Lat­schi – mein Trau­ma im Postkartenformat

Die OTWorld feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Be­stehen – und damit ein ­halbes Jahrhundert Innovation und Fortschritt in der Orthopädie-Technik. Anlässlich dieses Jubiläums hat die OT-Redaktion Stimmen aus der Branche eingeholt, die zeigen, wie sich die ­OTWorld entwickelt hat und welche persönlichen Momente – ob überraschend, witzig oder besonders bewegend – unvergessen bleiben.

Mei­ne ers­te OTWorld war im Jahr 2000. Ich war hoch moti­viert und stolz, Teil die­ser Bran­che zu sein und an unse­rem Mes­se­stand alles zu geben. Doch dann bekam ich einen Sta­pel Post­kar­ten in die Hand gedrückt. Dar­auf: zwei Ein­la­gen. Mit Armen, Bei­nen und gla­si­gem Blick. Die eine gebückt. Die ande­re sehr ein­deu­tig dahin­ter posi­tio­niert. Dazu der Satz: „Ick bin Lat­schi.“ Und „Part­ner­schaft – die bewegt.“ Mein Auf­trag: ver­tei­len, lächeln, auf unse­ren Mes­se­stand an die Bar „Zur Ein­la­ge“ ein­la­den. Ich erin­ne­re mich noch genau an die­sen Moment zwi­schen pro­fes­sio­nel­lem Pflicht­ge­fühl und inne­rem Zusam­men­bruch. Die Sprü­che, die ich mir beim Ver­tei­len ein­ho­len wür­de, waren vor­pro­gram­miert. Am liebs­ten wäre ich im Boden ver­sun­ken. Was hat­te sich die dama­li­ge Krea­tiv­agen­tur nur dabei gedacht? Ich wür­de sagen, das war ein Lehr­stück in Ziel­grup­pen­ver­feh­lung. Manch­mal spie­le ich gedank­lich durch, Lat­schi und ihr Part­ner hät­ten Kin­der bekom­men. Die­se klei­nen Ein­la­gen wach­sen auf, ent­de­cken eines Tages die alte Post­kar­te und schau­en ihre Eltern ent­geis­tert an: „Ich hof­fe, wir sind adop­tiert! War­um habt ihr euch für Car­toon-Kama­su­tra ent­schie­den, statt für eine seriö­se Mar­ken­bot­schaft? Das ist nicht edgy, das ist ein­fach nur crin­ge.“ Man kann über vie­les schmun­zeln. Aber manch­mal ist es auch gut, wenn die nächs­te Gene­ra­ti­on sagt: „Dan­ke, das machen wir anders.“ Und genau das haben wir.

Wenn ich heu­te auf die OTWorld bli­cke, sehe ich eine Bran­che, die span­nen­der denn je ist. Fach­lich prä­zi­se. Tech­no­lo­gisch inno­va­tiv. Kom­mu­ni­ka­tiv klar. Und ich sehe unser Unter­neh­men, das ver­stan­den hat: Wer­tig­keit braucht kei­ne Ver­ren­kung. Kom­pe­tenz braucht kei­ne Pro­vo­ka­ti­on. Und Ein­la­gen brau­chen kei­ne Intimsphäre.

Lat­schi war mei­ne ers­te OTWorld. Viel­leicht war sie des­halb so prä­gend und mein Griff in die His­to­ri­en­kis­te hat sie wie­der ans Licht gezau­bert. Nicht, weil sie gut war. Son­dern, weil sie unter­streicht: 50 Jah­re OTWorld bedeu­ten auch 50 Jah­re Ler­nen. In mei­nem Fall hat die­ses Ler­nen mit einer Post­kar­te begon­nen, die ich damals ver­teilt habe und die man heu­te nicht mehr dru­cken wür­de. Und das ist das Schö­ne an einem Jubi­lä­um: dass man zurück­blickt, schmun­zelt und es heu­te ein­fach anders macht. Zum Glück.

Jean­nette Are­nd, Head of ­Mar­ke­ting & Medi­cal Affairs, Sprin­ger Aktiv AG

Wei­te­re Stimmen

Tei­len Sie die­sen Inhalt