Die Suche nach dem Ausstellungsbereich „OTWorld.shoe-technology“ fällt diesmal kurz aus: Die Fläche ist zentral in Halle 1 gelegen und damit mitten im Geschehen. Hier präsentieren Hersteller und Dienstleister ihre neuesten Techniken, Materialien und Produkte. Der Spitzenverband für Orthopädie-Schuhtechnik (SpiOST) ist als Partner ebenfalls mit einem großen Stand vertreten.
In den Bereich eingebettet ist der Treffpunkt „Fuß & Schuh“, organisiert vom Kompetenzzentrum Orthopädieschuhtechnik (KomZet O.S.T.) und der Studiengemeinschaft für Orthopädieschuhtechnik. Neben diesen beiden Akteuren stellen sich auch die Meisterschulen vor. „In diesem Jahr haben wir uns für das Schwerpunktthema ‚Diabetisches Fußsyndrom (DFS)‘ entschieden“, sagt Dr. Annette Kerkhoff, Projektleiterin des KomZet. Anlass dafür ist die Brisanz des Themas aufgrund steigender Versorgungszahlen, aber auch die Überarbeitung des aktuellen Diabetes Seminars (bisher Diabetes-Seminar I‑IV) sowie die neue Fortbildung „OSM DDG“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Diese bietet eine zusätzliche Spezialisierung in diesem Versorgungsbereich und sattelt auf das bisherige Zertifikat auf. Die Arbeitsgemeinschaft Fuß (AG Fuß) der DDG und der SpiOST unterstützen bei der Darstellung des Themas. Ein weiterer Grund für die Schwerpunktsetzung: die überarbeitete Einteilung der Risikoklassen für das diabetische Fußsyndrom. „Diese ist bereits 2024 erfolgt, aber noch nicht überall angekommen“, stellt Kerkhoff immer wieder fest.
Schritt für Schritt durch den Versorgungsprozess
Entlang mehrerer Stationen wird sichtbar – und durch ausgewählte Hilfsmittel auch greifbar –, wie sich die Versorgung innerhalb der einzelnen Risikoklassen gestaltet. „Wir versuchen damit einen niedrigschwelligen Einstieg in das Thema zu bieten“, erläutert Kerkhoff. Ziel ist es, nicht nur die Spezialisten der Branche zu erreichen, sondern alle am Versorgungsprozess Beteiligten. „Das kann auch die Sanitätshausfachangestellte sein, die beim Blick auf den Fuß ihres Patienten stutzig wird und ihn entsprechend weiterleitet.“
Die erste Station widmet sich den Risikoklassen 0 bis IIa und damit der Aufklärung und Sensibilisierung. „Auch wenn es noch nicht akut ist: Die Patienten müssen frühzeitig darüber informiert werden, welche Probleme auftreten können, welche Warnzeichen es gibt und wann gehandelt werden sollte“, so Kerkhoff. In der Klasse IIb bis III liegt der Schwerpunkt auf Spezialschuhen mit diabetesadaptierter Fußbettung. Damit konzentriert sich die zweite Station insbesondere auf folgende Aspekte: Wie kann gezielt entlastet und belastet werden? Und wie hilft die Druckmessung in der Versorgungsplanung sowie Versorgungszielüberprüfung? Die dritte Station befasst sich mit den Risikoklassen IV bis VI und der Regelversorgung „orthopädischer Maßschuh“. Wann reicht eine konfektionierte Versorgung aus und wann wird eine individuelle Maßanfertigung notwendig? Auf diese und weitere Fragen erhalten die Besucher praxisnahe Antworten. Die letzte Station widmet sich der Risikogruppe VII, in der vor allem die Versorgung mit Orthesen und Verbandschuhen im Mittelpunkt steht. „Die Stationen sind so konzipiert, dass sich die Besucher die Inhalte eigenständig erarbeiten können“, erläutert Kerkhoff. Zudem sind jederzeit Experten vor Ort, die für Fragen zur Verfügung stehen.
Bei der OTWorld 2024 wurde das besonders intensiv vom Nachwuchs genutzt. „Die Azubis waren sehr neugierig und offen dafür, sich alles genau zeigen und erklären zu lassen“, erinnert sich Kerkhoff.
Ein besonderes Highlight wartet im Zentrum der Fläche: „Das diabetische Fußsyndrom wird hier noch einmal informativ, aber vor allem auch unterhaltsam aufgegriffen“, hält sich Kerkhoff bewusst zurück, verspricht aber, dass es sich lohnt, im Kubus Platz zu nehmen.

Forschung trifft Praxis
Auch innerhalb des Kongressprogramms hat die Orthopädie-Schuhtechnik einen festen Platz. Einen Schwerpunkt bildet hier das diabetische Fußsyndrom. Im Workshop „Der Diabetische Fuß im Wandel – versorgen, begleiten, entscheiden“ lernen die Teilnehmer die verschiedenen Versorgungsmöglichkeiten von Einlage bis Orthese kennen. Darüber hinaus werden zentrale Aspekte des Wundmanagements vermittelt sowie die Druckmessung als wichtiges Instrument zur Versorgungsplanung, Dokumentation und Wirksamkeitskontrolle orthopädieschuhtechnischer Maßnahmen vorgestellt. Der Workshop „Einlagenversorgung im Wandel“ zeigt aktuelle Entwicklungen innerhalb der PG 08 auf, stellt das Kompendium „Fuß und Schuh“ vor und veranschaulicht anhand von Praxisbeispielen, wie die Arbeit nach den geltenden Standards umgesetzt werden kann. Annette Kerkhoff widmet sich innerhalb des Symposiums „Registerforschung als Möglichkeit der Evidenzschaffung und zur Verbesserung der Patientenversorgung“ der Frage, wie die systematische Erhebung und Analyse von Patientendaten beim diabetischen Fußsyndrom die Praxisversorgung verbessern kann. Welche Relevanz die Anatomie des Fußes für die Einlagenversorgung hat, das erfahren die Teilnehmer in einem weiteren Workshop.
„Die Kombination aus Ausstellung und Kongress ermöglicht es, komplexe Themen verständlich und praxisnah aufzuarbeiten“, betont Kerkhoff. „So wird die Orthopädie-Schuhtechnik in ihrer gesamten Bandbreite erlebbar.“
Pia Engelbrecht
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