Lebens­stil und Ernäh­rung im Fokus

Knapp 400 Ärzte, Therapeuten und Mitarbeiter des Sanitätsfachhandels nutzten am 26. Januar den 8. Bochumer Lymphtag zur Weiterbildung und zum fachlichen Austausch. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. med. Markus Stücker, leitender Arzt des Interdisziplinären Venenzentrums am Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, stand das Thema „Lymphologie und Chirurgie – Fluch oder Segen?“ auf der Tagesordnung.

Neben einer Rei­he an Vor­trä­gen von Exper­ten über den aktu­el­len Stand der lym­pho­lo­gi­schen Chir­ur­gie und der Reduk­ti­ons­plas­tik infor­mier­te Dr. med. Chris­ti­an Ure, Chef­arzt der Lymph­kli­nik Wolfs­berg in Öster­reich, über das neue NIRF-Ver­fah­ren (NIRF = Nah-Infra­rot-Fluo­res­zenz), das laut sei­ner Aus­sa­ge eine gro­ße Hil­fe­stel­lung für Dia­gno­se und The­ra­pie dar­stellt. Zur Erklä­rung: Beim NIRF-Ver­fah­ren wird der Farb­stoff Indo­cya­nin­grün unter die Haut des Pati­en­ten inji­ziert. Dies ermög­li­che die Visua­li­sie­rung der Lymph­ge­fä­ße, die Bestim­mung des Schwe­re­gra­des der Erkran­kung und auch die Ver­fol­gung des Lymph­ab­flus­ses zur Anpas­sung der Therapie.

Im wei­te­ren Ver­lauf berich­te­ten Refe­ren­ten von aktu­el­len gesund­heits­po­li­ti­schen Per­spek­ti­ven zur Kom­ple­xen Phy­si­ka­li­schen Ent­stau­ungs­the­ra­pie (KPE), die nach wie vor der leit­li­ni­en­ge­rech­te Stan­dard zur Behand­lung von Lym­phund Lipö­de­men ist. „Quo vadis KPE“ – die­se Fra­ge stell­te etwa Tho­mas Kün­zel aus Aschaf­fen­burg. Eine iso­lier­te Anwen­dung der Ein­zel­kom­po­nen­ten der KPE sei nicht emp­feh­lens­wert – viel­mehr sei der The­ra­pie in ihrer Gesamt­heit der Vor­zug zu geben. „Die Fre­quenz und Inten­si­tät der Kom­po­nen­ten in Pha­se I und II [der KPE; d. Red.] sol­len vom kli­ni­schen Befund und vom Sta­di­um des Lymphö­dems bestimmt sein und an kli­ni­sche Ver­än­de­run­gen ange­passt wer­den“, so Kün­zel. Er beton­te in die­sem Zusam­men­hang die Bedeu­tung einer „gemein­sa­men Spra­che“ aller an der The­ra­pie Betei­lig­ten und sprach sich für die Grün­dung inter­pro­fes­sio­nel­ler loka­ler Lymph­netz­wer­ke in der ambu­lan­ten The­ra­pie aus.

Wei­te­re Exper­ten refe­rier­ten über den Ein­fluss des Lebens­stils auf Öde­me. Dr. med. Gabrie­le Faer­ber aus Ham­burg erklär­te, dass Ernäh­rungs- und Lebens­stil­ver­än­de­run­gen Öde­mer­kran­kun­gen beein­fluss­ten. In der Pra­xis trä­ten immer mehr schwer­sta­di­pö­se Pati­en­ten mit Lymphö­de­men auf. Ins­ge­samt sei­en weni­ger als 30 Pro­zent aller Lymphöd­em­pa­ti­en­ten nor­mal­ge­wich­tig; der Anteil der adi­pö­sen Lipöd­em­pa­ti­en­tin­nen lie­ge bei deut­lich über 50 Pro­zent; die bei ihnen im Krank­heits­ver­lauf zu beob­ach­ten­den sekun­dä­ren Lymphö­de­me sei­en in der Regel Fol­ge der Adi­po­si­tas, nicht des Lipödems.

Der Lym­ph­tag wur­de von der Aka­de­mie für medi­zi­ni­sche Fort­bil­dung der Ärz­te­kam­mer West­fa­len-Lip­pe gemein­sam mit der Fir­ma Juzo in Zusam­men­ar­beit mit der Kli­nik für Der­ma­to­lo­gie, Venero­lo­gie und All­er­go­lo­gie des Bochu­mer St. Josef-Hos­pi­tals und dem Venen­zen­trum der Der­ma­to­lo­gi­schen und Gefäß­chir­ur­gi­schen Kli­ni­ken des Kli­ni­kums der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum durch­ge­führt. Der 9. Bochu­mer Lym­ph­tag ist für den 25. Janu­ar 2020 geplant.

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