OTWorld

OTWorld setzt Schwer­punkt für den Nachwuchs

Neben Rehabilitation und integrativer Versorgung rückt der Weltkongress der OTWorld im Mai 2026 das Thema Ausbildung in den Mittelpunkt. Über die Rolle der Dortmunder Bundesfachschule für Orthopädie-Technik (Bufa) hat die OT-Redaktion mit Direktorin Vanessa Eick ge­sprochen. Dabei wird deutlich: Ohne Invest in den Nachwuchs wird sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen.

„Aus­bil­dung“ gehört in die­sem Jahr zu einem der Schwer­punkt­the­men des Welt­kon­gres­ses. War­um ist es Ihrer Mei­nung nach wich­tig, den Blick der Bran­che gezielt auf die­ses The­ma zu lenken?

Vanes­sa Eick: Das ist eine Fra­ge, die in kei­nem Hand­werk einer gro­ßen Erklä­rung bedarf. Es gibt ein­fach einen gro­ßen Fach­kräf­te­man­gel, und eine Mög­lich­keit, die­sem kon­struk­tiv zu begeg­nen, ist, die Fach­kräf­te sel­ber aus­zu­bil­den. Ich weiß, dass es Betrie­be gibt, die den mit einer Aus­bil­dung ver­bun­de­nen Auf­wand scheu­en und viel­leicht auch auf­grund von schlech­ten Erfah­run­gen kei­ne Aus­zu­bil­den­den mehr haben. Ich fin­de die­se Ein­stel­lung nicht nur scha­de, son­dern grob fahr­läs­sig. Natür­lich birgt es Risi­ken, wenn ich als Betrieb in die Vor­leis­tung gehe und einem zumeist recht jun­gen Men­schen einen Aus­bil­dungs­platz anbie­te. Ich kann auch ver­ste­hen, dass die Büro­kra­tie und viel­leicht in Tei­len die Ein­stel­lung ein­zel­ner Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber her­aus­for­dernd sind. Auf der ande­ren Sei­te ste­hen die Chan­cen, einen neu­en Mit­ar­bei­ter oder eine neue Mit­arbeiterin zu gewin­nen und so in die Zukunft des eige­nen Betrie­bes, aber auch in die Zukunft der gan­zen Bran­che zu inves­tie­ren. Wer die­se Chan­ce nicht nutzt, darf sich nicht über einen Fach­kräf­te­man­gel beschwe­ren. Übri­gens: Auch die Bufa ist auf der Suche nach einer bezie­hungs­wei­se einem Aus­zu­bil­den­den im Bereich Büro­ma­nage­ment. Wir ver­su­chen also mit gutem Bei­spiel voranzugehen.

Die Bufa gestal­tet den Welt­kon­gress aktiv mit. Was erwar­tet die Teil­nehmerinnen und Teil­neh­mer hier?

Wir haben zusam­men mit dem Orga­ni­sa­ti­ons­team der OTWorld und der Fort­bil­dungs­ver­ei­ni­gung für Ortho­pä­die-Tech­nik (FOT) vier span­nen­de Work­shops ent­wi­ckelt. Dabei geht es nicht „nur“ um die pra­xis­na­he, kon­kre­te Ver­sor­gung, zum Bei­spiel, was eine gute Orthe­se im Bereich der obe­ren Extre­mi­tät aus­macht oder wie wich­tig die genaue Ana­ly­se der Pass­form für eine Unter­schen­kel­pro­the­se ist, son­dern auch um das The­ma Team­ar­beit. Die Zusam­men­ar­beit in inter­dis­zi­pli­nä­ren Teams gehört zum All­tag in der Ortho­pä­die-Tech­nik, und eine gute Kom­mu­ni­ka­ti­on ist hier das A und O. In die­sem Work­shop wird anhand eines Fall­bei­spiels trai­niert, wie eine gemein­sa­me Ent­schei­dungs­fin­dung gelin­gen kann. Nicht zuletzt geht es dann noch in dem vier­ten Work­shop um Feh­ler. Feh­ler pas­sie­ren uns allen, auch natür­lich in der Ver­sor­gung an den Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten. Ein klei­ner Feh­ler kann eine gro­ße Wir­kung haben und des­we­gen ist es unglaub­lich wich­tig, mit einer guten Feh­ler­kul­tur und einem wachen Auge die­se (klei­nen) Feh­ler schnell zu erken­nen und zu behe­ben. Der Work­shop soll hier sen­si­bi­li­sie­ren und damit für den All­tag schulen.

