilfs­mit­tel­mo­der­ni­sie­rungs- und Büro­kra­tie­ab­bau­ge­setz funk­tio­nie­ren­de qua­li­täts­si­chern­de Instru­men­te ein­zu­füh­ren sowie not­wen­di­ge Kor­rek­tu­ren und Ver­bes­se­run­gen im Hilfs­mit­tel­be­reich umzu­set­zen und dabei die Betrof­fe­nen ange­mes­sen ein­zu­be­zie­hen. Wich­tig ist aus Sicht des BVMed ein kla­rer Qua­li­täts­fo­kus sowie eine Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung und schnel­le­re Digi­ta­li­sie­rung der Pro­zes­se. Wäh­rend die Spre­che­rin­nen und Spre­cher der Regie­rungs­par­tei­en sich im Rah­men der 2./3. Lesung des Geset­zes zur Reform der Not­fall­ver­sor­gung haupt­säch­lich auf das Kern­the­ma bezo­gen – also die Reform der Not­fall­ver­sor­gung –, kri­ti­sier­ten die Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker Nico­le Hess (AfD) und Ates Gür­pi­nar (Die Lin­ke) expli­zit die Wie­der­ein­füh­rung der Aus­schrei­bun­gen im Fahr­was­ser des Geset­zes. Bei­de Par­tei­en ent­hiel­ten sich anschlie­ßend fast fol­ge­rich­tig bei der Abstim­mung zu dem Geset­zes­vor­ha­ben, das mit den Stim­men der CDU-CSU-Frak­ti­on, der SPD und Bünd­nis 90/Die Grü­nen ange­nom­men wurde.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur WvD-Plakataktion

 

Latest posts by Bri­git­te Sieg­mund (see all)
Tei­len Sie die­sen Inhalt