Fortbildungsvereinigung feierte Jubiläum

Die Vergangenheit würdigen und die Zukunft ausrichten: Dies war die programmatische Klammer des 70. FOT-Jahreskongresses, der Ende September in Magdeburg stattfand. Dabei blickte die Fortbildungsvereinigung des OT-Handwerks auf die eigene Historie zurück und gab ebenso Denkanstöße für die Weiterentwicklung des Fachs. Zum Auftakt des ersten von drei Veranstaltungstagen stand beim Kliniktag am Universitätsklinikum unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Lohmann der interprofessionelle Austausch im Vordergrund – insbesondere erhielten die Anwesenden einen tiefen Einblick in die klinische Versorgung.
Lohmann selbst stellte den Fortschritt der KI-unterstützten OP in Verbindung mit Roboter und Augmented Reality (AR) vor, wobei präzisere Ergebnisse in weniger Zeit erzielt werden. Die ersten 100 Fälle hätten gezeigt: „Die Roboter sind extrem gut und lernen schnell.“
Das Highlight des Tages bildeten die Workshops, bei denen die OTler selbst Hand anlegen konnten. Wie Ärzte in ihrer Ausbildung konnten sie sich an Roboter und AR versuchen oder an einem Dummy eine Arthroskopie am Knie durchführen.
Vom Holzbein zur smarten Prothese
Anlässlich des runden Jubiläums hielt der ehemalige FOT-Präsident Roland Dötzer zu Beginn des zweiten Tages vor rund 120 Gästen einen Festvortrag über die Gründung und ihre Väter, die Entwicklung der Gemeinschaft bis hin zu den Zukunftsfeldern von Handwerk und Fortbildungsvereinigung. Eine besondere Erwähnung blieb Petra Engel vorbehalten, die seit 37 Jahren als Schatzmeisterin der FOT fungiert. Unter dem Eindruck der jüngsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt verwiesen in dessen Landeshauptstadt FOT-Präsident Raphael Giese, BIV-OT-Präsident Alf Reuter, Bufa-Schulleiterin Vanessa Eick und Lohmann in ihren Beiträgen auf die Bedeutung einer freien und offenen Gesellschaft in Deutschland, die auch für das OT-Handwerk von essenzieller Bedeutung sei: Hier geht es nicht um Ausgrenzung, sondern um Teilhabe. Während Reuter und Lohmann zudem den Fachkräftebedarf sowie veränderte Versorgungsbedürfnisse infolge des demografischen Wandels thematisierten, warb Eick für mehr Frauen in Führungsfunktionen und paritätisch besetzte Doppelspitzen in Unternehmen. OTM Kathrin Jensen ergänzte den Vortragsblock noch um den Aspekt des Generationenkonflikts im Handwerk und im Umgang mit der wiederkehrenden Losung „Das haben wir schon immer so gemacht“.
Der Vortragsblock „Viele Perspektiven – eine Versorgung“ stellte die Perspektiven von Versorgern und Versorgten vor, in dessen Verlauf etwa OTM Olaf Gawron vor dem Hintergrund des vorherrschenden Finanzierungsdrucks auf das Gesundheitssystem eine indikationsgerechte Versorgung mithilfe eines Profilerhebungsbogens anmahnte. Neuland betrat die FOT mit einer erstmals initiierten Podiumsdiskussion zu Versorgungspraxen in der Reha-Technik. Mit der Expertenrunde OTM und Bufa-Lehrer Norbert Stockmann, OT Jan Warnke und Physiotherapeutin Eva Kragler entwickelte sich ein reger Austausch, der erfolgreich von Impulsen und Diskussionsbeiträgen aus dem Publikum ergänzt wurde. Den Tagesabschluss bot ein Vortragsmix unter der Klammer der Nachhaltigkeit – vom Arbeits- bis zum Rechtsschutz über flexible Arbeitszeiten bis zu den Bedürfnissen der Auszubildenden im OT-Handwerk. Letztgenannte hatte der Verlag OT in diesem Jahr mit Unterstützung der Berufsschulen anhand einer breit angelegten Umfrage ermittelt. Eine publizistische Veröffentlichung der Ergebnisse dieses „Azubi-Barometers“ ist für Ende des Jahres geplant.
Aus der Werkstatt für die Werkstatt
Nicht nur die FOT im Gesamten, sondern auch ihr renommierter Nachwuchspreis – das FOT-Diplom – feierte in Magdeburg Jubiläum. Preisträgerin und Preisträger des 10. Jahrgangs sind Anne Christiane Wetzel, Maik Enneper, Arnaud Etienne Poumbok und Quang Dang, die ihre Abschlussarbeiten an Meisterschule bzw. Universität traditionsgemäß dem Fachpublikum als individuellen Vortrag präsentierten.
Ebenso Tradition ist der krönende Abschluss unter dem Titel „How to Treat“, in dem Orthopädietechnikerinnen und ‑techniker eine ihrer besonderen Versorgungen vorstellen. Dies waren beispielweise die Herausforderungen nach einer komplikationsreichen multiplen Majoramputation infolge einer Sepsis – vorgestellt von Patrick Schröter – oder die langwierige Versorgung durch Robert Helbing mit Syme-Prothesen und Myo-Armprothese nach einer Dreifachamputation bei komplizierten Narbenverhältnissen.
Das frisch renovierte Kongresszentrum Hyparschale bot eine außergewöhnliche Atmosphäre, der Kollegentreff am Samstagabend im Yachthafen trug sein Übriges bei.
Der 71. FOT-Kongress wird vom 24. bis 26. September 2027 im Regentenbau in Bad Kissingen tagen.
Michael Blatt, Anja Knies
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