Eini­ge Work­shops ste­hen auch auf dem Pro­gramm der Jugend-Aka­de­mie TO. Was macht die­se Ange­bo­te beson­ders wert­voll für die jun­gen Fach­kräf­te der Branche?

Jun­ge Fach­kräf­te in unse­rem Hand­werk haben noch nicht so vie­le Jah­re Erfah­rung in der Ver­sor­gung. Vie­le von ihnen haben bis­her viel­leicht aus­schließ­lich einen Betrieb ken­nen­ge­lernt und kön­nen damit man­ches noch nicht in einen grö­ße­ren Kon­text über­füh­ren. Der Aus­tausch zwi­schen jün­ge­ren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen kann hier wirk­lich berei­chernd sein. Zu sehen, dass ande­re viel­leicht ähn­li­che Her­aus­for­de­run­gen haben, der eine oder die ande­re aber schon Lösun­gen für man­ches Pro­blem in pet­to hat, das ist nicht nur span­nend, son­dern auch hilf­reich für den All­tag nach dem ­Kon­gress. Zudem ist die Sen­si­bi­li­sie­rung für gute Team­ar­beit und eine kons­truktive Feh­ler­kul­tur essen­zi­ell. Wer früh mit die­sen The­men in Berüh­rung kommt, kann nur profitieren.

Die Work­shops wer­den zum Teil selbst von jun­gen Ortho­pä­die­­tech­nik-Meis­te­rin­nen gelei­tet. Wel­chen Mehr­wert sehen Sie dar­in – sowohl für die Refe­ren­ten als auch für die Teilnehmer?

Ich fin­de die Idee, dass eher jun­ge Meis­te­rin­nen und Meis­ter ihr Wis­sen in die­sem Rah­men wei­ter­ge­ben, sehr schön, weil dadurch gezeigt wird, dass Talent und hand­werk­li­ches Geschick nicht aus­schließ­lich an eine lan­ge beruf­li­che Erfah­rung geknüpft sein müs­sen. Ganz klar ist, dass mit den Berufs­jah­ren und der Wie­der­ho­lung von vie­len Vor­gän­gen eine gewis­se Rou­ti­ne für die Qua­li­tät der Ver­sor­gung von Vor­teil ist. Auf der ande­ren Sei­te lebt ein Hand­werk auch von den neu­en Impul­sen, die die jün­ge­ren Meis­te­rin­nen und Meis­ter mit­brin­gen kön­nen. Dar­über hin­aus wird so auch das viel­leicht noch in man­chen Köp­fen vor­herr­schen­de Bild von einem älte­ren gesetz­ten Herrn als Meis­ter etwas geradegerückt.

Die Bufa ist nicht nur im Kon­gress ver­tre­ten, son­dern prä­sen­tiert sich neben wei­te­ren Bildungseinrich­tungen auch auf der Ausstellungs­fläche „OTWorld.bildung + ­For­schung“. Was erhof­fen Sie sich von der Prä­senz auf der Messe?

Für die Bufa erhof­fe ich mir eine grö­ße­re Reich­wei­te, mehr Bekannt­heit, mehr geleb­te Offen­heit. Unse­re Schu­le soll in der Bran­che und ger­ne dar­über hin­aus als Ort der Bil­dung, For­schung und Kom­pe­tenz­ent­wick­lung gese­hen wer­den. Ich wün­sche mir, dass die Bufa zur ers­ten Anlauf­stel­le wird, wenn sich jun­ge wie erfah­re­ne Men­schen in unse­rem Hand­werk wei­ter­ent­wi­ckeln möch­ten. Wir bie­ten nicht nur das Wis­sen, was es dafür benö­tigt, son­dern haben auch das Netz­werk, über das wich­ti­ge Kon­tak­te geknüpft wer­den kön­nen. Die Bufa ist mehr als „nur“ eine Meis­ter­schu­le. Unser Stu­di­en­gang, unse­re Semi­na­re, das alles spricht einen brei­ten Kreis von Men­schen an und soll Lust machen, mit uns das Hand­werk zu ent­de­cken und auch mal über den Tel­ler­rand zu schau­en. Zusätz­lich kön­nen wir die Gele­gen­heit nut­zen, neben unse­rem Kern­gebiet der Meis­ter­schu­le unse­ren Stu­di­en­gang und unser Insti­tut für Mess­tech­nik und Bio­me­cha­nik (IMB) in den Fokus zu rücken. Hier haben wir in den ver­gan­ge­nen Mona­ten inter­es­san­te Koope­ra­tio­nen schlie­ßen kön­nen und sind damit eine fes­te Bank in Sachen For­schung und Wissenschaft.

Erst im ver­gan­ge­nen Jahr haben Sie die Schul­lei­tung der Bufa über­nom­men und sind damit neu in die Bran­che ein­ge­stie­gen. Für Sie wird es also die ers­te OTWorld sein – wie fühlt es sich an, die Schu­le auf die­ser inter­na­tio­na­len Platt­form zu vertreten?

Mit einem Wort: auf­re­gend. Ich weiß nur unge­fähr, was auf mich zukom­men wird, aber ich freue mich sehr auf die­se Tage in Leip­zig und vor allem auf die vie­len neu­en Gesich­ter, Ein­drü­cke und die beson­de­re Atmosphäre.

Wie berei­ten Sie sich auf den Besuch vor und was ist Ihre per­sön­li­che Ziel­set­zung auf der OTWorld?

Ich habe mich natür­lich schon mit mei­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die „alte Hasen“ auf der OTWorld sind, aus­ge­tauscht und vie­le Fra­gen gestellt. Eine beson­de­re Vor­be­rei­tung pla­ne ich nicht – außer, dass ich defi­ni­tiv beque­me Schu­he für die vier Tage mit­neh­men muss.

Mein Ziel für die Bufa ist, dass mög­lichst vie­le Besu­che­rin­nen und Besu­cher den Weg zu unse­rem Stand fin­den, wir ins Gespräch kom­men und zei­gen kön­nen, wer die Bun­des­fach­schu­le ist und was wir kön­nen und machen. Wir sind ein bun­tes Team und haben vie­le Ange­bo­te. Wenn wir damit vie­len Men­schen im Gedächt­nis blei­ben, haben wir viel erreicht.

Für mich per­sön­lich wün­sche ich mir, zwar so viel wie mög­lich aus der Zeit mit­zu­neh­men, dabei aber nicht zu ver­ges­sen, dass manch­mal die klei­nen Begeg­nun­gen und kur­zen Gesprä­che den größ­ten Wert haben kön­nen. Es wird eine inten­si­ve Zeit, und die Vor­freu­de ist groß! Bei mir und in unse­rem Team!

Die Fra­gen stell­te Pia Engelbrecht.

Zur Per­son
Vanes­sa Eick ist Direk­to­rin der ­Bun­des­fach­schu­le für Ortho­pä­die-Tech­nik (Bufa) in Dort­mund. Zuvor hat sie die „Aka­de­mie für Pfle­ge­be­ru­fe und Manage­ment“ in ­Wup­per­tal gelei­tet. Eick hat einen Master­abschluss in Sozi­al­wis­sen­schaf­ten und Gesundheitsökonomie. 

 

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